2009-06-30 19:09:00
Magicolics.

Der Magicspieler unterteilt sich in viele verschiedene Spezies.
Da wäre zum Einen der Gelegenheitsspieler, der sich ab und an mit Freunden zum Magic spielen trifft. Innerhalb dieser Klassifikation gibt es auch ein paar Unterklassen, zum Beispiel den Magicspieler, der keine eigenen Karten hat und mit den Decks der Anderen Vorlieb nimmt.
Dann gibt es die unter uns, die regelmäßig dem gepflegten Kartendrehen fröhnen, je nach eigenen Intentionen und Vorlieben in Casual Gruppen, auf Turnieren oder sowohl als auch.
Und dann gibt es natürlich die dritte Spezies. Hier finden wir Menschen, in deren Leben Magic eine weit aus größere Rolle spielt und die es daher nicht mehr als Hobby bezeichnen können.

Und diese Spezies unterteilen sich auch noch in viele Unterarten. Profispieler, die sogar Geld mit diesem Hobby verdienen können und Rund um den Globus fliegen. Magic Online Junkies die von sich behaupten „Infinite zu gehen“. Alte Hasen der ersten Stunde, die alles Neue aus Prinzip verurteilen und bei jeder Gelegenheit schreien, dass Magic tot ist. Neulinge, die den Stapel nicht von der Bibliothek unterscheiden können. Vintage Spieler. Yu-Gi-Oh Asylanten. Drafter. Multiplayer-Fanatiker. Johnnys. Timmys. Und viele, viele mehr. Achja und Pischner. Und Veronica Ronge.

Aber all das soll jetzt kein Thema sein. Statt dessen soll es um die Magicolics gehen oder besser noch um die Frage:

Sind wir Magic süchtig?

Kann man überhaupt süchtig sein nach einem Kartenspiel? Nach einem Hobby? Dafür bräuchte man eine vernünftige Definition von Sucht, doch Wikipedia will mir weismachen, dass der Begriff nicht mehr verwendet wird und durch andere ersetzt worden ist. Also helfe ich mir einfach mal selbst und benutze meine eigenen Symptome für eine Sucht.

1) Abhängigkeit
Eine typische Problematik mit einer Sucht ist die Abhängigkeit, die sowohl physisch als auch psyhisch gegeben sein kann.
Ersteres ist bei Magic auszuschließen. Wir werden keinerlei Entzugserscheinungen bekommen, wenn von einem Moment auf den Anderen alle Magic Karten mit einem großen Knall in ihre atomaren Bestandteile zerlegt werden. Letzteres dagegen ist in Einzelfällen sehr wohl möglich, möchte ich aber in der Regel ausschließen. Die meisten Magicspieler könnten problemlos aufhören ihrem Hobby nachzugehen, sie wollen es nur nicht. Warum auch? Auch wenn man hin und wieder von Spielern hört, die durch bestimmte Neuerungen verschreckt werden und tatsächlich einen Schlussstrich ziehen wollen… und nach ihrer Ankündigung trotzdem weitermachen (gel Ashnod), ist dieser Punkt bei Magic also nicht gegeben, oder? Was meint ihr?

2) Finanzielle Last
Unter diesem Punkt verstehe ich, wenn mit dem Hobby übertrieben wird und es sich auf das restliche Leben auswirkt. Im Prinzip ist es jedem freigestellt, wieviel Zeit und Geld man in Magic investiert. Es mag Leute geben, die nur mit fremden Karten spielen und daher nie Geld ausgeben, die meisten werden aber mehr oder weniger regelmäßig einen Teil ihres Verdienst in Stückchen Pappe anlegen. Solange man damit keine Schulden macht, sollte es also kein Problem darstellen. Und da der erste Punkt Abhängigkeit wohl mit einem „Nein“ beantwortet werden kann, wird es auch keine Fälle geben in denen jemand mehr Geld ausgibt, als er zur Verfügung hat, oder? Wobei… man hört ja immer wieder von Leuten, die auf großen Events, wie zum Beispiel einem Grand Prix, viel Geld loswerden und versuchen es mit Cheesburger Wetten oder Teamdraften wieder reinzuholen. (Passow und TMM können bestimmt ein Lied davon singen)

3) Überdosis
Bleibt der letzte Punkt. Kann man zuviel Magic konsumieren? Ich denke eindeutig ja. In vielerlei Hinsicht. Spieler, die in Vorbereitung auf ein Turnier hunderte Spiele in einem Matchup antesten, sind nur das geringste Beispiel. Ich meine, seien wir mal ehrlich, wie viele von uns können von sich behaupten, den größten Teil ihrer in Magic investierte Zeit tatsächlich mit dem Spielen gegen einen Menschen zu verbringen? Decks bauen, Goldfishen, Gedanken übers Sideboard machen, Karten sortieren, Artikel im Internet lesen, Karten verkaufen oder vertauschen, Gerüchte zu neuen Editionen aufsaugen, Blogeinträge verfassen oder ganz einfach nur darüber mit anderen Personen reden. Wie viel Zeit investieren wir also in ein Hobby, das auf einem Kartenspiel basiert… ohne wirklich Karten zu spielen?

Ich für meinen Teil definitiv zu viel. Wenn ich allein die letzte Woche anschaue müsste ich mir Gedanken machen. Dienstag Blog erstellen und den ersten Eintrag verfassen. Mittwoch Casual Runde in Bochum. Donnerstag dann ausgiebiges Testen von verschiedenen Ideen auf der Workstation und Umbau von ungefähr 60 Casual Decks. Freitag Casual Runde in Voerde. Achja und nicht zu vergessen der tägliche Check der Rumor Mill, was die nächste Edition so bringt.

Die finde ich übrigens nicht wirklich gelungen. Es gibt zwar interessante neue Karten und auch den einen oder anderen Reprint den ich gerne sehe… aber ansonsten? Haufenweise Reprints unter neuen Namen, die einfach nicht nötig sind. Aber wirklich störend empfinde ich die unterschiedlichen Stärkegrade der Karten. Baneslayer Angel und Serra Angel in einer Edition. Oder was hat die Horned Turtle in einer Edition zu suchen, in der man einen Palace Guard hat, der exakt das gleiche bietet… nur noch eine zusätzliche Fähigkeit. Und dabei gibt es nicht einmal einen Unterschied in der Seltenheit. Mir ist klar, dass es immer auch schlechtere Karten geben muss, aber diese Edition wirkt für mich einfach absolut Unstimmig. Und dann dieses erzwungene Tribal Thema. Und wie passen da Darksteel Colossus und Platinum Angel rein? Naja, stark ist die Edition wohl, aber gelungen finde ich sie ganz und gar nicht.
Dennoch wollen ein paar meiner Freunde nen halbes dutzend Displays ordern. Und dabei wird sich mal wieder aufgeregt, dass wir in Deutschland über 20€ mehr zahlen müssen als die Amerikaner. Wenn ihr da draußen also einen Tipp habt, wie man Displays günstiger bekommt, wäre ich sehr dankbar.
Die stilistisch schönste Karte ist für mich übrigens Magebane Armor, durch den netten Nachsatz „loses flying“. Auch wenn mich jetzt schon die Fragen nerven werden, ob man eine Kreatur, die nicht fliegt, damit equippen kann.

Naja zurück zum Thema Magicolics. Denn da wäre ja noch der Samstag. Da der heutige Eintrag schon relativ lang ist und ich nicht viel Besonderes zu berichten habe, hier eine kurze Zusammenfassung:

Zusammen mit zwei Freunden machte ich mich auf dem Weg. Im Auto gab es den üblichen Trashtalk, gefolgt von einer Diskussion, was man heute so erwartete und ob man sich darauf vorbereiten sollte enttäuscht zu werden. Vor Ort angekommen bestellte ich erst einmal eine Cola, meine Freunde deckten sich mit einer Horde Kinderriegel ein. Anschließend wurde es sich bequem gemacht und die Neuankömmlinge begutachtet. Schnell wurde es voller und der übliche Schweißgeruch zog auf, der in der Hitze noch viel schlimmer wirkte. Ich frage mich jedes Mal, wieso die Leute sich nicht waschen können. Ein kurzer Blick in die Runde bestätigte dann auch noch die Befürchtungen, dass wir es fast ausschließlich mit Kiddies zu tun hatten. Wir machten uns also auf dumme Sprüche gefasst.
Dann endlich ging es los. Anfangs sah alles noch gut aus, sowohl ich als auch meine Freunde waren zufrieden. Doch wie immer trog der Schein und schon bald ging es abwärts und ich fragte mich, wie doof es eigentlich laufen kann. Nervende Kiddies machten es nur noch schlimmer. Nach der Hälfte der Spielzeit ging auch schon der Erste fort, scheinbar war es wohl heute nix für ihn. Naja, gegen Ende gab es für mich dann einen relativ versöhnlichen Abschluss, sodass es ein mehr oder weniger durchschnittliches Event war. Einer meiner Freunde war insgesamt zufrieden, der Andere dagegen war total genervt und wollte schleunigst zurück nach Hause. So hatte dann jeder für sich sein eigenes persönliches Fazit gezogen.

Falls ihr euch jetzt wundert, warum ich keine Deckliste angegeben habe und was für ein Turnier wir besucht hatten, so lautet die einfache Antwort: Wir haben gar nicht Magic gespielt. Wir waren im Kino und haben Transformers 2 geschaut.
Und hier kann ich nun zurück zum Hauptthema kommen, zum Magicolic. Habt ihr gerade diesen Bericht gelesen und wart vollkommen davon überzeugt, dass ich ein Magic Turnier beschrieben habe? Wenn ja, dann könnt ihr gerne mit einstimmen, wenn ich sage:

Hallo, mein Name ist Alex. Ich bin Magicolic.

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