Pro Tour Shadows over Innistrad aus deutscher Sicht

Ich hatte ja gesagt, wenn mir etwas einfällt, worüber auf Deutsch zu bloggen mir sinnvoll erscheint, dann werde ich das hier auch tun, also tue ich es hiermit! Okay, eigentlich hatte ich nicht wirklich einen Blogeintrag zu diesem Thema geplant, aber nachdem ich mir den größten Teil der Arbeit aus Neugierde eh bereits gemacht hatte, kann ich auch gleich einen Post daraus fabrizieren.

Zugegeben, der Niedergang des deutschen Magic interessiert außer mir kaum noch jemanden, und angesichts der jüngsten Verlautbarung zum Thema „professionelles Magic“ dürfte sich das Problem eh in absehbarer Zeit von selbst erledigen, aber ich habe das Abschneiden der deutschen Spieler bei der Pro Tour Shadows over Innistrad in tabellarischer Form festgehalten und ausgewertet und teile die Ergebnisse nun mit euch. Dabei verlasse ich mich bei der Zuordnung der Nationalitäten auf die Informationen aus der Coverage – bei Pro Touren ist diese im Gegensatz zu Grand Prixs eigentlich recht zuverlässig. Für die exakte Schreibweise der Namen dürfte das nicht gelten, aber der Einfachheit halber habe ich auch hier die in der Coverage verwendeten Schreibungen übernommen.

Die Pro Tour hatte 378 Teilnehmer, darunter 14 Deutsche. Gespielt wurden jeweils 3 Runden Draft gefolgt von 5 Runden Standard an Tag eins und zwei; am dritten Tag spielten die Top 8 im K.O.-System den Sieger aus. Für einen Matchsieg erhielt ein Spieler an Tag eins oder zwei 3 Punkte, für ein Unentschieden (kam bei den deutschen Teilnehmern nicht vor) 1 Punkt, für eine Niederlage 0 Punkte. Am Ende des ersten Tages schieden alle Spieler mit weniger als 12 Punkten aus. Teilnehmer, die keine Möglichkeit mehr sahen, ein erstrebenswertes Ziel zu erreichen, schieden häufig freilwillig aus („droppten“).

Meine erste Grafik zeigt das Abschneiden der einzelnen deutschen Spieler im Turnier:

Stats1

Sieben von vierzehn Deutschen (50%) erreichten also Tag zwei. Insgesamt gelang dies 236 der 378 Teilnehmer (62,43%). Wir haben hier demnach weit unterdurchschnittlich abgeschnitten – schon ziemlich peinlich für eine einst große Magic-Nation!

Meine zweite Grafik zeigt das Abschneiden der deutschen Teilnehmer insgesamt, aufgeschlüsselt nach den vier einzelnen Abschnitten der Pro Tour (okay, eigentlich waren es ja fünf, aber in den Top 8 war ja kein deutscher Spieler vertreten), und in Blöcken nach Format bzw. Tag zusammengefasst:

Stats2JPG

Dabei sind die interessanten Werte jeweils diejenigen, welche „Punkte pro Runde“ angeben. Lässt man Unentschieden außen vor, so befindet sich deren turnierweiter Durchschnitt offensichtlich bei 1,5. Auch hier zeigt sich, wie weit unterdurchschnittlich die deutschen Teilnehmer liegen. Dabei erscheinen die Unterschiede zwischen Tag eins und Tag zwei nicht allzu signifikant – wohl aber diejenigen zwischen Draft und Standard! Während Deutschland im Constructed-Format nur knapp den Durchschnittswert unterschreitet, offenbart es im Draft massive Defizite. Die Ergebnisse von vierzehn Spielern bei einem Turnier sind natürlich nur bedingt repräsentativ, aber der Ausschlag nach unten ist doch schon ziemlich deutlich, und irgendwie passt er auch zur „Generation Toffel“, die dem strategischen Gehalt von Limited-Content völlig unkritisch gegenübersteht, weil es ihr nur darauf ankommt, von Clownerien unterhalten zu werden. Decklisten zu kopieren und spielen zu üben, das reicht für durchschnittliche Ergebnisse auf Pro-Tour-Niveau aus, aber das Verständnis für die Dynamiken eines Draft-Environments erlangt man nicht durch Daddeln allein.

Insgesamt positiv hervorzuheben ist allerdings zumindest der kontinuierliche Erfolg von Patrick Dickmann, der uns zuletzt die erste Pro Tour Top 8 mit deutscher Beteiligung seit gefühlten Ewigkeiten beschert hatte, und der mit seinem guten Abschneiden hier in Madrid als erster (und sehr wahrscheinlich einziger) deutscher Spieler die Schwelle zum Gold-Pro nächstes Jahr überschritten hat! Zu schade, dass dieser ganze Aufwand die Mühe nun wohl nicht mehr wert gewesen sein wird…

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31 Gedanken zu „Pro Tour Shadows over Innistrad aus deutscher Sicht

  1. Jashin sagt:

    Fügt sich ins Bild vergangener Pro Touren der letzten Jahre…

  2. nouse sagt:

    „Lassen wir mal die Unentschieden aussen vor“ ist kein valides Vorgehen, wenn man nicht mal weiss, wieviele Unentschieden es gab. Da wird es mit dem Erwartungswert schon echt schwierig. Meine Statistikkurse sind wirklich lange her, aber bei Mittelwertvergleichen wäre es auch ganz hilfreich, sich die Stichproben/Populationsgrössen und die Varianz anzuschauen, und dann kann man sich den passenden Test aussuchen.
    Sieht mir ein bisschen nach MITTELWERT(A2:A19) aus, oder? Aber die Message ist angekommen. Deutsches Magic ist am Boden.

    • Zeromant sagt:

      Nun, zumindest habe ich ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Unentschieden mit Beteiligung deutscher Spieler gab. Davon abgesehen sind Unentschieden ein sehr seltenes Ergebnis – insbesondere, wenn man nur tatsächlich gespielte Partien miteinbezieht. Deswegen liegt der Mittelwert aller erzielten Punkte pro Spieler gewiss nur sehr knapp unter 1,5.

      Weiterhin habe ich diesen Hinweis doch nur gegeben, um Lesern, die gedanklich überhaupt nicht in der Materie drin sind, zu erklären, was der Punktwert pro Runde aussagt. Im Zweifelsfall kann man jedenfalls die wenigen Unentschieden-Partien einfach aus der Gesamtgrundmenge herausnehmen, ohne die Aussagekraft nennenswert zu beschädigen.

      Ach so, oder man rechnet einfach, nur für die Zwecke dieser Statistik, Unentschieden mit 1,5 Punkten für jeden beteiligten Spieler – das wäre in diesem Kontext eigentlich am sinnvollsten. Die Vermeidung von Unentschieden stellt einfach kein relevantes Kriterium für den Spielerfolg dar, deswegen kann man sie guten Gewissens außen vorlassen.

  3. Man kann das Abschneiden der deutschen Spieler analysieren und kommentieren, aber man sollte bedenken, dass es kein deutsches Team gibt, sondern nur lauter Einzelspieler. Diese bereiten sich nicht alle gemeinsam vor, und es gibt auch keinen Trainer, der sie individuell betreuen würde. Das müssen die Spieler in Eigenverantwortung selbst tun. Jeder Spieler hat natürlich den Wunsch, möglichst gut abzuschneiden, aber dabei geht es ihm wahrscheinlich ausschließlich um seinen persönlichen Erfolg und nicht um die Nation, aus der er kommt und die er allenfalls in den Augen mancher Beobachter vertritt.

    Was würde es dir bringen, wenn es in Deutschland andere gesetzliche Rahmenbedingungen und dadurch mehr Turniere gäbe, sodass deutsche Spieler öfter Turnierluft schnuppern könnten und aufgrund des höheren monetären Anreizes möglicherweise mehr Zeit investieren würden, um besser zu werden? Dann gäbe es vermutlich einen größeren Anteil an deutschen Spielern bei den internationalen Turnieren und mehr Deutsche auf den oberen Rängen. Und? Was bedeutet das für dich?

    • Zeromant sagt:

      Es bedeutet mir zum einen ungefähr das Gleiche, was es mir als Fan bedeutet, wenn deutsche Fußballmannschaften in der Champions League oder in der Euro League gut oder schlecht abschneiden – ich identifiziere mich ein wenig, fiebere bei den Übertragungen mit, und freue oder ärgere mich.

      Tatsächlich ist bei Magic die Identifikation noch deutlich stärker, weil ich selbst so lange Magic spiele und via Internet immer noch gewisse Bindungen zu den Überbleibseln der deutschen Magic-Szene habe, so wie zum Beispiel über dieses Blog hier. (Das Mitfiebern bei Übertragungen hingegen ist dank der hundsmiserable Coverages nicht ganz so stark ausgeprägt.)

      Weiterhin sehe ich den Niedergang des deutschen Magic auf professionellem Niveau auch eng verwoben mit dem weitgehenden Tod der deutschen Magic Community im Internet, der mir unter anderem deswegen sehr weh tut, weil ich über viele Jahre ein äußerst aktives und engagiertes Mitglied dieser Community gewesen bin, und deswegen zeige ich diesen Zusammenhang auch immer wieder auf.

  4. Schmirglie sagt:

    Hast du für Atlanta auch solche Auswertungen gemacht? Meinem Gefühl nach war das deutsche Ergebnis da besser.
    Das hier ist natürlich sehr traurig, das stimmt.

    • Zeromant sagt:

      Wenn ich mir die Mühe so einer Auswertung mache, stelle ich sie eigentlich dann auch irgendwo online, also nein. (Es könnte ja auch mal jemand anders so etwas tun.)

      Aber ja, Atlanta war eindeutig besser, und gerade durch Patricks Top 8 ein echter Ausreißer nach oben in den letzten Jahren. Doch selbst dort war das Gesamtergebnis nicht wirklich stark – nur drei von zehn deutschen Teilnehmern haben das Turnier mit einem positiven Score (definiert als >50% der erreichbaren Matchpunkte, also mindestens 25 Punkte) abgeschlossen. Atlanta aus deutscher Sicht war also zwar keineswegs schlecht, aber für DEN Ausreißer nach oben immer noch ein bisschen enttäuschend.

      Bei der PT davor wiederum hat genau einer von elf Spielern mit einem positiven Score abgeschlossen. Davor waren es 3/7; davor 2/13; davor 3/14; und davor 6/19. (Ich habe das jetzt einfach mal alles rasch durchgeklickt und eine Metrik genommen, die besonders einfach zu erkennen ist.)

      Für die letzten sieben PTs ergibt sich somit, dass in 22 von 88 Fällen (also zu exakt einem Viertel) deutsche Teilnehmer mit einem überdurchschnittlichen Score aus dem Turnier gegangen sind. Für alle Teilnehmer lauten diese Zahlen hingegen 956/2695 (und damit für alle nichtdeutschen Teilnehmer 934/2607).

      Das muss man sich mal reinziehen: Deutsche Teilnehmer gingen zu 25% positiv; nichtdeutsche Teilnehmer hingegen zu 35,8% ! Und die Grundgesamtheit von sieben Pro Touren ist ja nun wirklich groß genug. SO SCHEISSE ist Magic in Deutschland unterdessen!

      • Muffi sagt:

        Hast Du eigentlich irgendwo mal zentral die Gründe niedergeschrieben warum Magic seit einiger Zeit so „SCHEISSE“ in Deutschland ist? Mich würde das nämlich interessieren.

        • Zeromant sagt:

          Ich habe mich sehr oft mit verschiedenen Aspekten dieses Themenkomplexes auseinandergesetzt, aber ein einfaches „das ist so, weil X“ ist nicht dabei, weil die Dinge halt nicht ganz so einfach liegen. Folgende Entwicklungen tragen wohl dazu bei:

          1. Fehlende GPs oder gar PTs in Deutschland seit einigen Jahren aus juristischen Gründen

          2. Die generelle, systematische Benachteiligung nichtamerikanischer Spieler im High-Level-Spielbetrieb zuletzt

          3. Langjährige fehlende Qualitätssicherung redaktionellen Contents auf deutschen Seiten aus Inkompetenz und/oder Desinteresse

          4. Das Sterben und Schrumpfen deutscher Magic-Webseiten aus wirtschaftlichen Gründen mit damit einhergehender quantitativer und qualitativer Reduzierung von Content

          5. Das Sterben der deutschen Magic-Web-Community auf Grund einer Kombination der vorgenannten Ursachen, sowie eines allgmeinen Wandels der Internet-Nutzungsgewohnheiten.

          6. Die Tendenz weg von diskussionsfördernden textbasierenden Content-Formaten hin zu viel stärker passiv rezipiertem Video-Content

          7. Die Verlagerung des Schwerpunkts von Magic-Produkten und -Promotion vom Wettbewerb weg hin zu Casual, die kleinere Märkte und Communities wegen eines Kritische-Masse-Effekts stärker betrifft.

          8. Die sich vertiefende Kluft zwischen Casual-Spielern und ambitionierten Spielern, welche den Nachwuchs abschneidet

          9. Der Unwille von Einzelpersonen, welche in der deutschen Öffentlichkeit als Leitbilder angesehen werden, sich mit Kritik und ihren eigenen Defiziten auseinanderzusetzen.

          Natürlich hängt da Vieles auf verschiedenste Weise miteinander zusammen. Der beste gemeinsame Nenner ist wohl, dass die derzeitige Magic-Generation entweder nicht einsieht, dass sie noch viel zu lernen hätte, oder einfach kein wirkliches Interesse daran hat.

  5. realalien sagt:

    Ja, in der Tat bedenklich! Schön auch, dass Du die ‚Generation-Toffel‘ ansprichst. Nachdem ich das auf dem Planeten ein paar Mal tat (und den damit verbundenen Hirnie-ey-kein-Plan-aber-Hauptsache-Fun ‚Content‘), wurde ich in deren Forum gesperrt und nutze den Planeten nur noch für die aktuellen Links.
    Ganz schön traurig, diese Entwicklung – aber außer ein paar kritischen Einzelpersonen hat sich zu lange niemand dagegen gewehrt.
    Bleibt vorerst wohl nur das ‚Daddeln‘ … aber Generation-Toffel, wird das ja wahrscheinlich reichen, beziehungsweise vermutlich noch nicht mal verstehen, dass da was schief lief.

  6. NoName sagt:

    Ach Andreas …
    Nur weil sich niemand für deine heutigen geistigen Ergüsse beigeistern kann, heißt es noch lange nicht, dass Magic in Deutschland scheiße oder tot ist. Die Deutschen haben einfach kein so großes Mitteilungsbedürfnis in Form von Artikeln oder dergleichen. Heute muss sich keiner mehr profilieren, die etablierten Spieler haben alle ihre Communities und kennen sich untereinander. Das man nicht zusammen testet, liegt neben dem Punkt Faulheit wohl auch stark daran, dass jeder auf der Pro Tour selbst am besten abschneiden will.

    Zu den Stats:
    Wie kann man denn Deutschland bitte mit allen anderen vergleichen? Ein Vergleich der Nationen wäre sinnvoller gewesen, keine Ahnung ob das Ergebnis dann anders ist.

    • Zeromant sagt:

      Ach NoName…

      …nur weil Du letzte Nacht keinen hochbekommen hast, heißt das noch lange nicht, dass Du aus einem für den thematisierten Sachverhalt völlig irrelevanten persönlichen Angriff eine komplett aus der Luft gerissene Kausalitätskette konstruieren kannst….

      (Aber ja – natürlich KANNST Du. Es ist nur ebenso bescheuert wie das, was ich gerade geschrieben habe, nur ohne den pädagogischen Meta-Gehalt.)

      Zum Thema: Dass Magic in Deutschland scheiße ist, habe ich durch statistische Daten belegt, die Du ernsthaft dadurch kritisierst, dass ich als Gruppen „deutsche PT-Teilnehmer“ und „nichtdeutsche PT-Teilnehmer“ gegenübergestellt habe, weil das nicht genügend Aussagekraft bezüglich des Abschneidens deutscher Teilnehmer besäße… Eigentlich ist das hier ein klassischer Fall für die ehrwürdige Internet-Replik „Merkste selbst, oder?“, aber meine Internet-Erfahrungen lehren mich leider, dass die meisten Leute es tatsächlich NICHT selbst merken.

      „Die Deutschen haben einfach kein so großes Mitteilungsbedürfnis in Form von Artikeln oder dergleichen.“ Das mag stimmen oder auch nicht – eine solche pauschalisierende Aussage, die sich allein auf die Mentalität einer Nationalität als Kriterium stützt, während sie spezielle Rahmenbedingungen ausdrücklich ignoriert, sollte einen immer missstrauisch machen. Ich halte es für weit wahrscheinlicher, dass der geringe existierende Output mit den Rahmenbedingungen zusammenhängt, in welchem Fall er ein Symptom der Krise wäre. Solltest Du aber Recht haben, wäre er hingegen eine Mitursache. In keinem Fall aber taugt dieser gedankliche Ansatz dazu, die existierende Krise zu leugnen.

      „Das man nicht zusammen testet, liegt neben dem Punkt Faulheit wohl auch stark daran, dass jeder auf der Pro Tour selbst am besten abschneiden will.“ DAS wiederum würde bedeuten, dass die deutschen Spieler scheißeblöd sind, was natürlich ebenfalls geeignet wäre, unsere Krise mitzuerklären. Ich halte es allerdings für sehr wahrscheinlich, dass dieser dumme Gedanke allein auf Deinem Mist gewachsen ist, und dass den allermeisten deutschen Spielern absolut klar ist, dass gemeinsames Testen für das eigene Abschneiden von Vorteil wäre, und kein Nachteil.

  7. Paul sagt:

    Schöner Artikel an sich. „Heutige Generation“ hätte es aber auch getan, um zu beschreiben was du meinst. Kein Grund Toffels Namen damit in Verbindung zu bringen. Ansonsten weiter so!

    • Zeromant sagt:

      Nun ja, Toffel ist nun einmal seit Jahren der Produzent #1 von Limited-Content im deutschen Sprachraum, sowohl was Gesamtoutput, als auch was Resonanz angeht; und er ist einfach ein Paradebeispiel für alles, was bei dieser Art Content zur Zeit falsch läuft. Da ist es schon sinnvoll, wenn nicht sogar zwingend geboten, das Kind auch beim Namen zu nennen.

      • Felix sagt:

        Du implizierst allerdings, dass Toffel persönlich für das Abschneiden bzw. die Leistung der deutschen Spielerschaft bei der ProTour verantwortlich wäre. Auch wenn in Toffels Videos Unterhaltung im Vordergrund steht, hält das seine Zuschauer nicht davon ein Draftformat für sich selbst zu meistern. Diese zwei Sachen schließen sich ja nicht aus.

        Unabhängig davon halte ich es für absolut diskreditierend, dein Missfallen am Ehrgeiz der deutschen Spielerschaft auf eine Person zu reduzieren, auch wenn diese eine präsente Rolle in der Community hat.

        • Zeromant sagt:

          „persönlich verantwortlich“, „auf eine Person reduziert“ – das ist ja nun wirklich eine enorme Überinterpretation! Toffel trägt gewiss zu einem gewissen Teil zur Misere bei, ist aber gleichzeitig auch Teil der Gesamtdynamik. Er macht das, was (manche/viele/die meisten?) Leute sehen wollen – dafür mache ich ihn gewiss nicht allein verantwortlich.

          Ein Paradebeispiel stellt keine „Reduktion“ dar, nur ein besonders gut sichtbares Symptom. Wenn man öffentlichen, viel rezipierten Content produziert, rückt man sich selbstverständlich auch in den Fokus dieser Öffentlichkeit, und natürlich muss man dann zu dem stehen und sich für das verantworten, was man tut.

  8. Felix sagt:

    Ich bezog mich dabei vor allem auf die Formulierung „Generation Toffel“. Das ist für mich in der Tat eine unangemessene Reduktion auf eine Person, zumindest ich (über)interpretiere das so.

    Ich weiß ich häng mich hier an Details auf, aber „Generation Clown“ oder „Generation Casual“ oder was auch immer hätt’s auch getan — meinetwegen noch mit den Toffeldrafts als Bespiel.

  9. Paul sagt:

    Ich spiele noch nicht so extrem lange und verstehe die Rhetorik mit dem Niedergang der deutschen kompetetiven Szene nicht.

    Laut Wikipedia gab es diesen Kai Budde, der für die meisten Pro Tour- und Grand Prix-Wins in der Vergangenheit verantwortlich zu sein scheint. In einem Coverage-Video habe ich gesehen dass der aber heute in einem amerikanischen Team mitspielt – vielleicht weil das seine Kumpels sind? Wie dem auch sei. Wenn man den dessen Ergebnisse rausfiltert so scheint mir, dass Deutschland eigentlich nie besonders erfolgreich war auf der Pro Tour oder bei GPs. Alle paar Jahre mal eine Top 8 und auf den Grands Prixs immer mal ein Win aber genau so ist es heutzutage doch auch.
    Gab es denn mal eine Zeit wo es viele kompetetive Spieler in Deutschland gab und eine entsprechende Szene? Wenn ja, wo waren deren Ergebnisse?

    „Niedergang“ impliziert jedenfalls, dass es in der Vergangenheit mal ein Plateau gegeben hat aber das kann ich den Wikipedia-Daten nicht entnehmen.

    Würde mich jedenfall interessieren welcher Zeitrahmen gemeint ist wenn von den goldenen Jahren deutschen Magics gesprochen wird, weil ich das schon öfter mal gehört habe, dass es um die deutsche Magic-Szene mal besser stand. Ich war halt selber nicht dabei und auf dem Papier scheint es einfach nur einen richtig guten Spieler gegeben zu haben und ansonsten nicht viel.

    • Zeromant sagt:

      Kai war natürlich ein Sonderfall, und es ist auch richtig, dass Deutschland nur zu seinen großen Zeiten (und damit auch zu denen der Phoenix Foundation) in Magic eine weltweite Spitzenposition eingenommen hat.

      Es ist aber immer noch ein ENORMER Unterschied zwischen einer Spitzenposition und weit unterdurchschnittlichem Abschneiden! Wenn Du ein bisschen länger recherchierst (vielleicht besser im WotC Coverage Archiv als auf Wikipedia), wirst Du auf einige weitere deutsche Pro-Tour-Sieger (sowie einen Weltmeister) stoßen, und Du wirst feststellen, dass über viele Jahre hinweg deutsche Teilnehmer in Pro Tour Top 8s eher die Regel als die Ausnahme waren (und schon gar nicht die ABSOLUTE Ausnahme, wie zuletzt). Dass kein deutscher Spieler im Player of the Year Race in den Top 40 auftaucht, ist ebenfalls eine jüngere Entwicklung. Deutschland war ohne den Kai-Faktor zwar nie die Nummer 1 im weltweiten Magic, aber doch lange Jahre zumindest im Bereich der Plätze 3-4 (hinter den USA & Japan, sowie meistens Frankreich) angesiedelt.

      Es geht aber gar nicht nur um die Verortung der deutschen Topspieler in der Weltspitze, sondern schlicht um das allgemeine Niveau im internationalen Vergleich! Da bin ich mir sehr sicher, dass der Anteil deutscher Spieler, die auf einer PT „positiv“ gehen, über einen längeren Zeitraum noch nie so klein war wie zuletzt, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Punkteschnitt pro Match von 1,36 für deutsche Spieler in früheren Zeiten normal war.

      Eine Stichprobe auf Wikipedia habe ich jetzt selbst vorgenommen: Selbst dort kann man rasch finden, dass Deutschland in den Jahren 2006-2010 (also eindeutig in der Nach-Phoenix-Foundation-Ära) 4, 3, 3, 2 und 3 PT-Top-8-Teilnehmer hatte. Auch wenn es damals in einigen Jahren eine PT mehr gab, ist das immer noch klar erkennbar eine ganz andere Leistungsdichte als zuletzt.

      Aber wie gesagt, das ist nur EINE Metrik. Diese 25% gegenüber 35,8% im Rest der Welt, auf die ich beim Erstellen eines Kommentars weiter oben gestoßen war, die stellen sowohl ein erheblich schwankungssichereres Kriterium, als auch eine noch weit alarmierendere Bilanz dar.

  10. jjrotzo sagt:

    Die Magic-Community in Deutschland geht nicht vor die Hunde. Es ist höchstens der deutschSPRACHIGE Content (ja, ich weiß) im Internet, der ausstirbt. Jeder, also wirklich jeder, der heute kompetitiv Magic spielt, versteht zumindest ansatzweise Englisch und damit auf die global vernetzten, englischsprachigen Ressourcen zugreifen. Und jeder, der Artikel zu kompetitiven Magic schreibt und wahrgenommen werden will, publiziert auf einer der großen englischsprachigen Seiten. Als ein Beispiel unter vielen möchte ich mal Carsten Kötters hervorragende Artikel bei SCG hervorheben („Fundamentals of Magic“ oder „Storm Sequencing“). Es gibt in dieser Hinsicht heutzutage einfach keinen Bedarf mehr an deutschsprachigem Material.
    Es ist natürlich schade, dass damit auch spaßorientierte deutsche Beiträge im Netz zunehmend weniger werden. Wenn es nicht nur um harte Fakten geht, finde ich es nämlich durchaus relevant, die sprachlichen Feinheiten und den Wortwitz der Muttersprache beim Lesen zu genießen.

    Die Pro Tour als Gradmesser für den Gesundheitszustand der deutschen Magic-Szene anzuwenden, finde ich fragwürdig. Du sagst selbst, dass die Pro-Szene für Nicht-Amerikaner im Allgemeinen und Deutsche im Speziellen aufgrund der einseitigen Organisation bzw. der deutschen Gesetzgebung wenig(er) attraktiv ist. Damit sinkt halt auch die Bereitschaft für die Fleißarbeit, die bei ständig rotierenden Formaten den Unterschied macht. Generell gut spielen können die Deutschen bei der PT garantiert auch. In Europa gibt es halt außer der Pro Tour noch viele andere attraktive Großveranstaltungen (GPs, Bazaar of Moxen, Ovinogeddon, MKM Series, Prague Eternal), bei denen gerade die starke deutsche Eternal-Szene immer wieder erfolgreich abschneidet. In dem Bereich haben wir große Namen, die auf ihrem Gebiet in der Weltspitze sind, z.B. Philipp Schönegger (Miracles-Meister, Top8 GP Paris & GP New Jersey 2014) Kai Thiele (Storm-Spezialist, Top8 GP Kyoto 2015), Marc Lanigra (Vintage World Champion 2012) und einige mehr.

    • Zeromant sagt:

      Dass es keine Nachfrage an gehaltvollem Magic-Content in deutscher Sprache gibt, ist ja schon seit langem meine Rede (und es ist ja auch der Grund, warum ich selbst unterdessen zu nahezu allen Magic-Themen auf Englisch blogge).

      Ich sehe das allerdings problematisch, weil dadurch die Anbindung an die Casual-Szene und damit auch der Nachwuchs verloren geht. Hier fehlt eben eben eine große, gemeinsame Community.

      Ich finde auch, Du widersprichst Dir, wenn Du einerseits abstreitest, dass die deutsche Magic-Community vor die Hunde geht, aber andererseits den Wegfall deutschsprachigen Materials beklagst UND Dich nicht für den Niedergang des deutschen Magic auf professioneller Ebene interessierst. Ja – wo bleibt denn da die Community? Deine Antwort ist, dass EINE Community bleibt, nämlich die Eternal-Gemeinde. Das ist aber so, als wenn Du als Antwort auf die Klage, dass es kaum noch Menschen gibt, die ein Instrument spielen können oder wollen, darauf hinweist, dass da ja doch noch diese Barockgesellschaft existiere, die sich einmal wöchentlich trifft, um auf restaurierten Cembalos möglichst originalgetreu Bachsonaten nachzuspielen… Die Eternal-Community war schon immer eine Randszene der Magic-Community und ist ganz bestimmt kein Gradmesser für deren Gesundheit – eher ist die Abwanderung einiger unserer Talente dorthin stattdessen ein Symptom ihrer Probleme.

  11. jjrotzo sagt:

    1. Wo bleibt denn da die Community…? Ok, ich präzisiere meine Aussage:

    Ja, ich stimme zu, dass nationale Communities in Form von Informationsaustausch, der an der Landes- bzw. Sprachgrenze endet, in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.
    Aber: An deren Stelle ist eine internationale Community gewachsen, die viel viel besser vernetzt, professionalisierter, schnelllebiger und deutlich transparenter ist als vor 10 oder 15 Jahren. Da ist die vormals deutsche Community weitgehend drin aufgegangen. Nationalität spielt in einer globalisierten Welt nur noch eine untergeordnete Rolle für den Zugriff auf Information und die Identifikation des Einzelnen. Dazu haben sich die Kommunikationswege verändert und Austausch findet z.B. ganz stark in sozialen Netzwerken statt. Man kann den alten Kommunikationskanälen nachtrauern (tue ich an manchen Stellen ja auch s.o.), aber die Möglichkeiten an Informationen und in Kontakt mit erfahrenen Spielern aus aller Welt zu kommen, waren nie besser als heute.

    (Btw, auch Casuals können „Magic The Gathering“ googlen und finden auf magic.wizards.com/de wahrscheinlich mehr und aktuellere Inhalte als ich früher im Kartefakt zu lesen bekam.)

    2. Eternal oder nix

    Legacy war ein Beispiel, das ich aus meiner eigenen Community-Arbeit als Turnierorganisator sehr gut kenne. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass sich auch sonst sehr fähige deutsche Spieler finden. Die Frage ist aber, wo und wie sie ihre Ambitionen verfolgen, und ob sich das zwangsläufig in einem Pro-Level widerspiegelt. Viele Deutsche spielen sehr gut und sehr intensiv Magic ohne Pro zu sein.
    Wer in Europa anspruchsvoll und erfolgsorientiert Magic spielen will, hat dazu einen Haufen attraktiver Alternativen außerhalb der Pro Tour, die es früher nicht gab. Wieso ist es deiner Meinung nach ein Problem für Magic in Deutschland, wenn viele Leute lieber regelmäßig zu Grand Prixs, Bazaar of Moxen, Ovino, MTG Top Series, Prague Eternal, Nebraska’s War, Kessel-Wochenenden, MKM Series oder kleineren Veranstaltungen fahren, als sich langwierig den Weg zur Pro Tour zu grinden? Sind das alles Küchentisch-Veranstaltungen? Ist Modern deiner Meinung nach ab sofort dann auch eine Randgruppenerscheinung, weil es nicht mehr Pro Tour-relevant sein wird?

    • Zeromant sagt:

      In dieser internationalen Community spielen Deutsche aber – Eternal außen vorgelassen – ebenfalls keine Rolle als Autoren oder Spieler. Ich bin mir auch nicht sicher, dass dieses „Aufgehen“ nicht vielleicht doch eher ein spezifisches deutsches Phänomen ist – haben denn nicht zum Beispiel Frankreich und Brasilien immer noch sehr lebendige muttersprachliche Szenen? (Ich weiß es nicht wirklich, ich habe nur irgendwie unterschwellig über Twitter diesen Eindruck erhalten.) Was ist mit Italien, Spanien, Dänemark – und natürlich Japan?

      Weiterhin bleibt da das Nachwuchsproblem. Es hat ja seine Gründe, dass Wizards ihre Seite in verschiedene Sprachen übersetzen. Eine Hersteller-Seite kann aber letztlich keine Community ersetzen, und die Wizards-Foren sind ja bereits seit längerem geschlossen (und meiner Erinnerung nach gab es da auch nie einen deutschsprachigen Bereich, aber hier könnte ich falsch liegen).

      Modern, das wurde zuletzt durch WotC’s Ankündigung noch einmal deutlich, soll offenbar Legacy ablösen – als kompetitives Format wird es nicht mehr wirklich unterstützt oder betreut. Das ist schade, weil in Modern eben viele Karten aus der Magic-Geschichte fehlen, und auch weil Legacy einfach ein besseres Format ist als Modern, aber auf Grund des Kartenverfügbarkeit-Problems auf Dauer unabänderlich. Das bedeutet aber auch, dass Modern keinen Versuch darstellt, die Eternal-Szene zu integrieren, sondern stattdessen eine größere, jedoch immer noch separate Randgruppe zu schaffen.

      Kesseleien etc. sind vielleicht keine Küchentisch-Veranstaltungen, aber eben auch keine Wettbewerbe auf höchstem Niveau. Wir müssen doch außerdem auch nicht wirklich darüber diskutieren, dass das lebendige, aktuelle Magic in den Limited-Formaten und in Standard gespielt wird, oder? Eternal-Formate (und meiner Ansicht nach gehört da im Endeffekt Modern dazu, auch wenn dies nicht der offiziellen Definition entspricht) existieren ja gerade, weil Spieler in ihnen den ständig wechselnden Dynamiken und neuen Herausforderungen der aktuellen Sets zu entfliehen suchen. Deswegen schrieb ich ja schon: Die Beliebtheit dieser Formate in Deutschland ist eigentlich sogar ein Symptom der Gesamtkrise!

      Ich kann übrigens durchaus nachempfinden, wenn Spieler keinen Bock mehr auf den Versuch haben, sich zur PT zu grinden. Nur: Wenn man sich dann qualifiziert HAT und auch teilnimmt, dann wäre es doch völlig hirnrissig sich nicht intensiv vorzubereiten! Der Kein-Bock-auf-PT-Erkärungsansatz greift doch bestenfalls um zu begründen, warum weniger deutsche Spieler auf der Tour zu finden sind (ist das überhaupt so?), aber nicht, warum diejenigen, die dort sind, dermaßen mies abschneiden.

      • jjrotzo sagt:

        Da wäre es natürlich interessant, Statements verschiedener deutscher PT-Teilnehmer bezüglich ihrer Motivation, Vorbereitung und Selbsteinschätzung zu bekommen.

  12. Holger sagt:

    Muss schön sein, den ganzen Tag ellenlange Kommentare zum eigenen Status als letzem Verfechter des „gehaltvollen Contents“ zu schreiben… Was du für gehaltvoll hältst, ist bodenloser Müll. Du solltest dich nicht nach den klicks auf deinen Artikeln orientieren, sondern den Verweilzeiten der User. Und dann wirst du sehen, dass kein Mensch deine „gehaltvollen Beiträge“ auch nur annähernd zu Ende liest. Da schaue ich mir zehnmal lieber „Toffel-Content“ an als deinen Mist, Pischner. Schau dir mal die US-Seiten an und lerne daraus – Gehalt hat nichts mit Länge und dröger Masturbation auf der Tastatur zu tun.

    • Zeromant sagt:

      Nach Lesen Deines Kommentars glaube ich Dir gerne, dass Du lieber Toffel-Content schaust als irgendetwas von mir zu lesen. (Besonders, da Dein Kommentar beweist, dass Du auch diesen Beitrag von mir, ebenso wie vermutlich so ziemlich jeden anderen, den ich je geschrieben habe, nicht zu Ende gelesen oder zumindest nicht verstanden hast.)

      Alles andere, was Du schreibst, ist hingegen bodenloser Müll. Aber hey, ich zweifle nicht daran, dass DU es für gehaltvoll hältst!

      • Holger sagt:

        Spürst du eigentlich manchmal auch nur den Hauch eines Zweifels bezüglich deiner Inhalte? Oder denkst du einfach seit Jahren, dass jeder andere Mensch auf diesem Planeten ein Idiot ist?

        • Zeromant sagt:

          Nicht jeder andere, Holger. Nur die, die es nachdrücklich bezeugen.

          Übrigens ist es ein Kennzeichen gehaltvoller Abhandlungen, dass sie alles in Zweifel ziehen, hinterfragen und analysieren, auch und insbesondere ihre eigenen Aussagen. Das führt dann allerdings häufig zu „dröger“ Länge…

  13. BrunoBraunbart sagt:

    Hi Andreas,
    ich bin sehr häufig Deiner Meinung, Deine Kritik an Toffel kann ich aber nicht nachvollziehen. Ich schaue viele Draftvideos und lese Artikel, üblicherweise auf englischsprachigen Seiten. Tiefer gehende Analysen eines Draftformats finde ich kaum. Die meisten Videos geben nicht mehr Informationen her als „I like to pick X over Y“ oder „Z is a really great card, i’ve underrated it“. Es kann sein, dass die Drafter „dem strategischen Gehalt von Limited-Content“ sehr viel kritischer gegenüberstehen, nur kommt davon nichts an. Hast Du Dir den Blödsinn angeschaut den LSV teilweise auf twitch veranstaltet? Würdest Du auch von der Generation LSV sprechen?
    Toffel mach zwar auch viel Blödsinn aber liefert doch vergleichsweise interessante Einsichten (in der Tiefe, die in einem Draftvideo eben möglich ist). Ich finde die Videos gewinnen grade durch die zwei vorgetragenen Meinungen und die Diskussionen die teilweise daraus entstehen. Mehr können Draftvideos meiner Ansicht nach kaum leisten.

    Ich denke ich weiss was dir vorschwebt. Du hast ja schon viele starke Artikel geschrieben, die grundsätzliche strategische Einsichten in Magic allgemein und ins Draften insbesondere geliefert haben. Ich gebe Dir grundsätzlich Recht, dass solche Artikel häufiger, am besten zu jedem neuen Draftformat erscheinen sollten. Ich sehe nur nicht, dass in anderen Ländern die Diskussion üblicherweise auf diesem Niveau stattfindet, zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Ja, das war ein Kompliment. Einige Deiner alten Artikel gehören zum Besten was ich bisher über Magic gelesen habe. Gibt es eigentlich noch deine Zombie-Artikelreihe zu den absoluten Basics der Magic-Strategie irgendwo online?

  14. Zeromant sagt:

    Hi Bruno,

    ich finde es sehr bemerkenswert, wie sehr sich die Diskussion in den Kommentaren hier unterdessen um Toffels Content dreht, obwohl mein Eintrag diesen nur beiläufig in einem Satz erwähnt…

    Ich messe Toffels Videos nicht nur an dem, was ich mir an Content wünsche, sondern auch daran, was Toffel produzieren KÖNNTE, wenn er wollte. Er geht den Weg des Clowns ja in voller Absicht – und mit ausdrücklicher Unterstützung seines Publikums, an das sich daher meine Kritik eigentlich noch viel stärker richtet, als an ihn selbst.

    Du hast natürlich völlig recht, dass englischsprachige Produktionen zum großen Teil kaum besser sind. Insbesondere LSV habe ich selbst immer wieder und sehr heftig kritisiert (und dabei kaum weniger Gegenwind bekommen als jetzt bei Toffel)! Und ja, wenn ich über die amerikanische oder internationale Community schreiben würde, fände ich es sehr naheliegend, den Begriff „Generation LSV“ zu verwenden, der mir auch bereits in den Sinn gekommen ist…

    Es gibt aber nicht nur LSV. Ich habe zum Beispiel teilweise sehr positive Erfahrungen mit Content von Neal Oliver und Chris Fennell gemacht, sowie – etwas länger her – von Ben Stark.

    Ein entscheidender Unterschied ist jedoch, dass die amerikanische Magic-Szene nicht am Boden liegt – die deutsche hingegen schon! Hier besteht also dringend Bedarf an Gegensteuerung, und Toffel ist eine der ganz wenigen Personen in der Position, hier Einfluss zu nehmen.

    Draftvideos KÖNNEN nämlich mehr leisten. Es beginnt bereits bei der Herangehensweise: Viel zu oft gehen Toffel & Co. schon mit der Einstellung „Was draften wird denn heute Lustiges?“, oder noch schlimmer, „Heute draften wir mal XYZ!“ in den ersten Booster. Viel zu rasch auch werden aktuelle Formate bereits als „ausgelutscht“ zugunsten von Flashback- oder Cube-Drafts fallengelassen, weil die ja so viel spaßiger seien – dabei wurde das aktuelle Format häufig noch nicht einmal richtig verstanden! Ausgewiesene Albernheiten wie absurde Picks und Splashs kommen da nur noch dazu.

    Weiterhin verschwendet das Team auch viel zu viel Zeit mit belanglosem Gequassel. Während die Uhr für einen Pick herunterläuft, wird zu >80% über alles mögliche geredet, nur nicht über den aktuellen Pick. Auch während des Durchspiels sind häufig weder Kommentar noch Gedanken bei der aktuellen Partie, weswegen dann immer wieder achsolustige massive Misplays passieren.

    Da wären also viele Dinge durchaus leicht zu verbessern, wenn nur der Wille da wäre. Tatsächlich werden die Drafter aber in den Kommentaren sogar immer wieder ausdrücklich zu ihren Clownerien ermutigt! Ich kann natürlich nachvollziehen, dass sie sich dieser Erwartungshaltung dann auch anpassen. Damit sind sie aber eben auch fest integrierter Bestandteil des sich selbst erhaltenden und verstärkenden Systems Krise.

    Zur Magic University erhalte ich immer mal wieder Nachfragen. Leider ist diese nach dem unangekündigten völligen Verschwinden von Magic Universe aus dem Netz zur Zeit nicht mehr abrufbar, und ich fürchte, auf absehbarer Zeit wid sich daran auch nichts ändern.

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