Magic: Unnötige Würfelorgien oder „Wer fängt an?“

Womit könnte ich das Blog besser anfangen, als etwas zum Anfang eines Magic-Spiels zu schreiben? Besonders, da mir das Thema schon seit einiger Zeit am Herzen liegt und ich dabei fast missionarisch tätig werde. Es geht darum, wer ein Spiel anfängt. Und nein, es geht mir hier nicht um marginale Unterschiede in den Gewinnwahrscheinlichkeiten „on the draw“ und „on the play“, sondern etwas viel Banaleres: Wie entscheidet man, wer anfängt?ein paar Würfel

Dass man überhaupt darüber reden muss, wird auch daran liegen, dass die Regeln bewusst schwammig gehalten sind. Die Comprules verraten uns dazu:

103.2. After the decks have been shuffled, the players determine which one of them will choose who takes the first turn. In the first game of a match (including a single-game match), the players may use any mutually agreeable method (flipping a coin, rolling dice, etc.) to do so.
„Die!“ – englisch für „Würfel!“

Ich weiß nicht, warum da „dice“ steht, wenn ein einzelner Würfel reichen würde. Und so muss ich öfter mit Schrecken Szenen wie diese verfolgen:

  • Zwei Spieler würfeln mit je einem Würfel, wer höher wirft, fängt an. Wenn man das gleiche Ergebnis hat, wiederholt man den Vorgang (notwendige Würfe: 2+).
  • Zwei Spieler würfeln mit jeweils zwei Würfeln (sonst ist die Wahrscheinlichkeit so hoch, dass man die gleiche Zahl wirft), sonst ebenso (notwendige Würfe: 4+).
  • Spieler decken eine zufällige Karte Ihres Decks auf, der mit der höheren CMC (converted mana cost) fängt an (und das ist immer der mit dem Eldrazi-Deck).
  • Bei Runden mit mehr Spielern multipliziert sich das Problem entsprechend.
Dabei wäre alles so einfach. Ich empfehle daher Folgendes:
  • Man nehme: Einen sechs- und einen zwangzigseitigen Würfel (D6 und D20). Die sollte man ja sowieso meinst zur Hand haben.
  • Bei zwei Spielern würfelt einer und fragt „gerade oder ungerade“.
  • Bei drei Spielern sagt man an, dass man selbst bei „1 und 2“, die anderen Spieler im Uhrzeigersinn „3 und 4“ und „5 und 6“ sind.
  • Bei vier oder fünf Spielern nimmt man den D20 und weist ebenso „1-5“ bzw. „1-4“ sich selbst zu. und die weiteren, gleich großen Blöcke den weiteren Spielern.
  • Bei sechs Spielern kommt wieder der D6 zum Einsatz.
  • Bei mehr Spielern setzt man das Prinzip entsprechend und kreativ fort. Wenn es keine Zahl ist, zu der es einen sinnvollen Würfel gibt, kann man immer noch eine möglichst kleine Restmenge übrig haben, bei der man dann nochmal würfelt. Es spart dann aber immer noch massig Zeit.

Nachdem man das ein paar mal gemacht hat, weiß man auch, wer welche Zahlen hat, solange man ansagt, wer die „1“ ist. Dann entfällt auch noch das Aussprechen dessen.

Wie man sieht ist der Vorteil, dass ein einziger Würfelwurf jedes Mal ein gerechtes Ergebnis erbringt. Und die meisten Spieler, denen man diese Vorteile aufzeigt, sehen das auch recht schnell ein.

Ungehalten werde ich aber, wenn die Leute dann Ausreden erfinden, warum ihr traditionelles Verfahren besser sein soll.

  • „So habe ich selbst Einfluss darauf, weil ich ja dann selbst hoch würfeln kann. Und wenn ich niedrig würfele, bin ich selbst schuld“. – Ich weiß nicht, welchen Teil von „würfeln“ diese Personen nicht verstehen. Oder:
  • Der Klassiker: „Ich würfele gerne!“ – Ja, klar. Wer würde nicht lieber „Wer schafft es, höher zu würfeln“ spielen, wenn er statt dessen Magic spielen kann….

Und darum soll es mir ja nur gehen – weniger würfeln, mehr Magic.

PS: Auch nicht gutheißen, aber denoch Stylepunkte anerkennen, kann ich für das Bereitlegen der „Schere-Stein-Papier“-Karten aus Unglued. Da muss dann jeder eine ziehen. Das dauert natürlich auch wieder lange und funktioniert nur für zwei Personen. Ich muss es deshalb aus den o.a. Gründen ablehnen ;). „Experten“, die das Ganze mit „Brunnen“ spielen wollen können die Fountain of Youth mit einbauen 😉

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Rock Paper Scissors

7 thoughts on “Magic: Unnötige Würfelorgien oder „Wer fängt an?“

  1. grozoth

    Bei zwei Spielern könnte man auch eine Muenze werfen.

    Ich würfle allerdings auch meistens. Und davon meist den Klassiker, ‚höher‘. Ich denke, dass die Zeit, die durch mehrmaliges Würfeln vertrödelt wird, vernachlässigbar ist. Einmal, weil ich meist würfle, während der Gegner selbst noch mein Deck mischt und umgekehrt. Und ein anderes Mal, weil selbst mehrere Würfe noch nie länger als 30 Sekunden gedauert haben. Ausgiebiges, zum Teil unnötiges ‚Nachdenken‘ finde ich deutlich störender. Das zieht sich immer deutlich länger hin.

    Wenn jemand vom oben erwähnten Klassiker abweicht, spielt auch immer ein wenig Misstrauen mit: Was, wenn die gegnerische Muenze gefaked ist? Das kann man ja leicht kontrollieren. Aber das dauert dann mindestens so lange wie ein gemeinsamer Würfelwurf. Dann kann auch wieder jeder würfeln. Fazit für mich: Ich habe weiterhin Würfel dabei, wer einen anderen Vorschlag hat, kann damit gerne auf mich zukommen.

    Schöner Einstieg für deinen Blog. Mich würde noch der Anlass des Artikels interessieren, also ob du dein Spiel dadurch verzögert siehst oder ob du schlechte Erfahrungen mit langen Würdelarien hattest.

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    1. mollib Beitragsautor

      Münzen scheiden für mich aus, da ich normalerweise keinen Bedarf für Münzen beim Spielen habe.

      „Während der Gegner noch das Deck mischt“ ist ja genau mein Thema: Der, der schon fertig ist, kann ohne dessen Zutun schonmal den Anfangenden bestimmen.

      Die Einwände bezüglich des Misstrauens würde ich damit entkräften, dass ich wenn ich bei diesem Vorgang betrügen will und gefakte Münzen dafür nutzen will, auch ein gefakter Würfel dafür in Frage kommt („Was, wenn der gegnerische Würfel gezinkt ist?“). Zumindest bei uns würfeln die Leute eher mit eigenen Würfeln; ich denke nicht dass sichergestellt ist, dass die Würfel fair sind oder dass wenigstens alle den gleichen Würfel benutzen.

      Es gibt keinen besonderen, einzelnen Anlass für den Artikel, eher eine Ansammlung von Ereignissen.

      Und: Danke fürs Lesen und kommentieren!

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  2. Mario Haßler

    Im Multiplayer ist es bei uns in der Regel W20, höchster fängt an, bei Gleichstand würfeln die betroffenen Spieler nach.

    Im Einzel sind wir gelegentlich kreativer, z. B. 2×W20, höchstes Produkt; 5×W6, niedrigste Summe; 2×W6, höchste Potenz usw. Da sagt einfach der, der zuerst nach den Würfeln greift, etwas an. Macht Spaß, die Hirnzellen noch ein wenig mit Kopfrechnen zu fordern, insbesondere zu vorgerückter Stunde!

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    1. mollib Beitragsautor

      Wie gesagt: Es mag Leute geben, die Spaß an Würfelspielen haben und denen will ich das auch nicht nehmen. Ich vermute aber, dass die Mehrheit der Magicspieler lieber gerne Magic spielen würde als würfeln 😉

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  3. Manu

    Hi,
    echt ein netter Artikel. Aber sei mir nicht böse: muss man wirklich so viel Zeit und Energie für so ein absolut nichtiges Thema aufwenden. Ich spiele wirklich schon ne Weile Magic und hab mir genau noch kein einziges Mal gedacht „Boah, schon wieder würfeln..“. Und ich glaub, dass es so doch den allermeisten geht 😀 also versteh mich nicht falsch, echt gut dein Artikel, nur für mich der Inbegriff von #firstworldproblem. Wobei das ja wahrscheinlich sogar für Magic generell gilt.

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  4. jashinc

    Ich bevorzuge bei Duellen gerade/ungerade mit einem Würfel. Alles andere ist Quark.
    Ein Freund von mir hat allerdings ne Langzeitstatistik zum Thema „WieoftfangeichanwennmeinGegnerKopfoderZahlansagt?“. Seine Erfolgsquote liegt bei weit über 50% – er muss wohl irgendwelche telepathischen Fähigkeiten besitzen…

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