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Lilly and friends – Nahe dran in Nürnberg

Drei Karten, die ich in einem Modern PPTQ am vorletzten Samstag eher nicht erwartet hätte?

Stubborn Denial.

Thunderbreak Regent.

Noxious Revival.

Zugegeben, ich bin ein großer Fan von Denial (pun intended) und Noxious Revival schreit nur so nach verrückter Combo… aber Thunderbreak Regent fand ich dann doch etwas zweifelhaft, sorry 😉 An alle besorgten Leser: es handelte sich natürlich um drei verschiedene Decks!

Heute lest ihr die Geschichte, wie ich mich fast für einen Regional PTQ qualifizierte. Wer meinem Twitter folgt, weiß schon wie es ausgeht, für alle anderen ist hier der Spoiler zum selbst entscheiden:

 

Tell me! SelectShow

 

Nach einer kurzen Nacht war mir Samstagmorgen schnell klar: das kann nichts werden. Welche masochistische Veranlagung muss man haben, um an einem Wochenende früh aufzustehen, um ca. 1,5h in einem Auto in eine andere Stadt zu fahren, um dort wiederum stundenlang schlechte Luft zu atmen? Winning is fun. Gegen die Augenringe hilft nicht einmal der sündhaft teure (aber fabelhafte) Cappucino vom McCafé und ich befürchte, dass ich spätestens, wenn ich gegen Bloom Titan spielen muss, schnarchend auf dem Tisch zusammensacke. Für alle, die jetzt sagen: „Junk spielt sich doch eh von selbst, du N00b!“… Darauf habe ich keine Antwort :(

Hier mein Deck in der (vor einer Woche) aktuellen Ausführung:

Runde 1: 2-1 vs Affinity
Das erste Spiel gegen Affinity war… sonderbar. Anfangs habe ich die Oberhand, da er nach seinem Hand-Romme erstmal keinen Stoff nachzieht. Ich stabilisiere mit einer Liliana of the Veil und einem Tarmogoyf. Dann finde ich aber kein Removal oder sonst irgendetwas relevantes mehr und verliere das erste Spiel gleichmal auf eine frustrierende Art und Weise. Im zweiten Spiel kann ich mich mit etwas mehr Abrupt Decay, einem Tarmogoyf und zwei Siege Rhinos fangen und gehe in den Beatdown. Das sichert mir zumindest mal die Chance auf den Match Win in einem dritten Spiel. Sein Hand-Romme on the play ist nach wie vor furchteinflößend. Als ich im dritten Zug allerdings das Creeping Corrosion von oben ziehe, ist das Spiel mehr oder weniger vorbei. Blöderweise hat er sich vor meinem vierten Zug für ein Cranial Plating ausgetappt, anstatt das Stubborn Denial (das ich übrigens bis dahin nicht gesehen hatte und kein Ferocious genoß, ich wäre also voll reingelaufen), für mein potentielles Corrosion offen zu halten.

Runde 2: 2-0 vs UWR Geist
Nächste mini-Geschichte in der Geschichte! Ist das hier How I met your mother, oder was? Das UWR Geist Deck, das mein Gegner spielte, kam mir ziemlich nach Retorte aus… bis er sich in seinem vierten Zug für einen Thunderbreak Regent austappt und mich verstohlen grinsend ansieht. Ich kann seine Gedanken lesen: „Hättest nicht gedacht, was?“. Ein UWR Deck, dass sich austappt? Jap, das ist mir neu. Gut, dass ich zwei Lilianas ziehe, die nicht nur ohne Probleme seine Drachen beseitigen, sondern auch etwas seinee Handkartenzahl stutzen. Siege Rhino und Tarmogoyf räumen auf. Im zweiten Spiel tauschen wir hin und her, diesmal muss ich auch ziemlich viel Schaden einstecken, da ich zwei seiner Regents mit Path to Exile entsorge. Schließlich seufzt er jedes Mal, wenn ich mit Thrun, the last Troll in die Kampfphase gehe. Darauf schien er wohl so überhaupt keine Antwort zu haben.

Runde 3: 2-1 vs Melira Company
Melira. Company. Gibt es dafür schon einen besseren Namen? Hier eine Beispiel-Liste. Im Wesentlichen ist das Deck ein Birthing Pod – Deck ohne Birthing Pod, dafür mit Collected Company und der berühmt-berüchtigten Melira, Sylvok Outcast. Die Liste des dailydeck-Links spielt keine Murderous Redcap, das ist schlicht und einfach falsch. Mein Gegner hatte natürlich eine drin. Zusammen mit Kitchen Finks bereitet er mir ganz schöne Kopfschmerzen. Ein paar Lingering Souls tokens können dem ganzen aber ein Ende setzen. Im zweiten Spiel tötet er mich leider mit der Combo. Naja, nicht ganz. Er baut sich die Unendlich-Leben Kombo aus Anafenza, Kin-Tree Spirit, Viscera Seer und Kitchen Finks zusammen. Dagegen kann ich in einem vernünftigen Zeitrahmen nichts mehr unternehmen, also gebe ich auf. Vorsicht! Gegen viele Decks, wie z.B. Tron, Splinter Twin, oder im Mirror reicht diese Kombo immer noch nicht. Offensichtlich kann er sich aber Murderous Redcap nach oben scryen, um mich im nächsten Zug zu töten, falls ich seine Kombo nicht durchbrechen kann. Fast alles beim alten also, bis auf die Tatsache, dass das Deck durch den Verlust von Pod weniger konsistent ist, dafür aber mit Collected Company gerne mal am Ende des gegnerischen Zugs zwei Kreaturen mit „kommt ins Spiel“-Effekten findet. Das dritte Spiel ist wieder ein bisschen grindy, bis ich eine Elspeth, Knight-Errant wirken kann und zweimal in der Luft für 6 oder 7 Schaden zuhaue. Ich habe mich noch nicht so ganz entschieden, wie ich das Deck finde, aber es sieht nicht schlecht aus.

Runde 4: 2-0 vs Jund
Junk em out! Über dieses Match gibt es leider nicht allzu viel zu sagen, da mein Gegner vom Flood in den Screw stolperte und ich für seinen Thundermaw Hellkite im späteren Spielverlauf noch einen Path to Exile übrig hatte. Wie immer fliegen in diesen quasi-Mirror-Matches auf beiden Seiten die Thoughtseize und Inquisition of Kozilek raus. Wenn ihr zwei Spieler in einem Affenzahn 7-8 Karten boarden seht, handelt es sich vermutlich um BGx Decks.

Runde 5: 2-1 vs Noxious Storm
Und wieder einmal zahlt es sich aus, dass ich meine Decklisten und Decks immer zwei bis dreimal kontrolliere. Gegen Deck-checks habe ich bisher noch kein einziges Match verloren! 😉 Mein Gegner war ähnlich gut vorbereitet, also spielen wir nach knapp zehn Minuten entspanntem Gequatsche unser Match mit Verlängerung, als wäre nichts passiert. Da ich in der vorigen Runde neben meinem jetzigen Gegner gesessen habe, wusste ich, dass er in eine Art Storm Mirror verwickelt war. „In eine Art Mirror..?“ fragt ihr euch jetzt. Nur Geduld. Wer das Deck kennt, kann sich vielleicht schon vorstellen was passiert ist. Aufgrund seiner Pyromancer Ascension nehme ich an, dass er UR Storm spielt. Als er zwei Runden später in die Kombo geht, da ich ihn leider noch nicht töten konnte, frage ich, naiv, wie ich bin: „Wie wärs mit einem Würfel für den Storm Count? Wir sind schon bei drei…“. Sein Gegner vom vorigen Match neben uns lächelt süffisant, während mein Gegner bedeutungsschwanger verkündet „Oh, den brauche ich nicht, danke“. Ein paar Zaubersprüche später präsentiert er mir den Loop. Eine aktive Pyromancer Ascension erzeugt zusammen mit Manamorphose und Noxious Revival unendlich Mana. Nachdem er mir pro Forma eine Zahl nennt, die ungleich Unendlich ist, ersetzt er Manamorphose in der Kombo durch Thought Scour und millt mich aus. Ja ok. An das zweite Spiel kann ich mich leider nicht erinnern, bis auf die Tatsache, dass ich es zu einem dritten Spiel schaffe. Inzwischen sind nahezu alle anderen Pairings fertig und wir bekommen mehr und mehr Zuschauer. Mein Gegner wird immer unachtsamer. Entweder lag es an der Zuschauermenge oder daran, dass er riesen Kohldampf hatte. Jedenfalls vergisst er mehrere Trigger von Young Pyromancer und ich kann mit zwei Siege Rhinos das Spiel beenden.

Runde 6: Intentional Draw vs 4c Gifts
Ich habe keine Ahnung, wie mein Matchup gegen 4c Gifts Ungiven ist. Da wir beide 5-0 stehen, wollen wir es auch nicht ausprobieren und drawen lieber. Sein Deck kenne ich übrigens nur, weil ich mich zwischen den Runden immer etwas umsehe. Systematic scouting? Nicht ganz.

Erstaunlicherweise (oder auch nicht) sind wir mit 16 Punkten auch nach der letzten Runde erster und zweiter Platz. Die Preise in Form von Modern-relevanten Karten gibt es wie gewohnt nach Swiss Standings. Vom Wert her sind die ersten paar Picks deutlich: ein bling-bling Karn Liberated, ein Playset Polluted Delta und ein Noble Hierarch. Zwei der Drei Preise muss man allerdings vor Modern Masters 2 noch loswerden, daher bin ich mit meinen Deltas doppelt zufrieden. Eine Preisverleihung und etwas Frischluft schnappen später finde ich mich in der Top8 wieder. Dank guter Standings darf ich in jedem Match entscheiden wer beginnt. „Ich fange an?“ fragt mein Gegner verschmitzt. „Äh, neiiiiinnnnn….. !?“

Polluted-Delta-MtG-Art

Viertelfinale: 2-0 vs UWR Kiki Twin
Ein weniger spannendes Match. Zunächst habe ich dank Thoughtseize perfekte Information und nebenbei noch alles Removal für seine Deceiver Exarchs und Restoration Angels. Sein Plan B in Form von Celestial Colonnade wird von meinem Tectonic Edge vereitelt. Im zweiten Spiel sieht er viel zu spät das dritte Land und ich bin im Halbinfale!

Halbfinale: 2-1 vs RW Burn
Eine Zitterpartie, wie sie im Buche steht! Dank meiner zahlreichen Abwurf-Optionen landet er vor mir im Topdeck-Modus… allerdings mit nur fünf Lebenspunkten. Irgendwie schaffe ich es aber, ihn tot zu hauen, bevor er noch zwei Brennzauber findet. Im zweiten Spiel hat er den Nutdraw. Innerhalb kürzester Zeit sehe ich mich drei Goblin Guides gegenüber. Ein paar seiner Sprüche machen kurzen Prozess mit meinen restlichen Lebenspunkten. Das dritte Spiel ist wieder etwas ausgeglichener. Fairerweise kann ich ihm mit einem Thoughtseize im ersten Zug einen Torpor Orb abwerfen. Nicht unbedingt die Karte, die ich einem Burn-Spieler von der Hand nehmen will. Da ich aber fünf Karten spiele, die mich mit ihren ETB-Effekten potentiell retten, habe ich keine andere Wahl. Als ich auf sieben Leben bin, muss ich eine Timely Reinforcements in eine unbekannte Hand spielen. Zu meinem Glück hat er weder dafür, noch für das später folgende Siege Rhino einen Skullcrack-Effekt. Finale!

Finale: 0-2 vs Pyromancer Storm
Mein Matchup gegen dieses Deck halte ich eigentlich für solide. Pre-board habe ich Abrupt Decay für seine Pyromancer Ascension und einen Haufen anderer Removal gegen seine Goblin Electromancer. Post-board habe ich etwas mehr Discard gegen seine zweite Wincon in Form von Empty the Warrens. Im ersten Spiel bringe ich ihn nur auf neun Leben, woraufhin er in die Combo geht und mich tötet. Im zweiten Spiel muss ich meinen Golgari Charm dafür verwenden, eine Pyromancer Ascension auszuschalten. Er spielt ein Empty the Warrens für acht. Ich dafür ein Tarmogoyf und ein Siege Rhino. Nach einem Angriff bleibt mir nur noch der Goyf und er legt einen Blood Moon und noch ein Empty the Warrens für trölf. Vermutlich war ich danach zu inkonsequent. Ich wollte nicht mit Tarmogoyf angreifen, da er in Verbindung mit dem Worship, das auf meiner Hand versauerte, die einzige Chance auf einen Sieg darstellte. Die gesuchte Ebene habe ich leider nie gefunden :( Falls er wirklich angefangen hätte, meinen Goyf einzeln zu chumpen, hätte ich eventuell noch eine Chance gehabt. Da er aber mit seinen Tokens die bessere Boardpräsenz hatte und ich nur mit viel Glück ein zweites Basic hätte finden müssen, bevor ich überhaupt irgendetwas spielen kann, war es vermutlich schon egal und einfach nur blöd gelaufen.

Alles in allem war es dennoch ein erfolgreicher Tag. Ein besonderer Dank gebührt auch meinem Fahrer Alex, der nicht nur drei Runden lang auf mich gewartet, sonder mich auch motiviert hat!

Da ich diesen Blog-Eintrag mit einer Woche Verspätung verfasst habe, kann ich auch gleich noch kurz vom gestrigen Turnier berichten:

Am Sonntag fand in Bertil’s Spielwiese ein bananiger Grand Prix Trial zum GP Kopenhagen im Format Sealed statt. Mit meinem regenbogenfarbigen Pool konnte ich ein halbwegs solides Grixis Deck zusammenbauen (Link), das im Gegensatz zu meinen anderen Optionen sogar ein oder zwei starke Karten und das nötige Fixing aufweisen konnte. Nach einem schlechten Start reichte es leider nur für ein 3-2, das heißt, ich muss mir in Kopenhagen die ersten beiden Siege also doch erst noch verdienen 😉
Da ich aber zu den Decks, die auch in den beiden ersten Runden gegen etwaige Tier2/Tier3/random-Haufen ein gutes Matchup haben, nunmal Twin, Junk und Affinity zähle, nehme ich es einfach mal als Herausforderung. Während Twin und Affinity das erste Spiel gegen alles mögliche gewinnen sollten und damit schonmal einiges an Boden gut machen, ist Junk durch seine Kombination aus Threats, Removal und Disruption an Konsistenz und Anpassungsfähigkeit kaum zu übertreffen. Interessanterweise habe beim Turnierplaner für Nürnberg keinen GPT für Kopenhagen mehr erspähen können, aber wer mich eines besseren belehren kann, möge das bitte tun!

Das wars auch schon wieder für heute! Mögen eure draws saftig und eure plays feinsinnig sein!

Warleader’s Helix Artwork by Wesley Burt, Copyright by WotC
Polluted Delta Artwork by Vincenct Procee, Copyright by WotC

2 Gedanken zu „Lilly and friends – Nahe dran in Nürnberg

  1. Freakle

    Glückwunsch!

    Schade das es nicht bis zum Sieg gereicht hat.
    Ich finde das Matchup gegen Storm sehr mies für GBx ohne wirklich Graveyard hate reinzubacken. Selbst wenn man das Enchantment abstellt kann er entweder durch das Abrupt Decay auf dem Stack gewinnen, oder er wartet einfach bis er dank Past in Flames alles aus dem Yard nochmal spielt.

    Lohnen sich deine 3 Hierarchen im Deck? Ich meine, dadurch wirds natürlich leichter alle 3 Utility Länder zu spiele und noch ne Karte mit Doppel W im Maindeck, allerdings sind die doch echt n mieser Topdeck, zusammen mit deinen Discard – Sprüchen hast ziemlich viele tote Draws im Lategame oder nicht?

    GP das bye in der ersten Runde find ich für Rock sogar noch wichtiger als für die andern, mit 0-1 landest leicht am „Living End“ – Tisch und spielst erstmal gegen selbiges / Soul Sisters / Tron / Hatebears …. 😀

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    1. Netdeck-Nico Beitragsautor

      Danke :)

      Jo, Past in Flames ist für ihn noch ne Möglichkeit, zu gewinnen, evtl. reicht die Zeit bis dahin aber auch, um ihn totzukloppen. Die drei Hierarchen finde ich super, Turn2 Lilly kommt zwar nicht sehr oft vor, aber sie ermöglichen genauso Turn3 Rhino, fressen nen Bolt und der Exalted trigger ist nicht zu verachten, z.B. wenn man mit einem Souls token für zwei angreifen und gleichzeitig einen zum Blocken zurücklassen kann. Der Living End Tisch wär natürlich bitter, allerdings will ich die erste Runde nicht schon verlieren 😉

      Antworten

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