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Pro Tour Shadows over Innistrad aus deutscher Sicht

Ich hatte ja gesagt, wenn mir etwas einfällt, worüber auf Deutsch zu bloggen mir sinnvoll erscheint, dann werde ich das hier auch tun, also tue ich es hiermit! Okay, eigentlich hatte ich nicht wirklich einen Blogeintrag zu diesem Thema geplant, aber nachdem ich mir den größten Teil der Arbeit aus Neugierde eh bereits gemacht hatte, kann ich auch gleich einen Post daraus fabrizieren.

Zugegeben, der Niedergang des deutschen Magic interessiert außer mir kaum noch jemanden, und angesichts der jüngsten Verlautbarung zum Thema „professionelles Magic“ dürfte sich das Problem eh in absehbarer Zeit von selbst erledigen, aber ich habe das Abschneiden der deutschen Spieler bei der Pro Tour Shadows over Innistrad in tabellarischer Form festgehalten und ausgewertet und teile die Ergebnisse nun mit euch. Dabei verlasse ich mich bei der Zuordnung der Nationalitäten auf die Informationen aus der Coverage – bei Pro Touren ist diese im Gegensatz zu Grand Prixs eigentlich recht zuverlässig. Für die exakte Schreibweise der Namen dürfte das nicht gelten, aber der Einfachheit halber habe ich auch hier die in der Coverage verwendeten Schreibungen übernommen.

Die Pro Tour hatte 378 Teilnehmer, darunter 14 Deutsche. Gespielt wurden jeweils 3 Runden Draft gefolgt von 5 Runden Standard an Tag eins und zwei; am dritten Tag spielten die Top 8 im K.O.-System den Sieger aus. Für einen Matchsieg erhielt ein Spieler an Tag eins oder zwei 3 Punkte, für ein Unentschieden (kam bei den deutschen Teilnehmern nicht vor) 1 Punkt, für eine Niederlage 0 Punkte. Am Ende des ersten Tages schieden alle Spieler mit weniger als 12 Punkten aus. Teilnehmer, die keine Möglichkeit mehr sahen, ein erstrebenswertes Ziel zu erreichen, schieden häufig freilwillig aus („droppten“).

Meine erste Grafik zeigt das Abschneiden der einzelnen deutschen Spieler im Turnier:

Stats1

Sieben von vierzehn Deutschen (50%) erreichten also Tag zwei. Insgesamt gelang dies 236 der 378 Teilnehmer (62,43%). Wir haben hier demnach weit unterdurchschnittlich abgeschnitten – schon ziemlich peinlich für eine einst große Magic-Nation!

Meine zweite Grafik zeigt das Abschneiden der deutschen Teilnehmer insgesamt, aufgeschlüsselt nach den vier einzelnen Abschnitten der Pro Tour (okay, eigentlich waren es ja fünf, aber in den Top 8 war ja kein deutscher Spieler vertreten), und in Blöcken nach Format bzw. Tag zusammengefasst:

Stats2JPG

Dabei sind die interessanten Werte jeweils diejenigen, welche „Punkte pro Runde“ angeben. Lässt man Unentschieden außen vor, so befindet sich deren turnierweiter Durchschnitt offensichtlich bei 1,5. Auch hier zeigt sich, wie weit unterdurchschnittlich die deutschen Teilnehmer liegen. Dabei erscheinen die Unterschiede zwischen Tag eins und Tag zwei nicht allzu signifikant – wohl aber diejenigen zwischen Draft und Standard! Während Deutschland im Constructed-Format nur knapp den Durchschnittswert unterschreitet, offenbart es im Draft massive Defizite. Die Ergebnisse von vierzehn Spielern bei einem Turnier sind natürlich nur bedingt repräsentativ, aber der Ausschlag nach unten ist doch schon ziemlich deutlich, und irgendwie passt er auch zur „Generation Toffel“, die dem strategischen Gehalt von Limited-Content völlig unkritisch gegenübersteht, weil es ihr nur darauf ankommt, von Clownerien unterhalten zu werden. Decklisten zu kopieren und spielen zu üben, das reicht für durchschnittliche Ergebnisse auf Pro-Tour-Niveau aus, aber das Verständnis für die Dynamiken eines Draft-Environments erlangt man nicht durch Daddeln allein.

Insgesamt positiv hervorzuheben ist allerdings zumindest der kontinuierliche Erfolg von Patrick Dickmann, der uns zuletzt die erste Pro Tour Top 8 mit deutscher Beteiligung seit gefühlten Ewigkeiten beschert hatte, und der mit seinem guten Abschneiden hier in Madrid als erster (und sehr wahrscheinlich einziger) deutscher Spieler die Schwelle zum Gold-Pro nächstes Jahr überschritten hat! Zu schade, dass dieser ganze Aufwand die Mühe nun wohl nicht mehr wert gewesen sein wird…

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