Fade to BlackGreen

Hi Leute, ihr werdet es nicht glauben, aber heute geht es tatsächlich mal wieder um Constructed, das namensgebende Format für meinen Blog!

Als ich tatsächlich mal gut eine Woche vor dem letzten Modern-Turnier damit anfing, mir Gedanken über mein Deck zu machen, ergriff ich die Chance, mal etwas neues auszuprobieren. Der Anlass war ein MKM Trial im Format Modern am 5. November, hier der dazugehörige Blog-Eintrag von Bertil’s Spielwiese. Ich hab es mal wieder geschafft, ohne einen Sieg heimzugehen, aber fangen wir ganz vorne an…

Wer mich kennt, rechnet normalerweise damit, dass ich zu jedem x-beliebigen Turnier mit meinem Lieblingsdeck aufkreuze, von meinen Freunden liebevoll „brainless Junk“ genannt. Maximal noch mit Jund, je nachdem, was im Meta gerade besser aufgestellt ist. Was die meisten Leute allerdings nicht wissen ist, dass ich oft überlege, andere Decks zu spielen bzw. diese sogar auf Cockatrice (ja, Cockatrice, deal with it!) teste und dann vor den Turnieren doch lieber jedes Mal die „sichere“ Variante wähle. Modern ist nach wie vor ein Format, das einen dafür belohnt, sein Deck zu kennen. Auch wenn es ohne Planeswalker so viele Entscheidungsmöglichkeiten hat wie der Binärcode. Trotz alledem habe ich inzwischen auch einige Staples ansammeln können, also lasst euch nicht ins Bockshorn jagen, wenn ihr das nächste mal gegen mich antretet und die mittelmäßige Hand behaltet, nur weil sie mehr Thougthseize-proof ist, als ein Mulligan auf Sechs! 😉

Delver

In Formaten wie Modern oder Legacy muss man 1-Mana Kreaturen einfach lieb haben. Ich konnte es damals noch genießen, mit Deathrite Shaman in Zug Zwei einen Birthing Pod zu spielen, aber die Zeiten sind vorbei. Einer der anderen allseits bekannten, effizienten turn-one-plays ist Delver of Secrets bzw. Insectile Aberration. Bitte haltet einen Moment inne, um das From the Vault Art vom Delver zu bewundern.

Delver of Secrets

Der Plan von Delver Decks ist recht schnell erklärt:

  • eine oder zwei effiziente Kreatur(en) legen, die den Gegner unter Druck setzen und diese beschützen
  • den Gegner nebenbei durch Counter und Removal an seinen eigenen Plänen hindern

Kommt euch bekannt vor? Grixis Shadow Decks machen diese zwei Sachen aktuell ziemlich gut, nur dass diese Decks ihren Threat erst später legen, und weniger Counter, dafür mehr Discard spielen, als ein traditionelles Delver Deck. Seit RUG Delver dank Treasure Cruise in Modern durch die Decke ging und genauso schnell wieder abstürzte, versuche ich alle paar Monde, Delver im Geheimen wieder zum Laufen zu bringen. Wie ein verrückter Wissenschaftler, der sich zurückzieht, um Experimente und Selbstversuche durchzuführen, nur um sich in einer schicksalsträchtigen Nacht in ein abscheuliches Insekt zu verwandeln… Zuviel Kafka? Sorry. Zurück zum Thema: durch eine bestimmte Karte aus Ixalan ist das Ganze wieder etwas ins Rollen gekommen.

Bildergebnis für chart a course mtg

Ich möchte nicht sagen, dass diese Karte perfekt für Delver ist (als Instant wäre sie natürlich erstmal besser, das Design wäre dann aber zweifelhaft), aber sie kommt dem schon sehr nahe. Da es sich bei Delver um ein tempo-orientiertes Deck handelt, liest sich diese Hexerei normalerweise als „1U, Ziehe zwei Karten“. Wenn wir gerade keine Kreatur zum Angreifen haben, können wir mit der abgeworfenen Karte unseren Friedhof, je nach Deck-Komposition, für Delve oder eventuell sogar Grim Flayer, befüllen. Und hier kommt auch schon die Crux. Wenn ihr nicht gerade Quicken in eurem Deck spielt, müsst ihr diese Karte in einer eurer Hauptphasen spielen. In einem Delver Deck mit 18-19 Ländern haben wir im Lategame maximal 4 Länder rumliegen. Bis es dazu kommt, logischerweise weniger. Das bedeutet, wir tappen aus um zwei Karten zu ziehen. Und da wir uns in Modern befinden, haben wir keine Möglichkeit die gegnerischen Sprüche wie Thought-Knot Seer, Liliana of the Veil oder Death’s Shadow im nächsten Zug mit Force of Will zu neutralisieren. Schade eigentlich. Disrupting Shoal kann diesem Problem etwas entgegenwirken und profitiert auch von der neuen zwei-Mana Hexerei, aber da ich kein Playset von diesem Counter spielen möchte und Logic Knot generell besser über das Spiel hinweg skaliert, bin ich von der Idee mit dem „kostenlosen“ Counter wieder abgekommen. Mal abgesehen davon, dass man seine Manakurve extrem verbiegen müsste, um den Spruch für jeden Zeitpunkt des Spiels kostenlos zu machen.

Genug gelabert, hier die Liste, die ich zuletzt getestet habe:

Was nach einem richtig coolen Deck aussieht, hat leider nicht so performt, wie ich es mir wünsche. Oft fühlt es sich an, als wäre man einen Schritt zurück oder einfach nur unterversorgt mit Mana. Das Delve-Paket würde ich eigentlich immer spielen, da Thought Scour so einige Karten unterstützt: Tarmogoyf, Tasigur, the Golden Fang, Snapcaster Mage und Grim Flayer. Nach dem ersten Spiel eines Matches ist der größte natürliche Feind dieses Decks dementsprechend auch Relic of Progenitus . Seit dem Erscheinen von Ixalan könnte man Thought Scour auch durch Opt ersetzen, nur muss man dann erst einmal andere Threats finden. Da es in der Farbe Grün recht schwer fällt, Ersatz für den besten Lurghoyf aller Zeiten zu finden, landet man recht schnell bei Rot und  Young Pyromancer. Wenn man nun in den Grixis Delver Plan einsteigt und Überlegungen anstellt, muss man sich aber recht schnell fragen (lassen), warum man kein Death’s Shadow spielt. Gitaxian Probe gibt es leider auch nicht mehr, um Young Peezy zu pushen. Das alles hat mich dazu gebracht, mich anderen Ideen zu öffnen. Wenn jemand in der Zwischenzeit Delver zum Laufen bringt, bitte immer her damit! 🙂

Sultai Selbstversuch

Die Idee… nein, Idee kann man es nicht nennen. Den Wahn, mein Deck so kurz vor dem Turnier zu ändern, kam erst am Abend davor. Mir gefällt die Idee, effiziente Kreaturen zu spielen und diese mit Stubborn Denial zu beschützen so gut, dass ich nochmal einen anderen Ansatz ausprobieren wollte. Es war keine Änderung des Delver Decks mehr, sondern es handelte sich nun um mein klassisches Abzan Deck, bei dem quasi Weiß durch Blau ersetzt wurde. Das Ergebnis war folgendes und unterscheidet sich sogar ziemlich grundlegend von jeglichen Sultai Control Builds:

Was mein Kollege Freakle schon lange und in allen Formaten praktiziert, sieht bei mir also erstmal so aus. Im Endeffekt tauscht man Path to Exile, Lingering Souls und Siege Rhino gegen Stubborn Denial, Serum Visions und Snapcaster Mage. Weniger Threats, dafür mehr Permission und Flexibilität. Im Turnier selbst lief das dann leider nicht so geil, alle vier Matches musste ich abgeben:

Runde 1 vs. Serum Powder Eldrazi (Eldrazi Stompy mit Eternal Scourge und Serum Powder) – Spiel eins holt er sich tatsächlich eine bessere Hand mit dem Powder und spielt einen fetten Eldrazi nach dem Nächsten. Spiel zwei hat er eine Turn 0 Gemstone Caverns und legt mir ab der zweiten Runde hintereinander drei Matter Reshaper hin, die ich nicht abstellen kann.

Runde 2 vs. RW Kiki Jiki Combo – Einmal von einer ge-blinkten Akroma, Angel of Fury verhauen worden und einmal kein Removal mehr gegen sein Top-Deck Kiki-Jiki, Mirror Breaker gehabt.

Runde 3 vs. Affinity – Bad plays und bad beats, in zwei Spielen von mehreren Signal Pests überrannt worden.

Runde 4 vs. 8Rack – Komischerweise das knappste Match von allen, allerdings war ich trotz strengstem Ressourcenmanagement irgendwann auch fast im Topdeck-Modus, bzw. die Karte, die mir eigentlich jedes mal den Rest gegeben hat, war Wrench Mind.

Zwei der Matchups waren für BGx mehr als schrecklich, aber das tröstet natürlich nicht. Zugegeben, vier Matches sagen wenig über das Deck aus, das ich erst am selben Tag zusammen geschmissen habe, aber die ganze Erfahrung bringt mich dann doch wieder dazu, noch am selben Tag mein geliebtes Abzan zu rekonstruieren. Dieses mal aber vielleicht weniger eine Standard-Liste, als ein Deck mit ein paar Kniffen, die ich dieser Odyssee entnehmen konnte. Das ist auch ganz passend, da am Freitag, den 24.11. mal wieder ein Modern FNM stattfindet. Hier meine aktuelle Liste:

Back to Abzan

Wer ein scharfes Auge hat bzw. sich auch die Standard-Listen von MTGGoldfish wie ein Plasma-Fernseher ins Hirn brennt, stolpert sofort über folgende drei Karten:

Bildergebnis für noble hierarch mtg Bildergebnis für courser of kruphix mtg Bildergebnis für nameless inversion

Die letzten beiden sind vermutlich offensichtlich. Zusammen mit Nihil Spellbomb helfen Sie, schneller Delirium auf Grim Flayer zu aktivieren und Tarmogoyf größer zu machen. In einem „normalen“ BGx Deck, das nicht auf Delirium oder sozusagen Doppel-Delirium hinarbeitet, ist die übliche Konstellation im Friedhof ein (Fetch)Land, ein Spontanzauber, eine Hexerei und eine Kreatur. Das kann mitunter ganz schön dauern oder im schlimmsten Fall gar nicht erst zustande kommen. Daher baue ich neben Planeswalkern zusätzlich noch die Typen Verzauberung, Tribal und Artefakt ein. Rein theoretisch können wir also eine klassische 8/9 – Kreatur für 1G wirken. Das nur so am Rande, weil bald Weihnachten ist.

Als Alternative zur Spellbomb kommt auch Mishra’s Bauble in Frage. Da man zurzeit allerdings öfter mal gegen random Decks mit Friedhof-Interaktionen, wie zum Beispiel Dredge oder Storm antreten muss, entscheide ich mich für die Spellbomb.

Die Zeit zu überbrücken, bis Delirium online ist, hilft uns Noble Hierarch. Wo man sich sonst vor jedem Angriff mit Grim Flayer fragen muss, ob der Gegner nun mit seiner 2/x Kreatur blockt, kann man sich nun halbwegs getrost auf den Exalted-Trigger verlassen… außer natürlich der Gegner tötet den Hierarch vor dem Kampf.  Dass man in einem grindy Midrange Deck einen Mana Dork spielt, kommt eigentlich aus einem Meta, wo der Mirror an der Tagesordnung war. Ein kleiner Vorsprung in Bezug auf Mana und etwas mehr Power für den eigenen Goyf um eine Pattsituation  zu durchbrechen wirkt bei Rock vs. Rock Wunder. Sonstige Anwendungen sind:

Sleight of Hand

Mein Sideboard unterliegt einem ständigen Wechsel, je nachdem, welche Decks ich gerade erwarte. Man sieht, ich bereite mich vor auf Affinity, Bogles, Burn, Control-Decks im allgemeinen und auch ein bisschen auf andere BGx Decks. Wem ich quasi keine Slots gegönnt habe, sind Combo-Decks. In Anbetracht der Tatsache, dass Storm aktuell sehr oder auch Ad Nauseam relativ beliebt is, könnte man hier entweder mehr Discard und Dark Confidant als Beschleuniger reinpacken, oder man versucht es gleich mit Ethersworn Canonist oder Lost Legacy. Was ich hier zum Thema Sideboard nun gar nicht erwähnt habe, ist Tron. Da versuche ich meistens noch vor dem ersten Tron-Land aufzugeben und mir einen Cappuccino zu holen.

Ich hoffe, euch hat der kleine Ausflug durch meinen Kopf gefallen und wir sehen uns beim FNM oder lesen uns das nächste Mal wieder hier oder auf meinem Twitter!

Euer Nico

Netdeck-Nico

SeventyFive Slots ist ein deutscher M:tG-Blog von "netdeck-Nico". Erfahrt alles über meinen Grind in Modern/Limited, meine Commander Decks und alles, was mit Magic zu tun hat!

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8 Antworten

  1. Freakle sagt:

    „Da versuche ich meistens noch vor dem ersten Tron-Land aufzugeben und mir einen Cappuccino zu holen“
    Schön das wir da zur selben Überzeugung gekommen sind 🙂

    Nameless Inversion hab ich einige in Foil eingesammelt, weil ich mir den Wahn in den Kopf gesetzt habe damit nicht nur Flayer zu aktivieren, sondern zusammen mit einem Dragonlord Silumgar und Mutavaults Silumgar’s Scorn zu aktivieren. Hat erstaunlich gut funktioniert, evtl. sollte ich in den Wahnsinn eines Decks wieder einsteigen ……

    Ich bin ebenfalls ein großer Fan von der Spellbomb Main in der Zwischenzeit muss ich gestehen (solange ich die Flayer Variante von BGx spiele). Dein Discard-Split in Abzan ist indentisch mit dem, bei dem ich zur Zeit gelandet bin, sieht nach ner soliden Liste aus! Bis auf die 3 Hierarchen, ich weis noch nicht ob ich die in dem aktuellen Meta im Deck haben wollte.
    Schöner Artikel Nico!

    • Netdeck-Nico sagt:

      Danke 🙂 Hierarchen sind mit Sicherheit Geschmackssache, können allerdings einen ziemlichen Tempovorteil bringen und helfen mit, Druck auszuüben, wenn die eigenen Kreaturen zu Anfang noch zu klein sind.

      Nameless Inversion + Silumgar’s Scorn klingt spicy, allerdings macht mir das Doppel-Blau in Verbindung mit dem BG von Flayer etwas Angst um ehrlich zu sein 😀 Du kannst ja bei Gelegenheit mal nen kleinen Blog Post über das Deck erstellen 😉

  2. solring sagt:

    Wenn das Matchup gegen Tron SO schlecht ist, ist das Deck denn dann eine gute Wahl?
    Ich mein, nichts gegen koffeinhaltige Heißgeränke, aber Tron macht im Moment schon einen guten Anteil am Meta aus.
    Oder ist das lokale Meta in der Wiese anders?

    Und lohnt es sich wirklich below-medium Removal (Inversion) zu spielen um den Flayer online zu kriegen?
    Sind da die fokussierten Delirium Decks mit Bauble und Traverse nicht besser?

    Grundsätzlich aber ein schöner Artikel, Nico. Weiter so! 🙂

    • Spielwiese sagt:

      das modern meta in der spielwiese ist maximal divers, sehr viele verschiedene decks. d.h. tron kommt drin vor, macht aber nicht mehr vom meta aus als andere decks

    • Netdeck-Nico sagt:

      Grundsätzlich hast du Recht mit Tron, allerdings, wie Bertil schreibt, das Meta in DLG ist einerseits sehr divers und andererseits trifft man auch oftmals auf Decks, gegen die man es vielleicht noch nicht gewohnt ist, zu spielen, d.h. ein solider Allrounder wie Abzan ist mit dem nötigen Hintergrundwissen dann doch die bessere Wahl.

      Inversion ist ein kleines Experiment, das ich mache, kam gestern im Modern FNM leider nicht allzu oft vor, d.h. es bleibt mal noch drin. Theoretisch kann es auch ein Combat-Trick sein 😀

  3. Spielwiese sagt:

    schöner artikel nico! inhaltlich interessant und deine texte sind definitiv die die sich am angenehmsten lesen lassen, weiter so 🙂

  1. 1. Februar 2018

    […] 3 Noble Hierarch und einen 4-drop meiner Wahl aus. Dazu könnt ihr gerne einen meiner vorherigen Artikel durchlesen […]

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