Polka und 2HG-Draft

Gleich zum Einstieg eine Quizfrage? Sehr gerne: In welchem Format wird Taigam’s Scheming ohne nachzudenken gecountert? Die Antwort später.

Erst einmal willkommen zu meinem zweiten nicht erfolgreichen Grand Prix-Bericht innerhalb eines Jahres. Wobei man das mit dem Erfolg ja so und so sehen kann. Ich habe einiges geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. Tag 2 des Mainevents war aber nicht dabei. Ich sollte aber besser der Reihe nach erzählen.

Freitag – Polka ist eine Ferienwohnung

Ich saß mit meinem Rollkoffer in der Ubahn und bekam merkwürdige Blicke ab. Vermutlich, weil ich in den Urlaub fuhr, während die, die mir die Blicke zuwarfen, in die Arbeit unterwegs waren. Tja, wenn die wüssten, dass Erholungsurlaub für niemanden auf dem Programm stand. Ich schleppte mich mit meinem Gepäck zum Treffpunkt, wo wir dann immerhin schon zu zweit waren. Denny saß da, als würde er schon seit Stunden warten. Zum Glück kamen auch Christian und Tony (mit Auto) bald und wir fuhren erst mal zum REWE. Wer kein Hotel hat, hat auch nix zu Beißen und muss sich entsprechend selbst versorgen.

Also einkaufen, wobei drei von uns lernten, dass Lätta eine Butter ist. Vor allem, wenn „Halbfettmargerine“ draufsteht. Ansonsten das Übliche: Brot und Brötchen für Frühstück, abends würde sich etwas finden lassen. Hackfleisch für die Nudeln am ersten Tag war noch Pflicht, der Rest war optional oder Flüssiges.

Danach gab es noch eine umständliche Toilettenschlüsselübergabe und schon ging es los nach Frankreich. Genauer: Nach Straßburg. Mangels besserem Wissens schreibe ich es einfach so, Einheimische mögen mir Fehler in der Namensgebung verzeihen. Wir steuerten am frühen Vormittag zunächst die Site an, um uns über die Parkplatzsituation und die Halle sowie die Anfahrt am nächsten Tag keine Sorgen machen zu müssen.

Die Halle war gruselig. Zweckmäßig mit vielen Bänken und Stühlen eingerichtet, aber gruselig. Hätte man auch einen Schlachthof drin aufbauen können. Eben eine Messehalle ohne Wandverkleidug oder Fenster, dafür verschlossene Rolltore, wo man auch an die Wände sah.
Die Anfahrt klappte schon besser. Nur die Ampel unmittelbar vor der Abzweigung zur Halle, also die letzte aller Ampeln, wartete jeden Tag gefühlte zehn Minuten mit dem Umschalten, da Straßenbahnen (ja, Mehrzahl!) vorbei wollten. Das musste natürlich einkalkuliert werden.
Die Parkplatzsituation war am Freitag total relaxt. Und für Samstag wollten wir „nach ganz hinten“ ausweichen: Wer an der Halle vorbeifährt, hat einen kleineren Schotterbereich, der als Stellfläche dient. Also alles klar; nur noch schnell checken, dass wir auch alle angemeldet waren und ab zur Ferienwohnung.

Denkste. Versuch mal jemandem, der kein Deutsch und beinahe kein Englisch sprechen will, klarzumachen, dass du nur sicherstellen möchtest, dass du morgen teilnimmst. Furchtbar. Auch wenn die Dame am Bazaar of Moxen-Stand dafür nicht zuständig war, hätte sie uns das doch wenigstens sagen können. Nach dem Motto „Jungs, ihr seid hier falsch, versucht’s mal nebenan.“ Da standen wir einige wilde Gestiken später und erfuhren, dass wir uns überraschen lassen mussten, weil man dank Computerproblemen grade selber keinen Zugriff auf die Anmeldungen hatte. Soso. Also gingen wir zurück zum Auto, waren so schlau wie vorher und freuten uns jetzt auf unsere Bude.

Wir fuhren etwa 20 Minuten mit dem Auto zu unserer Wohnung „Polka“, wo uns ein sehr aufgewecktes älteres Ehepaar empfing und uns erst mal Wein einschenkte. Das nenne ich mal eine Begrüßung! Namen und Adressen wurden in einem sehr freundlichen Gespräch aufgenommen und über den Urlaub in Deutschland wurde geplaudert. Irgendwann schafften wir es dann doch in unser Zimmer, wir befreiten den Tisch von seiner Gummidecke und legten mit den ersten Sealedpools los. Dank zweier Displays konnten wir jeweils drei Testpools bauen, was wir an diesem Abend voll ausnutzten. Die Erkenntnis für morgen? Einen guten und leicht zu bauenden Pool aufmachen. Viel zu spät fielen wir um 23 Uhr ins Bett.

Samstag – Maineventspaß

Am großen Tag machten wir uns um kurz nach acht auf den Weg – was bedeutete, dass wir den Parkplatz „ganz hinten“ nehmen mussten. Da uns auch Autos wieder entgegenkamen, befürchteten wir das Schlimmste. Aber da man „ganz hinten“ nur noch einmal rechtsrum fahren musste, hatte man beinahe unbegrenzt viel Stellfläche. Das war von vorne nicht zu sehen gewesen, erwarte ich aber auch von einer angeblichen Messehalle.

Im Event selbst dann erst mal Seatings. Ich saß da dann auch eine gute Stunde rum, während die beiden dem Namen nach hintersten aus unserem Auto diverse Platzwechsel vornehmen mussten. Da hatten die Computer des Veranstalters einfach mal falsche Platznummern ausgegeben. Also Durchsage, alles lief zu den Tafeln, die praktischerweise einmal quer durch die Halle zu erreichen waren. Dann musste wieder alles zurück, weil die Nummern doch wieder am anderen Ende waren. Das hätte man doch irgendwie besser machen können.

Ich öffnete dann einen recht starken Mardu-Pool, der als Spoiler Sarkhan, the Dragonspeaker enthielt. Ich checkte den Pool meines Gegenübers, der offenbar aus Italien stammte und mich direkt in ein Abzan-Deck quatschen wollte. Er hatte ja recht, aber ich gab auch seinen Pool weiter. Zweimal nach links. Stattdessen bekam ich in etwa das:

2 Disowned Ancestor
2 Mardu Skullhunter
Seeker of the Way
Grim Haruspex
2 Woolly Loxodon
Abzan Guide
Abomination of Gudul
Abzan Falconer
Abzan Battle Priest
2 Alabaster Kirin
High Sentinels of Arashin
Salt Road Patrol

Icy Blast
Feat of Resistance
Kill Shot
Bitter Revelation
Utter End
Throttle
Dead Drop

Dismal Backwater
Jungle Hollow
Frontier Bivouac
Opulent Palace
Polluted Delta
Tranquil Cove
5 Plains
5 Swamp
1 Forest

Das war das Deck, das ich baute. Am Abend in unserer Polka bauten wir es gemeinsam ohne meine Liste zu kennen ganz ähnlich. Das Sideboard dazu bestand aus Rush of Battle, Sage-Eye Harrier, Mysic of the Hidden Way, Riverwheel Aerialists, 2 Singing Bell Strike, 2 Dutiful Return, Raider’s Spoils und Shambling Attendants. Grün und vor allem Rot waren ansonsten unterirdisch. Im Vergleich zu meinem Build waren die Verbesserungen:
– 2 Woolly Loxodon
– 1 Mardu Skullhunter
+ 1 Island
+ 1 Mystic of the Hidden Way
+ 1 Riverwheel Aerialist
Da bin ich direkt froh, dass es sich doch in Grenzen hält. Für jemanden, der so gut wie nie Sealed spielt, ist es gar nicht so einfach einen Haufen Karten vor die Nase gesetzt zu bekommen und dann daraus das beste Deck zu bauen.

Die Spiele habe ich mir zwar alle notiert inklusive Gegner und Tischnummer, aber eine große Beschreibung spare ich mir und euch.

Runde 1 – Anton (0-2)

Ein sehr netter Mensch, leider kämpfte ich mit meinen Hüllen. Muss ein Montagsprodukt gewesen sein. Völlig unkonzentriert verlor ich zurecht 0-2.

Runde 2 – Stephane (2-0)

Der netteste Mensch des Turnieres. Unbestritten. Sein Deck war zwar Mist, aber er war immer sehr freundlich und zuvorkommend. Wären mal alle Gegner so.

Runde 3 – Giovanni (0-2)

Im zweiten verzockte ich es hart, indem ich mein weißes Mana tappte und einen Kill Shot nicht mehr spielen konnte. Zurecht verloren.

Runde 4 – Loick (2-0)

Er konnte nix gegen mein Lifegain machen und so kam ich von 1 Lebenspunkt wieder auf solide 15. Bei ihm war es umgekehrt.

Runde 5 – Vian (2-0)

Zwei schöne Spiele, auch wenn er ziemlich wegflutete. Am Ende hatte ich einfach mehr Sprüche.

Runde 6 – Christian (1-2)

Und draußen: Einen Zug zu langsam, was aber nichts daran änderte, dass ich morgen nicht mehr mitspielen werde.

Runde 7 – Benjamin (0-2)

Jetzt wo’s um nix mehr ging – faltete er mich erst mal ordentlich zusammen. Chancenlos im ersten, nicht viel besser im zweiten.

Runde 8 – Michael (2-0)

Ich kann doch noch gewinnen. Im ersten grade so auf 6 Lebenspunkten, im zweiten solide auf 20. Seine Colorscrews halfen mit.

Runde 9 – Milan (0-2)

Da war auch nix mehr zu holen. Irgendwie hatten die anderen immer die guten Spoiler und ich nicht. Blöder Necropolis Fiend.

So schlecht war mein Deck zwar eigentlich nicht, aber an mindestens einer Stelle habe ich es böse verzockt. Und wenn ich schon selbst merke, dass ich es verzockt habe, gibt es bestimmt noch andere Situationen, die mir nicht aufgefallen sind. Aber 4-5 ist deutlich, da hätten auch 2 Siege mehr nicht geholfen. Ich ließ mir dann aus Frust noch meine mitgebrachten Karten von Magali Villeneuve signieren, bei Ryan Yee war die Hölle los. Und warum war auch Johann Bodin da? Der wurde vor einer Woche noch nicht angekündigt.

Als einziger in den zweiten Tag von uns vieren hat es Denny geschafft, der 7-2 gegangen ist. Christian spielte währenddessen ein Turnier, das für aus-dem-Mainevent-Gedropte güntiger war und gewann vier Runden. Wir fuhren anschließend bei McDonalds vorbei und kamen dort um 23:01 an, weshalb man uns nicht mehr bedienen wollte, obwohl der Laden noch gerammelt voll war. Aber Drive-In ginge noch. Ok, auf zum Drive-In und in Ermangelung verständiger Mitarbeiter 4 Big Mac-Menus geordert. Wer will schon einen McWrap haben?
Zu hause noch ein wenig die Pools gebaut und betrachtet, außerdem den Plan für morgen ausgemacht. Dann wieder viel zu spät ins Bett.

Sonntag – 2HG-Draft-Wahnsinn

Während Denny sich zum Mainevent verabschiedete, konnte Christian einen freien Startplatz in der Super Sunday Series wahrnehmen. Tony und ich standen rum. Also beschlossen wir, dass 2HG-Draft genau unser Format ist. Wir drafteten viele Länder, dazu ganz gutes Zeug, wie wir meinten. Dann wurden wir erst mal von zwei deutschen Kollegen auseinandergenommen, auch weil ich keine Länder hatte.
Wir spielten danach gegen die anderen Verlierer und konnten dort gewinnen. Bringt nur nix mehr.

Ich stellte mich bei Ryan Yee zum Karten-signieren an, Tony wollte in der Zwischenzeit auf die Toilette. Ich stand deutlich länger, bestimmt eine Stunde. Tendentiell sogar 2. Dafür habe ich nun sinierte Command Tower. Meine Mantis Rider bekam Herr Bodin zum unterschreiben und ich muss sagen, dass Herr Yee die unschönste Unsterschrift hat. Da ist das Anstellen gar nicht so sehr die Zeit wert. Dafür habe ich mir einen Druck vom FNM-Judge’s Familar gekauft. Der ist klasse.

Zurück auf dem Turnier spielten wir einfach ein weiteres 2HG-Draft-Turnier. Wir starteten mit Abzan Charm und Archer’s Parapet und bekamen Abzan Charm und Hordeling Outburst geschoben. Wir beschlossen ein schnelles rotes Deck sowie ein unterstützendes Abzan-Deck zu bauen. Das sah gut aus bis zu dem Moment, in dem wir spielen mussten. Da versagten wir wieder und verloren erneut. Trotz gutem Plan. Im Cup der Loser konnten wir zwar wieder gewinnen, aber was hilft’s?

Da Christian einen Sideevent Draft mitnahm und Denny die letzten Runden spielen musste, meldeten wir uns um 17 Uhr in der Happy Hour für einen dritten 2HG-Draft an. Kann doch nicht sein, dass wir da nix reißen. Dieses Mal kamen folgende Decks raus:

Deck A:
Embodiment of Spring
Kin-Tree Warden
2 Archer’s Parapet
Kin-Tree Invocation
Glacial Stalker
Jeskai Windscout
Mystic of the Hidden Way
Sagu Archer
Witness of the Ages
Clever Impersonator
Rotting Mastodon
Meandering Towershell
2 Sultai Soothsayer

2 Disdainful Stroke
Force Away
Debilitating Injury
Cancel
Become Immense
Treasure Cruise
Dead Drop

Thornwood Falls
6 Island
5 Swamp
6 Forest

Deck B:
2 Mardu Hateblade
Ruthless Ripper
Mardu Hordechief
Grim Haruspex
Ponyback Brigade
Abzan Battle Priest
2 Alabaster Kirin
Salt Road Patrol
Mer-Ek Nightblade
Swarm of Bloodflies
Mardu Roughrider
Sultai Scavenger

Debilitating Injury
Kill Shot
Arc Lightning
Trumpet Blast
Abzan Ascendancy
Mardu Charm
Smite the Monstrous
Rite of the Serpent
Dune Blast

Bloodfell Caves
2 Blossoming Sands
Scoured Barrens
2 Nomad Outpost
4 Plains
4 Swamp
2 Mountain
2 Forest

Das witzige daran: Wir starteten mit Temur Ascendancy, der wir lange treu bleiben wollten. Daher war uns die Farbaufteilung lange nicht klar. Am Ende wurde es der Removalhaufen und der Counterhaufen. Comboeske Züge nahmen Abzan Ascendancy, Swarm of Bloodflies und Duneblast an. Auch die Meandering Towershell kann einen Duneblast überleben und dann quasi aus dem nichts angreifen. Also sehr gelungene Decks.

Und endlich auch einmal gelungene Spiele. Unsere ersten Gegner waren die beiden Deutschen aus dem ersten Draft, nur dass sie dieses Mal scewed waren. Als sie dann endlich ihre Kreaturen und Länder hatten, hatte ich 7 Länder und Duneblast. Dann gab es gezieltes Removal und wir waren im Finale.

Dort trafen wir auf zwei sehr freundliche ältere Franzosen, die ein sehr aggressives und ein eher kontrolliges Deck hatten. Den Ansatz kannten wir doch irgendwo her. Sie traten ein wenig auf uns ein, Parapet und Embodiment hielten die Stellung. Swarm of Bloodflies sollte mittels Savage Punch gegen Highland Game entsorgt werden, aber ein Embodiment of Spring sprang in die Bresche. Einen Dead Drop später griff der Schwarm für sechs an. Dank zwei voller Hände und dem zweiten Parapet war schnell der Ofen aus.

Denny konnte in der Zwischenzeit Platz 22 im Mainevent sichern. Respekt!

Am Ende des Tages konnten wir 2HG-Drafter durch BoM-Point-Zusammenlegung 10 Booster gewinnen. Dabei stellte sich heraus, dass man mit der Dame vom BoM-Stand doch reden konnte. Nur eben französisch.
Ganz anders im Quick ’n Chips: Hier erklärte man uns sogar persönlich auf Englisch, wie man was zu bestellen hat. Und geschmeckt hat es uns auch. Die „drei-Gurken-ein-Burger“-Geschichte will ich nun aber nicht noch einmal aufwärmen.

Zuhause angekommen gab es Booster Battles. Und hier die Auflösung der Quizfrage: Es ist natürlich Boosterduell! Jeder, der hinten liegt, wird Taigam’s Scheming ohne mit der Wimper zu zucken neutralisieren, weil der Gegner sonst fünf Züge eher gewinnt. Unnötig zu sagen, dass ich dadurch sogar noch viel höher verloren habe.
Trotzdem waren in zehn Preisboostern nochmal zwei schöne Länder und wir konnten beruhigt schlafen gehen.

Montag – Sind wir schon da?

Nochmal abspülen, duschen und aufräumen. Pfandflaschen mitnehmen und kontrollieren, dass man nix vergessen hat. Mehr war es am Montag nicht. Ach doch, gezahlt werden musste auch. Aber dann konnte es losgehen richtung Heimat.

Ich bin seitdem krank und kann deswegen ganz entspannt hier sitzen und diese Zeilen schreiben. Ob es unsere selbst gekochten Nudeln waren, der ich meine Krankheit zu vedanken habe, oder ob ich jemand ansteckendem die Hand gegeben habe, weiß ich nicht. Ich hatte aber in jedem Fall eine Menge Spaß. Alleine dafür hat sich die Reise schon gelohnt.

Wart Ihr auch in Straßburg? Wie seid Ihr gegangen? Oder habt Ihr weiter zu Hause gedraftet? Ich habe ja selbst am Samstag wieder einen Draft mitgemacht und das einzige – sehr glückliche – 3-0-Deck gedraftet. Aber davon dann erst nächste Woche, für heute muss das erst mal reichen.

Bis nächste Woche

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4 Responses to Polka und 2HG-Draft

  1. Manu sagt:

    Sehr geiler Turnierbericht 🙂 Auch ohne Top8-Finish lese ich so etwas richtig gern. V.a. das rundrum ist viel interessanter als detailierte Runde-für-Runde Nacherzählungen!

  2. Manu sagt:

    Sehr geiler Turnierbericht. das rundrum ist soviel spannender und interessanter als diese Runde-für-Runde-Nacherzählungen. Freu mich schon auf deinen nächsten GP-Trip

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