Grand Prix Lyon – Meta top, Top 8 flop?

Hi Leute!

Was wäre ein Blogpost über einen Grand Prix ohne darauffolgenden Turnierbericht??

Auch auf die Gefahr hin, dass sich dank der Unbannings niemand mehr für das „alte“ Modern-Format interessiert, meine kleine Umfrage auf Twitter konnte das nicht gerade bestätigen, also will ich euch auf jeden Fall an meiner Erfahrung in Lyon teilhaben lassen! Als Bonus gibt es am Ende auch bereits einen Einblick in meine Pläne für das Meta mit unseren frisch entbannten 4-Mana Overlords 😉

Bloodbraid Elf

Nachdem ihr mich im letzten Blogpost etwas unentschlossen erlebt habt, bin ich nochmal in mich gegangen. Wenn man mal von dem alten Modern-Spruch „Spiel das, mit dem du am meisten Erfahrung hast!“ absieht, war ich mir für den kommenden Grand Prix in drei Punkten sicher:

Da ich tatsächlich aus diversen Gründen zu Souls tendierte (super value-engine gegen Control, top gegen Kreaturen-basierte Decks, allen voran Death’s Shadow, lässt sich super mit Liliana of the Veil abwerfen) und auch wirklich Lust auf Abzan hatte, war die Entscheidung dann doch relativ schnell gefallen. Allerspätestens jedenfalls, als ich den Artikel von Reid Duke über seine Top 8 bei der Pro Tour Rivals of Ixalan gelesen habe. Auch, wenn das Meta der Pro Tour nicht immer ganz der Realität entspricht, da sich die meisten Leute untereinander kennen und versuchen, vorherzusagen, wer was spielt, was zu einem etwas verdrehten Meta führt, hat mich das nochmal in der Meinung verstärkt, dass man wirklich jedes Deck spielen kann und insbesondere Abzan bzw. BGx im Allgemeinen eines ist, das sich allen Lebenssituationen anpasst.

Soviel zur Vorbereitung. Die Reise an sich verlief wie am Schnürchen. Wir entschieden uns, Freitagfrüh mit dem Flugzeug von München aus zu starten, einerseits, um noch ein paar Trials mitzunehmen und andererseits aufgrund der Tatsache, dass die Flüge Mittags bzw. Nachmittags gleich um einiges teurer sind. Hieß also, früh aufstehen, vier Kumpels aufgabeln, Auto abstellen und ab in den Flieger! Unser Hotel lag zwar direkt auf dem Weg zum Veranstaltungsort, der Eurexpo Lyon, aber Einchecken konnten wir dort erst ab Mittag. Dadurch schafften wir es locker vor 11 Uhr zur Halle, um noch das Early Bird Last Chance Trial in Modern mitzunehmen. Die inzwischen gesalzenen Preise der ChannelFireball Grand Prixs (ja, das erwähne ich, so oft es geht) sorgen dafür, dass ich mir zum Main Event (60 €) definitiv keine Matte (12 €) dazu vorbestelle. Das Trial war dafür perfekt, da im Startgeld von 15 € die wunderschöne Playmat mit dem Negate-Artwork von Magali Villeneuve enthalten war, die konnte ich dann doch nicht sausen lassen 🙂

Ohne weiteres Blabla also meine Liste, die ich für ein paar Trials am Freitag und das Main Event am Samstag registriert habe:

Das erste Trial war ein eher kurzes Vergnügen. Ich durfte es mit einer (mir zumindest) eher unbekannten Mono U Improvise-Liste mit Grand Architect und Lodestone Golem aufnehmen. Für alle Brewer unter euch, die es jetzt in den Sleeves juckt, ich hab zwar auf die Schnelle keine Liste gefunden, aber dafür den dazugehörigen Thread auf MTG Salvation. Fakt ist, dass seine schnell raus-gepowerten Fatties aufgrund meiner Konfiguration (nur 1 Path to Exile und 2 Maelstrom Pulse) etwas schwer zu handeln sind und er mir durch die Golems das Leben schwer macht, da nun alle meine effizienten Spells mehr kosten und weniger effizient sind. Eine Liliana of the Veil zu legen, in die er einen Trinket Mage opfert und dann zum Gegenangriff mit einem oder zwei Lodestone Golem übergeht, war öfter eine meiner suboptimalen Optionen…

Im zweiten Trial lief es gleich mal besser mit einem Sieg gegen UWR Control! Im ersten Spiel ist er etwas flooded, was es mir leicht macht und einen Vorsprung verschafft, den man in einem Control-Matchup gerne mitnimmt. Da ich aber in Game 2 kein Thoughtseize für seinen Keranos finden kann, macht er mir mit dem unschlagbaren Kartenvorteil den Garaus. Schlüsselszenen im dritten Spiel waren dann ein Fulminator Mage im dritten Zug für mich, der seine Celestial Colonnade hochgehen lässt. Darauf folgte ein brutaler Maelstrom Pulse für sein nachgelegtes Search for Azcanta. So schnell und überzeugend habe ich noch nie gegen Control gewonnen 😀

Das zweite Match dieses Trials musste ich dann leider an Meervolk abgeben. Es war eine blaugrüne Variante, wenn ich mich recht entsinne. Meervolk ist für BGx ein gutes Matchup, sofern wir mit der Geschwindigkeit mithalten können. Hat man mal das falsche (read: zu teure) Removal auf der Hand, kann es schnell rum sein. Die Tatsache, dass Meervolk-Piloten ihre Hand dank Aether Vial schneller entleeren können als andere Decks, tut ihr übriges. So spielt die UG Variante im schlimmsten Fall zwei Lords pro Zug, was oft einfach zu viel ist. So oder so ähnlich liefen auch die ersten beiden Spiele ab, nach denen es 1:1 stand. Im dritten Spiel war ich natürlich on the play und denke, durch den Tempovorteil nützt es mehr, wenn ich die beiden Aether Vials, von denen eine auf zwei Marken und eine auf einer Marke steht, mit einem Maelstrom Pulse zerstöre, anstatt meinen Puls aufgrund des Boardstates 1:1 gegen eine Kreatur zu tauschen. Leider droppt er einfach noch einen Lord in Reaktion, spielt in seinem Zug nochmal einen und überrollt mich.

Auf zum nächsten Trial, denn aller guten Dinge sind drei und das Schicksal gab mir auch fast Recht… bis mir Ulamog eine Watschn verpasste!

Ulamog

Match Nummer Eins in diesem dritten und letzten Trial für Freitag spielte ich gegen die oldschool Variante von Living End (im Gegensatz zur blau-schwarzen Version). Das erste Spiel dauerte relativ lange, konnte es aber schlussendlich für mich entscheiden, da er sich durch seine halbe Bibliothek cycelte und nicht einen einzigen Spruch mit Kaskade für seine Combo finden konnte, Glück gehört eben auch dazu 🙂 Jedes Ziehsegment meines Gegners war ein Krimi, das könnt ihr mir glauben! Das zweite Spiel gewann er dank einem relativ frühen Living End. Ich kann zwar noch einen Archfiend of Ifnir abstellen, aber an hard removal war’s das dann erstmal von meiner Seite und ich werde von Horror of the broken Lands, Street Wraith und einem Monstrous Carabid vermöbelt. Im dritten Spiel macht er mir weiterhin Druck mit einem Fulminator Mage für eines meiner Länder und Damping Matrix gegen meinen Scavenging Ooze. Da er diesmal mit seiner Combo nur drei Kreaturen zurückbringt, die ich nach und nach unter Kontrolle bringe, kann ich mich mit Tarmogoyf und Kitchen Finks ins Spiel zurückgrinden, während er mit einem Living End auf der Hand versauert und nie den passenden Spruch für sein verbleibendes, drittes in der Bibliothek findet.

An das zweite Match kann ich mich leider nicht mehr wirklich erinnern. Laut meinem Twitter gewann ich 2-1 gegen Burn, da ihm im entscheidenden Spiel die Sprüche ausgingen und ich eine Collective Brutality mit allen drei Modi wirken konnte. Nebenbei bemerkt, eines der Dinge in Modern, bei denen man sich gleichzeitig richtig mies und super überlegen fühlt. Einen Goblin Guide zu töten, zwei Leben zu erhalten (der life swing an sich ist hier nicht ausschlaggebend, sondern nur die eigenen Lebenspunkte) UND zusätzlich 3-4 Schaden von der Hand des Gegners zu klauen ist nicht von dieser Welt. Dass ich vor ein paar Wochen nur eine Liliana, the last Hope für meine Sammlung geholt habe und die für mein Playset fehlenden zwei Collective Brutality sträflich ignoriert habe, ist nicht nur aus Sicht meines Geldbeutels unverzeihlich.

Von den drei Meervolk-Decks, gegen die ich an dem Wochenende spielen durfte, war nur jenes Mono-Blau, gegen das ich im dritten Match dieses dritten Trials gepairt wurde. Mein Gegner war zugegebenermaßen ein Anfänger, zumindest behauptete er, das sei sein erstes richtiges Modern Turnier. Sein Deck hat er jedenfalls beherrscht, aber in einem Spiel fehlten ihm die Kreaturen und in dem anderen Spiel hatte ich im richtigen Moment eine Damnation, um das Board zurückzusetzen.

Es kommt, wie es kommen muss, nachdem ich sechs Matches lang relativ gute Matchups hatte, musste ich im Finale des Trials gegen BG Tron spielen. Das erste Spiel sah auch lange Zeit gar nicht so schlecht für mich aus, da ich durch einen Discard weiß, dass er keinen Threat hat und nebenher einiges an Druck machen kann. Allerdings zieht er Ulamog, the ceaseless Hunger von oben, schickt zwei meiner Kreaturen ins Exil und ich finde im nächsten Ziehsegment auch keine Antwort für seinen fetten, farblosen Newlamog. Auch das zweite Spiel ist erstmal nicht einseitig. Dank Expedition Map kann er einen Karn Liberated im dritten Zug spielen und meinen Tarmogoyf abstellen. Ich habe wenigstens einen Maelstrom Pulse auf der Hand, muss dafür aber meinen ganzen nächsten Zug opfern. Schade, dass er einen Ugin, the Spirit Dragon nachlegen kann und dann, da ich natürlich nicht sofort aufgebe, vorsichtshalber noch eine Wurmcoil Engine in petto hat. Das sind schon zwei Bedrohungen, auf die ich keine Antwort finde und zusammenschieben muss. Es ist, wie Reid Duke in seinem Artikel zu seiner Pro Tour Rivals of Ixalan Top 8 schreibt: nach dem Sideboarden ein Spiel gegen Tron zu gewinnen, ist dank Fulminator Mage und Liliana, the last Hope machbar, aber dann muss man immer noch die Finger kreuzen, dass der Tron Spieler in einem der anderen beiden Spielen gegen sein eigenes Deck verliert. Das ist dieses Mal nicht passiert, also nehme ich meine 200 Loser-Tix und lasse es gut sein für Freitag.

Wenn ihr jemals, aus welchem Grund auch immer, in Lyon auf dem Messegelände seid, hier ein kleiner Tipp: wenn ihr den Weg raus nicht wisst, nehmt euch ein Taxi! Schwabe, wie ich bin, war der Plan, googlemaps blind zu vertrauen und 20 Minuten zum Hotel zu laufen. Da maps allerdings dachte, dass man Luftlinie laufen kann und auch keine Zäune mit einberechnet, wurde das schnell zu einer kleinen Odysse, bei der ich einen Niederländer und noch einen Deutschen kennen lernte, die sich ebenfalls nicht mehr auskannten. Auf Fußwege wird auf jeden Fall keinen großen Wert gelegt, da man wohl davon ausgeht, dass jeder mit dem Auto kommt. Dementsprechend groß sind die Parkplätze und dementsprechend lang sind die Zäune auf diesem Gelände. Falls ihr also nächstes Jahr den GP besucht, ich hab‘ euch gewarnt!

Nach einer Pizza ging es für mich recht schnell ins Bett, da der Tag schon lang genug war und ich für das Main Event fitt sein wollte!

Main Event

Runde 1 vs. UG Meervolk 2-0

Interessanterweise gibt es kein Player’s Meeting, sondern sofort die Pairings, also mischen wir unsere Decks und legen los! Mein erster Gegner spielt zur Abwechslung ein UG Meervolk Deck. Wie schon erwähnt: wenn der Start von Meervolk nicht allzu schnell ist, ist das Matchup wirklich gut. Ich muss zugeben, im ersten Spiel halte ich eine bereits solide Hand, und ziehe mich wie gekonnt erst in ein Abrupt Decay und dann in einen Maelstrom Pulse, wogegen seine Lords keine Chance haben. Spiel Zwei kann ich leider nicht mehr nachvollziehen, außer, dass meine Hand von vorneherein interaktiver war und ich 2-0 gewinne!

Runde 2 vs. Eldrazi&Taxes 0-2

So gut der Start auch war, das Deck des nächsten Gegners holte mich sofort wieder auf den Boden der Tatsachen. Eldrazi und Taxes ist ein kniffliges Matchup, zum einen, weil man nicht ganz so oft dagegen spielt und zum anderen, weil es Disruption auf Kreaturen kleben hat, was uns mit einem BGx Deck im Deck gleich doppelt besteuert. Und so nimmt er auch mit einem Tidehollow Sculler meinen zu dem Zeitpunkt einzigen Fatal Push und legt eine Thalia, Guardian of Thraben und einen Thought-Knot Seer hinterher. Mein Grim Flayer bleibt leider viel zu lange ein Grizzly Bearsund so habe ich im ganzen ersten Spiel nicht mehr zu tun, als zuzuschauen, wie meine 20 Lebenspunkte weggekloppt werden. In Spiel zwei kurvt er natürlich in einen Mirran Crusader, für den ich nur drei Antworten in meinen 75 Slots habe. Da ich durch ein Thoughtseize weiß, dass er eine Flickerwisp hat, die er mit seiner Aether Vial rein-flashen kann, tu ich mir schwer, den richtigen Zeitpunkt für meine Damnation zu finden, da er seinen Crusader somit in jeden Fall behalten würde, ich dann gar kein Board mehr habe und eingehen würde. Er spielt es safe und flasht die Wisp nie rein, ich finde keinen Path to Exile und sterbe mit meiner Damnation auf der Hand 🙁

Runde 3 vs. Chromantiflayer 2-0

Wer die Coverage zum Grand Prix ein bisschen verfolgt hat, ist sicherlich auch über das Soulflayer-Deck gestolpert, das auch in den Top Stories nochmal ausgeschlachtet wurde. In dem Link findet ihr auch eine Deckliste, falls ihr das Deck noch nicht kennt, lest einmal drüber, es sieht echt spaßig aus! Ich denke, ich spielte in Runde Drei nicht gegen dieselbe Liste, zum Beispiel habe ich keine Drogskol Reaver oder Spark Elementals gesehen. Letztere halte ich aber für eine super Ergänzung in dem Deck. In den ersten Runden machen sie gerne mal drei Schaden und später dienen sie als Quelle für extra-Keywords für Soulflayer. Meine Gegnerin war in Modern noch nicht ganz so erfahren und hatte auch noch das Pech, dass ich nicht nur zwei Nihil Spellbomb im Maindeck hatte, sondern im ersten Spiel im ersten Zug auch noch eine legen kann. Wie ich dank den verlinkten Top Stories gelernt habe, kann man direkt nach einem Faithless Looting oder Commune with the Gods nicht reagieren und den gegnerischen Friedhof ins Exil schicken, wenn der Gegner die Priorität behält und sofort Karten für eine Delve-Kreatur aus dem Friedhof wühlt. Diese Interaktion kam zum Glück nie auf und ich hatte in beiden Spielen im richtigen Moment auch jeweils eine Liliana of the Veil, die mir jedesmal das Leben rettete, auch wenn ein Soulflayer davor für acht Schaden mit Lifelink rüberkommen konnte.

Runde 4 vs. Burn 2-1

Mein Gegner in Runde vier war ein netter Schweizer, der Smalltalk fiel also leichter als sonst. Als er mir dabei verriet, dass er nach einer längeren Pause wieder in Magic eingestiegen ist, hatte ich schon so eine Vorahnung, die sich bestätigte, als er mir in den ersten zwei Zügen drei Goblin Guides um die Ohren haut. Zwei davon kann ich zwar nach und nach abstellen, aber der Schaden ist bereits angerichtet, also gehen wir zum Sideboarden über. Die anderen beiden Spiele waren insgesamt knapper, in beiden verhilft mir aber Scavenging Ooze zum Sieg.

Runde 5 vs. Nykthos Valuetown 2-0

Ich hab‘ immer noch keine Ahnung, gegen was für ein Deck ich hier eigentlich gespielt habe. Es sah aus wie ein klassisches grün-weißes Midrange Value Deck mit Collected Company. Allerdings spielte er auch Nykthos, Shrine to Nyx. Was das payoff für diesen Nykthos war, konnte ich allerdings nie herausfinden. Spiel 1 muss er einen Mulligan auf 5 nehmen und ich töte seinen Arbor Elf, was ihm das Genick bricht, denn er zieht nie das dritte Land. Das zweite Spiel war etwas ausgeglichener, allerdings schaffe ich es, mit Fulminator Mage und Liliana, the last Hope, sein Board vollständig unter Kontrolle zu halten. Da er sich wegen schlechter Draws wieder mit zwei Ländern langweilt (einen Selfless Spirit konnte ich ihm abwerfen), beschleunige ich mein Spiel etwas und als ich einmal am Ende seines Zugs fetche, mische, ihm das Deck präsentiere und wieder zurückbekomme, vergesse ich – zum einzigen Mal an dem Wochenende – meinen Dark Confidant-Trigger. Glücklicherweise wurde das Ruling für so etwas vor einiger Zeit zurückgestuft, sodass es kein Warning mehr gibt. Mein Gegner kann bestimmen, ob der Trigger auf den Stack geht oder nicht und die gezogene Karte gilt quasi als Draw für den Zug. Den Bob-Trigger überlebe ich, dafür ist mein Board inzwischen tödlich für ihn.

Runde 6 vs. Burn 2-1

Das Dritte (von fünf!) Burn-Matchups an diesem Wochenende! Da ich das so ähnlich erwartet habe bzw. auch, weil ich noch ein Trauma von Grand Prix Kopenhagen im letzten Jahr habe, bei dem ich in den ersten sechs Runden fünfmal gegen Burn gespielt habe, habe ich tatsächlich noch eine Collective Brutality und eine Kitchen Finks ins Maindeck gepackt, anders als Reid Duke. Das macht das erste Spiel, vor allem, wenn man den Würfelwurf verliert, nicht sehr viel besser, aber zusammen mit noch einer Brutality aus dem Sideboard wirkt das manchmal Wunder. Wie erwartet, verliere ich das erste Spiel, kann aber in den beiden anderen Spielen jeweils eine Brutality wirken, im dritten Spiel sogar on the play im zweiten Zug, um neben dem Lifeswing seinen Goblin Guide zu töten und einen Lightning Bolt abzuwerfen. Am Ende bin ich dennoch nur noch auf vier Lebenspunkten und lass mein Fetchland vorsichtshalber unberührt liegen. In seinem letzten Zug, bevor ich den tödlichen Angriff starten kann, könnte ihn also nur noch Boros Charm retten, den aber nicht zieht.

Runde 7 vs. Affinity 0-2

Ein Kumpel und ich stehen beide 5-1, haben also beide noch zwei Chancen, Tag Zwei zu machen. Unglücklicherweise verliere ich den Würfelwurf und halte eine Hand mit nicht allzu viel Interaktion, ihr könnt euch ja denken, wie das erste Spiel ausging. Im zweiten Spiel hab‘ ich es dann vermutlich selber vergeigt, da ich ein Flaying Tendrils zum falschen Zeitpunkt spiele, sein Arcbound Ravager überlebt und er genug Kreaturen nachlegt, um meinen einzigen Fatal Push zum Tropfen auf dem heißen Stein werden zu lassen. Währenddessen verliert mein Kumpel mit Mardu Pyromancer gegen Grishoalbrand.

Runde 8 vs. Titanshift 0-2

Die Niederlage im ersten „Win-and-in“ hat mich natürlich gefuchst aber ich hab es das ganze Wochenende über ganz gut hinbekommen, jedes Match isoliert zu sehen und nicht mit negativen Gedanken vom letzten Spiel vor dem nächsten Gegner zu sitzen. Natürlich nur solange, bis mein Gegner ein Search for Tomorrow aussetzt… Titanshift ist ein etwas komisches Matchup. Früh im Spiel möchte man ihm natürlich seine Ramp-Sprüche wie Search oder Farseek discarden, allerdings kann er mit seinen Sakura-Tribe Elder jeden noch so großen Tarmogoyf blocken und wenn wir dann keinen Discard für sein Scapeshift oder einen Path to Exile für seinen Primeval Titan haben, war’s das. Genau so lief das auch im ersten Spiel ab. Das zweite Spiel war etwas interessanter, durch einen Discard weiß ich, dass er zwei Obstinate Baloth auf der Hand hat, sodass ich meine Liliana of the Veil möglichst nicht spielen und hochticken sollte. Es dauert ziemlich lange, bis er sein zweites, grünes Mana findet und ich kann insgesamt 3 Baloths handeln. Allerdings hat er inzwischen auch zwei Valakut, the molten Pinnacle liegen, zieht einen Titan und tötet mich mit den Triggern der herausgesuchten Länder.

Es hat also nicht sollen sein mit Tag zwei, aber ich hatte einen guten Lauf und einer unserer Gruppe konnte nicht nur am Sonntag weiterspielen, sondern ist insgesamt sogar 11-4 gegangen! Mardu Pyromancer war in dem Meta wohl ein richtig geiles Deck. Allerdings war ich von der Top 8 am Ende ehrlich gesagt gleich doppelt überrascht:

In den Wochen vor dem Grand Prix war das Meta sehr offen, man konnte alle möglichen Decks spielen, wenn man sich entweder innerhalb der „Turn 4“-Regel befindet oder einen guten Plan gegen eben solche Decks hat. Hier zum Beispiel die Top 32 von GP Toronto, eine Woche vor GP Lyon:

Daher war es für mich nicht nur verwunderlich, dass gleich vier Tron Decks den cut machten, sondern auch, dass es trotz dieser Widrigkeiten an den Top Tables zwei Abzan Decks geschafft haben! Es war zu befürchten, dass diese beiden Verfechter des fairen Magic gegen viermal Tron und einmal Eldrazi eher alt aussehen, dennoch schaffte es Márcio Carvalho ins Finale! Als Sieger ging bekanntlich das sehr innovate rot-grüne Eldrazi Deck von Grzegorz Kowalski hervor. Es wäre interessant gewesen, zu sehen, wie sich das Meta nach diesem Grand Prix wieder anpasst. An Death’s Shadow konnte sich das Meta ja auch anpassen und Newcomer gibt es immer wieder mal, wie Gerry Thompson mit Mardu Pyromancer beweisen konnte oder eben jetzt Kowalski mit seiner etwas anderen Eldrazi-Strategie. Der Vollständigkeit halber hier noch die Top 32 von GP Lyon:

 

PTQ Dominaria

Ein paar kleine Änderungen habe ich für den PTQ Dominaria am Sonntag nach dem Main Event gemacht:

Main:

-1 Path to Exile – 1 Kitchen Finks +1 Fatal Push +1 Dark Confidant

Side:

-1 Thrun -1 Flaying Tendrils -1 Liliana of the Veil

+1 Path to Exile +1 Duress +1 Kitchen Finks

Während der Spiele am Freitag und Samstag musste ich feststellen, dass Reid Duke nicht ganz Unrecht hat, wenn er sich weigert, Path to Exile zu spielen. Früh im Spiel gibt es dem Gegner einen zu großen Vorteil, vor allem, wenn man stattdessen Fatal Push spielen kann. Im weiteren Spielverlauf gibt uns Maelstrom Pulse genug Flexibilität bzw. vieles lässt sich auch im Kampf oder der -2-Fähigkeit von Liliana of the Veil regeln. Für den Notfall möchte ich dennoch ein bis zwei Path im Sideboard, gerade gegen Eldrazi Decks oder eine fiese Wurmcoil Engine aus Tron heraus. Die Überlegung im Vorfeld des Grand Prixs war, einen Dark Confidant für eine Kitchen Finks zu cutten, um das Burn- bzw. Aggro-Matchup etwas besser zu machen. Das tariert sich aber wieder aus, wenn man ein Playset Push spielt, um genau diesen aggressiven Decks Einhalt zu gebieten, ohne Ihnen einen kritischen Tempovorteil zu geben.

Die sechs Matches des PTQ möchte ich nicht mehr im Detail darlegen, da es bis hierhin ja schon einige Match-Berichte waren und ich lieber noch etwas über das neue Meta sinniere. Nur so viel sei gesagt: auch, wenn man 0-3 startet, kann man noch 3-3 gehen und ein paar Preis Tickets rausschlagen, wenn man sich nicht aufgibt!

Runde 1 vs. Grixis Control 1-2

Runde 2 vs. Abzan (Mirror) 1-2

Runde 3 vs. Burn 1-2

Runde 4 vs. Burn 2-1

Runde 5 vs. Traverse Shadow 2-1

Runde 6 vs. RB Hollow One 2-1

Die gesammelten Preis Tickets der Trials und des PTQ brachten mir am Ende noch etwas mehr als ein Display Aether Revolt ein! Als der PTQ vorbei ist, habe ich außerdem endlich genug Zeit, noch ein paar Sachen unterschreiben zu lassen. Zwischen den Runden habe ich bereits alle Händler auf der Suche nach From the Vault Huntmaster of the Fells abgeklappert, um sie unterschreiben zu lassen, hatte aber leider kein Glück. Da die Künstlerin Magali Villeneuve nicht nur für das Artwork auf der GP Lyon Playmat verantwortlich zeichnet, sondern einige der wunderschönsten Werke für Magic kreiert, war die Schlange an ihrem Stand das ganze Wochenende über unglaublich lang. Der Typ vor mir in der Reihe wollte zu allem Überfluss auch noch einen Artist Proof (Karte mit weißem Rücken) mit einem Sketch haben, insgesamt wartete ich ca. 1,5 h, was sich aber gelohnt hat, siehe Fotos!

 

Gedanken zu den Unbannings

Zwei der Sätze, die kompetitiven Magic-Spielern feuchte Träume verschaffen. Wie Yin und Yang verhielten sich diese beiden Karten, als sie in Standard waren. Und wie Avacyn und die Dämonen brachen sie aus der Hellvault der Bannliste hervor, um das Meta für immer zu verändern.

Die Hintergrundgeschichte dieser beiden Karten in Modern in einem Satz: Jace erhielt mit der Einführung von Modern im August 2011 einen auto-Ban und der allseits beliebte Elf musste sich im Januar 2013 opfern, da noch niemand das vollständige Potenzial des 1-Mana Planeswalkers Deathrite Shaman erkannte, der ziemlich genau ein Jahr später gebannt wurde.

Eine Timeline aller Änderungen an der Banned & Restricted List findet ihr hier. Die Begründung der jüngsten Unbannings könnt ihr auf dem Mothership nachlesen, darauf werde ich mich im Folgenden beziehen.

Inzwischen konnten wir ja schon einige Turniere im neuen Format  beobachten, allen voran verschiedene MTGO Challenges und Leagues und der Magic Online Championship am vergangenen Wochenende. Während zu Anfang einige Leute – gelinde gesagt – geschockt waren (mich eingeschlossen), versuchten die meisten bereits eine Woche später das Beste daraus zu machen oder stellten nach dem ersten Schwung Matches im neuen Meta sogar fest: „it (Jace) sucked“.

Nachdem sich der erste Schock gelegt hat, muss ich sagen, dass ich auch etwas Respekt für diesen Schritt von WotC habe. Das Modern Format war wirklich sehr offen, kein Deck nahm mehr als 10 % des Metagames für sich in Anspruch. 25th Anniversary Masters und Kommerz hin oder her, in so einer Situation und mit so einer großen Spielerschaft zwei der kontroversesten Karten zu entbannen, die Magic jemals gesehen hat, zeugt entweder davon, dass bei Wizards of the Coast im Hintergrund nun einiges geschieht, um potenzielle Metagames zu lösen oder, dass Wizards ein riesiges Vertrauen in die Loyalität ihrer Spielerschaft hat. Eventuell haben sich manche sogar bereits abgewendet oder manch andere wenden sich ab, falls Jace re-banned wird. In jedem Fall gehört auch eine Portion Mut zu so einer Änderung, aber spielen wir einfach mal mit!

Meine persönliche Befürchtung ist nach wie vor, dass eine der beiden Karten – oder auch beide – nicht total overpowered sind, aber alle anderen Optionen schlecht dastehen lassen, was am Ende zu einem Metagame mit weniger verschiedenen Decks führt. Damit würde das Format nicht „gewarpt“ werden, aber insgesamt mehr begrenzen, was die existenzfähigen Strategien betrifft. Ich nenne es, das „Siege Rhino-Problem“. Erinnert ihr euch noch an Polukranos? Klar. Aber erinnert ihr euch auch an Deadbridge Goliath? Lol, nein. Genau so fühlt es sich gerade an, Jund zu bauen. Eine Auswahl der 4-Drops, die in der Vergangenheit bzw. bis vor Kurzem noch jedem Jund Deck eine persönliche Note verpassen konnten oder aus dem Sideboard für die ein oder andere Überraschung sorgten:

Schaut sie euch genau an, denn diese Karten werdet ihr eine lange Zeit nicht mehr sehen. Jede einzelne dieser interessanten, vielseitigen und spaßigen Karten weicht nun einem profanen Stück Papier, das zufälligerweise gut gegen Jace ist, viermal im Maindeck sein möchte und manche Spielzüge zwar etwas zufälliger, aber auch um einiges gewaltiger macht. Während alle armen Seelen, die unbedingt mit Jace, the Mind Sculptor spielen wollen, noch rum-durdlen, um herauszufinden, was das „richtige“ Deck für ihn ist, packen wir also Bloodbraid Elf in die bestehende Liste, setzen die Anzahl der Länder hoch und die der Discard-Sprüche herunter. Mach’s gut, Hazoret, I hardly knew ye.

Et Voilà!

Das ist die Liste, mit der ich gerade am testen bin, also wundert euch nicht, wenn ich zum Beispiel Kessig Wolf Run ausprobiere, oder Display of Dominance als Ass gegen alle möglichen Jaces und Lilianas bzw. auch als Schutz für unsere Kreaturen gegen feindliche Fatal Push im Sideboard habe. Ein kleines Turnier in Ulm konnte ich damit bereits bestreiten und auch, wenn ich mit 2-2 ein mittelmäßiges Ergebnis eingefahren habe, fühlt es sich megastark an, einen Bloodbraid Elf zu wirken und zum Beispiel einen Maelstrom Pulse zu finden, um den Weg in die red zone freizumachen. Hier die Matches von dem 4-Runden Turnier, Gewinner war am Ende übrigens das Jund Deck, das mich in der zweiten Runde geschlagen hat 🙂

Runde 1 vs. UR Storm 1-2

Runde 2 vs. BBE Jund 0-2

Runde 3 vs. Taking Turns (mit Jace) 2-0

Runde 4 vs. Mono U Control (ohne Jace) 2-0

Wenn Jace tatsächlich nicht so einschlagen sollte, wie gedacht, kann man sich nochmal überlegen, ob Death’s Shadow-Decks und Delve-Kreaturen, wie Gurmag Angler wirklich so sehr geschwächt wurden. In dem Fall würde ich mal die Traverse-Shadow Variante ausprobieren bzw. sogar die „nur“ dreifarbige Version Sultai Shadow. Die ist zwar dank der Abwesenheit von Temur Battle Rage nicht ganz so explosiv, kann aber mit ein paar zusätzlichen Threats wie Grim Flayer und den beiden Lilianas auch ein etwas längeres Spiel bestreiten und gleicht auf diese Weise ein paar Schwächen des Decks aus.

So sehen also meine Pläne in Modern aus… Was den Rest angeht, nach GP Lyon habe ich in dieser Saison aktuell 487 Planeswalkerpunkte, mit zwei PPTQs diesen Monat und den Releases von 25th Masters sowie Dominaria sollte ich mich also für die Nationals qualifizieren können. Wenn die Termine feststehen und die Rotation stattgefunden hat, bin ich für Vorschläge und geliehene Standard-Decks offen 😉

Das war’s für heute! Wie fandet ihr meinen kleinen Bericht? Was spielt ihr im neuen Meta und warum ist es Jund? Just kidding, lasst mir in jedem Fall einen Kommentar da 😉

Und wie immer: folgt meinem Twitter für alle News rund um Magic, meine Turniere in Modern und Limited und der besten Erfindung, seit es das Internet gibt, Katzen!

– euer Nico

Netdeck-Nico

Content Creator, Midrange-Liebhaber und Katzen-Fan von MagicBlogsDe. Mehr über mich findet ihr in meinem Steckbrief und meine Artikel gibt es hier im Archiv. Weitere Infos und Neuigkeiten findet ihr auf meinem Twitteraccount @75Slots.

Das könnte Dich auch interessieren...

2 Antworten

  1. Spielwiese sagt:

    das machst du doch mit absicht, dass du „aether reborn“ schreibst, um anhand der kommentare zu sehen wer deinen text wirklich liest 😀

  1. 20. April 2018

    […] Ihr ja schon in dem sehr lesenswerten Bericht von Nico mitbekommen habt waren wir leider in Lyon in einem toten Meta unterwegs. Wie Ihr an meinen Matchups […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.