Auf einer deutschen Magic Seite wird aktuell darüber diskutiert, wie das dortige Artikelprogramm gerettet werden kann. Der regierende Redakteur stellt dabei eine These auf, bei der ich nur den Kopf schütteln kann. Völlig Realitätsfern, scheinbar hat er nicht im geringsten verstanden, wie das Internet funktioniert. Oder bin ich derjenige, der sich irrt? Habe ich etwa nicht verstanden, wie das Internet funktioniert?

Um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen schreibe ich hier einige Zeilen und hoffe darauf, dass sich ein paar Leser zu Wort melden werden.

Klasse statt Masse

Das Internet ist für mich wie ein riesiger Abstellraum. Mit ein bischen Glück und Knowhow findet man, was man sucht, andernfalls wird man sich im Dschungel voller Müll verirren.

Fast jeder Depp kann heute mit ein paar Klicks seine Meinung kundtun, einen Blog öffnen, ein Forum erstellen oder ein fertiges Websiten Template mit Inhalt füllen. Jede Minute werden tausende Minuten Videos hochgeladen, dutzende neue Webpräsenzen entstehen. Das Angebot ist riesig, leider ist die Qualität häufig Mangelware. Doch wer der englischen Sprache mächtig ist, wird eigentlich fast immer finden, wonach man sucht.

Kommt ein neues „großes“ Computerspiel heraus, werden hunderte von Möchtegern Pros das Spiel Live Streamen, Strategie Guides entwickeln, Walkthroughs produzieren und Anleitungen veröffentlichen. Die Menge an Informationen ist überwältigend und leider ist jeder selbst dafür verantwortlich, das Sinnvolle vom Blödsinn zu trennen. Das ist nicht immer leicht. Wir haben ja schließlich nur begrenzt Zeit. Wenn unere erste Suchanfrage ein vernünftiges Ergebnis liefert, wieso sollten wir dann noch eine halbe Stunde länger auf Suchmachienen herumreiten, um etwas zu finden, das vielleicht ein bischen besser ist?

Die meisten von uns haben Favoriten. Seiten, die man regelmäßig besucht. In der Regel gehen wir davon aus, dort häufiger Dinge zu finden, die uns interessieren und wir uns dadurch die Zeit des Suchens sparen. Menschen sind Gewohnheitstiere. Warum etwas ändern, was in der Vergangenheit funktioniert hat? Sollte eine der Websiten unserer Favoriten qualitativ nachlassen, sucht man sich eben eine Neue. Nicht weiter schlimm. So ist der Lauf der Dinge. Und mit großer Wahrscheinlichkeit wird man eine Seite finden, die besser ist als die vorige. Und man stellt sich die Frage, warum man nicht bereits früher umgestiegen ist.

Die meisten Menschen im Internet verstehen diese Regel. Wer ein Angebot ins Internet stellt, muss darum kämpfen, Besucher bei sich zu behalten. Warum sollte ein Besucher seine kostbare Zeit opfern, um gerade Seite XYZ zu lesen? Insbesondere, wenn diese Seite nichts einzigartiges liefert sondern nur Ware mit durchschnittlicher Qualität, die es auf anderen Websiten genau so zu finden gibt? Autoren von Blogs, Streamer auf Videoplattformen oder sonstige Internetpräsenzen reissen sich den Arsch auf, um Besucher zu frieden zu stellen. Nur dann wird die Anzahl der „Abonennten“ stätig wachsen oder zumindest gleich bleiben.

Der entscheidende Punkt ist, auch wenn etwas kostenlos bereitgestellt wird, bestimmen die Besucher, ob sie etwas haben wollen oder nicht. Ein Besucher muss sich nicht rechtfertigen, ein Besucher ist dem Autor nichts schuldig. Wer meinen Beitrag hier auf dem Blog lesen wird, muss mich nicht bezahlen, muss nicht kommentieren, muss sich nicht bedanken. Es steht ihm frei auf meinen Beitrag zu reagieren oder es zu lassen.

Ich als Autor bin in der Verpflichtung, mein Angebot so zu verfassen, dass ich dem Leser etwas bieten kann. Dass ich Informationen anbiete, Diskussionen auslöse oder einfach für kurzweiligen Spass sorge. Wenn ich das gut genug mache, werde ich belohnt: Die Leser kommen wieder. Im Grunde ist jeder Artikel nichts weiter als Werbung für den nächsten Artikel.

Wer von der Annahme ausgeht, dass die Leser etwas dafür tun sollten, dass ein Autor weiterhin Inhalt bietet, liegt einfach vollkommen falsch.

Auch wenn ein Autor mit besten Gewissen etwas für die Community tut… die Community ist ihm absolut nichts schuldig.

Autoren kämpfen um Leser, nicht umgekehrt. Für jede schließende Website entstehen dutzende Neue, die versuchen, die Lücke zu schließen.

Wer das nicht versteht, wird meiner Meinung nach im Internet untergehen und kann sich die investierte Zeit direkt sparen. Eine Website, die versucht ihre Leser zu Kommentaren zu zwingen und schlimmer noch, den Lesern die Schuld zuschiebt, hat ihr Todesurteil bereits unterschrieben.

Wie seht ihr das? Liege ich vollkommen falsch? Sind Besucher einer Seite dem Anbieter etwas schuldig?

Da bin ich wieder.

Einige von euch werden sich vielleicht an meinen alten Germagic Blog erinnern. Wenn nicht, egal. Denn natürlich biete ich vollen Service und alle alten Einträge archiviert auf der linken Seite meines Blogs.

Zu vielen alten Beiträgen könnte ich eine Menge schreiben. Zb zu diesem Zitat aus Beitrag 17: „Letztes Jahr wurde MTGBlogs noch von Legacy Blogs überrannt, maff1n, Oetzie und viele Anderen haben regelmäßig mit mehr oder weniger interessanten Inhalten begeistert. Doch seit Dezember herrscht völlige tote Hose.“

Leider muss ich feststellen, dass es kaum Legacy Blogs gibt. Die Popularität von Legacy hat zwar zu einer kurzzeitigen Flut von Artikeln geführt, zu boomenden Kartenpreisen, die durch Modern noch weiter unterstützt werden, aber leider scheint es kaum noch Blogger zu geben. Häufig hat es mir in den Fingern gejuckt, nach dem Tod von Germagic wieder anzufangen. Jetzt endlich habe ich den Grund für den Neuanfang. (Mehr dazu in ein paar Tagen hier auf Schizzomania) Legacy bietet dem Magic Spieler so viel. Ausgewogenes und sich wandelndes Metagame. Spannende Spiele. Bis auf die letzte Karte perfektionierte Decklisten. Die Möglichkeit mit Haufen erfolgreich zu sein. Und vieles mehr.

Insofern werde ich in Zukunft wieder häufiger bloggen, über Legacy, Casual, Limited und eben jenen Grund, den ihr bald erfahren werdet.

Bis dahin könnt ihr ja ein wenig in den Archiven stöbern. Einige Bloggeinträge sind auch heute durchaus noch Interessant. Natürlich hat sich mein Leben und meine Sicht der Dinge weiter entwickelt, sodass ich nicht mehr vollständig hinter allen Aussagen der archivierten Einträge stehe, aber dazu, diese getätigt zu haben.

Ich freue mich auf Rumgenörgel, Kritik, Kommentare und allgemein aufs Bloggen, gesponsort von Ormus (Vielen Dank dafür).

Wir lesen uns 😉

Euer Schizzo