Schlagwort-Archiv: Angriff

Warum kämpfen, wenn man nicht gewinnen kann?

Diese Frage wurde bereits in tausendundeinem Fantasy-Setting thematisiert, wo das Gute das Böse nur aufhalten und vielleicht noch zurückdrängen, jedoch niemals endgültig vernichten kann; aber sie gehört ebenso in unsere mehr oder weniger reale Welt: Welchen Sinn hat es, Mörder zu überführen, wenn doch immer wieder Morde begangen werden? Warum kämpfen Ärzte um Menschenleben, wenn Menschen doch sowieso irgendwann sterben? Wieso sollte man sich für den Frieden einsetzen, wenn es doch immer wieder Krieg gibt?

Die Antwort ist eigentlich offensichtlich: Weil es etwas Schlimmeres gibt als nicht zu gewinnen – man könnte VERLIEREN. Dass die Welt aus fundamentalen metaphysischen Gründen immer im Gleichgewicht zwischen Gut und Böse bestehen muss, bezweifle ich zwar. Eines ist jedoch offensichtlich: Dieses Gleichgewicht erhält sich NICHT von selbst – man muss dafür kämpfen! Es mag sich zwar wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel anfühlen, ist aber eher mit dem Abwasch von Geschirr vergleichbar. Es hört niemals auf, und egal, wie gründlich man dabei ist, man hat am nächsten Tag erneut wieder dreckiges Geschirr herumzustehen – doch man kann und will trotzdem nicht einfach damit aufhören, wenn man nicht im Dreck ersticken möchte.

Deswegen lege ich mich immer wieder im Internet mit Leuten an, die der Meinung sind, sie hätten ein Recht darauf, auf sachliche Kritik mit persönlichen Angriffen zu antworten; sie dürften andere für Behauptungen attackieren, die diese gar nicht aufgestellt haben; oder sie dürften Diskussionen mit den Methoden des Trollens und des Mobbens beenden.

Tigris hat auf seinem Blog gerade etwas ganz Furchtbares geschrieben (und damit meine ich jetzt nicht sein „Gedicht“):

Wenn man provoziert auf irgend eine Art, sollte man auch nicht komments “löschen”.

Wenn sich also jemand anders von einem provoziert fühlt, dann muss man sich von demjenigen deswegen alles gefallen lassen? Aber klar doch – so läuft das nun einmal in der Welt!

In der Schule sind gewiss schon Millionen Kinder beleidigt oder verprügelt worden, weil sie dick und hässlich sind. Vermutlich nicht viel weniger Frauen sind weltweit vergewaltigt worden, weil sie sich zu sexy angezogen haben. Zehntausende, vielleicht sogar Hunderttausende Homosexuelle sind krankenhausreif oder totgeschlagen worden, weil sie es gewagt haben, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Diesen Ausländern, die unaufgefordert zu uns gekommen sind, zündet man natürlich die Bude an. Und wenn jemand gar die Unverschämtheit besitzt, Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen, dann ist doch wohl klar, was passiert!

Oh ja, Menschen fühlen sich rasch und gerne provoziert, denn das gibt ihnen eine willkommene Ausrede, aggressiv und gewalttätig zu werden, wenn ihnen irgendetwas, was jemand anders sagt oder tut, nicht passt! Man muss dann wohl eigentlich sogar froh sein, wenn man nur beleidigt wird, nicht wahr, Tigris? Und aus lauter Dankbarkeit darüber ist man dann also verpflichtet Kommentare stehen zu lassen, die eigentlich gelöscht werden müssten?

Das ist nicht nur gequirlte Scheiße – es ist GEFÄHRLICHE gequirlte Scheiße! Es muss offensichtlich immer mal wieder deutlich gesagt werden: Ob Ihr Euch provoziert fühlt oder nicht; ob Ihr vielleicht tatsächlich provoziert wurdet oder nicht – es ändert NICHTS daran, welches Verhalten inakzeptabel ist! Ich liste es für Euch noch einmal auf:

Sachliche Kritik: Akzeptabel.
Satire: Akzeptabel.
Angriffe auf Grund tatsächlich getroffener inakzeptabler Aussagen: Akzeptabel.
Auf erfundenen oder verdrehten Aussagen beruhende Angriffe: Nicht akzeptabel.
Persönliche Angriffe an Stelle oder zur Verstärkung von sachlicher Kritik: Nicht akzeptabel.

Und diese Kategorien könnr Ihr auch nicht einfach durcheinanderwerfen, nur weil Euch danach ist! Leidet Euer Ego unter einer sachlichen Kritik? Euer Pech! Ihr habt trotzdem nicht das Recht, mit einem persönlichen Angriff zu antworten. Hattet Ihr keine Lust, einen Text tatsächlich zu lesen, wollt aber trotzdem den Verfasser für dessen Inhalt angreifen? Ihr seid nichts als Trolle! Seid Ihr der Ansicht, Parodien gehörten sich nicht? Dann lebt Ihr offenbar in der falschen Gesellschaft!

In seinem Bemühen um Neutralität und Objektivität hat Tigris beschlossen, die Streitigkeiten, die sich zuletzt an meiner Person entzündet haben, als symmetrisch darzustellen. Das sind sie nicht.

Ich habe einen Text (nachdem ich gefragt hatte, ob dies gewünscht war, weil es sich um ein privates Blog handelt, an das ich keinerlei Anspruch auf inhaltliche Qualität stellen kann) ausführlich, sachlich und konstruktiv kritisiert. Theoretisch habe ich dem Autor damit einen großen Gefallen getan, aber praktisch war ich da wieder einmal zu naiv: Ich ging einfach davon aus – wie ich es von mir kenne – dass Menschen sich auch und gerade bei Tätigkeiten, die sie als Hobby betreiben, verbessern wollen, sei es Magic spielen oder Geschichten schreiben. Tja, das war hier wohl ein Irrtum – aber ganz gewiss kein Fehlverhalten von mir! Nachdem ich an der Antwort auf meinen Kommentar unmissverständlich erkennen konnte, dass Feedback von mir hier doch nicht gewünscht war, zog ich mich folgerichtig von jenem Blog zurück.

Ich habe allerdings auch ein eigenes Blog, und hier kann ICH Dinge schreiben, ohne mich von dem Geschmack spezieller Leser oder ihren qualitativen Ansprüchen abhängig machen zu müssen. Dies tat ich dann. Auf MEINEM Blog darf ich selbstverständlich, wenn mir danach ist, auch Texte anderer Blogs nach Lust und Laune zerreißen – die Höflichkeit gebietet es, anderen Bloggern keine unerwünschte Kritik aufzudrängen, aber ein Recht darauf, dass man ihre Unzulänglichkeiten nicht an anderer Stelle aufdeckt, besitzen sie gewiss nicht! Wem dies wiederum nicht passt, der tut genau das, was ich bei Blogs tue, deren Inhalt MIR nicht gefällt: Ich lese sie nicht, oder kommentiere dort zumindest nicht mehr. (Selbstverständlich gälte das nicht mehr in dem Moment, wenn dort falsche Behauptungen über mich aufgestellt werden sollten. Ich erwähne dies nur, weil es früher schon einmal passiert ist.) Dabei bin ICH allerdings durchaus auch offen für sachliche Kritik!

Ich schrieb also eine Parodie, und zwar aus zwei Gründen: Einmal um zu unterhalten. ICH finde meinen Text ziemlich lustig, und es ist recht wahrscheinlich, dass dies auch anderen so geht, aber selbst wenn nicht – MEIN Blog, MEINE Qualitäsansprüche – Ihr erinnert Euch?

Außerdem wollte ich versuchen, die textlichen Schwächen der beiden Beiträge, auf die ich mich offensichtlich bezog, zu demonstrieren, indem ich sie überzeichnete, so wie Parodien und Karikaturen dies üblicherweise tun. (Und jeder, dem nicht von Anfang an klar war, dass er eine Parodie las, sollte DRINGEND an seiner Lesekompetenz arbeiten!) Das würde dann möglicherweise einigen Lesern der Originalgeschichten die Augen öffnen, und vielleicht – aber auch nur vielleicht! – sogar deren Verfassern, die sich möglicherweise beim Lesen denken würden „oje, aber so einen Schmarrn habe ICH doch nicht geschrieben… oder vielleicht doch? Lieber noch einmal genau hinschauen… ups!“

Ob ich meine Ziele, unterhaltsam und lehrreich zu sein, erreicht habe oder nicht: In keinem Fall gibt die Veröffentlichung dieser Parodie irgendjemanden das Recht, ansonsten inakzeptable Kommentare zu verfassen! Marios sachliche (wenn auch weit am Ziel vorbei schießende) Kritik habe ich ja auch durchaus stehen lassen, nur eben den angehängten ad hominem Teil nicht.

Schließlich existiert da noch ein Vorwurf, ich hätte ja selbst einmal jemanden beleidigt. Es ist jedoch keine Beleidigung, jemanden, der mich in exorbitant dummer und gehässiger Weise angreift, als dumm und gehässig zu bezeichnen! Beides sind real existierende und zumindest zum Teil auch objektiv identifizierbare menschliche Eigenschaften, und derjenige hat diese beiden Eigenschaften unmissverständlich demonstriert und einen Kommentar verfasst, welcher ohne die starke Ausprägung dieser beiden Eigenschaften niemals zustande hätte kommen können. Darauf habe ich hingewiesen (und dies auch nur, weil ich diesen Beitrag aus Beispielgründen nicht kommentarlos löschen wollte, wie er es verdient hätte). Wenn ich schon ausnahmsweise einem Troll Beachtung schenke, dann muss ich ihn auch eindeutig als solchen mit den entsprechenden Eigenschaften identifizieren, und er hat gewiss kein Recht, sich darüber zu beschweren.

So viel dazu. Ich habe unterdessen gelernt, dass es sehr viele Menschen gibt, die an meiner Ehrlichkeit und Offenheit, aber auch an meiner Intelligenz und meiner Kompetenz in denjenigen wenigen Dingen, in denen ich wirklich gut bin, Anstoß nehmen. Damit muss ich halt leben. Und ich werde auch weiterhin kämpfen, je nachdem, wie schlimm die Situation gerade wieder einmal ist, und wie viel Kraft ich gerade habe.

Trotzdem hoffe ich, dass mein nächster Eintrag hier sich doch mal wieder mit Magic befasst…

(Aber ein Gutes zumindest haben solche Streitigkeiten: Sie zeigen, dass hier auf MagicBlogs zumindest so etwas wie eine Mini-Community besteht!)

markiert , , , , , , , , , , ,