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Ich bin ein Werwolf, verdammt!

(Erratet Ihr die Karte, um die es in dieser Kurzgeschichte geht? Bestimmt nicht! Aber nur keine Angst, ich zeige sie Euch natürlich am Ende.)

 

Mein Blick ist stechend, mein Gürtel ist aus Hirschleder, und die verängstigten Dorfbewohner weichen panisch in Furcht und Terror vor meinen unbarmherzigen, messerscharfen Krallen zurück. Dabei ist dies, abgesehen von den bereits verwandelten Fingernägeln, noch mein gewohnter, schwacher, menschlicher Körper… Doch jeden Moment wird die Sonne vollständig über diesem götterverlassenen Ort des Grauens untergehen, und sie wissen, was dann passieren wird… wissen es ganz genau…

… SIE WISSEN ES! Sie wissen es so sicher, wie bestialisches Blut bereits angestrengt in meinen Adern pumpt und pulsiert. So sicher, wie meine noch normale Nase – die sich jedoch, woran kein vernünftiger Zweifel mehr bestehen kann, schon binnen weniger Sekunden in die schreckliche Schnauze eines widerwärtigen Wolfswesens umformen wird – den süßlich-bitterscharfen Geruch ihres Schweißes mit einer leichten Note von verrottender Muskatnuss gierig in sich aufsaugt und an mein von Wildheit, Hunger und Blutlust überwältigtes Gehirn weiterleitet.

Töten! Morden! Verstümmeln! In mir haben die niedrigsten Instinkte das Kommando übernommen, und daher kenne ich keine Verwandten oder Freunde mehr. Der kleine Jalen, dem ich einst das Jagen beigebracht habe; die dunkelhaarige Glira, die wie keine andere meine Socken zu stopfen vermochte; und die uralten Zwillinge Barselin und Parselin, die seit dem Tod ihrer Mutter niemand mehr auseinander zu halten vermocht hat: Sie alle sind diese Nacht Opfer, sind meine Beute, sind Nahrung. Dabei kommt es mir noch wie gestern vor, dass wir gemeinsam vor dem Gasthaus um das große Lagerfeuer gesessen und unanständige Lieder gesungen haben, aber in jenem winzigen mir noch verbliebenen rationalen Teil meines Bewusstseins weiß ich, dass es in Wahrheit vorgestern gewesen ist.

Einerlei – die Transformation vollzieht sich, und das Unheil ist nicht mehr aufzuhalten! Das Schicksal der unglücklichen Dorfbewohner ist beschlossene Sache. Ihr Ende ist gekommen. Bald schon wird es vorbei sein. Es gibt keine Hoffnung mehr – gar keine! Absolut gar keine! Vielleicht wünschte ich ja tief in mir, dass es einen anderen Weg gäbe, aber die Dinge sind nun einmal so, wie sie sind, und niemand vermag sich dem Lauf der Welt in den Weg zu stellen. Mache Geschehnisse sind einfach unvermeidbar. Der Fluch muss sich erfüllen. Es passiert, was passieren muss. Jeden Augenblick wird es so weit sein…

Talbor der Tollkühne rafft noch einmal den letzten Rest seines dahinschwindenden Mutes zusammen und zückt sein Messer, aber ach! – es ist aus Stoff, aus einem feinen Gewebe in dem sich kett- und schusssichtige Partien miteinander abwechseln. Dafür trägt er ein Hemd aus mehrlagigem Schweißverbundstahl – ein Irrtum, der in dieser abgeschiedenen Gegend jedem passieren kann, vor allem, da sowohl Stoff als auch Metall nahezu wertlos sind, weil das Dorf sie in den letzten Jahren tonnenweise importiert und deswegen für Großabnehmerpreise erhalten hat. Ich lache ein letztes hämisches, boshaftes Lachen, bevor die Sonne widerwillig endgültig hinter dem Horizont verschwindet und das mondsilberne Licht des Silbermondes den letzten, den wirklich allerletzten verbliebenen Rest meiner Menschlichkeit mit Lichtgeschwindigkeit vertreibt. Jetzt kann es endlich losgehen!

Von einem nicht allzu weit enferntem Baumast beobachtet ein kleiner Waldvogel das mordsmäßige Massaker, welches sich nun entspinnt. Obwohl sein Gehirn nicht größer ist als eine heranreifende Haselnuss, weiß er doch, dass solche Tragödien nur allzu oft in diesem Teil der Welt vor sich gehen. Keck legt er das kleine Köpfchen auf die Seite und versucht, einen Gedanken zu fassen, doch rasch gibt er es auf und schüttelt sein Gefieder – eine Geste, die dem Schulterzucken eines von der Situation überforderten Menschen entspricht. Es ist Nacht in Innistrad, und das bedeutet für den kleinen Vogel ebenso wie für den Werwolf Jagdzeit! Hungrig fliegt er davon, obwohl er das eigentlich gar nicht kann.

 

 

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