Wiener Nachgang

Letzte Woche fiel aus. Und zwar nicht, weil ich keine Lust hatte oder weil es nix zu berichten gab, sondern weil ich nicht im Lande war. Ich war beschäftigt einen 2HG-Draft hinter mich zu bringen. In Wien. Bei einem der zahlreichen Sideevents. Aber ich berichte besser der Reihe nach.

Zunächst fuhren wir zu zweit um 9 Uhr vormittags in Nürnberg los. Nach Wien zu kommen erwies sich als einfach, durch Wien zu kommen dagegen als relativ schwierig. Wir schaukelten hinter einer Bim (aka Tram oder Straßenbahn) her, die alle paar Meter wegen Haltestelle oder Ampel hielt. Also hielten auch wir. Dennoch kamen wir irgendwann am Nachmittag an. Also checkten wir im Hotel Messe Wien (das wir auch heute noch empfehlen können) ein und versuchten die Site zu finden.

Da wir vor 17 Uhr als vorab angemeldete dort aufschlugen, gab es ein wenig Free Stuff zu ergattern. Guardian Knots übereichte uns je eine Spielmatte, ein Säckchen mit Würfeln, eine Deckbox mit Hüllen und einen Block. Stifte gab es einfach so zum Mitnehmen. Wer wollte konnte sich auch bei MTGmadness kostenlos registrieren und dort einen Ordner, eine Deckbox und ein T-Shirt abholen. Man konnte sich über die Möglichkeiten, kostenloses Zeug zu ergattern, nicht beschweren.

Über mein Trial-Deck legen wir aber besser den Mantel des Schweigens. Es war irgendein rot-weißer Haufen, der einfach 0-2 ausschied. Dafür habe ich mir das Gesicht meines Gegners gemerkt. Und den sollte ich tatsächlich noch einmal treffen.

Mein Ziel für das Mainevent bestand eigentlich darin, nicht 1-3-Drop zu gehen, wie ich es bei meinen letzten (und ersten) beiden GPs gemacht habe. Und mein Pool sagte mir eigentlich auch, dass das nicht ein 1-3 wird. Rot und Grün legte ich direkt zur Seite, Schwarz verabschiedete sich auch bald. Dank toller zweifarbiger Karten war die Entscheidung relativ einfach. Es waren ein bisschen zu wenig Kreaturen, dafür war das Deck an sich recht gut.

Nyxborn Shieldmate
Vortex Elemental
Akroan Skyguard
Omenspeaker
Battlewise Hoplite
Lagonna-Band Elder
Wingsteed Rider
Wavecrash Triton
Heliod, God of the SUn
Breaching Hippocamp
Ephara, God of the Polis
Griffin Dreamfinder
Silent Artisan
Siren of the Fanged Coast

God’s Willing
Hold at Bay
Ordeal of Heliod
Crypsis
Nullify
Retraction Helix
Divination
Ephara’s Enlightenment
Bident of Thassa

8 Plains
9 Island

Damit wollte ich also mein Turnier bestreiten. Los ging es nur wenig später nach dem Deckbau.

Runde 1 gegen Christian

Sein Nachname war so lange, dass sein Vorname auf den Pairings abgeschnitten wurde. Er erzählte mir, dass er oft gefragt werde, ob er wirkich „Christi“ heiße. Tut er natürlich nicht. Er spielte Blau-Schwarz und zeigte ir im ersten Spiel vor allem einen Tromokratis. Der Terrorist entschied das Spiel ziemlich souverän. Im zweiten hatte er eine Insatiable Harpy mit zwei Marken, ich eine Siren of the Fanged Coast mit dreien. Er griff an, ich blockte. Er versuchte ein Eye Gouge, aber God’s Willing tauschte brutal gut ab. Das war der spielentscheidende Moment im zweiten Spiel. Im dritten nahm ich sechs Karten und hielt ein Land mit Omenspeaker. In Runde fünf hielt ich immer noch den Omenspeaker, während Vaporkin und Thassa’s Ordeal mich umfuhren.

Runde 2 gegen Dorien

Leider habe ich an dieses Match keine großen Erinnerungen mehr. Meine Lifetotals zeigen mir an, dass ich in Spiel 1 einmal auf 1 Lebenspunkt war, dann aber einen Lagonna-Band Elder gespielt haben muss. Ich spielte einen Wavecrash Triton, der tatsächlich eine Kreatur, die mit einem Flitterstep Eidolon verzaubert war, lange genug abhalten konnte. Ich gewann beide Spiele, wobei ich an das zweite Spiel keine Erinnerungen habe.

Runde 3 gegen Emanuel

Der freundliche Österreicher spielte ein nicht ganz so freundliches R/W-Aggro-Deck und fuhr mich im ersten Spiel ziemlich um. Ich denke, dass ein Eidolon of Countless Battles nicht ganz unschuldig an dieser Tatsache war. Im zweiten legte ich ein Vortex Elemental, hinter dem ich mich so lange verstecken konnte, bis Heliod, God of the Sun aktiv war. Im dritten legte ich im vierten Zug Ephara, God of the Polis und zog exakt eine Karte mit der Göttin. Hier zeigte sich die Schwäche des Decks: Zu wenig Kreaturen. Ich konnte mich noch ein paar Runden mit diversen Tricks über Wasser halten bis mir dann aber irgendwann nur noch Länder zufielen.

Runde 4 gegen Videl

Er spielte R/G und wir legten beide erst einmal nichts. Ich startete mit Wavecrash Triton, er mit einem Ill-Tempered Cyclops. Ich hatte ein Ephara’s Enlightenment, er einen getappten Zyklopen und zwei Leben weniger. Da er nichts weiter ausspielen wollte, zog ich eine kleine Kreatur und nahm seinen Zyklopen erneut aus dem Spiel. Das Spielchen ging so lange weiter, bis ihn der mitlerweile stattliche Meermann töten konnte. Im zweiten legte ich wiederum den Meermann und zeigte ihm, dass zwei Götter besser sind als keiner. Da gab er schnell nach.

Runde 5 gegen Angel

Gleich der nächste Spanier, der eben noch neben mir saß. Er spielte ein rot-blaues Deck, das einige Ticks aufwies. Im ersten war es ein knappes Ding, das er aber für sich entscheiden konnte. Im zweiten blieb er auf zwei Ländern hängen, während bei mir Battlewise Hoplite, Ephara’s Enlightenment und Heliod, God of the Sun die Kurve machten. Im dritten lies er mir wieder keine Chance, da er am Ende auch noch Sea God’s Revenge für meine kleinen Kreaturen hatte.

Runde 6 gegen Pavel

Er spielte U/W, hatte ein paar Heroic-Kreaturen wie Phalanx Leader, aber vorerst keine Spells, die den Trigger auslösen hätten können. So konnte ich im ersten Spiel ungefährdet auf 29 Lebenspunkten gewinnen, weil ein Ordeal of Heliod hochging. Mein Gegner glaubte mir nicht, dass das Ordeal erst im Angriff triggert und ich noch eine vierte Marke bekomme, wenn bereits drei auf der Kreatur lagen. Ist aber so, was uns ein Jugde bestätigte. So tötete ihn ein 6/6 Wingsteed Rider. Im zweiten Spiel das selbe: Ein großer Wingsteed Rider macht mit einem fliegenden Wavecrash Triton alles klar.

Runde 7 gegen Gerrit

Er spielte U/G-Tempo, das gegen mich relativ langsam performte. So hatte ich zweimal genug Zeit, um ihm die Lebenspunkte zu rauben. Mindestens Heliod war auch in diesem Spiel wieder kräftig involviert und ein Wavecrash Triton konnte genügend Zeit erkaufen, sodass die dicken Kreaturen nicht bei mir vorbeischauen konnten.

Runde 8 gegen Jiri

Wir spielten drei Spiele, bei denen ich das letzte gewinnen konnte, obwohl Heliod drei Runden lang nicht angegriffen hatte. Aktiv war er natürlich. Dank Ordeal of Heliod, Griffin Dreamfinder, Ordeal of Heliod hatte ich mehr als 20 Lebenspunkte und konnte schließlich mit Fliegern das Spiel gewinnen. Sein Flame-Wreathed Phoenix änderte daran wenig.

Runde 9 gegen Dmitriy

Das ist also mein Gegner vom Vortag. Ich wollte diese Runde unbedingt gewinnen und zeigte ihm direkt mal beide Götter. Er staunte nicht schlecht und gab nach kurzem Handgemenge auf. Im zweiten Spiel spielte er ein Hopeful Eidolon in Zug vier einfach so, versuchte einen Zug später Retraction Helix, die gecountert wurde und schob ein. Er verriet mir nach den Spielen, dass sein Deck „complete trash“ sei und er sich wunderte, warum er so weit vorne stand.

Für mich hieß das unter dem Strich, dass ich ein Mal zu oft verloren hatte um den zweiten Tag zu schaffen. Ärgerlich, aber da er in Runde 5 bereits abzusehen war, nicht sehr überraschend. Immerhin hatte ich elegant das 1-3-Drop vermieden und dabei noch eine Menge Spiel und Spaß gehabt. Meine Gegner waren auch durch die Bank nette Menschen gewesen.

Am Sonntag schlenderten wir am Nachittag ein wenig durch Wien, unterhielten uns mit Freunden nett bei einem Wiener Schnitzel und gingen noch ein Bierchen trinken. Am Montag hatten wir dann das einzige Mal Probleme mit unserem Hotel, als uns der Parkplatz nicht hinaus lassen wollte. Als aber auch diese Hürde genommen war, konnten wir unsere 6-stündige Heimfahrt antreten. Dieses Mal um Wien herum. Der Nerven wegen.

Bis nächste Woche

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4 Responses to Wiener Nachgang

  1. Ormus sagt:

    Mein Nachname ist auch so lang, dass mein Vorname auf den Pairings immer Christi ist – ich war aber nicht dein Runde 1 Gegner 😉 Schöner Bericht, mein Turnierbericht folgt dann auch die Tage…

  2. knuffel sagt:

    Ein schöner Bericht, Wien war leider zu weit weg für mich.

    Das Ordeale erst im Angriff triggern, wusste ich auch nicht. Da hab ich einen Gegner beim PTQ ganz schön veralbert. Der wollte mein schwarzes Ordeal in Exil schicken und ich hab einfach noch eine Marke auf die Kreatur gelegt und das Ordeal „getriggert“. Aber mein Gegner dachte auch, dass es so funktioniert…. Wieder was gelernt. 🙂

  3. Manu sagt:

    Ja, mein Vorname reduziert sich auch immer auf Imma auf den Sheets 😉 dann sind meine Gegner oft überrascht, einem Mann gegenüber zu sitzen hehe.
    Shcöner Bericht und gute Performance, hört sich fast so an, als wenn du das optimale aus deinem Pool herausgeholt hättest! Das nächste mal bitte Day2!

  4. maettu sagt:

    Schade das du es nicht Day2 geschafft hast. Aber mal eine Frage wann darf man eine 1 Land Hand annehmen? Ich nehme bei fast jeder 1-Land-Hand ein Mulligan bis 5 Karten. Bei 4 oder weniger nimmt man meistens eh fast alles, und gewinnt nur noch mit viel Glück. Ausser ich habe ein sehr aggressives Deck welches mit 2-3 Mana gut funktioniert, was deines ja nicht war.
    Ich hasse die „coin-flip-hand“ also wo du etwa 50% Chance hast ein Land zu ziehen.
    Wobei du bei deinem Beispiel (Runde 1 Game 3) 16/34 nicht mal 50% hast das Land direkt zu ziehen. Ein Zug danach 16/33 falls du kein Land gezogen hast immer noch nicht bei 50%. Ich weiss bei solchen Mulligan-Entscheidungen vernächlässigt man die Mathematik gerne 😉

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