Der unfaire Drache

Es gibt Mythic-Rares, die man selbst im Draft nur ungern als vorletzten Pick nehmen mag. Und dann gibt es Mythic-Rares, die man nach etwa 0,5 Sekunden Bedenkzeit windmühlenartig vor sich auf den Draftpile hämmert. Thundermaw Hellkite ist wohl eher in der letzten Kategorie beheimatet. Abgesehen davon ist er momentan noch ein wenig Materielles wert, weshalb er so gut wie immer als erster den Booster verlässt. Ob ein Rarepicken nach dem Draft da Abhilfe schaffen würde, wage ich spontan zu bezweifeln.

An meiner kurzen Einleitung, die heute eher einem Loblied auf eine einzelne Karte gleicht, erkennt Ihr unschwer, dass ich mal wieder im Limited unterwegs war. Für mehr war diese Woche einfach keine Zeit. Nächste Woche wird hier vermutlich etwas mehr stehen, da ich an einem Modern/Legacy-Cup teilnehmen darf. Allerdings ist der am Sonntag, sodass ich nicht weiß, wann ich dann hier reinposte.

Red Deck Wins

Aber immer schön der Reihe nach. Am 15.9. kamen exakt acht Spieler zusammen, um einen Draft zu spielen. Eigentlich wären wir neun gewesen, aber unser neunter Mann hat zugunsten der schöneren Zahl abgesagt.

Ich eröffne meinen Draft mit Flames of the Firebrand, das ich über Pacifism und Void Stalker nehme. Der rote Brand-Spruch ist einfach unheimlich flexibel, tauscht oftmals mindestens 2 zu 1 und hämmert zur Not (oder besser: zum Sieg!) drei Schadenspunkte an des Gegners Rübe. Viel besser kann ein Draft nicht beginnen.
Geschoben werden mir dann Murder, Garruk’s Packleader und Turn to Slag. Hier entscheide ich mich für das schwarze Removal, das wohl deutlich stärker als das rote ist. Der Packleader ist in einer der besseren Farben, aber das Murder ist einfach zu gut. Außerdem gefällt mir schwarz-rot mit gutem Removal sehr gut.
Im dritten Pick dann wohl eine Fehlentscheidung: Wieder ein Packleader, den ich verschmähe und zwar zu Gunsten einer Sentinel Spider. Auch ein Turn to Slag war noch im Pack. Hier wurde ich wohl von meinen positiven Erfahrungen mit der großen Spinne geleitet. Eigentlich hätte ich hier konsequent weiter in meinen Farben bleiben und das Turn to Slag nehmen sollen.
„Egal“, denke ich mir, „nicht damit beschäftigen, sondern weitermachen.“ So wird dann ein Searing Spear über einen Centaur Courser genommen. Beides sind gute Karten, der Speer passt besser zu meinem ursprünglichen Plan. Die Spinne schiebe ich in Gedanken nun weit nach hinten und versuche ein Deck mit viel Removal und einigen Kreaturen zu bauen. Rot scheint ja nun offen zu sein.
Im Fünften Pick nehme ich daher Mogg Flunkies über Arbor Elf – wäre ich auf der grünen Schiene geblieben, hätte ich zum Elf gegriffen. So wird es eben der Goblin. So offen wie Rot bisher war, ist auch ein Arms Dealer nicht unrealistisch.
Im sechsten Pick gesellt sich dann noch ein Crimson Muckwader in meinen Stapel, um meine Farbwahl zu verstärken.
In meinen Picks 9, 10 und 11 bekomme ich jeweils die Turn to Slag wieder (Rot ist offen!) und bin nicht mehr ganz so entsetzt von meinem Spinnen-Pick. Ziemlich zuversichtlich gehe ich in den zweiten Pack.

Hier ist der Pick erschreckend einfach: Eingangs erwähnter Thundermaw Hellkite passt in jedes rote Deck. So auch in meines. Leider gebe ich Bladetusk Boar und Volcanic Geyser weiter. Mindestens den Geyser hätte ich schon gerne im Deck gehabt. Aber solche Bomben wie den Drachen kann man unmöglich ziehen lassen, wenn man vorhat, den Draft zu gewinnen. Übrigens wird sich mein rechter Nebenmann über einen „sauschlechten Booster“ beschweren. Offensichtlich spielt er kein Rot.
Der zweite Pick im zweiten Pack beschert mir – wie der erste Pack auch – ein Murder. Das steht ziemlich konkurrenzlos einer Reckless Brute gegenüber. Die Brute ist ganz ok, wenn man etwas aggressiver unterwegs ist, aber das Murder spielt einfach eine Liga höher.
Im dritten Pick habe ich mir nur das gepickte Rise from the Grave aufgeschrieben. Eigentlich mag ich die Karte nicht sonderlich, was ich hier schon mehrfach geschrieben habe. Aber mit dem Hellkite und einer Menge Removal besteht eine gute Chance, dass man eine tolle Kreatur auf das Feld bekommt. Und da sonst nichts im Booster war, das es ins Deck geschafft hätte, greife ich zu.
Der vierte Pick ist ählich langweilig: Rummaging Goblin. Ich mag den kleiner Kerl, auch wenn er alles andere als aggressiv daher kommt. Und wenn sonst nichts drin ist, freue ich mich über einen Looter umso mehr.
Meinen fünften Pick kann man wunderbar diskutieren: Im Pack sind noch Disciple of Bolas und Walking Corpse. Der Zombie ist ein früher Drop, der außer schnell sein nichts draufhat. Der Zauberer ist von seinen Kampfwerten her schlechter, lässt mich aber Karten ziehen und Leben bekommen – allerdings für den Preis einer Kreatur. Welche Karte würdet Ihr nehmen?
Ich habe mich für den Disciple entschieden, auch wenn er es am Ende nicht ins Deck geschafft hat. Ich hätte zwar ein paar ordentliche Interaktionen hinbekommen, aber schlussendlich passt er nicht ins angestrebte Deckkonzept.

Im dritten Pack eröffne ich mit Talrand, Sky Summoner. Und sonst nichts. Nicht für mein Deck, nichts, das auch nur relevant gewesen wäre. Also nehme ich den blauen Zauberer raus.
Im zweiten Pick nehme ich meinen zweiten Muckwader über Bloodhunter Bat und Talrand’s Invocation. Die kleine Echse wird ja nicht schlechter, wenn man mehrere davon spielt. Und früh gelegt, kann sie mächtig Druck entwickeln. Die Fledermaus ist zwar gut, aber den Lizard halte ich für knapp besser. Verbessert mich an dieser Stelle ruhig, wenn Ihr anderer Meinung seid!
Als dritter wandert ein Bladetusk Boar in meinen Stapel, den ich einem Giant Scorpion vorziehe. So offen wie Rot war, rechne ich mit maximal einem weiteren Rotspieler. Und da es auch wenig Artefaktkreaturen gibt, ist davon auszugehen, dass das Schwein relativ oft unblockbar sein wird. Der Scorpion hingegen ist eher defensiv und macht nach vorne meist recht wenig.
Im vierten Pick lasse ich dann Searing Spear und Crimson Muckwader links liegen und greife zum Firewing Phoenix. Ich habe ihn zwar noch nie richtig in Aktion gesehen, aber eine wiederkehrende Kreatur kann in einem Deck, das eher weniger Lategame besitzt, nicht verkehrt sein. Der dritte Muckwader oder der zweite Speer wären hier natürlich auch toll gewesen.
Im fünften Pick nehme ich dann die nächste Talrand’s Invocation einfach mal raus, da nach einem richtg tollen Booster ein richtig mieser kommt.
Dass in diesem Draft etwas nicht so ganz rund lief, stelle ich im zehnten Pick fest, als die erste Invocation tatsächlich tablet! Und da noch mein einziger Ein-Drop drin ist, nehme ich den raus und gebe die beste Uncommon im Set weiter. So kann’s gehen.

Ich entscheide mich dann einfach mal für 41 Karten, weil ich Angst davor habe, 16 Länder zu spielen.

Goblin Arsonist
2 Crimson Muckwader
Dragon Hatchling
Krenko’s Command
2 Rummaging Goblin
2 Reckless Brute
Bladetusk Boar
2 Goblin Battle Jester
Firewing Phoenix
Furnace Whelp
Thundermaw Hellkite

Sign in Blood
Searing Spear
2 Murder
Flames of the Firebrand
Rise from the Grave
3 Turn to Slag

7 Swamp
10 Mountain

Richtig schade ist es um viele Karten im Sideboard: Disciple of Bolas, Duress, Servant of Nefarox, Mogg Flunkies oder den zweiten Furnace Welp kann man eigentlich immer spielen. Dazu kommen dann noch zwei Canyon Minotaur, Chandra’s Fury, Fire Elemental, Kindled Fury, Mark of Mutiny und ein Smelt.

Die Spiele

Runde 1 gegen B/G

Er spielt etwas, das viele Länder legen kann oder will: Farseek gefolgt von Ranger’s Path rampen ihn schnell auf sechs Mana. Allerdings kommt außer einem Bond Beetle, der mit Reckless Brute tauscht, nicht viel. So haue ich munter zu. Er macht Revive auf Bond Beetle, spielt ihn aus, verzaubert ihn mit Dark Favor und tappt sich aus, um auch noch Ring of Xathrid zu equippen. Turn to Slag tauscht 3 zu 1 ab. Als er später Xathrid Gorgon ausspielt, spiele ich einen roten Spruch, die Gorgone blockt dank eines Narren nicht und er fällt um.
Im zweiten Spiel hat er genau gar keine Kreatur und bei mir kommen in Runde zwei ein Muckwader, in Runde drei eine Brute. Das geht ja noch schneller als im Spiel davor.

Runde 2 gegen R/G

Er ist dann ab Booster zwei in Rot gelandet. Allerdings hat er keinen Drachen. In Spiel eins habe ich zwei Battle Jester und zwei Goblin Token. Er hat nur noch einen Flinthoof Boar. Da er auf sechs ist, reicht ein Drache, der das Schweinchen vom Blocken abhält, und ich gewinne.
Im zweiten Spiel machen wir beide nichts: Ich, weil ich außer Ländern nichts ziehe, er, weil er keine Länder hat. Turn 5 kommt dann der Drache von oben und swingt viermal vorbei. Das Match dauerte insgesamt etwa 15 Minuten.

Runde 3 gegen B/G

Wieder ein schwarz-grün Spieler. Er behält on the Draw mit einem Land und Chronomaton. Ich lege mit Muckwader und Brute wieder recht schnell los. Er findet irgendwann einen Blocker in From einer Deadly Recluse, muss sich aber mit einem Battle Jester auf meiner Seite herumärgern. Er kann mit drei Ländern im Spiel zwei Blocker legen, aber Flames of the Firebrand schießen zwei Blocker kaputt und halten den dritten vom Blocken ab. So geht er recht schnell zu Boden.
Im zweiten Spiel kommt wieder in Turn fünf der Drache und schubst ihn zusammen mit der geboardeten Chandra’s Fury in zwei Zügen vom Tisch.
Auch dieses Spiel ging viel zu schnell.

Insgesamt ein tolles 3-0 / 6-0 Ergebnis. Eigentlich ist der Drache allein an mindestens zwei der sechs Siege schuld. Ich weiß nun nicht, ob ich das toll oder eher langweilig finden soll. Ich freue mich zwar über das tolle Ergebnis, aber irgendwie wirkt diese Mythic stark overpowered. Zumal es auch nicht viele gute Antworten für den Drachen gibt. Was haltet Ihr von so starken Karten im Limited? Ist das eher langweilig, oder stört es nicht weiter, weil es durch den Mythic-Rare-Status eher seltener vorkommt?

Wie oben schon beschrieben, möchte ich nächste Woche etwas zu Modern und Legacy schreiben – mindestens ein Spielbericht sollte drinsein.

Bis nächste Woche

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2 Responses to Der unfaire Drache

  1. Jashin sagt:

    Ist der Servant nicht eigentlich besser als die Brute?
    Und warum kommt mir Disciple + Phönix einfach unendlich gut vor…?

    • grozoth sagt:

      Der Servant ist insgesamt schon besser. Ich wollte aber schwarz recht kurz halten; außerdem greift der Brute direkt an. Das mit „Schwarz kurz halten“ hat nicht geklappt, ich spiele ja beinahe ausschließlich doppel-schwarze Sprüche in der schwarzen Farbe. Insgesamt waren die Brutes eigentlich immer gut, weil sie mit Muckwader in Runde drei für 6 Schaden angreifen. Und meine Gegner hatten meistens dann recht wenig entgegenzusetzen. Im Vakuum gebe ich dir aber recht, der Servant ist eigentlich besser.

      Disciple und Phoenix oder Disciple mit Brute, die ohnehin sterben würde, ist schon gut. Aber dann war’s das auch schon. Alles andere will man nicht opfern, daher hat der Disciple den Cut nicht geschafft.

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