Magic’s digitale Zukunft: #MTGArena

MTGArena

Während des sehr unterhaltsamen World Championship-Wochenende nutzte WotC die Plattform, um uns wieder Gameplay der neuen digitalen Implementation ihres Produktes zu zeigen. MTGArena sieht vielversprechend aus, soweit man das aus den wenigen Video-Fetzen die uns bisher aus der Alpha zur Verfügung stehen sagen kann.

Eventuell ist es relevant, ein wenig über meinen Hintergrund, sowohl was Gaming anbelangt, als auch meiner Berufsausbildung zu erfahren.

Ich bin Teil der Generation „Counter-Strike Kiddies“. Meine erste wirkliche E-Sportserfahrung erhielt ich mit CS 1.3, einige Zeit später zu 1.5 waren mein Team und ich in der damals höchsten erreichbaren Liga, der ESL Pro – Series angelangt und durften uns schon über besseren Preissupport und größere Sponsorendeals freuen, als heute realistisch bei Magic zu erreichen sind (und das war im Jahr 2001….). Weitere Stopps in mehr oder weniger großen Teams / Gilden / Clans waren für mich in den Spielen Warcraft 3, World of Warcraft, Starcraft 2, Dota, Dota 2. In all diesen Titel kann ich mich getrost zur besseren Hälfte der kompetitiven Amateur-Spieler zählen, gerade der E-Sports Aspekt hat mich an all diesen Titeln gefesselt. (Dazu später mehr).

Beruflich bin ich Chemiker, und verantwortlich für eine Entwicklungsabteilung in einem Chemieunternehmen. D.h.: Mein Tagesgeschäft beschäftigt sich zu 60+% mit Entwicklungsprojekten, sowie deren Administration. Das bedeutet auch, das ich NICHT im Bereich der Software-Entwicklung tätig bin, allerdings kann ich hierbei auf eine Vielzahl von Softwareentwicklern in #TeamMagicBlogsDe zurückgreifen um hierbei evtl. etwas Einblick zu erhalten.

Warum tut dies etwas zur Sache? MTGArena zeigt deutliche Anzeichen, das es wie viele „high risk“ Softwareprojekte in der neueren Zeit durch ein agiles Projektmanagement begleitet werden und nach diesen „Grundregeln“ entwickelt wird. Was bedeutet das für uns als Spieler und für das Produkt?

Agiles Projektmanagement in der Entwicklung wird immer dann eingesetzt, wenn es sich um ein Projekt handelt, das sich während der Entwicklungszeit deutlich verändern könnte, oder bei dem es sich um ein Hochrisikoprojekt handelt, und man so früh wie möglich Teile davon auf den Markt bringen möchte, um den finanziellen Aufwand und das Risiko zu minimieren. In diesem Entwicklungsansatz ist das Team und die verfügbare Zeit zur Entwicklung fest, es wird daher mit dem Team gearbeitet das vorhanden ist und dieses nicht erweitert. Die Software-Entwicklung des sogenannten „Scrum„, des großen Teilprojektes „MTGArena, Standard only“ erfolgt dann in sogenannten „Sprints“. Die sind kürzer gefasste Arbeitsabschnitte, die vom gesamten Team umgesetzt werden, um anschließend evaluiert zu werden. Dies führt dazu, dass wir jetzt schon in kurzer Zeit „funktionale“ Software haben, die das Entwicklerteam uns tatsächlich vorführen kann. Ein Hauptfaktor in diese Art der Entwicklung ist die direkte Kommunikation mit dem Kunden, daher ruft auch das Entwicklerteam verstärkt zu Input der Spieler auf. Eine Hauptregel dieser Entwicklungstheorie ist das KISS-Prinzip: (Keep it simple and stupid). Mach dein erstes Ziel so einfach und simpel wie möglich. Bedeutet für MTGArena: Standard-only, 1on1, am besten nur Karten aus Ixalan, Windows-only.

Wieso sollte uns das als Spieler interessieren?

Es sind, wie ich gleich noch ausführen werde, sehr viele Fragen zum Produkt offen. Tatsächlich sind sehr viele dieser Punkte mehr als notwendig um sich gegen die Konkurrenz auf dem digitalen Markt durchzusetzen und Magic tatsächlich in ein ernsthaften E-Sport-Titel verwandeln zu können. Gleichzeitig können wir uns allerdings sicher sein, dass keiner dieser Punkte bisher in irgend einer Form konkretisiert wurde in der Projektplanung. Die oberste Devise lautet schließlich: KISS.

Unbeantwortete Fragen für mich als enfranchised Player:

  • Wie sieht Limited aus?

Vorne Weg, gleich einer der Hauptpunkte wie MTGArena versagen kann. Limited ist das bisher beliebteste Format von MTGO. Viele Spieler würden sich wünschen (abhängig vom Preis), jederzeit nach Belieben Limited spielen zu können. Das eingeführte Ligasystem auf MTGO hat hierbei schon eine Lanze gebrochen und die traditionelle Spielweise bisher online komplett obsolet gemacht. Ligen und die Möglichkeit Draft und die Spiele letztendlich nach eigenen Bedürfnissen einteilen zu können, sind eine riesige Stärke der Online-Adaption von Magic.

MTGArena könnte allerdings noch weiter gehen. Nachdem das Interface und die Aufmachung schon sehr an den großen digitalen Bruder Hearthstone (darauf komme ich noch öfter zu sprechen) erinnert, könnte auch eine Variante von Limited im selben Maße denkbar sein. Etwas ähnliches wurde sogar beim ersten Video angesprochen. Vom Standpunkt eines Entwicklers aus mag das natürlich die eleganteste Variante sein. Gerade die Zeit die benötigt wird in MTG (dazu später mehr) könnte dadurch optimiert werden.

Hearthstone Draft

Eine Implementierung als quasi „3 Karten Pro Pick Draft“, o.ä. könnte hier einiges deutlich erleichtern. Die Antwort „We will have something like Limited“ deutet auch darauf hin.

Hier liegt allerdings in Hinblick auf uns bestehende Spieler ein großes Problem. Neue Spieler wird ein abgewandeltes Format evtl. genauso viel Spaß machen wie reales Limited an einem virtuellen 8er Tisch. Wir bestehende Spieler wollen uns online aber nicht nur die Zeit vertreiben, sondern idealerweise auch auf größere Turniere, von FNM bis hin zur Pro Tour vorbereiten. Dies ist bisher die große Stärke von MTGO, MTGArena sollte auf jeden Fall (!) abzielen ein reales Limited-Format umzusetzen. Ohne dieses Feature beraubt sich die neue Plattform direkt der Großzahl an Spielern.

Ob dieses Format letztendlich Phantom ist und man die geöffneten Karten nicht behalten kann, oder ob man alles seiner Sammlung hinzufügen kann ist eher offen für eine Debatte. Dazu komme ich allerdings später, beim Preismodell.

  • Wann kommen weitere Formate, sind diese überhaupt in der näheren Zukunft realisierbar?

Uns wurde in Aussicht gestellt, dass Standard auf MTGArena realisiert wird und MTGO weiterhin das Zuhause der älteren Formate sein wird. Bei Erfolg (!) der neuen Plattform könnten diese älteren Formate ebenfalls implementiert werden (irgendwann, vielleicht, eventuell….).

Zuerst etwas allgemeines vorneweg:

Ich bin zu 100% überzeugt das MTGArena das bisher bestehende MTGO ablösen wird. Auf keinen Fall wird WotC zwei Plattformen für die Zukunft tragen. Auch ein „Zurückfallen“ auf MTGO bei Versagen der neuen Plattform halte ich für absoluten Quatsch. Vor 2020 wird dies nicht zur Debatte stehen, und ich kann mir nicht vorstellen dass ernsthaft jemand seinen Aktionären vorstellen will, dass dieses Programm hier:

Magic Online

die weitere Zukunft des digitalen Marktes von WotC sein wird. Für mich ist das absolut ausgeschlossen.

Realistisch gesehen wird sich das Entwicklerteam dank der Projektart die sie gewählt haben (siehe oben) noch keine Gedanken zur Umsetzung von sehr beliebten Formaten wie Modern, Commander oder Legacy gemacht haben. Für mich ist dies allerdings die größte Stärke, die Magic gegenüber seinen Wettbewerbern hat. Sind wir doch mal ehrlich, gerade nach mehreren Standard – Formaten, in denen Bannings notwendig waren und die GP – Beteiligung der Spieler drastisch gesunken ist, finde ich es sehr vermessen zu glauben das man nur mit seinem Standard-Format die Konkurrenten á la Hearthstone, Ethernal, etc. in die Schranken weisen kann.

Magic ist weiterhin (wer weiß wie lange noch) ein Kartenspiel, dass für Table-Top entwickelt wird, sprich mit real existierenden Karten spielbar sein muss. Andere Titel können hier einen anderen Spielraum in Ihren Mechaniken ausschöpfen und haben dies in der Zwischenzeit auch begriffen.

Hearthstone Mechanik

So kann man zum Beispiel in Hearthstone Karten über Mechaniken „Entdecken“, die gar nicht im Deck sind, gar neue Karten craften, die im Spiel gar nicht existieren, oder gleich das ganze Deck des Gegners in sein eigenes kopieren und mischen.

Solche Dinge sind für Magic nicht möglich. Betrachtet man gerade hierbei, dass diese Mechaniken alle Standard-legal sind und der Trend in Magic dazu geht im Standard zu simplen, on-board Mechaniken zu tendieren (auch um das Ganze besser umsetzbar zu machen für eine Online-Implementierung, dazu später mehr), finde ich es fast schon anmaßend dass man wirklich glaubt ein besseres Standardformat generieren zu können.

Magic ist deshalb so erfolgreich, weil Karten generell Ihren Wert halten (in MTGArena nicht mehr der Fall) und in vielen beliebten Formaten oft ein ganzes Spieler-Leben lang eingesetzt werden können. MTGArena beraubt sich meiner Meinung nach direkt der größten Stärke, die Magic als Spiel hat.

Sicherlich kann man verstehen, dass man zuerst „klein“ anfangen will und eben nach und nach diese Dinge implementiert. Für mich als Verbraucher bedeutet dies allerdings nur, dass WotC das Risiko dieser neuen Software auf Ihre Verbraucher abwälzt, anstatt das vorhandene Entwicklerteam aufzustocken und alle Formate von Magic als erstes Ziel vorzugeben. Sollte, wie ja behauptet wird, tatsächlich eine voll funktionsfähige Regelengine hinter MTGArena stecken, ist es sicher kein Problem alle Karten einzufügen. MTGArena muss ja kein Spiel entwickeln, sondern „nur“ eine Visualisierungs-Software für ein schon bestehendes Spiel. Alle Karten sind schon entwickelt und gebalanced, die Formate sind schon fertig und müssen nur implementiert werden. Der Fakt, dass dies nicht in Erwägung gezogen wird deutet schon stark darauf hin, dass die „Regelengine“ eben nur für aktuelle (und wenn wir ehrlich sind sehr simple) Mechaniken funktioniert, und wahrscheinlich mit dem riesigen Kartenkatalog den Magic bietet seine Probleme hat.

Zusätzlich MUSS dieser Schritt kommen. Wie oben beschrieben halte ich es für absolut ausgeschlossen, das wir im Jahre 2020 noch MTGO als Plattform haben. Eine unzureichende Entwicklung der Engine führt nur wieder zu einem neuen MTGO, bei dem alte Karten nicht richtig funktionieren und mit hunderten Tricks eingebaut werden müssen. Dies führt zu enormen Aufwand und letztendlich zu einem schlechteren Produkt. Es sollte überhaupt nicht zur Debatte stehen, dass ich als Verbraucher eben von Tag 1 der fertigen Software schon Legacy spielen kann, und mir nicht nur aufgezwungen wird Block-Constructed Ixalan zu spielen.

  • Was passiert mit MTGO, speziell der Sammlung der MTGO – Spieler 

Der obige Punkt führt mich direkt zu dieser Frage, die eben alle aktiven MTGO – Spieler beschäftigt. Was passiert mit unseren Sammlungen?

Magic gründet auf der Tatsache und dem Versprechen, dass unsere Sammlungen sicher sind und eine stabile Investition in die Zukunft. Dies erlaubt dem Spiel Formate zu besitzen, bei dem Decks tausende Euro kosten. Dies ist angelegtes Geld, dass man bei Bedarf wieder erlangen kann. Ohne dies wäre das gesamte Model des Spiels hinfällig und meiner Meinung nach Magic auch schon vor 15 Jahren gestorben. Diese Schlussfolgerungen sind nach Chronicles auch bei WotC eingetroffen und daher haben wir seitdem eine Reserved List. Ich werde nicht über das Für und Wider dieser Liste diskutieren, allerdings sei jedem hier versichert, dass ein starker und stabiler Sekundärmarkt der Hauptfaktor für den Erfolg des Spiels ist. Unsere Preise und unsere Judges werden mit Produkt bezahlt, unsere Läden verdienen daher an jeden Events auch Geld ohne einen horrenden Eintritt zu bezahlen. Dies ist nur möglich, wenn Magic Produkt tatsächlich Geld wert ist und seinen Wert auch hält.

MTGO ist eine 1:1 Umsetzung des Kartenspiels. Auch seiner Ökonomie. Das bedeutet, dass viele Spieler hunderte bis tausende Euro an Kartenwert auf Ihren Accounts angesammelt / gekauft haben. Diese Diskussion ist bisher immer im selben geendet: „Ihr seid ja selber Schuld das ihr soviel Geld in Bits anlegt, anstatt in Papier das seinen Wert hält“. Letztendlich macht es keinen Unterschied ob Papiersammlung oder Onlinesammlung. Je nachdem wie WotC mit den Sammlungen der MTGO Spieler umgeht, kann und wird das auch Auswirkungen haben auf den Papiermarkt und im Ernstfall auch den Sekundärmarkt in Papierform beeinflussen bzw zerstören. Die gesamte Ökonomie dieses Spiels beruht auf Vertrauen. Vertrauen darin, dass WotC den Wert des Produktes auf dem Sekundärmarkt würdigt.

Ehrlich gesagt habe ich keine gute Lösung für dieses Problem. Selbst einen Transfer in MTGArena der Sammlung ist keine Entschädigung, da MTGO Karten gleichzusetzen sind mit realen Karten (Da man sie tatsächlich „auszahlen“ lassen kann) und MTGArena keinen Handel zulassen wird. Dadurch ist die gesamte Sammlung in MTGArena quasi wertlos (dazu mehr im nächsten Punkt). An sich könnte WotC seine Spieler einfach über Barauszahlung entschädigen. Ich bin mir allerdings relativ sicher, das es so ablaufen wird wie im „free to play“ Spiel Magic Duels. Hier ist einfach das Spiel eingestellt worden und alle beteiligten Spieler (auch ich) haben 100% Ihrer Sammlung verloren, ohne jegliche Entschädigung. Duels hatte allerdings keine Sammlungen die mehrere tausend Euro wert waren, geschweige denn große Händler die wohl noch mehr Geld gebunden haben.

Magic Duels Shop

Je nachdem wie Magic mit Ihren MTGO – Kunden umgeht ist nicht nur MTGArena gefärdet, sondern das gesamte Spiel. Hier sollte man keine unbedachten Schritte wählen, oder gar einfach MTGO „auslaufen“ lassen und hoffen, dass niemand merkt wenn er plötzlich sehr viel Geld verliert.

  • Preisstruktur, REALE Kosten im Vergleich zu MTGO

Hier verweise ich auf den sehr guten Artikel von Saffron Olive von unseren Kollegen auf MTGGoldfish.

Wie oben schon beschrieben unterscheidet sich das Preismodell von Magic und im speziellen von MTGO DEUTLICH von CCGs wie Hearthstone. Durch das Trading das auf MTGO möglich ist, kann jeder Spieler, jeder Zeit ein Deck in einem Format seiner Wahl spielen. Wie Saffron Olive errechnet hat, ist es möglich für unter 200 Dollar Standard zu spielen, für < 400 Dollar Modern, und jeweils < 600 Dollar Legacy und Vintage, wobei Karten aus allen Bereichen überlappen können.

Diese Preise hören sich für ein Computerspiel zuerst natürlich sehr hoch an (wobei die realen Kosten selbst bei AAA Titeln die für einen Retail – Preis von 60 € verkauft werden ebenfalls schon im Bereich eines Standard – Decks liegen, wie Jim Stirling dargelegt hat).

Saffron Olive hat auch sehr schön dargestellt, dass ein CCG Deck ebenfalls im Bereich von ca 130 Dollar kostet (am Beispiel Hearthstone). Der große Unterschied liegt allerdings darin, dass mein MTGO – Account von heute auf morgen in reales Geld verwandelt werden kann (was ich schon mehrfach gemacht habe, der Verlobungsring meiner Frau wurde über MTGO bezahlt) und man dabei im Schnitt keinen, oder nur wenig Verlust macht, in manchen Fällen sogar deutliche Gewinne verbuchen kann. (Darum existiert ja eine ganze Bandbreite von Händlern auf MTGO).

CCG-Kartensammlungen sind außerhalb des Spiels absolut wertlos. Die AGBs verbieten oft (Beispiel Hearthstone) den Account zu verkaufen, und gerade wenn es sich um Spiele auf Battle.net oder Steam handelt, müsste man sogar seinen gesamten Account verkaufen, der bei mir jedes Blizzardspiel + 1000 Stunden Spielzeit beinhalten würde, oder einen Steam-Account mit 200+ Spielen. Dies ist somit nicht nur illegal, sondern auch oft nicht möglich. Damit sind 100 € in Hearthstone letztendlich 100 verlorene Euro, wobei man auf MTGO sein Geld, zumindest zum Teil, wieder erhalten kann.

MTGArena muss daher nicht nur billiger sein als seine Wettbewerber, sondern auch REAL billiger als MTGO!

Dies sollte letztendlich kein Problem sein, wenn man es geschickt anstellt. Sogar ein „Free to play“ Modell bei dem wir einfach alle Karten umsonst bekommen, als auch umsonst Draften kann finanziell für WotC sinnvoll sein. Wie soll das gehen fragt ihr euch?

WotC gilt als Erfinder der Booster-Boxen (heute Lootboxen, etc) und das auch zurecht. Die größte Ökonomie gerade im Spielemarkt stammt genau von diesen Boxen, so dass alle großen Publisher diese nach und nach immer mehr übernehmen. Die wohl größte Kontroverse die es im E-Sports Bereich gerade gibt, handelt sogar genau von diesem neuen System. Pro-Syndicate und co. haben sich nicht nur moralisch strafbar gemacht, zu diesem Thema kann ich euch wärmstens den großen Total Biscuit empfehlen, sowie Jim Stirling. Dieser Vorfall zeigt deutlich, dass rein kosmetische Preise, wie neue Skins für Waffen, neue Kostüme für Helden, o.ä. viele Millionen Dollar in die Kassen der Publisher spülen. Glaubt ihr nicht? Hier der Preispool des letzten Dota 2 Internationals, dem wichtigstens Turnier des Jahres, das nur über solche kosmetischen Loots im Spiel finanziert wird:

Ja ihr lest richtig, dass sind über 24 Millionen Dollar.

Nebenbei muss WotC in seiner Coverage immer wieder deutlich auf die 100.000 Dollar Preisgeld hinweisen. Zeitgleich startet John Avon einen Kickstarter für Playmatten und ist innerhalb von 3 Tagen auf 300000 Dollar die aus der Community kommen. Warum auch immer WotC dies nicht einfach für sich genutzt hat bzw ähnliche Dinge für die Preisgeldfinanzierung solcher wichtigen Turniere heranzieht wird wohl Ihr Geheimnis bleiben. Nach den ganzen Enthüllungen in diesem Jahr wohl einfach, weil sie von diesem Markt nichts wissen und diese Hasbro-Abteilung wohl sehr hemdsärmlig geleitet wird…

  • Wie kann ich Karten erhalten ohne Trading?

Dieser Punkt ist eng verbunden mit der Frage nach den Kosten. Sollte es ein Modell geben, bei dem wir ganz nach Papier-Magic – Vorbild Booster kaufen müssen, wie sollen wir als Spieler die Decks unserer Wahl zusammen bekommen? Wir sind nicht alles Casual – Spieler, denen es reicht mit Commons gegeneinander zu spielen.

Um Magics tatsächliche Stärke ausspielen zu können, ist es erforderlich dass wir wie bisher auf MTGO für Papierevents unter „realen“ Bedingungen testen können. MTGO bietet jetzt schon eine hervorragende Plattform um mehrere verschiedene Decks vor Events zu testen, oder einfach neue Karten in schon bestehenden Listen auszuprobieren. Die Vorstellung, dass wir á la Duels nun unsere benötigten 12 Mythics und 24 Rares aus mehreren Sets durch das aufreißen von Booster finanzieren kann wirklich nicht die Lösung sein. Ich hoffe inständig dass niemand so naiv ist zu glauben, dass man genau so verfahren kann. Da es kein Trade-System geben wird, bleibt die bange Frage, wie man denn nun tatsächlich seine Decks zusammen bekommt?

Ebenfalls ist hier natürlich die Frage offen wie man in so ein System ältere Formate wie Modern, Legacy, Commander etc. implementieren will. Wie kann man den Zugang zu diesen Karten ermöglichen?

  • Zukunft von Papiermagic, Stores, GPs, etc.

Bei Erfolg der neuen Plattform und eventuell sogar dem Transfer auf mobile Geräte, ergibt sich letztendlich die Frage wie WotC mit seinem Tabletop Spiel weiter verfahren will. Wer Hearthstone verfolgt, der weiß dass das Fehlen einer Tabletop Variante auch ein großer Nachteil ist. Anders gesagt:

Paper – Magic und alle Turniere die damit zusammen hängen, seien es GPs, Pro – Tour und FNMs, sind einer der Haupt Anreize für aktive Spieler das Spiel weiter zu verfolgen. Diese Events werden immer mehr zu einer Art Convention und bieten eine tolle Plattform um weitere Spieler zu ziehen, egal ob für Papier – Magic oder für die Online-Plattform. Diese Events geben auch großartige Möglichenkeiten zur Cross-Plattform-Promotion.

Magic Grand Prix

Wichtig ist, dass ein Magic-Spieler der auf einem Papier-Turnier unterwegs ist auch die Möglichkeit hat, dadurch seine Sammlung Online zu erweitern. Ich denke es steckt hier sowohl Risiko als auch Gefahr in dieser Parallelwelt. Es kann nicht das Ziel sein zu erwarten, dass Spieler Ihre Kollektionen zwei mal kaufen (Online und in Papier). Dies ist jetzt schon der größte Grund gegen MTGO und wird sich mit MTGArena nicht ändern. Gerade jüngere Spieler müssen sich dann zwischen Ihrem Spiel auf dem PC/Handy und dem Besuch des FNMs im LGS entscheiden. MTGArena sollte ein mächtiges Tool werden um unsere lokalen Shops wieder zu stärken. Auf keinen Fall sollte man sich eine Parallelwelt erschaffen und den Support für die realen Shops weiter einstellen. Leider zeigen gerade die letzten Änderungen (Abschaffung der FNM Promos, Gameday – Events an Silvester, etc..) dass WotC hier deutlich auf dem Holzweg ist. Magic wird sich als Standalone sich in der Digitalen Welt nicht durchsetzen. Wenn ich einen offenen Schlagabtausch der rein digitalen Spiele sehe, und zwischen Hasbro/Wotc, Blizzard und bald auch Valve mit Ihrem angekündigten Dota 2 CCG wählen muss, dann spielt WotC als Publisher/Entwickler – Team nicht mal in der gleichen Liga mit den beiden anderen Schwergewichten.

Dieser Trend lässt sich auch in der Entwicklung der Mechaniken verfolgen. Schwierige Mechaniken, die meist nur über den Stack laufen und damit auch schwer digital zu implementieren sind, werden immer weniger im heutigen Magic Gameplay. Beim letzten Q&A in den Worlds wurde dies sogar bestätigt, dass die Entwicklung auf die Implementierung Online Rücksicht nimmt. Ein Kräftemessen gegen die anderen Wettstreiter in diesem Markt kann WotC nicht durch ein vereinfachtes Spiel gewinnen, in dem vom uns erwartet wird Bären in einander zu schlagen. Gerade die Komplexität des Spiels ist die große Stärke, nicht ein Zufallsgenerator sondern tatsächliche Erfahrung und Können haben einen großen Einfluss auf den Spielausgang. Je einfacher das Spiel wird, desto weniger wird dieses Statement wahr sein.

  • Rundenzeiten vs Realität

Im ersten Stream konnten wir erfahren, dass MTGArena offen mit dem Gedanken spielt, die Spielmodi die wir bisher genießen ebenfalls zu verändern. Hier stelle ich beispielhaft die Idee einer „Ladder“ mit Single – Matches ohne Sideboarden in den Raum. Diese Idee wird kommen, wie uns gesagt wurde und eine der ersten Spielmodi sein, die für MTGArena verfügbar sein werden.

Aus Software-Entwicklung macht dies Sinn, gerade wenn man hoffen will den Mobile Markt zu erobern und gerade casual Fans anzuziehen. Hier gilt der Leitsatz, dass jedes Mobile Spiel eben auch eine „Toilet Game“ sein muss. Heißt ganz unverblümt, die Rundenlänge darf nicht länger sein als der große Toilettengang dauert. Dies sieht man bei allen erfolgreichen Mobile Games, auch Hearthstone war zu Beginn auf dieses Design fokusiert. Mit vielen Decks ist das auch heute noch möglich.

Magic sollte hoffentlich davon Abstand nehmen und sich als klassisches „Core-Game“ verstehen. Ich hab da allerdings noch so meine Zweifel….

Zusammenfassend

Falls Ihr meinen viel zu langen Artikel bis hierher durchgehalten habt, vielen Dank !

Ich hoffe MTGArena entwickelt sich letztendlich in die richtige Richtung, gerade die offene Kommunikation ist sehr gut und eine angenehme Abwechslung zu WotC bisher. Ich hoffe dass unsere Inputs als Spieler, gerade uns älteren Hasen, anklang finden und Magic mit dieser digitalen Umsetzung in eine große E-Sports Zukunft aufbricht.

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10 Antworten

  1. Florbot sagt:

    Guter Artikel, Sebastian! Volle Zustimmung!

  2. Ormus sagt:

    Übrigens hat Wizards of the Coast auch bereits mit Karten experimentiert, welche in Papierform nicht wirklich funktionieren. Das (uralte) PC Spiel von Microprose, üblicherweise Shandalar genannt, enthält eine eigene Edition mit Karten mit vielen Zufallselementen und Besonderheiten, siehe Aswan Jaguar:
    Aswan Jaguar

    • Freakle sagt:

      Hei furchtloser Anführer !

      ich hab kein Shandalar gespielt, aber ist ja sehr interessant zu erfahren, wie fortschrittlich WotC schonmal war. Ich bin gespannt ob es irgendwann zu einer „nur digital verfügbaren“ Karte kommen wird, die sich solcher Mechaniken bedient und in Papierform nicht zu erhalten ist.

  3. solring sagt:

    Sehr guter Artikel, Sebbe!

  4. Netdeck-Nico sagt:

    Lesenswerter Artikel, einen Punkt darf ich anbringen, weil ich mich auch immer dazu zwingen muss: vor dem Publishen copy/paste in Word, dauert 5 Minuten und killt alle Komma- und Rechtschreibfehler 😉

    Was Arena angeht, bin ich auch sehr gespannt. Für mich sind die beiden heißesten Punkte:

    – Verbleib der MTGO Sammlungen (hier bin ich zwar nicht direkt betroffen, aber da kann WotC mMn am meisten Missmut einsammeln)
    – Ausbau der Software in Hinblick auf Formate/Kartenpool. Ich traue dem Statement, dass die Rules Engine prinzipiell alles abbilden kann, auch noch nicht zu 100%. Nicht mal zu 50%.

    Ich denke, Wizards weiß inzwischen, dass sie MTGO ablösen müssen, aber noch nicht, wie das passieren soll und auch nicht, ob es 1:1 sein kann. Das Problem ist wirklich, dass die Spieler eigentlich ein fertiges Produkt erwarten, vor allem in einer Welt von Magic, in der „offline“ alles vom FNM-Draft im LGS, über den PPTQ in der nächsten Großstadt bis hin zu Commander mit dem Nachbarn ohne Probleme möglich ist. Und das möchten wir nun aber bitte auch weiterhin in Jogginghose daheim am PC können. Ob jetzt der agile Projektansatz richtig oder falsch ist, sofern man heutzutage in diesen Schubladen denken kann, sei mal dahin gestellt. WotC weiß aber vermutlich auch, dass sie allein mit der digitalen Plattform nicht mit Hearthstone konkurrieren können. Die Historie und das Prinzip sind zu verschieden. Daher halte ich es auch nicht für nötig bzw. bin gegen eine Vereinfachung von Mechaniken, nur um zukünftigen Matches in einer neuen Software entgegen zu kommen. MtG muss sich seiner Stärken bewusst sein und diese ausspielen:

    – Turnierserien als beliebte Events -> GPs sollten weniger „furchteinflößendes Turnier“ und mehr Convention für Neulinge sein, gleichzeitig aber nicht zu schnell skalieren, sodass die Qualität drunter leidet
    – Extrem großes Potenzial in der „Dunkelziffer“ der Küchentisch-Spieler -> hier muss ein System her, dass die Boosterkäufe im echten Leben mit dem neuen digitalen Produkt verbindet, auf welche Weise auch immer
    – Support von den verschiedensten Formaten nach dem Prinzip „für jeden etwas dabei“ -> Nein, ich will keine Pauper Grand Prixs, aber es fängt an bei der B&R List, WotC sollte mehr „Behind the Scenes“-Info geben, was sie über die verschiedenen Formate denken. Das führt wiederum zu einem positiven Gefühl bei den Spielern, was den weniger beliebten Formaten einen Schub verpassen könnte.

    MTGArena kann meiner Meinung nicht die einzige Wahrheit für MtG werden, aber es muss und kann einige Löcher stopfen, wo Wizards bisher gnadenlos hinterherhinkt.

    • Ormus sagt:

      Der Rechtschreibprüfung Hinweis ist angekommen und wird umgesetzt…

    • Freakle sagt:

      Hei Nico,

      Danke für die Anmerkung, ich hatte das eigentlich an unseren Editor weiter gegeben, aber der vertraut mir einfach zu viel 😀

      Ich denke dein Punkt mit den GPs als Convention ist ein sehr guter Punkt. Gerade jetzt, da WotC nur noch einen Veranstalter zulässt könnte man die Qualität der Nicht-Mainevent Aktivitäten deutlich verstärken. Ich hoffe ja, dass man mit CFB da nen starken Partner im Boot hat.

  5. glupsch sagt:

    Sehr guter Artikel.
    Ich sehe bei Mtg Arena ebenfalls die Gefahr, dass Magic seine Alleinstellungsmerkmale weiter beschneidet. Beim Lesen des Artikels ist bei mir die Frage aufgekommen, ob meine Abneigung gegen das Draftformat in Ixalan möglicherweise in Zusammenhang steht mit der Entwicklung von MtG Arena. Ich empfinde Ixalan als „coresettig“, also relativ unterkomplex und mit recht selbsteklärenden Archetypen.
    Ist das Design von Ixalan womöglich auf die Anforderungen der Entwicklung von Arena angepasst oder sind zumindest Zugeständnisse gemacht worden? Und wenn ja, was bedeutet das für zukünftige Sets?

    • Freakle sagt:

      Hallo und Danke !

      deine Beobachtung teile ich auch, meiner Meinung nach ist es kein Zufall, dass die Mechaniken immer simpler werden, gerade das „coreset feeling“ dieses Draftformats habe ich nun schon von einigen Spielern unabhängig voneinander gehört

  1. 7. April 2018

    […] meinem ersten Artikel über MTGArena habe ich mir einige Gedanken gemacht, bevor die BETA gestartet ist. Nachdem nun seit kurzem der NDA […]

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