Ignite your Spark – Anfänger Guide für Magic: The Gathering (2)

Hallo zusammen,

dies hier ist Teil 2 meines Anfänger Guides zu Magic: The Gathering. Falls Ihr brandneu in Magic seid, empfehle ich euch zuerst Teil 1 zu lesen.

Heute werden wir uns mit dem Deckbau befassen. Welche Spielregeln sollte es geben für den Deckbau und wie kann ich aus einer coolen oder einer interessanten Karte ein funktionierendes Deck erstellen.

Ich werde mich heute ausschließlich mit 60 Karten-Formaten befassen. Grundsätzlich sind Singleton-Formate (z.B. Commander, Brawl oder Highlander) und „normale“ Formate im Deckbau deutlich unterschiedlich, daher macht es meiner Meinung nach wenig Sinn im selben Artikel darauf einzugehen.

Die allgemeinen Deckbauregeln sind relativ einfach, ihr solltet:

  • mindestens 60 Karten in eurem Deck haben
  • jede nicht-Standardland-Karte darf nur maximal 4 mal im Deck sein
  • je nach Format gibt es eine eigene Banned-Liste

Euer Deck sollte in jedem Format als Faustregel die erlaubte Mindestgröße eines Decks nicht überschreiten. Das bedeutet, für Standard, Modern, Legacy, etc. solltet Ihr exakt 60 Karten spielen. Nicht 61, nicht 62, nicht 63, exakt 60. Es mag zwar Grenzfälle geben, bei denen es korrekt sein kann 61 Karten oder 265 Karten zu spielen, allerdings sind das Einzelfälle die so gut wie nie Vorkommen. Falls Ihr euch fragt wieso dies so ist, empfehle ich für geübtere Spieler diesen Artikel von Frank Karsten zu diesem Thema. Kurze Warnung: Ich werde einen von Franks Artikeln als Quelle zitieren. Solltet Ihr euch tiefer mit Deckbau und der Theorie hinter dem Deckbau beschäftigen, gibt es wohl keine besseren Nachschlagwerke als die Artikel von Frank Karsten die er in regelmäßigem Abstand auf Channelfireball herausgibt.

Egal ob Ihr Casual oder für das Turnierspiel ein Deck basteln wollt, ist es wichtig einen Gameplan im Kopf zu haben den euer Deck erfüllen soll. Eure Deckliste sollte dann nur Karten enthalten, die eurem größeren Plan dienen.

Ein dedizierter Plan

Als Beispiel: Das Burn-Deck, egal in welchem Format, zielt darauf ab die Lebenspunkte eures Gegners durch möglichst günstige Spells so schnell wie möglich auf 0 zu bringen. Daher spielt das Deck ausschließlich Karten, die direkten Schaden verursachen:

Synergien, Interaktionen, Combos

Sollte euer Deck um eine bestimmte Karte herum aufgebaut sein, bzw. um einen bestimmten Effekt den eine Karte bietet, wie zum Beispiel Scapeshift, so solltet Ihr sicher stellen, dass euer Deck mindestens 8 Karten dieses Effektes spielt. Dies könnte bei Scapeshift zum Beispiel neben dem Playset der Karte selbst auch vier Stück der Karte Primeval Titan geschehen, der einen ähnlichen Effekt aufweist. Man könnte aber auch versuchen, so genannte „Tutoren“ einzusetzen. Tutoren sind Karten, die euch erlauben eure Bibliothek nach einer bestimmten Karte zu durchsuchen. Der Name hat sich eingebürgert durch Karten wie Demonic Tutor. Im Modern-Deck Scapeshift wäre so ein legaler Tutor zum Beispiel eine Karte wie Bring to Light.

Solltet Ihr mehrere Karten im Deck haben, die einen bestimmten Karten-TYP benötigen, wie zum Beispiel Artefakte, so ist es notwendig das ihr mindestens 13-15 Stück dieses Kartentyps im Deck habt. Ein Beispiel: Wollt ihr ein Deck bauen, das viele Interaktionen für den Kreaturentyp „Treefolk“ beinhaltet, wären 13-15 Karten die ein Treefolk sind das Minimum. Wie viele Karten ihr dann noch braucht, die euch für die ganzen Treefolk-Karten belohnen ist etwas komplizierter zu berechnen, wurde allerdings an dieser Stelle schon vorgemacht.

Wieviel von was?

Wie viele Kreaturen, interaktive Zauber oder Card-Draw Ihr spielen wollt, hängt sehr stark von eurem Deck-Typ ab den Ihr bauen wollt. Als Faustregel gilt:

  • dass aggressive Decks, die mit Kreaturen Schaden machen wollen, brauchen hiervon ca. 25+ im Deck
  • Decks die das Spiel nur kontrollieren wollen benötigen 12+ Wege um mit dem Gegner direkt zu interagieren (zum Beispiel Zauber die gegnerische Kreaturen zerstören) und eine bestimmte Menge an Karten, die euch zusätzliche Karten ziehen. Je günstiger die Zauber sind, die mit eurem Gegner interagieren, umso mehr Card-Draw solltet Ihr spielen.

Die Manakurve

Sehr wichtig bei all diesen Überlegungen ist allerdings, die so genannte „Manakurve“ im  Blick zu behalten. Die Manakurve zeigt an, wieviele Karten Ihr Pro umgewandelte kosten, kurz CMC (converted mana cost) im Deck habt. Umgewandelte Kosten (CMC) berechnen sich ganz einfach, in dem Ihr die Mana-Symbole auf euren Karten zusammen zählt. Eine Karte die die kosten hat ergibt einen CMC von 3. eine Karte die kostet hat einen CMC von 5. Im Allgemeinen sollte euer Deck eher günstigere Spells im Deck haben, da Ihr diese früh spielen wollt und dadurch die Chance erhöht, diese früh zu ziehen. Idealerweise sollte eure Kurve etwa so aussehen:

Quelle: WotC

Einen schönen Überblick bietet dazu auch folgendes Video von unseren Kollegen vom Tolarian Community College:

Die Manabasis

Prof. spricht hier ebenfalls eine sehr wichtige Deckbauentscheidung an. Die Manabasis. Unter diesem Begriff versteht man alle Karten in eurem Deck, die Länder sind welche für Mana tappen. Wichtig sind hierbei zwei unterschiedliche Fragen: wie viele und welche Länder muss ich in mein Deck packen?

Widmen wir uns zuerst der Frage, wie viele Länderkarten unser Deck benötigt. Frank Karsten (wer auch sonst) hat hierzu eine tolle Simulation laufen lassen. Wenn Ihr zu wenige Länderkarten im eurem Deck verbaut habt, so steigt die Chance, dass Ihr eure Spells erst zeitverzögert spielen könnt oder manche teuren Karten das ganze Spiel hindurch nicht wirken könnt (Magic-Slang: Ihr seid „Manascrewed“). Solltet Ihr zu viele Länder in euer Deck bauen, so steigt die Chance, dass Ihr zu viele davon zieht (Magic-Slang: Ihr „flooded“ euch) und Ihr dadurch einfach keine Spells nachzieht und mehr oder weniger nicht am Spiel teilnehmt.

Wieviele Länder?

Frank konnte errechnen, dass für ein Deck das zwingend die ersten 3 Züge ein Land spielen will und ebenfalls 4 und 5 CMC Karten im Deck hat 25 Länder die richtige Anzahl sind. Solltet Ihr ein Control-Deck mit massig Card-Draw, so wie sehr teuren Karten im Deck sein, so sind 28 Länder angebracht. Solltet Ihr ein sehr aggressives Deck sein, dass zufrieden ist nur die ersten beiden Züge ein Land zu legen, so sind 18-19 Länder ausreichend. Solltet Ihr ein blaues Deck spielen (und warum sollte man auch etwas anderes spielen?) und Ihr dadurch die Möglichkeit bekommt, günstige „Cantrips“ zu spielen, so könnt ihr pro Playset dieser Karte im Deck (4 Stück) ein Land weniger spielen. Cantrips sind Karten, die sich selbst ersetzen, d.h. zu ihrem Effekt noch eine eine Karte ziehen. Die bekanntesten Beispiele sind Brainstorm, Ponder, Preordain oder Serum Visions. Daher findet Ihr im Format Legacy bei Decks mit den blauen Cantrips wie Ponder, Preordain oder Brainstorm eine geringere Länderanzahl, als Ihr nach Franks Simulation eigentlich benötigt.

Welche Länder?

Nun stellt sich die Frage welche Länder Ihr spielen sollt. Da es hier eine Vielzahl von Meinungen und auch preisliche Dinge zu beachten gibt, werde ich mich darauf beschränken, wie viele farbige Quellen Ihr spielen solltet. Als farbige Quelle bezeichnet man jede Karte, die für ein farbiges Mana eurer Wahl tappt. Wenn Ihr ein Deck mit 8 Inseln, 8 Sümpfen und 4 Watery Grave betrachtet, so beinhaltet dieses Deck mit 20 Ländern zum Beispiel 12 blaue Quellen und 12 schwarze Quellen. Ihr seht sehr schnell, um die Anzahl an farbigen Quellen in mehrfarbigen Decks zu erhöhen, benötigt Ihr am besten Länderkarten, die für mehr als eine einzige Farbe tappen.

Auch für diese Frage hat der einzigartige Frank Karsten eine Simulation errechnet! Im Detail findet Ihr in seinen Tabellen in diesem verlinkten Artikel. Als Faustregel für ein 60 Kartendeck gilt allerdings, dass Ihr wenn Ihr einen 1 CMC Spruch im ersten Zug spielen wollt 14 Quellen im Deck benötigt (Minimum!). Unsere Manabasis  von 20 Ländern die wir oben als Beispiel hergenommen hatten wäre in dieser Anzahl für ein Aggrodeck also ausreichend, allerdings könnten wir nicht sicher stellen unsere farbigen 1 CMC Spells auch tatsächlich im ersten Zug zu spielen. Wir müssten daher die Manabasis upgraden zu: 4 Watery Grave, 4 Polluted Delta, 6 Inseln, 6 Sümpfe. Um einfarbige 2 CMC Sprüche wirken zu können benötigt Ihr 13 Quellen (die weiteren CMC findet Ihr in der Tabelle im Artikel).

Solltet Ihr vorhaben im 2. Zug einen 2 CMC Spruch zu wirken, der doppelfarbige Anforderungen hat, wie zum Beispiel , so benötigt Ihr mindestens 20 Quellen. Das bedeutet, dass solche restriktiven Manaanforderungen oft einfarbigen Decks vorbehalten sind. Mehrfabrige Decks werden noch komplizierter, können aber ebenfalls anhand der Tabellen die Frank simuliert hat berechnet werden (und sollten das auch!). Bitte denkt daran, dass wir hier über das MINIMUM an farbigen Quellen sprechen, je mehr Ihr im Deck habt um so besser.

Das Rad muss nicht neu erfunden werden

Als brandneuer Spieler macht beim Erstellen eines Decks auf jeden Fall Sinn, dass man vorher ein ähnliches Deck des passendes Formates heraussucht und als roten Faden hernimmt. Solltet Ihr euch ein Ramp-Deck für das Standard-Format bauen wollen, so schaut euch doch einfach frühere erfolgreiche Standard-Decks an, die über Ramp erfolgreich waren. Input hierzu könnt Ihr gerne auch über unseren Discord-Channel bekommen. Solltet Ihr dieses Deck nun geöffnet haben, so zählt einfach die Manaquellen, Ramp-Spells und dicken Payoff-Karten die hier gespielt wurden, und baut euer Deck mit eben dieser Anzahl an Karten.

Ein Beispiel hierfür wäre das Video von unseren Freunden von MTGGoldfish falls ihr ein Ramp-Deck bauen möchtet:

Übung macht den Meister

Solltet Ihr nun euer Deck zusammen gebaut haben folgt der wichtigste und auch spaßigste Schritt: Spielt mit dem Deck! Viele Deckbauer in meinem Umkreis werfen Ihre revolutionären Ideen oft nur auf dem Papier zusammen und schenken es sich die Theorie auch in die Praxis umzusetzen. Testet euer Deck gegen die anderen Decks im Format und beobachtet genau, mit welchen Decktypen Ihr Probleme habt. Bitte beachtet, dass die jeweilige Karte die euch Probleme macht völlig egal ist, versucht lieber die Ursache zu finden, wieso genau diese Karte ein Problem darstellt. Ein Karn Liberated ist wohl die Karte, die mir bisher in meinem Leben die meisten Niederlagen zugefügt hat. Letztendlich ist allerdings bei diesem Planeswalker nicht die Karte an sich ein Problem, sondern der Fakt, dass er im 3. Zug liegt weil er aus einem Tron-Deck gespielt wird. Hierbei handelt es sich um ein sehr degeneriertes Ramp-Deck, das sehr früh und sehr konstant sehr teure Karten ausspielen kann. Meine Decks die ich normalerweise bevorzuge ( Midrange) haben damit Probleme. Allerdings müsste sich damit dieser Trend auch bei anderen „Big Mana“ Decks fortsetzen. Und in der Tat ist mein Deckarchetyp auch gegen andere dieser Decks schwach, wie zum Beispiel Scapeshift. Die Lösung des Problems ist also nicht gezielt die Karte Karn Liberated zu bekämpfen, sondern einen Weg zu finden die Decks jeweils daran zu hindern zu schnell Ihre Ramp-Spells zu spielen!

Nehmt euch die Zeit und versucht eure Spielereignisse so auf Deck-Typen herunter zu brechen. Oft werdet Ihr bei neu entworfenen Decks feststellen, dass Ihr gegen die extremeren Archetypen wie Aggro, Control oder Combo schwächen haben werdet. Oft nicht gegen alle, aber mindestens gegen einen dieser Archetypen. Sobald Ihr dies herausfindet ist es Zeit im Deckbau zu reagieren und entweder das Deck selbst etwas anzupassen (zum Beispiel bei einer Schwäche gegen aggressive Decks mehr billige Zerstörungszauber in das Deck zu nehmen), oder Karten im Sideboard zu sammeln die man für die Spiele 2 und 3 herein bringen kann (darum ist Sideboarden auch wichtig, best-of-one ist eben letztendlich doch nur das League of Legends zu unserem DOTA 2).

Zusammenfassung:

  • Gezielter Spielplan, alle Karten sollten diesen Plan unterstützen
  • exakt 60 Karten im Deck
  • Mindestanzahl an Karten beachten, die benötigt werden (8+ bei bestimmten Effekten, 13-15+ bei benötigten Typen)
  • Manakurve beachten
  • Manabasis ausbalancieren
  • Testen und reflektieren

Bitte denkt daran, dass ich hier nur einen sehr oberflächlichen Überblick über das Thema Deckbau gegeben habe. Zu diesem Thema gibt es einen riesigen Stapel an Büchern und Artikeln die Ihr lesen könnt um euch hier weiterzuentwickeln. Viele Decktypen folgen eigenen Deckbauregeln, manche Formate oder Plattformen führen ebenfalls zu neuen und abweichenden Deckbauregeln.

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Ich hoffe dieser Artikel ist eine hilfreiche Zusammenfassung, auch für erfahrene Spieler. Wenn ich zurück denke wie viele schlecht zusammengestellte Decklisten mir schon untergekommen sind, denke ich dass es selbst den Veteranen von Magic nicht schaden kann, hin und wieder Ihre Deckbauentscheidungen zu hinterfragen.

 

 

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2 Antworten

  1. Netdeck-Nico sagt:

    Schöne Fortsetzung der Reihe, gut strukturiert und mit reichlich weiterführenden Links versehen, top! 🙂 Das Beitragsbild hätte mMn ein anderes sein können 😀

    Mit der Anzahl der Quellen habe ich im Limited auch immer so meine Probleme, wenns in Richtung dreifarbig geht…

    Teilen wir diese Posts eigentlich auch im discord? Wann kommt der dritte Teil und was behandelt der?

    MfG
    Nico

    • Freakle sagt:

      Danke Nico!

      ich verlinke die Posts normalerweise im Discord, aber da ich mich da null auskenne gibt es bestimmt eine Möglichkeit auch was an zu pinnen?

      Für den nächsten Artikel bin ich für Vorschläge gerne offen, bin mir noch nicht im klaren wie ich weiter machen soll 🙂

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