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Putrefy by Igor Kieryluk

Wreaking Havoc in Hanau… sort of

Die Anfahrt am Morgen eines Turnieres hat schon was. Neben verschlafenen Gesichtern, verwirrten Navigationsgeräten und übersüßen Energydrinks vor allem eines: etwas Nervenkitzel. Baut man sich einen Zeitpuffer ein, der groß genug ist, sollte alles natürlich kein Problem sein. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass wir im August beim PTQ/WMCQ-Wochenende und Ende Dezember beim PTQ/PPTQ-WE auf der Hinfahrt auch eine Prise Glück hatten.

Eins nach dem anderen…

Als ich mich endlich dazu entschieden hatte, das letzte Dezember-Wochenende in Hanau zu verbringen, waren wir inzwischen vier Grinder. Zum Training sind wir im echten Leben nicht gekommen, jedoch habe ich einige Matches auf Cockatrice absolviert. Das hilft vor allem beim Modern-Format, dessen Turniere ja etwas rarer gesät sind. Ein bisschen Sideboard-Guide und Decklisten schreiben später sitzen wir auch schon im Auto. Wieder fahren wir erst am Morgen des ersten Turniers, einem Samstag, los. Beim letzten Mal im August (es lockten ein PTQ und ein WMCQ) standen wir auf der A3 natürlich im Stau. Nachdem sich dieser aufgelöst hatte, waren es aber nur noch 20 Minuten zur Location, die erste Runde war also safe. Das Doppel-PTQ-WE am 28./29.12. sollte uns dafür mit reichlich Schneegestöber verwöhnen. Es fing auch tatsächlich an, unübersichtlich zu werden, als wir von der Autobahn runterfuhren. Nachdem es anderen Teilnehmern wohl nicht so gut erging, verspätete sich das Turnier um eine Stunde. Genug Zeit, um noch ein paar Spiele zu machen!

Der Pro Tour Qualifier am Samstag, den 28.12. war im Standard-Format. Da ich auf Aggro- und Control-Decks weniger Lust habe, musste eine Midrange-Liste her. Was tut man aber, wenn das ganze Feld aus Midrange besteht? Go Under, Go Over, Go Deep? Choose your weapon. Interessanterweise ist KTK-Standard ein sehr Tempo-orientiertes Format. Midrange-Decks spielen anfangs jedoch eine ganze Weile lang nur einen Spell pro Zug. Wie kann man das also ausnutzen? Aggro-Decks, wie z.B. Mono Red Sligh, überfluten das Board mit mehreren Kreaturen pro Zug. Ich will aber keine 1/1- oder 2/2-Würstchen spielen, und schon gar keine Goblins! Was tun?

Das Temur-Deck an sich spiele ich ja schon seit einiger Zeit und hab auf meinem Blog auch schon ein bisschen was darüber geschrieben. Der Deck-Plan ist grundsätzlich, dicke Kreaturen zu legen und den Gegnern nebenbei mit Spells unter Druck zu setzen. Je nach Matchup kann man ein paar Fatties legen und den Gegner überrennen, oder auch nur einen Savage Knuckleblade spielen und diesen mit Counter-magic beschützen.

Decks wie Abzan Midrange oder Sidisi Whip legen oft ein getapptes Land in Zug 1, einen Manabeschleuniger in Zug 2 und fangen dann erst so richtig an, ihr Board aufzubauen. Wisst ihr, wie gut es sich anfühlt, einen Goblin Rabblemaster in Zug 2 zu legen? Oder einen Savage Knuckleblade? Letzteren können wir sogar mit Stubborn Denial oder seiner eigenen Fähigkeit beschützen, wenn er einen Zug überlebt hat. Temur bietet einige heiße Karten und viele Möglichkeiten, den Gegner auszuspielen. Voraussetzung ist natürlich, dass man die Decks, die gerade so kursieren, einigermaßen gut kennt. Heir of the Wilds lässt uns z.B. sorglos in Sylvan Caryatid oder Courser of Kruphix rein-angreifen. Mit vier verfügbaren Mana kann man auch mal einen Yeti legen und mit Crater’s Claws einen Seeker of the Way killen. Kurzum: Ferocious is awesome! Nun aber zu den einzelnen Runden. Ich habe mir währenddessen keine Notizen gemacht, verzeiht mir also, wenn mein Bericht teilweise etwas ungenau ist!

Frontier Bivouac by Titus Lunter, Copyright by WotC

Runde 1: 0-2 gegen Abzan Aggro
Es sitzt mir ein sehr versierter Spieler gegenüber, der mich im Modern-PTQ im August schon einmal besiegt hat. Spiel 1 hat seinen Wendepunkt in einem Zug, in dem ich mit allem angreife und noch ein tödliches Crater’s Claws auf der Hand halte. Da ich schon eins davon gespielt habe, riskiere ich es. Als er fragt, ob er meinen Friedhof sehen kann, weiß ich, dass das Spiel vorbei ist. Er rechnet ein bisschen, macht den richtigen Block, um nicht zu sterben und tötet mich kurz darauf mit seiner eigenen Mannschaft. Das zweite Spiel dreht sich vor allem um eine Anafenza, the Foremost, die ich partout nicht abstellen kann. Ihre Pump-Fähigkeit macht die Kampfphasen noch ekliger und mein schlechter Start ist perfekt. Das geht ja schon mal gut los!

Runde 2: 2-0 gegen Abzan Aggro
Abzan Aggro again! Spiel 1 sieht lange Zeit nicht gut für mich aus. Als er jedoch gierig wird und ich sein Siege Rhino Doppel-blocken kann, wendet sich das Blatt. Ich baue ein Board mit u.a. zwei Courser of Kruphix auf und lasse seine einsame Anafenza traurig aussehen. Die zwei Stubborn Denial, über die er durch meine Courser weiß, sorgen dafür, dass er mit einer vollen Hand verliert. Das zweite Spiel gewinnt er, ich kann mich jedoch nicht mehr daran erinnern. Im dritten Spiel habe ich den perfekten Draw. Elvish Mystic hilft, Goblin Rabblemaster in Zug 2 zu legen. Ein Magma Spray kümmert sich um seinen Rakshasa Deathdealer. „Das ist genau die Sequenz, die ich nicht schlagen kann.“, bemerkt er. Sorry, Bro.

Runde 3: 2-0 gegen Mono Black Control
Ihr habt richtig gelesen. Mono. Black. Control. Er ist on the play, legt einen Sumpf und sagt „Go!“. Ich denke mir „Mono Black Aggro und er hält eine Hand ohne One-Drop? Oke..“. Als er jedoch Zug 2 Sign in Blood spielt, muss ich grinsen. „Die Zeiten sind doch längst vorbei!“ werfe ich ihm entgegen. Ab da erwarte ich, dass er mir ein Hero’s Downfall nach dem anderen um die Ohren schmeißt, mein Savage Knuckleblade überlebt aber wundersamerweise den Zug, in dem er schutzlos ist. Ich halte danach also konstant drei Mana offen, und mache ihm kurzen Prozess. Das zweite Spiel läuft ähnlich. Zu meiner Verwunderung legt er in Zug 5 einen Indulgent Tormentor. Jap. Glücklicherweise kann ich darauf den zweiten Knuckleblade mit Eile legen und ihn zum Chump-block zwingen, da er auf 10 Leben sitzt. In seinem Zug zieht er wohl auch nichts nach und ich gewinne das Match. Damnation, anyone?

Runde 4: 2-1 gegen Jeskai Fireworks
Meine Länder in Game 1 sind Yavimaya Coast, Shivan Reef, Mana Confluence. Mein Gegner erwähnt mitleidig „Sieht schmerzvoll aus..“. I did not win this game. Beim sideboarden strotzt er nicht gerade vor Selbstbewusstsein. Er hätte oft gegen seinen Freund getestet, der auch Temur spielt und dabei wohl 75 % der Spiele verloren. „Muss nichts heißen, du liegst 1:0 vorne“, chatte ich zurück. Abgesehen davon gibt es ca. trölf verschiedene Arten, Temur zu bauen. Mit meinen Painlands fühle ich mich gegen die Burn-Spells von Jeskai jedenfalls nicht so gut aufgestellt. Etwas Lebenspunkte-bewusstes Mana-Erzeugen und ein paar Removal und Counter später, gewinne ich jedoch mein drittes Match und stehe 3-1. Value ist, wenn man einen Sarkhan, the Dragonspeaker mit einem ein-Mana-Zauber postwendend in den Friedhof schickt 😉

Runde 5: 2-1 gegen Mardu Midrange
Mit Ach und Krach gewinne ich das erste Spiel, sehe jedoch keinen einzigen Goblin Rabblemaster. Dementsprechend stelle ich mich auf Mardu Control ein, es soll ja auch Listen geben, die mehr auf teure Planeswalker setzen. Pustekuchen. Mein falsches sideboarden rächt sich sofort und ich gehe an Doppel-Rabblemaster ein. Das dritte Spiel hat mir gezeigt, warum ich eigentlich Temur Charm spiele. Zwei der drei Modi sind ziemlich Win-more, wenn man sich mal überlegt, was man für ein Board haben muss, um den Charm gut zu machen. Einen Stormbreath Dragon gegen Butcher of the Horde kämpfen zu lassen UND für 5 zu hauen, gewinnt aber nun mal Spiele.

Runde 6: 2-1 gegen Jeskai Tokens
Wieder mal endet Game 1 ziemlich schnell. End of Turn doppel-Lightning Strike und Main Phase doppel-Stoke the Flames (mit Convoke über Hordeling Outburst-Tokens) kümmert sich um meinen relativ hohen Lebenspunktestand. An das mittlere Spiel kann ich mich wieder nicht erinnern, im Spiel darauf schlage ich ihn dafür mit seinen eigenen Waffen. Ich habe (unter anderem) 8 Mana, einen Stormbreath Dragon im Spiel, Crater’s Claws auf der Hand und einen end-of-turn Lightning Strike. Er hat 16 Lebenspunkte. Do the math.

Runde 7: 2-0 gegen Mardu Midrange
Schon wieder Mardu Midrange, das Match war allerdings weniger aufregend. In Game 1 kann er kein Board aufbauen und in Game 2 fehlen ihm die Länder. Glück gehört eben auch dazu! Match record: 6-1.

Runde 8: 0-2 gegen UW Heroic
Mein Gegenspieler stand übrigens wegen des Schneesturms im Stau. Er verpasste Runde 1, gewinnt dann aber einfach mal die nächsten sechs Runden. Wir sitzen an Tisch 4; unser beider Opponent Score ist, wegen der Niederlage in Runde 1, eher suboptimal. Ein Draw kommt also nicht in Frage. Zu meinem Leidwesen gewinnt er den Würfelwurf – ich saß in einer der vorherigen Runden neben ihm und konnte bereits den Deck-Archetyp ausmachen. Es wird jedenfalls ein interessantes Spiel. Seinen Hero of Iroas kann ich zwar dank Aqueous Form nicht blocken, meine eigenen Kreaturen, darunter old Knucks und Goblin Rabblemaster, machen ihm aber einigen Druck. Unglücklicherweise hat er zum rechten Zeitpunkt ein Ordeal of Heliod, das ihn aus meiner Reichweite zaubert und ihm den Sieg im ersten Spiel bringt. Im zweiten Spiel habe ich vermutlich den Match-entscheidenden Fehler gemacht. In Runde 2 muss ich mich entscheiden, ob ich mittels Elvish Mystic einen 3-Mana 4/4er hinklatsche, oder meinen Temur Charm benutze, seinen Favored Hoplite auszuschalten. Aus Angst, den Hopliten nicht mehr töten zu können, wenn er mit ihm enttapt, entscheide ich mich für letzteres. Das rächt sich natürlich postwendend, als er einen Hero of Iroas nachlegt und ich ohne Removal da stehe. Hätte ich Knuckleblade gespielt, hätte ich einen Blocker gehabt, der später auch noch den Hero mittels übrigem Charm töten könnte. Eine späte Einsicht. Übrigens hätte ich wirklich zu gerne ein Force Away auf eine seiner Kreaturen gespielt, das scheint richtig albern zu sein. 😀 (optimalerweise ohne, dass er Gods Willing präsentiert oder in response auf das Willing)

Das war also meine Reise im vermutlich allerletzten, „alten“ PTQ der Welt! Am Ende reichte es für einen 13. Platz, 9 Booster und jede Menge Anteilnahme, Mitfiebern und mentale Unterstützung meiner Freunde! Danke!

Der nächste Tag…

Vom Modern-Turnier liefere ich keinen detaillierten Bericht, nachfolgend könnt ihr aber mein Deck, alle Runden und die Match Records sehen. Das Ergebnis war unbeeindruckenderweise 2-5-1, inklusive Bye. Cool fand ich Domain Zoo mit Siege Rhinos, um den Life Loss auszugleichen. Interessant war auch der „Top Control“-Haufen in Runde 5. Macht euch auf MTGSalvation selbst ein Bild. Blöderweise lässt er mich im vierten Extrazug die letzte Karte meiner Bibliothek entfernen. Gegner war außerdem von der Sorte „Control-Spieler, der genervt ist, dass die Runde nur 50 Minuten hat.“ Frust.

Putrefy by Igor Kieryluk

Putrefy by Igor Kieryluk, Copyright by WotC

Die Runden im Modern-PPTQ:

Runde 1: 0-2 gegen Domain Zoo

Runde 2: 0-2 gegen Jund

Runde 3: 1-2 gegen Bogles

Runde 4: 1-1-1 gegen WB Tokens – Worship gewinnt leider nicht von alleine.

Runde 5: 1-2 gegen Bg Top Control

Runde 6: 2-1 gegen BR Vampires, oder auch „Kalastria Highborn-Combo“

Runde 7: 2-0 gegen Missing Opponent – Wollte eigentlich spielen :(

Runde 8: 1-2 gegen TarmoTwin – Ich sehe nie Tarmogoyfs, dafür aber den Rest von seinem Deck, da er tatsächlich imstande war, teilweise mit den Artworks zu mir hin zu mischen. Bevor jetzt jemand schreit, das hätte ich ihm sagen sollen – es war so offensichtlich, dass jede darauf abzielende Bemerkung einer Beleidigung gleich gekommen wäre. Habe das im Nachhinein auch mit einem Judge abgeklärt; es ist kein „looking at extra cards“. Spikes können solche Mischkünste also zu ihren Gunsten nutzen.

Fazit
Um ehrlich zu sein, habe ich ja schon länger im Hinterkopf, Standard den Rücken zu kehren und mich dafür mehr Modern zu widmen. Das hat bisher nicht geklappt, vor allem mangels Modern-Turnieren in der näheren Umgebung und weil Standard IMMER WIEDER SO AWESOME IST! Temur macht mir richtig Spaß zu zocken und offensichtlich hat es auch einen Platz im Metagame, obwohl es keine großen Erfolge feiern kann (bisher). Eventuell ist das natürlich auch der Underdog-Bonus. Auf dem PTQ gab es doch tatsächlich noch Leute, die sich Stubborn Denial durchlesen mussten – obwohl dieser nicht nur in Temur, sondern auch in manchen UW Heroic Listen Platz findet und auch im Modern Fish/Meervolk ausprobiert wird. Dass Heir of the Wilds in einem Meta voller Midrange Decks ein Knüller ist, hat Abzan Aggro jedenfalls auch erkannt.

Alles in allem genieße ich einfach immer wieder den frischen Wind, den Standard alle paar Monate mit sich bringt. Über die Kosten in Form von Finanzmitteln und Zeitaufwand (um auf dem neuesten Stand zu bleiben) wollen wir mal nicht reden 😉 Was Modern angeht, werde ich vermutlich mal eine Pause von meinem geliebten Pod machen, und dafür andere Decks ausprobieren. Das sollte mir helfen, den Kopf in dieser Hinsicht etwas freizumachen.

Ich hoffe, euch hat mein kleiner Bericht gefallen und wir lesen oder sehen uns bald wieder!

6 Gedanken zu „Wreaking Havoc in Hanau… sort of

  1. grozoth

    Hier in Nuernberg wuerdest du jeden Samstag Modern spielen koennen – das Format boomt total. FNMs gibts zwar noch nicht, dafuer jeden Samstag ein Turnier. Und ich nehme an, dass Modern immer noch teurer ist als Standard. Auch wenn man Modern decks laenger spielen kann.

    Guter Bericht, ich haette gerne Top8 gesehen. Warum war G1 vorbei, als der Gegner nach dem Friedhof fragte? Weil er weiss, dass du die Klauen spielst und sie dir richtigerweise gibt?

    Antworten
    1. Netdeck-Nico Beitragsautor

      Wenn man in Standard mal nicht die Disziplin hat, immer nur ein Deck zu spielen, bzw. Immer das beste spielen will, ist das bei der Kurzlebigkeit des Formats immer noch teurer.
      Das game in match1 war verloren, weil er richtig vermutet hat, dass ich noch ein Claws auf der Hand habe. Daher hat er geblockt und keinen tödlichen Schaden riskiert.
      Meintest du mit top8 die decklisten, die es geschafft haben, oder mich in der top8 zu sehen? :)

      Antworten
      1. grozoth

        Dich mit Bericht in der Top8. Decklisten finden sich bestimmt im Netz.
        Das mit den zweiten Claws war mir erst beim Kommentarschreiben eingefallen, danke.

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  2. Pingback: Last-minute Briefing FRF | Seventyfive Slots

  3. Lord Sonntag

    Mir persönlich gefällt Standard überhaupt nicht. Modern ist dafür im Moment viel interessanter meiner Meinung nach. KtK hat das Format sehr aufgemischt und abwechslungsreich gemacht. Ich kann gar nicht genug davon bekommen :)
    Und Modern ist billiger als Standard, da die Karten und somit die Decks nicht rotieren.

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