Decks bauen

Was ich letzte Woche befürchtet habe, ist tatsächlich eingetreten: Diese Woche war dank Legacy und Modern kein Draft angesagt. Da beides nicht unbedingt meine Formate sind, spielte ich einfach nicht mit.

Dennoch habe ich die Woche nicht ohne Magic verbracht – im Gegenteil. Ich habe mich am Freitag mit einer Kollegin zusammengesetzt, da sie mir schon seit Wochen erzählt, dass sie einen ganze Karton voller alter Karten hat. Erstens bin ich bei so etwas sehr neugierig und zweitens möchte ich ja auch nicht, dass ihr der Karton im Weg steht; vielleicht kann man die Karten ja auch gewinnbringend verkaufen.

Unser Ziel war, die Karten zu sichten, zu bewerten und zwei Decks zu bauen, um damit ein wenig zu spielen. Das Sichten an sich war kein Problem: Aus einem unbekannten Grund war die Lieblingsfarbe Schwarz schwer verkürzt und mit nur wenigen Karten ausgestattet. Im Gegensatz dazu fanden sich in den anderen Farben jeweils Tribes ein: Grün enthielt viele Würmer, Rot Orcs und Goblins und Blau einige Meervölker. Auch ein paar ältere Highlights waren dabei, was meine Kollegin glatt erstaunte.

Die große Schwierigkeit bestand nun darin, aus den einmal durchgesehenen Karten zwei Decks zu bauen. Diese sollten einen Anfänger nicht überfordern, indem sie zu textlastige Karten oder zu komplizierte Mechaniken haben. Ich entschied mich also für ein relativ aggressives rotes Goblin-Deck und ein etwas defensiveres Meervolk-Deck. Ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist, aber mit irgendwelchen Decks muss man sowieso anfangen. Wir wollten ohnehin zwei Decks haben, warum dann nicht zwei in den klassisch-verfeindeten Farben?

Karten wie Boil lies ich allerdings bewusst aus. Erstens ist das in Lernspielen nicht förderlich, wenn plötzlich einer ohne Hosen (also ohne Länder) dasteht, zweitens bauen wir vielleicht auch Decks aus anderen Farben; und dann ist das einfach eine tote Karte im Maindeck. Ein eventueles Sideboard kann die Karte ja durchaus spielen.

Wichtig war mir
– eine relativ große Anzahl an Kreaturen,
– Spontanzauber und Hexereien sowie Verzauberungen und
– ein paar Nicht-Standardländer aufzunehmen.
Bei den Kreaturen wollte ich einfache Keywords verwenden: Flying bei blauen Sceadas bot sich an, Eile bei den Goblins. Aber auch Gebrigstarnung und „Kann nicht blocken“ fand sich auf den Kreaturen wieder. Etwas komplizierter waren wenige Karten, aber auch solche wollte ich einbauen: Goblin Lackey durfte mitmachen, der auch direkt ein Spiel dominierte. Auch eine Phasing-Kreatur kam beim blauen Deck zum Zuge.

Unbedingt vermeiden wollte ich lediglich Bündnisfähigkeit. Erstens weil ich mir selbst unsicher bin, wie die Bündnisse angreifen und blocken, zweitens weil es für einen Anfänger weder relevant noch einfach nachzuvollziehen ist. Da aber ohnehin nur weiße Kreaturen in unserem Pool bänderten, spielte das glücklicherweise keine Rolle.

Bei den Spielen ließen wir es langsam angehen; zwar wurden wir gefragt, ob man mitspielen dürfe, aber da wir das Spiel erst noch einmal in den Grundzügen durchsprachen und die Grundregeln einübten, verneinten wir das freundliche Angebot. Wir spielten vier Partieen, wobei wir die Karten offen zeigten. Das erlaubt natürlich immer einen „Vorteil“ für beide, lässt aber mich zum Bespiel Tipps geben. So kann ich leichter die Möglichkeiten aufzeigen, die in einem Zug drin sind.

Die Spiele selbst waren relativ ausgeglichen. Bis auf ein Spiel, in dem der Goblin Lackey einfach eine zu große Armee zu früh auf das Spielfeld werfen konnte, waren die Spiele immer knapp. Die Frage, ob das blaue Deck sich früh genug stabilisieren konnte, wurde zweimal mit „Ja“ beantwortet. Somit schafften wir ein gerechtes Unentschieden.

Wie geht Ihr vor, wenn ihr gefragt werdet, ob Ihr in solchen Magic-Situationen (Anfänger sagt, er habe hier ein paar Karten rumliegen) gefragt werdet? Kommt das überhaupt vor?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass man an meiner Methode, das Spiel zu lernen und die Decks zu bauen, sicher viel verbessern kann. Aber ich habe einfach keine Erfahrung auf dem Gebiet.

Ich denke, dass man viel reden sollte, gerade beim Deckbau: Warum ist diese oder jene Karte gut? Warum schafft es Spruch XY ins Deck, während ein anderer außen vor bleiben muss? Wie viele Länder spielt das Deck und warum? Was ist die Grundsätzliche Strategie? Was sind gute Draws mit den Karten und was sollte man vermeiden?

Auch die Keywords kann man vorher klären; allerdings kam uns die offene Spielweise, also die offen gezeigten Karten, sehr entgegen. Man kann an der Stelle einfach fragen, was die fragliche Karte genau tut, weil die Karte ohnehin sichtbar ist.
Ich hatte noch das Glück, dass die Grundregeln bekannt waren, lediglich Details fehlten. Bei einem absolten Neuling würde ich anders vorgehen und zuächst das Spiel und die grobe Aufteilung der Phasen erklären. Das war bei uns nicht mehr notwendig, weil die Grundzüge bekannt waren.

Ich persönlich finde, dass es für mich jedes Mal schwieriger wird, einem neuen Spieler oder Interessiertem Magic beizubringen. Nicht weil es komplizierter wird, sondern weil ich immer tiefer drinstecke und einfach keinen Aspekt vergessen möchte. Dabei übersehe ich leicht, dass das meiste davon nicht relevant ist, um am Küchentisch oder auf dem Pausenhof ein bisschen spielen zu können. So gesehen haben es Spieler, die selbst noch nicht so lange dabei sind, leichter das Spiel zu erklären, da sie einfach sagen, was für sie in den ersten Spielen wichtig war und welche Erkenntnisse sie mitgenommen haben.

Für nächste Woche bin ich zuversichtlich, dass es wieder einen Draft mitsamt Report gibt. Meines Wissens nach wird nun die Zeit bis zu den Drachen voll durchgedraftet. Also beide Wochenenden. Vom Prerelease gibt es dann auch wieder einen Sealedbericht.

Bis nächste Woche

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8 Responses to Decks bauen

  1. Felix sagt:

    Toll zu lesen und das mit dem Karten-Stapel ist mir gestern zum dritten mal passiert (leider wollen die Leute meist, dass ich die Karten einfach verkaufe, aber ich habe so einen Goblin Piledriver geschenkt bekommen!). Mich interessieren jetzt natürlich die Decklisten und was die „Highlights“ (bis auf den Lackey) waren?
    Ich bin gespannt auf die Antwort.

  2. Christian sagt:

    Gute Frage.

    Ich hab vor Ewigkeiten ein paar einfache 2-farbige Decks für diesen Zweck gemacht (Hatte einiges an Alara Block Karten zur Verfügung, da hat sich 2farbig gut angeboten). Hier ein paar Sachen, auf die ich achten würde (wobei ich keine Ahnung habe ob das gute Tipps sind 😉 ):

    *Ich bin mir nicht sicher ob einfarbig so viel einfacher ist, reduziert aber die Wahrscheinlichkeit auf Manaprobleme, und ist deswegen wahrscheinlich sinnvoller (oder man achtet deutlich besser auf eine gute Manabasis).
    *Ich würde auf die Sprache achten. Erstens ob derjenige deutsche Karten bevorziehen würde, oder auch mit Englischen kein Problem hat. Zweitens am besten nur eine Sprache benutzen. Sprich entweder deutsche oder englische Karten, eine Mischung macht es nicht leichter.
    *An Kreaturen/Spells würde ich ähnlich vorgehen wie in einem Limited-Deck, sprich so um die 15-17 Kreaturen + ca. 5-7 Spells (auf 40 Karten; bei 60 Karten Decks halt entsprechen angepasst). Auf jeden Fall eher einfacheres Zeug mit eher weniger on-Board-Komplexität (hauptsächlich French-Vanilla Kreaturen oder auch was mit comes into play Sachen, aber nur eine überschaubare Menge an Activated abilites). Würde von der Rarity auch eher hauptsächlich c/uc nehmen, vielleicht noch ein paar Rares, aber um die meisten Mythics (insbesondere Plainswalkern) eher einen Bogen machen.
    *Ich denke neuere Karten (gerade M1X) eignen sich wahrscheinlich am besten. Alte Templates/Wordings sind teilweise nicht ganz so klar, und man muss Leuten nicht unbedingt sagen müssen, dass „Summon X“ und „Creature – X“ eigentlich das gleiche sind. Auch ist die Menge Reminder-Texten höher, was die Sache denke ich übersichtlicher macht.
    *Ich würde keine zu „swingy/unfairen“ Karten reinpacken. Das kommt natürlich klar auf das Verhältnis drauf an, aber ich glaub es kann frustrierend sein, wenn man als Anfänger auf der falschen Seite eines Baneslayer Angels oder ähnlichem steht und nichts gegen machen kann.

    (Wenn ich das geschriebene so lese, sollten sich Core Set Draft Decks eigentlich ganz gut dafür eignen…)

    Natürlich kommt das auch stark drauf an, was man vom Neuling weiß. Wenn man weiß, das der Neuling eher Fan von komplexeren Spielen ist, kann man natürlich gezielt auf höhere Komplexität setzen: also mehr Kreaturen/Spells mit zusätzliche Optionen. Mehr activated abilites und mehr spells, insbesondere Instants. Vielleicht auch ein paar modale Sprüche oder auch einige Spells/Kreaturen mit Cycling, Kicker, Evoke und ähnlichem so dass viele Karten verschiede Optionen bieten. (Sollte man natürlich nicht zu übertreiben und paar Vanilla-Kreaturen sind auf jeden Fall sinnvoll.)

  3. Bernie sagt:

    Keine Zeit dafür. Duels of the Planeswalkers empfehlen und gut isses 🙂

  4. Lord Sonntag sagt:

    Ich hab vor kurzem meiner Freundin magic beigebracht und dazu zwei einfache zweifarbige decks zusammen gebaut. Geachtet habe ich darauf dass die manakurfe gut passt und beide decks eine unterschiedliche Spielweisebieten. ZudZudem sollten die Karten deutsch sein.
    Rot Grün war mehr so die Richtung midrange und blau schwarz control. Beide decks enthielten eine rare (shivan Drache und sphinx of uthuun). Sie waren ungefähr gleich stark, jedoch war das control Deck leicht besser. Dieses Deck gab ich meiner Freundin, denn ich lernte schon früh, dass es sehr demotivierend ist zu oft zu verlieren.
    Nachdem sie (und ihre Schwester) die Grundzüge von magic beherrschten und auch definitiv Lust auf mehr haben baute ich wieder neue decks, immer und immer wieder und jedes mal etwas schwerer und mit neuen Fähigkeiten, combos und Tricks. Mittlerweile sind auch schon planeswalker mit am Start und es fehltnur noch counter zu lernen.

  5. Andy sagt:

    Ich bringe immer zuerst den normalen Zugablauf bei, wann Zauber gespielt werden, wie Kreaturen angreifen oder blocken und wie Schaden zugefügt wird. Die Schlüsselwörter auf Karten können meist recht einfach und schnell von Anfängern auch ohne fremde Hilfe verstanden werden. Außerdem: aus Fehlern lernt man

  6. maettu sagt:

    Ich finde man sollte den „Charakter“ der Farben in Magic, näher bringen. Also Rot hat Direktschaden/Eile, Schwarz Zerstörungen/Abwurfeffekte, Weiss Schutz/Schadenverhindern, Blau Counters/Fliegen und Grün Trampelschaden/“Riesenwuchseffekte“ 😉
    Aber ist halt immer fraglich was alles zu den absoluten „Basis-Fähigkeiten“ gehört! Mehr als diese Effekte genügen mal für den Anfang! Wenn man mal den „Kampf“ richtig verstanden hat, kann man schon fast Magic spielen 😉 (Alle Phasen in der richtigen Reihenfolge…)

  7. Jek sagt:

    Professor Pischner hat mal auf magicuniverse.de einen guten Artikel geschrieben, wie er einem Anfänger Magic beibringen würde und dazu auch zwei Decklisten gepackt, die am Anfang nicht überfordern. Am Besten den Artikel im Archiv googlen, ausdrucken, Decks nachbauen und immer zur Hand haben 😉

  8. Rudiger sagt:

    Ich habe meiner Frau vor ca. 2 Jahren Magic beigebracht. Inzwischen bereitet sie sich auf ihr erstes Modern-Turnier vor. Für den Anfang habe ich Themendecks gebaut. Damals war gerade Return to Ravnica herausgekommen, daher war es ideal einfach für jede Gilde ein Themendeck zu haben. Ursprünglich hatte ich dafür nur die Karten aus den Prereleases verwandt, aber dann später auch noch zugekauft (z.B. sehe ich die Schockländer als eine generell gute Investition an und hatte daher kein Problem, für diese noch weiteres Geld auszugeben). Jedoch, der Trick meiner Themendecks war, dass ich in jedem Deck nur 30 Karten verwandt habe und jede Einzelkarte maximal 2mal. Das hat mir natürlich erlaubt aus deutlich weniger Karten, deutlich bessere Decks zu bauen, welche auch flüssiger liefen. Darüberhinaus habe ich kreaturenlastige Decks gebaut, jeweils um die Gildenmechanik herum. Jedoch durchaus mit unterschiedlichem Tempo. Boros wurde ein reines Aggro-Deck, Selesnya hatte ein klares Token Thema und Azorius wurde ein Midrange-Nur-Flieger-Deck. Das war alles sehr sinnvoll, denn dadurch bekam jedes Deck sein eigenes Gesicht und ich konnte die Anzahl an Fähigkeiten pro Deck limitieren. Schließlich und endlich habe ich Counter völlig außen vor gelassen. Jetzt, 2 Jahre später bin ich sehr zufrieden mit meiner Vorgehensweise. Ich habe meine Frau nicht überfordert und überfahren, sondern sie hat sich langsam an das Spiel und die Fülle an Regeln gewöhnen können. Darüberhinaus konnte sie auch ausprobieren, welche Farben ihr besonders gefielen und welchen Spielstil (langsamer und kontrolliger oder schnell und aggressiv) sie bevorzugte.

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