Zu unfair

Kennt Ihr das? Ihr habt ein neues Deck gebaut, spielt damit gegen ein oder zwei Gegner in einem Casual-Event und die Gegner finden Euer Deck total unspaßig. Es ist schon eine ganze Zeit her, dass ich auf einem Gateway-Turnier war, allerdings habe ich „das unfaire Deck“ immernoch. Bevor ich Euch nun lange auf die Folter spanne, direkt die Liste:

4 Slith Firewalker
4 Zo-Zu the Punisher
3 Avalanche Riders

4 Chrome Mox
2 Chain Lightning
4 Lightning Bolt
4 Price of Progress
4 Shrapnel Blast
4 Ankh of Mishra
4 Molten Rain
4 Pillage

4 Great Furnace
15 Snow-Covered Mountain

SB
4 Cryoclasm
4 Skred
3 Sulfuric Vortex
2 Red Elemental Blast
2 Pyroblast

Wie Ihr seht, ist das Dek nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand. Zum ersten Mal habe ich es kurz nach dem Aus-dem-Standard-Rotieren von Mirrodin gebaut und gespielt. Allerdings maximal drei- bis viermal. Damals hatte sich niemand groß darüber aufgeregt. Anders, als ich das Deck vor etwa zwei Jahren wiederbelebt habe: Die Kreaturen sind zwar nicht mehr auf dem aktuellsten Stand gewesen, dennoch bereitete das Spielen gegen diesen Haufen keinen Spaß. Und wozu dann überhaupt spielen, wenn man keinen Spaß an seinem Lieblingskartenspiel findet?

Im Grunde ist das Deck um Ankh of Mishra und Zo-Zu the Punisher aufgebaut. Unterstützt werden beide von einigen Landzerstörern. Und damit alles etwas zügiger geht, beschleunigen Chrommoxe das Deck ein wenig. Die Landzerstörer würden so heute sicherlich nicht mehr gedruckt: Entweder, man bekämpft nun Länder mit Ländern (zB Ghost Quarter) oder man hat völlig überteuerte Landzerstörungszauber. Survey the Wreckage und Destroy the Evidence fallen mir hier spontan ein. Soweit ich informiert bin, sollen auch in nächster Zeit keine weiteren 3-Mana-Landzerstörer gedruckt werden. Eine Karte wie Pillage ist also erstmal nicht zu erwarten.

Aber ist das Deck deshalb gleich unfair? Zugegeben: Landzerstörung ist nicht jedermanns Sache. Ist das eigene Deck ohnehin eher am Screw als am Flood gebaut, kann es schon mal kalt erwischt werden. Aber gerade die Kreaturen sind extrem leicht zu beseitigen und auch die Nichtkreatur-Sprüche richten im Normalfall keinen übergroßen Schaden an. Price of Progress kann hin und wieder ganz gut sein, ist aber eigentlich genau in den Situationen am besten, in denen das Deck am schlechtesten performt: Nämlich dann, wenn der Gegner viele Länder liegen und unser LD-Plan nicht funktioniert hat. Zozusagen der Plan B des Decks.

Ansonsten ist es eher ein Burn-Deck: Slith Firewalker stammt aus einer uralten Burn-Deck-Zeit, dem oben bereits erwähnten Mirrodin-Block. Lightning Bolt und Chain Lightning sind günstigstes Removal und Shrapnel Blast bot sich einfach an. Der Price spielt hier auch mit rein und ist eigentlich nur die Unterstützung. Würde man das Deck heute bauen, würde man sicherlich die Firewalker entfernen und dafür Goblin Guides oder Vexing Devils spielen. Beide sind effizienter für weniger Mana. Dennoch halte ich an dem Slith fest, da er in der ersten Version mit dabei war. Außerdem habe ich keine Guides oder Devils, sodass ich ihn nicht so einfach austauschen kann.

Wie spielt man nun am besten gegen dieses Deck? Da gibt es die verschiedensten Möglichkeiten: Man spielt Discard und zieht früh die wichtigsten bzw störendsten Karten. Das kann von Deck zu Deck variieren, manche werden den Brand wegwerfen lassen, andere die Landzerstörung. Auch Mana-Ramp sollte mindestens ordentlich funktionieren, wenigstens on-the-play. Turn 1 Llanowar Elf ist auch on-the-draw gut, weil ich nicht gleichzeitig den Elfen und ein Land abstellen kann. Dafür bräuchte ich schon drei Moxe. Somit wird also der Angriff auf ein Land vereitelt. Rampant Growth und Co helfen dann bei der Stabilisierung der Manabasis und dicke Kreaturen ala Leatherback Baloth sind für die kleinen roten Männer ohnehin unüberwindbar. Karten wie Solemn Offering sind extrem gut, weil sie meine Ankhs abstellen und gleichzeitig Leben geben. Lifelink ist überhaupt eine sehr starke Fähigkeit, aber das ist ja gegen Rot das Offensichtliche. Blau kann sich aber auch ganz gut auf diverse Gegenzauber verlassen. Im Normalfall reichen da ein oder zwei aus, die die wichtigsten Karten countern.
Ihr seht also, dass das Deck gegen beinahe jede Farbe einen Schwachpunkt besitzt.

Dennoch werde ich das Deck wohl nicht mehr spielen und daher austüten. Der Grund: Meine Gegen- bzw Mitspieler. Ihr kennt es vielleicht aus Euren Spielerunden, in denen es ähnliche Probleme gibt oder gab: Diese und jene Karten sind weniger gern gesehen, weil sie den Spaß verderben. Ich kenne es zum Beispiel noch von Karten wie Mind Twist oder Mind Shatter, die alles andere als lustig sein können. Wenn ich dann höre, dass diese oder jene Karte, oder sogar das gesamte Deck einfach nicht lustig sei und es keinen Spaß mache dagegen zu spielen, dann überlege ich natürlich, ob ich das Deck in einem Casual-Event nochmal spielen möchte. Schließlich geht es hier um nichts anderes als um den Spaß am Spiel. Und wenn der fehlt, braucht man erst gar nicht teilzunehmen.

Wie seht Ihr das? Ist mein Deck zu hart für Casuals? Wie sind Eure Erfahrungen? Habt Ihr selbst unfaire Decks? Wie geht Ihr damit um, wenn Euch etwas ähnliches gesagt wird? Ich bin gespannt. Eventuell darf das Deck dann nach Euren Antworten doch noch weiterexistieren.

Bis nächste Woche

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6 Responses to Zu unfair

  1. atog28 sagt:

    Ich spiele auch nicht gerne gegen eine bestimmte Art von Decks und besitze auch selbst „zu unfair“e Decks dieses Typs. Bei näherer Betrachtung deines Decks habe ich mich zunächst gefragt, ob es nicht doch gespielt werden sollte und deine Mitspieler einfach nur *mimimi* sind.

    Aber es liegt wohl doch eher am Deck, denn andere Decks dieser Art sind die Decks, die die Interaktion der Mitspieler unterbinden. Das kann neben LD auch etwas sein, was man herkömmlicherweise nicht als Denial kennt. Ich finde zum Beispiel dezidierte Piraten-Decks (aus Merkadische Masken) leider unspassig, obwohl sie thematisch interessant wären.

    Jüngere Vertreter der unfairen Decks sind Poison-Decks (http://wubrg.de/deck.php?id=2365), denn im Casual ist es wirklich nicht Sinn der Sache, im zweiten Zug gewinnen zu können.

    Vermutlich liegt das aber an der Turnier-Ausrichtung dieser Decks, weshalb man sie für das Casual als ungeeignet einstufen kann. Ich meine: du zeigst ja sogar ein Sideboard für dieses Deck. Auch ansonsten sieht es so aus, als könnte man es als Budget-Alternative für’s Legacy empfehlen.

    • grozoth sagt:

      Tatsächlich meine ich mich irgendwo im Hinterstübchen erinnern zu können, damit einmal ein Legacy-Event gespielt zu haben; allerdings nur ein winziges mit acht Spielern und wenig Geld. Daher auch die Deckwahl.

      Das Sideboard hatte ich eher zufällig bei der Hand. Bei uns wurde viel Blau gespielt und da bot sich eine derartige Ausrichtung an.

      Grundsätzlich ist es mMn immer schwierig, wo man die Grenze zwischen „zu unfair“ und „geht gerade so“ ziehen möchte. Es hat ja auch noch jeder Spieler sein eigenes Empfinden und was ich als absolut in Ordnung einstufe, missfällt vielleicht anderen Spielern. Aber ich werde es wohl doch auseinandernehmen. Dann habe ich wieder Hüllen für ein neues Deck 🙂

  2. blub sagt:

    Das ist doch nicht unfair.
    Leute müssen halt Decks bauen können.
    In der Diskussion gebe ich gerne den Pischner.
    Verhindern das Leute anfangen Nicol Bolas Planeswalker ausspielen ist völlig in Ordnung.
    Meine Gegner müssen auch aushalten das 4Counterspell im Deck sind. Aber halt keine FoW und Manadrains. Oder jitte. oder Skullclamp. Oder Mind Twist.

    On the draw ist das Deck auch deutlich schlechter.
    Man muss allerdings sagen das der Burn schon relativ heavy ist. Für den zweck des Elfenabschießens geht auch Shock.

    Hulk Flash mit 4 FoW und pacts ist unfair.

  3. Tom sagt:

    Ein typisches Causalproblem. Ich hab damals mit weiß angefangen, mein Bruder mit schwarz. Wenn auf seiner Karte halt drauf steht zerstöre alle Ebenen ist das definitiv arg planlos. Genauso macht es keinen Sinn mit einem 5 Euro Deck gegen ein 50 Euro Deck anzutreten, das kommt aber jedoch oft vor da sich Person A einfach mehr mit dem Spiel beschäftigt als Person B und dadurch auch mehr investiert.

  4. Nimis sagt:

    Eine solche Grenze ist – wie so oft – schwer festzulegen. Das Deck das du anführst spielt das SB dazugenommen 15x Landdestruction, also 1/4 des Decks. Ich kann deine Punkte gut nachvollziehen, allerdings ist die Gegenmeinung ebenfalls allzu gut verständlich.
    Länder (gefolgt von Handkarten und Bibliothek) sind nunmal die „selbstverständlichsten“ Ressourcen in Magic und normalerweise fällt man auch nicht tiefer, soll heißen, Länder sind eigentlich immer welche da. Genau so Spaß- und Spielvernichtend ist es mit Double-Dark Ritual + Mind Twist in der ersten Runde die Hand leergeräumt zu bekommen.
    Fazit: Solche Decks sind an Küchentischen einfach nicht gern gesehen. Steigt das Niveau an demselben und ein Spast packt sein Combodeck aus, dann gib ihm. Andererseits gilt imo die Faustregel: Übermäßig Länder und Hand abtöten ist nicht unsportlich, aber unspaßig, und schließlich braucht man für Magic immer mindestens zwei Spieler u know 🙂
    Aus eigener Erfahrung muss ich allerdings sagen, dass viele Spieler oft einfach zu faul sind, ihr Deck mal um ein Ghost Quarter zu erweitern und dann zum siebten Mal in Folge gegen Emeria eingehen – es ist eben einfacher zu meckern…

  5. Jashin sagt:

    Wenn Menschen nur 18 Länder in ihr Deck packen und dann erwarten, dass sie ihre Eldrazis bei Zeiten ausspielen können, dann sind sie selbst Schuld.
    Ich bin der Meinung, dass dein Deck von der Strategie her in keinster Weise unfair ist, wer sein Deck vernünftig baut, sollte dagegen halten können.
    Einzig und alleine der Powerlevel der Einzelkarten ist vielleicht etwas hoch, gerade der Mox in seiner Funktion als Beschleuniger ist evtl. etwas übertrieben fürs Freizeitspiel. Andererseits hast du den ja auch nicht immer auf der Starthand…

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