Do you even Jund, bro? EMSQ 04.08.

Was…

…wäre ich doch für ein BGx-Fan, wenn ich kein einziges Wort über das teuerste beste Deck von allen verfassen würde!? Inzwischen gibt es schon einige Primer zu dem Thema und nachdem Reid Duke gerade seinen Deck-Guide veröffentlicht hat, muss ich natürlich nachziehen 🙂

Wie es der Zufall will, fand außerdem am Sonntag, den 04.08. in meinem Stamm-LGS ein EMSQ im Format Modern statt. Mit halbwegs guter Vorbereitung, aber viel zu wenig Schlaf bin ich dort also aufgetaucht, um meine Liebe für Jund neu zu entfachen. Leider waren wir aufgrund des guten Wetters und der ungünstig liegenden Parallelveranstaltung in Frankfurt nur 8 Gleichgesinnte. Damit es nicht allzu random wird und man nach einer Runde wieder heimfahren kann, haben wir vor dem EMSQ 3 Runden Swiss eingebaut, um die Boosterpreise sinnvoll nach Standings verteilen zu können.

Spoiler: Jund ist vielleicht ein Deck aus einer anderen Zeit. Aber mit ein paar Änderungen unter der Haube habe ich es mit meiner gut geölten Maschine ins Finale geschafft. Wie ich es dann verzockt habe, lest ihr weiter unten 😉 Und das ist nicht mal Clickbait, denn ihr müsst hier nichts mehr anklicken und ich erzähle es später wirklich noch!

Unser leicht verfaulter Freund Hogaak, Arisen Necropolis ist zwar in aller Munde, aber da Modern Horizons eine Büchse der Pandora war, haben auch faire Decks einige neue Spielzeuge bekommen. Und wenn ihr bei Spielzeug an billige Wasserpistolen denkt, dann stellt euch lieber mal einen Super Soaker 3000 vor!

Ja, diese Karte ist gepusht. Wie sehr sie gepusht ist, haben die meisten (mich eingeschlossen) erstmal nicht gecheckt. Kleiner Hinweis: Wrenn and Six könnte auch einfach nur zwei Start-Loyalität haben, damit er auch bei einer ersten Plusaktivierung in Lightning Bolt-Range bleibt. Aber wenn Hogaak Trampel hat, dann hat Wrenn auch die (virtuell) vierte Marke verdient 🙂 Zurück zum Thema. Dass ein Deck wie Jund Wrenn spielen möchte, war dann die zweite Überraschung. Als die Karte gespoilt wurde schoss Life from the Loam (mal wieder) durch die Decke. Die offensichtliche Anwendung, durch aus dem Friedhof wiederkehrende Länder Value rauszuschlagen, z.B. in einem Aggro Loam-Deck, ist für Modern aber leider etwas zu verträumt. Daher geben wir uns bis dato damit zufrieden, dass Wrenn im besten Goodstuff-Deck aller Zeiten “nur” als schwierig zu entfernender Turn-2-Threat, alles-anzielender Pinger und als Land-Drops garantierender und das Spiel beendender-Planeswalker missbraucht wird.

Mit anderen Worten: Bob Maher, sie sind raus!

…oder? Nicht ganz: Ich bin der Meinung, dass Dark Confidant in gewissen Matchups, z.B. Combo, durchaus noch seine Berechtigung hat. Solange der Gegner aber mit euch interagiert, Kreaturen hinlegt oder genauso langsam oder sogar langsamer ist, ist Wrenn eure Frau! Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, wird Bob im Mirror von Wr6nn zu Tode gepingt. Der Königsmord ist perfekt!

Die Liste

Bevor wir komplett in die Kartendiskussion einsteigen, hier erstmal meine Liste von Sonntag:

Bis auf kleinere Änderungen würde ich sie wieder so spielen. Gegen Aggro-Decks wie Humans und Affinity ist man super aufgestellt. Gegen UW Control und UR Phönix hat man auch noch gute Chancen. Hogaak konnte ich zwar einmal bezwingen, aber das Matchup ist erstaunlicherweise sogar schlechter als gegen BigTron oder EldraTron. Hier helfen zumindest noch die Assassin’s Trophy, der Maelstrom Pulse und gegen Eldrazi das Playset Liliana of the Veil.

 

Card Choices

4 Wrenn and Six, 0 Dark Confidant

Diese Entscheidung mag immer noch provokant erscheinen, sollte aber nicht verwundern, vor allem, da Wrenn erst vor kurzem gedruckt wurde und auch ausgiebig getestet werden möchte. Wenn ihr von jemand mit einem besseren Ruf lesen wollt, dass Bob überholt ist, hätte ich da noch einen Link für euch. Wie gesagt, hat Bob noch in bestimmten Matchups seine Existenzberechtigung, aber standardmäßig möchte ich überwiegend die verrückte 2-Mana-Planeswalkerin spielen. Um ihr etwas unter die Arme zu greifen, spiele ich ein Nurturing Peatland und ein gieriges Ghost Quarter. Ich könnte mir vorstellen, auf drei Wrenn runterzugehen, wenn der Platz im Deck etwas eng werden sollte. Allerdings: im besten Fall pingt Wrenn einen Noble Hierarch weg und fixt unser Mana. Im schlimmsten Fall tickt sie langsam hoch und droht dem Gegner damit, ein Emblem zu erzeugen, dass uns jede Runde einen Lightning Bolt casten lässt. What is not to love?

 

23 Länder, kein Barren Moor

Das Ghost Quarter ist statt einem Barren Moor drin und hauptsächlich deswegen gierig, weil ich nur 23 Länder spiele. Seit Bloodbraid Elf entbannt wurde, drehte sich die Diskussion eigentlich immer nur darum, ob man 25 oder 24 Länder spielen sollte. Da man nun aber ein 4-of hat, das in Kombination mit Fetchländern sowieso „unendlich“ Mana generiert, lehne ich mich hier etwas aus dem Fenster.  Das hat den positiven Nebeneffekt, dass ich bspw. einen zusätzlichen Discard-Spell spielen kann.

 

4 Inquisition of Kozilek, 3 Thoughtseize

Bloodbraid Elf ist auch dafür verantwortlich, dass man standardmäßig eigentlich nur noch 6 Discard-Spells spielt, darunter das komplette Playset Inqusitions, um Matchups wie Kreaturen-basiertes Aggro und Burn nicht unnötig zu verschlechtern, da die Manabasis sowieso schon recht schmerzhaft ist (Spoiler: sie wird mit Horizons auch nicht besser). Mit den Änderungen durch Horizons, speziell Wrenn, fühle ich mich aber in Kreaturen-basierten Matchups mehr im Vorteil und bin der Meinung, dass man sich gegen Combo und Control etwas besser platzieren muss. Dabei hilft das dritte Thoughtseize im Maindeck. Sollten wir wirklich mal zu viele davon im Lategame ziehen, können wir sie mit der nächsten Wunderkarte in brauchbare Threats verwandeln.

 

2 Seasoned Pyromancer

Sie werden so schnell erwachsen! Papa Pyromancer belegt virtuell einen ähnlich grindigen Slot wie Bloodbraid Elf. Wir wollen ihn nicht sofort im dritten oder vierten Zug spielen, sondern erst, wenn wir Hellbent sind und dann maximalen Value draus ziehen. Zum Testen habe ich auch schon mehr davon gespielt, aber zwei fühlen sich ganz gut an. Teilweise kommt man in Situationen, in denen man nach bestimmten Karten sucht, von seiner Hand aber auch nicht unbedingt etwas abwerfen möchte. Hier sind im Spiel smarte Entscheidungen gefragt. An sich hat mich die Karte aber jedes mal beeindruckt. Auch die 2-3 Token, die er generiert, sind nicht zu verachten. Der einzige Nachteil ist die Anforderung an unsere Manabasis. Man muss zwar nicht im dritten Zug schon Doppel-Rot haben (wo man ja eigentlich Doppel-Schwarz haben möchte), aber man muss beim Fetchen jetzt noch etwas besser aufpassen, welche Farben  man in ein bis zwei Runden haben möchte und was man sich im Notfall aufgrund eines niedrigen Lebenspunkte-Stands noch über ein Standardland holen kann.

 

4 Liliana of the Veil

Lilly ist weiterhin super gegen einsame, fette Kreaturen, Control- und Combo-Decks und alles, was Hexproof hat. Da Wrenn jetzt auch kleineres Viehzeug pragmatisch wegmachen kann, sehe ich (leider) auch keinen Grund mehr, einen 3-1 Split mit Liliana, the last Hope zu spielen. So cool sie ist, sie passt höchstens noch ins Sideboard, wenn man in Kombination mit Fulminator Mage gegen Big Mana Decks einen wiederholbaren Wasteland-Effekt haben möchte. Dafür kann man aber wiederum AUCH Wrenn missbrauchen, wenn man denn Ghost Quarter spielt…

 

1 Kolaghan’s Command, 1 Maelstrom Pulse

Die Anzahl dieser Karten wurde zuletzt immer mehr zurück gefahren, weil sie, vor allem, wenn man mehrere auf der Hand hat, für das aktuelle Modern-Format zu klobig sind. Mit vier Bloodbraid Elfen zum rein-kaskadieren möchte ich aber von beiden eine Kopie behalten. Die Anwendungen sind offensichtlich: K-Command zerstört fast im Alleingang auch den besten Draw des Affinity-Spielers und Maelstrom Pulse ist die catch-all Karte gegen gegnerische Planeswalker, kann gegen Humans gerne mal ein blow-out sein und hilft außerdem im so verhassten Tron-Matchup.

 

2 Fatal Push, 3 Lightning Bolt, 3 Assassin’s Trophy

Apropos Tron… Viele Listen spielen weniger als drei oder gar keine Trophys, aber da muss ich deutlich widersprechen. Trophy stellt nicht nur alle möglichen Karns mit und ohne Hosen ab, sondern auch dicke Eldrazi und vor allem Hogaak. Letzterer kommt natürlich wieder, wenn ihr nicht gerade einen Scavenging Ooze im Anschlag habt, aber ohne Trohpy gehe ich nicht mehr aus dem Haus. Bei den 1-Mana-Removal Spells hat man sich inzwischen auf insgesamt 5 verständigt, ich spiele einen 2-3 Split. Den zweiten Push will ich vor allem wegen Thing in the Ice und gegnerischer Tarmogoyfs.

 

3 Leyline of the Void

Hierfür gibt es keine rationale Erklärung, ich konnte nur drei leihen und wenn ich fünf spielen könnte, würde ich fünf spielen 🙂 Zum Thema Graveyard-Hate im Hogaak Meta lässt sich aber sagen, dass eine Nihil Spellbomb im Maindeck auch nicht verkehrt ist. Für eine detaillierte Aufstellung können wir uns mal wieder auf Reid Duke verlassen, der das Thema dieses Jahr schon ausführlich behandelt hat.

 

Das Turnier

Ich werde nicht auf jedes Match eingehen, sondern eher auf die Matchups und interessante Interaktionen. Hier noch die Match Records fürs Protokoll:

Swiss-Runden

  • 2-1 vs. Affinity
  • 2-0 vs. Humans
  • Draw und 1-2 vs. Affinity

Top 8

  • 2-0 vs. Humans
  • 2-1 vs. Hogaak
  • 1-2 vs. Affinity

Affinity und inzwischen auch Humans sind recht gute Matchups für Jund. Normalerweise hat man genug Removal, um dem Gegner das Leben schwer zu machen. Wrenn and Six und Liliana of the Veil sind unter Umständen in manchen Spielen etwas zu langsam, in Kombination machen sie den Sack aber recht schnell zu. Wenn man bis dahin das Board schon etwas abgeräumt hat, kann man jede Runde ein Land zurückholen und es für die +1-Fähigkeit von Liliana wieder abwerfen. Somit ticken beide Planeswalker ihrem Ultimate entgegen und die Symmetrie von Liliana ist gebrochen, denn nur die Hand des Gegners wird kleiner.

Mit Plague Engineer wurde außerdem eine Karte gedruckt, die es nicht nur allen Tribal Decks in allen Formaten so richtig schwer macht, sondern auch dank des kleinen Wörtchens „Deathtouch“ ein rundum-sorglos Paket darstellt. Ich bin mir nicht sicher, ob Modern solch ein Sicherheitsventil, wie Wizards es gerne nennt, gebraucht hat, denn für mich ist der Ingenieur ein ähnlicher Game Changer wie Fatal Push. Ab jetzt muss man immer mit dieser neuen, schwarzen Karte rechnen, wenn man sich fairen Decks gegenüber sieht. Zwar nicht unbedingt im Maindeck, aber dafür sicherlich 2-3 Stück im Sideboard. Da der „Überträger“ maximal flexibel ist, kann man gegen Affinity auch mal „Blinkmoth“ sagen, sodass die Manlands des Gegners nicht mehr aktiviert werden können. Auch eine gute Wahl ist „Construct“ im Hardened Scales-Matchup. Selbst gegen Hogaak boarde ich gerne so viele Seuchenzüchter wie möglich, denn nennt man „Zombie“, stellt man schon so einige Kreaturen ab, die der Gegner eigentlich für Hogaaks Einberufen-Fähigkeit tappen möchte. Und wenn dann doch mal ein Hogaak einen dreisten Angriff versucht, kann man ihn zumindest (im Austausch für ein paar Lebenspunkte) totblocken.

In den Spielen gegen Affinity wurde ich außerdem schmerzlichst an zwei Grundsätze erinnert, die man in Modern nicht nur mit Jund zu beachten hat:

Ersteres erscheint erstmal logisch, allerdings wurde ich schon mehr als einmal dazu verleitet, zu versuchen, die Kreaturen des Gegners abzustellen, wenn ich im ersten Zug mit einem Discard-Spell beim Gegner zwei Plating sehe und aktuell vielleicht nur eine abstellen kann. Das hat sich bisher jedes mal als fataler Fehler entpuppt und oft kam auch rechtzeitig in Form von Assassin’s Trophy die zweite Möglichkeit, das andere Plating zu zerstören.

Darüber hinaus sollte man sich immer bewusst sein, dass Blood Moon eine Karte ist. Nicht umsonst spiele ich in Jund meistens fünf Standardländer. Als ich im finalen Spiel im ersten Zug bereits einen Blood Moon abwerfen hab lassen, war die Gefahr erstmal gebannt. Das Spiel konnte ich nach ein paar Runden zwar unter Kontrolle bringen, aber meine einzige Clock war zu dem Zeitpunkt ein Fulminator Mage. Das gab dem Gegner lustigerweise genug Zeit, um in nochmal einen Blood Moon rein zu ziehen und ratet mal, wer nicht auf einen Wald gefetcht hat und mit zwei Tarmogoyf auf der Hand versauert ist? 🙂

 

RE: Hogaak

Inzwischen sind wir uns ja alle einig, dass Hogaak ein Fehler war und das Bannen von Bridge from Below zwar erstmal eine gute Entscheidung war, am Ende das Deck aber nur gestärkt hat, weil es fokussierter wurde. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Gegner von gepushten Karten. Mir ist es lieber, wenn Wizards hin und wieder mit zu starken Karten einen Fehler macht anstatt die ganze Zeit eher zu schwache Karten zu drucken, die sofort irrelevant sind, sobald sie das Format betreten. Auch fand ich es richtig cool, dass Modern Horizons mit über 40 Mechaniken experimentiert hat. Allerdings gibt es ein paar Mechaniken, bei denen man eher keine gepushten Karten mehr erwartet, einfach weil sie broken sind. Dazu gehören für mich phyrexianisches Mana, Dredge, Storm und Delve. Dass man Delve-Sprüche auf das erste Mal kaum richtig ausbalanciert hinbekommt, haben ihrerzeit schon Dig Through Time und Treasure Cruise bewiesen. Daher frage ich mich, warum Hogaak nicht einfach etwas höhere Manakosten hat oder insgesamt drei farbige bzw. Hybrid-Mana verlangt. Ich denke, er wäre schon fast ok, wenn er keinen Trampelschaden verursachen würde. Das alles können wir nun aber nicht mehr ändern und warten daher auf die nächste Banlist Ankündigung am 26.09.!

 

Ich hoffe, ich konnte ein paar von euch von Jund überzeugen und freue mich über eure Kommentare 🙂

-euer Nico

Netdeck-Nico

Content Creator, Midrange-Liebhaber und Katzen-Fan von MagicBlogsDe. Mehr über mich findet ihr in meinem Steckbrief und meine Artikel gibt es hier im Archiv. Weitere Infos und Neuigkeiten findet ihr auf meinem Twitteraccount @75Slots.

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