Blau ist offen

Es gibt so Tage, an denen kannst du draften, was du willst, keine der Farben scheint wirklich offen zu sein. Und es gibt so Tage, an denen sticht eine Farbe gnadenlos heraus und schreit geradezu danach, gedraftet zu werden. Letzteres war diesen Samstag der Fall.

Im Laden angekommen spielte ich zunächst einige Runden Zack-Zack. Das Spiel, bei dem ein Stapel aus verschiedenen Karten als gemeinsamer Ziehstapel dient, man separate Friedhöfe und unbegrenzt viele Standardländer jeder Sorte hat. Man startet mit einer Handkarte. Die Spiele dauern zwischen 1 und 5 Minuten, bei mehr Spielern etwas länger. Aber zwischen den Runden ist es ein hervorragender Zeitvertreib.

Mit dem Draft warteten wir nach dem Öffnen des ersten Boosters noch kurz, weil ein achter Mitspieler gefunden wurde. Da wartet man gerne. Ich öffnete Riptide Chimera und Hour of Need. Beide sind richtig stark, ich nahm die Stunde, weil sie mir potentiell den Blowout hinlegen kann. Spontan 1 bis X Flieger zu basteln ist im Block super und in der anschließenden Offensive unter Umständen tödlich. Danach suchte ich die offene Farbe: Supply-Line Cranes über Golden Hind im zweiten, Golden Hind im dritten Booster. Schließlich kam ich wieder zu blau zurück, da ich drei Pin to the Earth einsammeln konnte. Im achten Pack gab es eine zweite Hour of Need und im neunten, meinem Startbooster, (m)eine Riptide Chimera. Da freuten sich die Pin to the Earths. Der vorletzte Pick brachte mir die Entscheidung zwischen Hubris und Kiora’s Dismissal und ich entschied mich für Hubris, die bei jeder Kreatur ohne Hexproof funktioniert. Als letzten Pick gab es direkt noch eine Hubris. Blau schien scheunentorartig offen.

Im zweiten Booster gab es weniger spaktakuläre Karten. Ich war auf der Suche nach Kreaturen, derer ich bislang nur zwei hatte. Ich nahm ein Vortex Elemental, mehrere Chorus of the Tides und gerne einen Nyxborn Triton. Ganz am Ende des Boosters bekam ich einen Evanescent Intellect, der dank Chimera noch nicht ganz abgemeldet war. Auch wenn die Karte schon ziemlich schlecht ist.

Im Theros-Booster nahm ich etwas zerknirscht eine Sea God’s Revenge. Die Karte ist zwar gut, aber ich brauchte ja noch Kreaturen. Leider folgte mit Bident of Thassa zwar eine ziemlich lächerliche Götterwaffe, aber wiederum keine Kreatur. Pick vier kam eine Keepsake Gorgon, die ich einsteckte und mich somit für Schwarz als Zweitfarbe entschied. Als Schlusspunkt bekam ich eine Returned Phalanx, die wunderbar ins Deck passte.

Beim Auslegen der Karten bemerkte ich, dass 35 doch etwas zu viel ist. Dementsprechend kürzte ich die Karten herunter und Folgendes kam heraus:

Vortex Elemental
2 Omenspeaker
Returned Phalanx
Nyxborn Triton
Riptide Chimera
War-Wing Siren
Wavecrash Triton
Chorus of the Tides
Thassa’s Emissary
Rotted Hulk
Prescient Chimera
Keepsake Gorgon

Thassa’s Ire
Fate Foretold
2 Hubris
3 Pin to the Earth
2 Hour of Need
Bident of Thassa

10 Island
7 Swamp

Nun muss ich dazu sagen, dass dies das Deck ist, wie es am Ende gespielt wurde. Zunächt waren Deepwater Hypnotist und Bloodcrazed Hoplite an Bord, Thassa’s Ire und die zweite Hubris dafür draußen. Somit bleiben im Sideboard: Aqueous Form, Archetype of Imagination, 2 Chorus of the Tides, Crypsis, Deepwater Hypnotist, Evanescent Intellect, Sea God’s Revenge, Sphinx’s Disciple, Bloodcrazed Hoplite, Eye Gouge, Felhide Brawler, 2 Fleshmad Steed, Marshmist Titan und Bronze Sable. Man hätte das Deck auch einfarbig bauen können, genügend spielbare Karten sind dafür vorhanden. Allerdings wollte ich nicht auf die Gorgone und die starke Phalanx verzichten. Wie hättet Ihr das Deck gebaut?

Im ersten Spiel legte ich gekonnt eine Phalanx, ein Fate Foretold und die Riptide Chimera. Zusätzlich half mir, dass mein Gegner auf zwei Ländern stehen blieb. Gegen meine Kartenziehmaschine war er am Ende chancenlos. Im zweiten Spiel war ich chancenlos, weil ich viel zu langsam war: Swordwise Centaur und Oakheart Dryads verhauten mich, auch weil mir alle Blocker gekonnt abgeräumt wurden. Im dritten Spiel sah ich leider nur den Bodensatz des Decks und – wie im zweiten Spiel – mehr als genügend Länder zum falschen Zeitpunkt. Ein [/card]Eidolon of Blossoms[/card] konnte ich noch handeln, danach ging mir leider das Gas aus.

In der zweiten Runde gewann ich zunächst ein scheinbar ewig dauerndes Duell, bei dem ein Eater of Hope ein Pin to the Earth abbekam. Zwar nahm der Eater hin und wieder eine meiner Kreaturen mit, aber dafür fielen auch zwei auf der Gegenseite um. Bident of Thassa zwang dann die gegnerische Offensive zum Angriff und ich konnte das Feld erfolgreich dezimieren. Im zweiten Spiel wurde ich von Dreadbringer Lampads umgerannt. Leider fand ich kaum schwarze Kreaturen und grüne hatte ich überhaupt nicht. So blieb mir nur die Hoffnung auf ein drittes Spiel. Dort sah ich zwar auch wieder einen Eater of Hope, aber dieser musste mit eine meiner beiden Sphingen abtauschen. Als dann ein Omenspeaker die zweite Hour of Need abbekam, gewann ich diese Runde.

Im dritten Spiel gegen RW-Aggro hatte ich ein ziemlich angenehmes Matchup. Ich behielt mit zwei Pin to the Earth, die gegen Bestow und Fearsome Temper richtig stark sind. So konnte ich in Ruhe Riptide Chimera und Hour of Need spielen, ohne gefährdet gewesen zu sein. Im dritten Spiel hatte ich zwar kein Pin to the Earth, mein Gegner nach Mulligan aber auch keine aggressiven Drops. So gewann ich dank seiner Mana Confluence, diversen Hubris[card]‘ und einer erneuten [card]Hour of Need.

2-1 ist fair, aber ich hätte wohl mindestens einen Mulligan in Runde eins nehmen sollen – was sich hinterher natürlich leichter sagt, als es ist. Vielleicht wäre hier noch mehr gegangen. Die Hour of Need waren toll, die Riptide Chimera ebenso. Sie ließ mich frühe Pin to the Earth „verschwenden“, die ich später wieder umlegen konnte. Auch mit Fate Foretold arbeitete sie gut zusammen. Nicht so stark, aber für notwendig hielt ich die 2-Drops. Da sie aber unterduchschnittlich performten, landeten sie auf der Ersatzbank. Hour of Need fand trotzdem genügend Ziele.

Nächste Woche gibt es für mich keinen Draft und daher wohl wieder einen Commander-Artikel. Für dieses Format sind bei mir ein paar Decks entstanden und zumindest eines davon würde ich gerne genauer auseinandernehmen.

Bis nächste Woche

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5 Responses to Blau ist offen

  1. Andy sagt:

    Den Hulk hätte ich nie ins Deck genommen, vor Allem mit den guten Optionen, die du noch hattest.
    Und von Thassas Ire bin ich auch nicht überzeugt, kostet einfach zu viel Mana, die man anderweitig ausgeben möchte.
    Sonst sehr gelungen.

  2. knuffel sagt:

    Mir gefällt dein Deck, Hour of Need ist einfach nur super stark. Warscheinlich hätte ich den Rotted Hulk im Sideboard gelassen und dafür noch einen Chorus gespielt. Hubris finde ich auch immer nur mäßig, da hätte ich die Sea God`s Revenge ins Deck genommen. Ansonsten hätte ich es wohl genauso gebaut. 🙂
    Offene Farben erkennen ist ein Talent, das kann ich nicht. Ich bin dann eher der dritte Schwarzdrafter in Folge oder solche Späße…

  3. maettu sagt:

    Ich wäre wohl auf Grün-Blau gekommen wegen dem Golden Hind. Gut Blau-Grün ist meiner Meinung nach die stärkste Farbenkombination. Gut die Kunst des guten Drafters ist wohl schnell wenn nötig eine Farbe zu wechseln, falls die nicht offen ist 😉

    Einfarbig zu spielen bringts in den meisten Fällen wohl eher nicht, eine zweite Farbe bringt extrem viel Flexibilität und mehr Sideboard-Möglichkeiten. Darum sollte man vielleicht beim Draften nicht nur eine Farbe nehmen. Es gibt keine Bonuspunkte wenn man ein 60 Karten Deck spielen kann.

    Sonst sieht das Deck natürlich sehr solide aus.

    • Christian sagt:

      Ein einfarbiges Deck zu spielen heißt ja noch lange nicht, nur eine Farbe von Karten zu draften.

      Man kann (je nach Gegner) auch die Farbe beim boarden ändern. Aber ich hätte das Deck mit dem Pool sehr wahrscheinlich mono-blau gespielt. Klar, insbesondere Phalanx und Gorgon sind Premium Karten – aber für drei (oder 4 wie in der Original-Liste) Karten die Manabase belasten (und ich kann nur sagen das ich erste Runde gegen Robert gespielt habe und ihm teilweise die Sümpfe gefehlt haben – wobei ich da auch nachgeholfen habe), wenn man noch wirklich gute Optionen im Sideboard hat ist imo unnötig. Sea God’s Reveange, Chorus of the Tides und Deepwater Hypnotist sind in meinen Augen nicht so viel schlechter als die schwarzen Karten um die Manabase so viel schlechter zu machen (10/7 ist zwar eine solide Manabasis – 10 Inseln sollte eigentlich auch gut reichen. Aber 17 Inseln ist einfach trotzdem deutlich besser). Außerdem (abhängig vom Sideboard) ist es wesentlich flexibler vom boarden her: Mann kann z.b. ohne weiteres einfach sagen „Ich board meine zwei disenchant und pack 5-6 Länder in der Farbe hinzu“.

      Ist mir selber schon passiert das ich denke ich drafte XY, nur um danach festzustellen, „ich habe in Y nur 5 Karten im Deck – da hätte ich beim draften mehr aufpassen müssen und eventuell doch mehr Karten anderer Farben aufsammeln sollen um dann jetzt mono-X oder XZ spielen zu können“. Ich glaube gerade wenn man fast mono-X ist, sollte man das zu seinem Vorteil nutzen (auch wenn es natürlich schwer sein kann das richtig während dem draft zu erkennen).

  4. KLT sagt:

    Grüße von deinem Gegner in Runde 2 😛
    Da hab ich mal deinen Blog hier entdeckt und dachte mir beim lesen „Moment, das kommt mir alles doch sehr bekannt vor“ ^^
    Und ja, Hour of Need ist super. Ich konnte die 4/4 Flieger nicht handeln.
    Ich muss das Draften auch noch etwas üben, aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht 🙂

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