Hidden Rage – das Trinisphere-Phänomen

Wenn ich im folgenden Artikel von Verfügbarkeit spreche, beziehe ich mich sowohl auf die Möglichkeit sich Karten zu leihen als auch darauf, welche Karten sich ein Spieler monetär leisten kann.

Das Designteam von WotC hat über die Jahre einen ganzen Schwung Karten herausgebracht welche keinen direkten Einfluß auf das Spiel zu haben scheinen. In die Kategorie dieser Passiv-Karten fallen bspw. Trinisphere, Sphere of Resistance, Stranglehold, Thorn of Amethyst, Gaddock Teeg und noch ein paar weitere welche bestimmte Dinge verbieten oder auch einschränken.

Die Trinisphere – meist im Legacy gespielt – ist hierbei der bekannteste Vertreter und auch die Karte die nach Humility wahrscheinlich die meisten Judgecalls in der Geschichte des Spiels erzeugt hat, doch das nur am Rande.

Der Punkt auf den ich heute eingehen möchte ist der Einfluss den diese Karte auf das Spielverhalten, das Verhalten im Allgemeinen und auf die Motivation hat, wenn man gegen diese Karte spielen muss.

Normalerweise geht man beim Bau und Spielen eines Magicdecks folgendermaßen vor:

A – Was ist spielbar?

B – Welches Deck aus der Kategorie A möchte ich spielen (viele überspringen auch A und nehmen einfach ein Deck oder eine Deckidee die ihnen gefällt)?

C – Muss ich die Liste für das von mir gewählte Meta anpassen und wenn ja, welche Möglichkeiten stehen mir dabei zur Verfügung?

Nach einiger investierter Zeit wird man dann ein Deck haben, das auf das Hochgeschwindigkeitsspiel im Legacy angepasst ist, die Manabase wurde so angepasst, dass man selten flooded und noch seltener screwed. Die Manamenge also genau OnPoint für die eigenen Bedürfnisse zur Verfügung steht.

Wir spulen ins Game vor. Du hast die perfekte Hand: 2 Fetches, Brainstorm, Deathrite Shaman, Abrupt Decay usw. und das Spiel geistig schon als Sieg für dich verbucht, bist aber on the Draw. Der Gegner legt Sol-Land [a.k.a. Länder, die 2 Mana erzeugen, wie etwa Ancient Tomb, in Anlehnung an die Karte Sol Ring] + Mana und spielt eine Trinisphere.

Und dein Hirn beflügelt durch deine Superhand setzt kurz aus.

Es stellt sich ein Gefühl der Frustration ein welches sich am besten so beschreiben lässt:

Du spielst seit Jahren Lotto, hast immer die gleichen Zahlen. Deine Zahlen werden alle gezogen, du kündigst in einem Euphorieanfall deinen Job und sagst endlich allen die du hasst, aber auf die du noch irgendwie angewiesen warst, dass sie dich mal gern haben können und stellst dann fest, dass du vergessen hast den Lottoschein abzugeben.

Dein Hirn setzt wieder ein und dir wird klar, deine Hand ist bis auf 2 Länder momentan nutzlos.

Dir wird auch klar, dass du auf dieses dritte Land angewiesen bist, ohne kannst du nichts machen.

Du spielst also weiter, darauf setzend dass dich dein Deck nicht im Stich lässt. Aber für gewöhnlich kommt das dritte Land nicht und es ist wie mit einer sinnvollen Behandlung meiner krankheitsbedingten Anfällen: du kannst nur hoffen, dass es einfach schnell vorbei geht.

Doch sind wir dann sauer auf uns? Nein. Sind wir sauer auf unseren Gegner? Auch nicht. Wir sind an diesem Punkt tatsächlich sauer auf eine Spielkarte, da diese uns nicht hat mitspielen lassen. Aber eigentlich ist das auch falsch weil die Karte ja eigentlich nichts gemacht hat. Also sind wir einfach sauer.

Während des Spiels versuchen wir cool zu bleiben um dem Gegner nicht auch noch die Genugtuung zu geben, dass es uns ankotzt dass wir zum Nichtstun verdammt sind.

Wenn man selten oder noch gar nicht gegen solche Passiv-Karten gespielt hat und vielleicht auch noch nicht soviel Erfahrung im kompetitiven Magicbereich besitzt, dann hat man den Hang dazu diese Frustration, welche man an nichts direkt festmachen kann, auch noch ins nächste Spiel mitzunehmen und dort dann zu vorsichtig zu spielen um vielleicht auch dieses Spiel an die Nachwirkung dieses Passiv-Erlebnisses abzugeben.

Kreaturen wie Gaddock Teeg oder Thalia, Guardian of Thraben sind einfachere Ziele der passiven Frustration da sie ja auch Schaden machen, dieser Fakt fehlt bei Trinisphere, Sphere of Resistance oder Thorn of Amethyst komplett.

Je länger man spielt und je öfter man gegen unterschiedliche Karten und Decks spielt desto neutraler und unverfänglicher kann man auf solche Karten und Situationen reagieren.

Folgendes geht an Lukas und alle die meinen, dass man in 75 Karten 4 Trinisphere spielen muss: Das Ding kostet 3, lässt alles 3 kosten und ist im Doppelpack nicht besser als alleine.

DAS DRITTE GEBOT DES MAGICDECKS LAUTET: SPIELST DUTrinisphere SO SPIELST DU DEREN DREI! WEDER ZWEI NOCH VIER NOCH EINE! ES SIND IMMER DEREN DREI!!!!

(Nur ne kleine Anekdote vom Erfinder des Red-Prison-Stompy im Legacy.)

In diesem Sinne, happy gaming und stay tuned.

Bis zum nächsten Mal,

 

euer micha.

micha

Ich schreibe für euch über die Constructed Formate Legacy und Modern, Limited ist nicht mein Ding. Mehr über mich findet ihr in meinem Steckbrief und meine Artikel gibt es hier im Archiv.

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5 Antworten

  1. Freakle sagt:

    Die Karte erzeugt bei mir alles andere als „hidden“ Rage…. das kann ich dir bestätigen.
    Sol-Länder und Stax-Effekte, so erkennt man gutes Magic!

  2. Mmh… Ist es nicht generell so, dass man Karten viel leichter als Spaßkiller identifiziert, wenn sie vom Gegner kommen und man selbst kein Deck mit diesen Karten hat? Mir fallen da ganz schnell „Nebel des Stillstands“ und „Faszinierende Sphäre“ ein, aber wenn ich sagen müsste, welche von meinen Decks beim Gegner wohl als unspaßig empfunden werden, kommt mir nichts in den Sinn, und ich müsste tatsächlich die Liste mit den Decks durchgehen und bei jedem kurz überlegen.

    Ok, das habe ich gerade mal getan. Es gibt ein paar Decks, die hängen stark von einer zentralen Karte ab (z. B. „Kiki-Jiki, Spiegelzerbrecher“, „Tintenspur-Nephilim“, „Verkehrtes Heilmittel“, „Letztes Gefecht“ oder „Spruchweber-Spirale“) und funktionieren schlechter, wenn die verhindert oder entsorgt wird. Das kann den Gegner verzweifeln lassen, wenn er nicht die passende Antwort hat, ist aber vermutlich nicht in diesem Sinne „nervig“. In anderen Decks gibt es Karten, die zwar nicht das zentrale Thema sind, aber dennoch das Spiel rocken, wenn sie kommen (z. B. „Entweihender Dämon“ oder „Gossenratte“). Andere Decks bauen eher insgesamt ein bedrohliches Szenario auf (mächtige Artefakte, Spielereien mit Marken, Landzerstörung usw.) ohne von bestimmten Einzelkarten abzuhängen. Und dann gibt es noch unangenehme Kombos, die den Gegner ausbremsen bis lahmlegen (wenn sie nicht gleich darauf ausgerichtet sind, mich gewinnen zu lassen), aber da geht es ja auch nicht um die eine Karte, sondern um die Kombination von zwei oder drei Karten.

    Ich glaube also, dass der Ärgerfaktor meiner Decks für den Gegner in einem erträglichen Rahmen liegt. Und das ist einem Freizeitspieler ja bekanntermaßen fast genauso wichtig wie gewinnen. 😉

  3. Netdeck-Nico sagt:

    Nachdem ich nun grundsätzlich verstanden habe und auch derselben Meinung bin, dass man nicht sinnlos gegen „hate“-Karten wie Trinisphere, Thalia, Blood Moon, Ensnaring Bridge usw., ragen soll, da sie nunmal existieren und auch ihre jew. Deckbau-Kosten haben, frage ich mich doch, worauf sich der einleitende Satz beziehen soll:

    „Wenn ich im folgenden Artikel von Verfügbarkeit spreche, beziehe ich mich sowohl auf die Möglichkeit sich Karten zu leihen als auch darauf, welche Karten sich ein Spieler monetär leisten kann.“

    Darauf gehst du nie wieder ein, hat mich nur gewundert!? 😀

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