Abzan Control at GP London, Part 2

(Jetzt auf Deutsch! Das Ergebnis der Umfrage war eindeutig.)

Beim letzten Mal hatten wir zum Schluss dieses Abzan-Deck registriert – teils aus Faulheit, teils aus Überzeugung:

4 Sandsteppe Citadel
4 Temple of Silence
4 Temple of Malady
4 Windswept Heath
2 Llanowar Wastes
2 Caves of Koilos
4 Forest
1 Plains
1 Urborg, Tomb of Yawgmoth

4 Courser of Kruphix
4 Siege Rhino
3 Den Protector
3 Nissa, Vastwood Seer
1 Tasigur, the Golden Fang

3 Elspeth, Sun’s Champion

4 Abzan Charm
3 Hero’s Downfall
3 Languish
2 Ultimate Price
1 Bile Blight

3 Thoughtseize

SB:

3 Fleecemane Lion
3 Dromoka’s Command
2 Read the Bones
2 End Hostilities
1 Duress
1 Bile Blight
1 Utter End
1 Ajani, Mentor of Heroes
1 Ugin, the Spirit Dragon

Nach meinen zwei Byes begann das Turnier auch eigentlich ganz angenehm für mich, nämlich mit einem Sieg gegen GR Devotion. Das Devotion-Matchup finde ich interessant, weil ich es völlig anders empfinde als die meisten Abzan-Control-Spieler: Ich hab schon superviele Artikel gelesen, wo die Leute meinten, dass Devotion ein richtig schlechtes Matchup für Abzan Control sei, und auch Andi hatte seiner eigenen Aussage zufolge eine Menge Bammel vor dem Matchup. Und ich verstehe einfach nicht ganz warum. Nicht nur finde ich das Matchup längst nicht so schlimm für uns wie beschrieben, ich spiele sogar wirklich gerne gegen Devotion. An dieser Stelle gibt es drei Möglichkeiten: Entweder ich bin ein sicker Zocker, der selbst die schlechtesten Matchups noch crusht; oder ich hatte bislang einfach nur richtig viel Glück dagegen; oder aber ich habe etwas ganz Fundamentales über dieses Matchup verstanden, das der Rest der Welt nicht versteht. Klingt irgendwie alles unwahrscheinlich. Hm.

Der Trick in dem Matchup ist es, einfach ganz hart das Control-Deck zu spielen und nicht zu stark ins Hintertreffen zu geraten. Wenn man nur lang genug 1:1 abtauscht, ohne zu sterben, wird Devotion irgendwann von der Grundstruktur seines Decks eingeholt, denn mit 36 Manaquellen auf 60 Karten flooded man zwangsläufig irgendwann raus. Gleichzeitig haben wir mit Languish endlich ein gutes Tool, um ihre Manaquellen zu handlen, wodurch Genesis Hydra sehr viel kleiner wird und Dragonlord Atarka oft auf der Hand versauert. Am häufigsten verliert man, wenn der Devotion-Mann immer einen Threat voraus ist – zum Beispiel wenn er Turn 3 on the Play einen Xenagos, the Reveler legt (die gefährlichste Karte), man in seinem eigenen Turn Hero’s Downfall spielen muss und er dann mit Whisperwood Elemental nachlegt. Dann muss man in seinem eigenen Turn nochmal den Removal-Spell spielen UND man hat schon zwei 2/2 Kreaturen gegen sich, plus was auch immer er in seinem fünften Turn nachlegt. Wenn wir aber zum Beispiel on the Play sind und er „nur“ einen Polukranos, the World Eater hat, können wir ihn noch in seinem Turn 1:1 beantworten und das Tempo ist auf unserer Seite. Irgendwann haben wir dann wahrscheinlich alles beantwortet und können mit Elspeth, Sun’s Champion aufräumen gehen. Ansonsten ist das Sideboarden vielleicht noch ein bisschen tricky, weil man heilige Kühe wie Siege Rhino cutten muss (zu klein, passt nicht in den Control-Plan), aber mit ein bisschen Übung ist das Matchup auf jeden Fall ordentlich für uns, denke ich.

In der vierten Runde verliere ich das Mirror gegen Nicholas Lovett, aber wenigstens habe ich ihn im ersten Spiel ordentlich drangekriegt. Dort ziehe ich nämlich mit sechs Ländern im Spiel Nissa, Vastwood Seer, lege aber als Erstes ein Windswept Heath als siebtes Land und spiele dann erst meine Nissa. Das hat Nicholas sichtlich verwirrt, weil warum würde ich nicht einfach als siebtes Land den von Nissa gelieferten Forest legen, damit ich sie gleich flippen kann? Nichtsdestotrotz spielt er in Response auf den Enters-the-Battlefield-Trigger ein Hero’s Downfall auf meine Nissa – woraufhin ich wiederum mein Fetchland opfere, eine Plains suche, dadurch einen Land Drop generiere und die Nissa flippt, wodurch das Downfall wiederum kein gültiges Ziel mehr hat. Meine aktive Nissa, Sage Animist gewinnt dann wenige Züge später. (Das ist wirklich der allerwichtigste Tipp, wenn man Abzan Control spielt: Holt das Maximale aus euren Fetchländern raus und opfert sie nie einfach so zum Deck ausdünnen! Fetchländer sind potenzielle Extrakarten mit Courser of Kruphix, Removal-Versicherung für eure Nissa und noch viel, viel mehr.)

Dieses Play hat den guten Nicholas so sehr beeindruckt, dass er mir noch nach dem Match Komplimente dafür gemacht hat, wie gut ich doch gespielt hätte – was lustig ist, weil ich hab das dritte Spiel höchstwahrscheinlich weggeworfen. :) (Ich spiele Abzan Charm auf seinen 4/4 Hangarback Walker, im vollen Wissen, dass er ihn in Response pumpen und mit Hero’s Downfall für fünf Thopter Token zerstören kann – aber ich dachte, das wird er nicht tun, weil er lieber meinen Planeswalker zerstören will. Hab dann schnell selber gemerkt, dass es sehr viel besser ist, mich einfach mit fünf 1/1 Fliegern totzuhauen.) Das mit den Komplimenten ist wirklich eine nette britische Eigenheit: Mein Gegner aus Runde 6 hat mich nach seiner Niederlage im Mirror ebenfalls mit Lobpreisungen überhäuft, wie gut ich doch gespielt hätte – dabei ist es wirklich nicht so schwer zu gewinnen, wenn man vier Planeswalker liegen hat und der Gegner null. Andernorts wird man noch ganz klassisch als der Lucker beschimpft, der man wahrscheinlich auch ist, wenn man nacheinander Ajani, Elspeth, Nissa, Ugin ausspielt. In Großbritannien hingegen kassiert man noch Lob dafür.

Der Rest des Tages war dann nicht so spannend. Ich gewinne die restlichen fünf Runden allesamt, so dass ich am Ende des Tages 8-1 stehe – was aber weniger meinen sicken Plays zu verdanken ist als vielmehr meinen Siege Rhinos, die ich sehr viel häufiger gezogen habe als meine Gegner. (Gut, manche von ihnen haben auch den schwerwiegenden Fehler begangen, gar keine Siege Rhinos zu spielen … ) Abgesehen von besagtem Mirror in Runde 6 gewinne ich noch zweimal gegen Jeskai, einmal gegen Mono Rot und einmal gegen UB Control. Vor letzterem hatte ich echt Bammel, weil unsere Liste gar nicht auf das Control-Matchup ausgerichtet war, aber ich konnte ihm immer sein Dig through Time thoughtseizen und danach hat er irgendwie nichts mehr Relevantes gezogen. Diese Control-Decks kommen mir wirklich manchmal so vor, als bestünden sie aus vier Dig plus 56 random Karten, die man halt auch noch spielen muss.

Insgesamt war ich also schon recht froh darüber, bei meiner ursprünglichen Deckwahl geblieben zu sein, auch wenn Sascha mit der Last-Minute-Tech ebenfalls 8-1 gegangen ist. Aber gut, Sascha ist momentan so hot, dass er das wahrscheinlich auch mit dem sprichwörtlichen Schinken-Sandwich hinbekommen hätte. (Siehe auch: WMCQ Hamburg letzten Samstag.) Mike und seine Thopter schafften es mit 7-2 ebenfalls in den zweiten Tag, während Andi unglücklich sein Win-and-In verlor.

Dieser Tag hat mir auch wieder eine Stärke des Decks vor Augen geführt, die man erst wahrnimmt, wenn man es schon eine Weile gespielt hat: Die Gegner haben keine Ahnung, wie sie gegen uns sideboarden sollen. Ich frage meine Gegner nach unseren Matches immer interessehalber, wie sie geboardet haben, und ich kann gar nicht zählen, wie viele Anger of the Gods und Bile Blight, wie viele Dromoka’s Command und Unravel the Aether mir präsentiert wurden. Ein relativ unlineares Deck wie Abzan Control, das keinen festen Gameplan hat, erschwert es den Gegnern wirklich immens, ihr Deck an uns anzupassen.

(Einschub: Ich glaube wirklich, dass schlüssiges Sideboarden die mit Abstand größte Edge ist, die man sich außerhalb des Gameplays im modernen Magic holen kann. Sideboarding ist einer der wenigen Bereiche des Spiels, in denen es entscheidend ist, ein Grundverständnis vom eigenen Deck und seiner Rolle im jeweiligen Matchup zu haben, und das ist ganz selten etwas, das man sich in Strategieartikeln anlesen kann. Manche Autoren präsentieren zwar Sideboard-Pläne, aber die sind auch nur so lange nützlich, wie sie mit der eigenen Liste perfekt übereinstimmen und der Gegner keine wilden Card Choices ins Feld führt. Zwischen Sideboard-Pläne anwenden und Sideboard-Pläne verstehen ist eben schon noch ein Unterschied.)

Um hier eine sahnemäßige Überleitung zum zweiten Tag zu schaffen: Unterschiedlich verlief auch mein Sonntag im Vergleich zum Samstag. (Yessssssss) Day 2 begann lustig, aber sieglos mit einer Niederlage gegen … Sascha. Na danke. Unserer Meinung nach wäre dieses hochklassige Nord-Süd-Duell natürlich das perfekte Feature Match gewesen, aber no Dice. (Das ist eine Tech, die ich von einem bekannteren deutschen Spieler gelernt habe, dessen Name hier unerwähnt bleiben soll: Jedesmal, wenn die Judges vor Beginn der Runde die Feature Matches ausrufen, ganz überrascht tun, dass man diesmal keins bekommen hat. Ich weiß zwar nicht, ob der besagte Spieler nur trollen will oder wirklich der Meinung ist, er hätte jede Runde ein Feature Match verdient, aber Tech bleibt Tech.)

Aber im Endeffekt war’s ganz gut so, denn es müssen ja nicht unbedingt mehr Leute als nötig sehen, wie ich in Spiel 3 von Sascha eingemacht werde. Wobei ich dieses dritte Spiel vielleicht hätte gewinnen können: Sascha ist on the Play und legt Turn 2 einen Hangarback Walker. Meine Hand ist: Windswept Heath, Sandsteppe Citadel, Fleecemane Lion, Abzan Charm und noch ein bis zwei irrelevante Spells. What’s the Play? Spiele ich Fetchland, Löwe und gehe das Risiko ein, Turn 3 kein Abzan Charm spielen zu können, wenn ich kein ungetapptes Land ziehe? Oder mache ich einfach Citadel, Go, wodurch mein Löwe erst mal auf der Hand versauert, ich aber sofort eine Antwort auf ein eventuelles Turn-3-Play von ihm parat habe?

Nach einigem Überlegen habe ich mich für den Fleecemane Lion entschieden, weil ich mir dachte, dass sich dieses Play nur dann rächt, wenn er in seinem dritten Turn ein Tier spielt, das größer ist als mein Löwe (also Anafenza, the Foremost) UND ich kein ungetapptes Land für meinen Charm ziehe. Aber es kam, wie es kommen musste – er spielt Anafenza, ich ziehe nur einen Tempel und ich werde für meine Gier direkt bestraft. Als ich seinen 4/4er charmen kann, legt er schon einen Siege Rhino hinterher und ab da bin ich einfach immer einen Schritt hinten dran, bevor mir ein Herald of Torment den Garaus macht.

Ich habe danach noch lange überlegt und mit vielen anderen Leuten gesprochen, was sie gemacht hätten (ohne Konsens), und mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass es einen Fehler war, den Löwen zu legen. Das einzige Universum, in dem es besser ist, den Löwen zu spielen, ist eines, in dem Sascha kein Turn-3-Play hat, und das ist einfach super-unwahrscheinlich. Sascha hat – wie jeder Hamburger – eine beachtliche Range an Quatsch-Händen, die er keept, aber eine Hand, die nur Turn 2 Hangarback Walker als frühes Play hat, würde sogar er zurückschicken. Will sagen: Die mögliche Belohnung für dieses Play ist viel, viel kleiner als die mögliche Strafe, und deswegen war es wahrscheinlich falsch.

Die nächste Runde gewinne ich relativ problemlos gegen Jeskai, bevor ich zum wahrscheinlich verrücktesten Match meines Wochenendes antrete. Mein Gegner ist ein Franzose mit einer etwas anderen Version des rot-grünen Drachen Decks, das zusätzlich zum Tag Team aus Stormbreath Dragon und Thunderbreak Regent auch noch Sarkhan, the Dragonspeaker und Whisperwood Elemental ins Feld führt. Mono Fünf-Drop Control sozusagen. Im ersten Spiel traden wir beide viel miteinander ab, so dass wir beide irgendwann keine Permanents und keine Handkarten mehr haben, er jedoch noch eine Nissa, Sage Animist kontrolliert. An der Stelle überlege ich schon, aus Zeitgründen zu conceden, weil ich durch seine Nissa Zug um Zug stärker ins Hintertreffen geraten werde und mein Gegner wirklich uuuuuuuuuuunglaublich langsam spielt – was sogar den interessehalber zusehenden Judge dazu bringt, sich gelangweilt abzuwenden, aber nicht dazu, mal ein Slow Play Warning zu verteilen. (Ein Teil des Turnierspiels, den ich wirklich äußerst frustrierend finde, aber dazu später.)

Einfach so aufzugeben konnte ich aber auch nicht übers Herz bringen, denn immerhin könnte er ja auch mal zwei Turns bricken und ich ein Hero’s Downfall oder so ziehen, wodurch das Spiel wieder offen wäre. Also sage ich noch mal Go, er enttappt, zieht eine Karte, aktiviert die +1-Fähigkeit seiner Nissa … und zieht noch eine Karte, ohne sie vorzuzeigen.

Oh, oh.

Ich rufe sofort den Judge und wir erklären ihm beide die Situation. Der Judge meint, das wäre eine simple Game Rule Violation und das würde lediglich ein Warning geben, zur Sicherheit würde er aber nochmals Rücksprache mit dem Head Judge halten. Mit dem Ruling war ich sogar einverstanden, weil es offensichtlich war, dass hier keine böse Absicht und auch kein Cheating-Potenzial vorlag – mein Gegner hat auch sofort seine Hand vorgezeigt und sie bestand aus Mountain und Draconic Roar. In dem Moment fällt mir aber diese Geschichte mit Patrick Chapin und Ajani, Mentor of Heroes von einer der letzten Pro Touren ein – gab’s dafür nicht ein Game Loss? Ohje. In dem Moment kommt auch schon der Head Judge zu uns an den Tisch:

„I am sorry, but I’m going to have to issue a Game Loss for that.“

Mein Gegner fällt natürlich aus allen Wolken und versucht mit dem Head Judge zu diskutieren, aber das führt offensichtlich zu nichts. Der Head Judge macht ihm sogar klar, dass sie diese Regelung selber blödsinnig findet, aber sie nun mal anwenden muss und dass es unwahrscheinlich ist, dass sich hier regeltechnisch in Zukunft etwas ändern wird. Es ist echt eine seltsame Situation, wenn es eine Regel gibt, mit der wirklich ALLE unzufrieden sind (inklusive mir, dem Gegner), aber sie trotzdem zur Anwendung gebracht werden muss. Hätte ich mit 100-prozentiger Sicherheit gewusst, dass die Konsequenz meines Judge Calls ein Gameloss sein würde, hätte ich wahrscheinlich gar keinen Judge gerufen, und das kann ja auch nicht die Lösung sein. (Andererseits ist es irgendwo Karma, dass mein Gegner so ein blödsinniges Gameloss erhält, nachdem er uns mit seinem Slow Play locker sieben, acht Minuten unserer gemeinsamen Zeit gekostet hat.)

Im zweiten Spiel agiert mein Gegner immer noch unfassbar laaaaangsam, obwohl er 0-1 hinten liegt, und er sieht auch keinen Grund, meinen gut gemeinten Aufforderungen nachzukommen, sich doch ein bisschen mehr zu beeilen. (Dem daneben stehenden Judge war’s ebenfalls – mal wieder – egal.) Sein Glück, dass ich das zweite Spiel tüchtig verzocke, weil ich nicht weiß, was meine eigenen Karten machen. Mein Gegner hat abermals einen ziemlich guten Draw und flooded das Board mit Mana-Kreaturen, Coursern und Thunderbreak Regent. Ich finde die ganze Zeit kein Languish, um sein Board abzuräumen und zu allem Überfluss weiß ich von seinem Courser of Kruphix, dass er ein Whisperwood Elemental oben auf der Bibliothek liegen hat – bald ist also auch ein Languish kein Out mehr. Ich ziehe meine Karte (eine Nissa, Vastwood Seer) und sehe mit meinem eigenen Courser oben … Languish! Na toll, ohne Spot-Removal für das Whisperwood Elemental bist du genau einen Turn zu spät, hrmpf. Die einzige Möglichkeit, wie ich in diesem Turn an das Languish rankomme, wäre die +1-Fähigkeit von Nissa, aber diese mischt ja zuerst einmal meine Bibliothek, bevor ich sie flippen und aktivieren kann.

…dachte ich.

Denn was ich durchaus machen kann, ist Nissa zu spielen, nicht zu suchen (May-Ability), und die Nissa mit Hilfe meiner Llanowar Wastes von der Hand zu flippen, ohne mischen zu müssen. Dadurch hätte ich auch noch praktischerweise genau vier Mana für Languish übrig gehabt. Aber dass es eine Option ist, ihren Enters-the-Battlefield-Trigger nicht auszuführen, habe ich in diesem Moment einfach nicht gecheckt. Das sind wohl die Momente, die den durchschnittlichen Zocker vom guten Zocker unterscheiden. Argh. Ich mache also irgendwelchen anderen Quatsch, fresse im nachfolgenden Turn viel mehr Schaden als ich eigentlich müsste und sterbe dann an einem getopdeckten Stormbreath Dragon. Wenn ich sein Board sofort wrathe, verliere ich mit meiner nachfolgenden Elspeth wahrscheinlich nicht mehr.

Im dritten Spiel wird die Zeit (offensichtlich) knapp, aber ich wähne mich in einer ganz guten Ausgangssituation, bis er wieder vier Fünfer-Drops am Stück von oben zieht und mir langsam das Removal ausgeht. In seinem fünften Extra Turn kontrolliert er einen monströsen 7/7 Stormbreath Dragon und einen Deathmist Raptor. Ich kontrolliere einen Siege Rhino und bin auf zehn Leben. Er hat also eine Menge Outs – entweder Removal für mein Nashorn, Direct Damage ins Gesicht oder ein weiteres Haste-Tier, nachdem meine letzte Handkarte ein Land ist. Er zieht, macht einen unglücklichen Gesichtsausdruck und greift mit beiden Tieren an. Ich blocke den Raptor und freue mich schon, dass er anscheinend nichts gezogen hat. Nach dem Trade gehe ich auf drei und der fünfte Extrazug ist vorbei – Draw also. Da fällt mir auf, dass seine hinter ihm stehenden Freunde allesamt kreidebleich im Gesicht sind und ich frage mich schon, was hier los ist … bis mein Gegner laut „Oh no!“ schreit und frustriert seine Handkarte auf den Tisch schmeißt.

Draconic Roar.

Wtf. (Ich frage mich sowieso, was dieses Roar in Spiel 3 überhaupt noch im Deck zu suchen hat, aber gut.) Verrücktes Match. Er schafft es nicht, die beiden Spiele zu gewinnen, die er eigentlich hätte gewinnen müssen, und ich schaffe es, das eine Spiel zu verlieren, das eigentlich an mich hätte gehen müssen. High Level Magic, wohin man auch blickt.

Im Rückblick hätte ich diese Runde aber wohl besser concedet, denn jetzt befinde ich mich im Draw Bracket und dort steigt die Chance exponenziell, irgendwelche Quatsch-Decks wie Constellation oder Sphinx’s Tutelage anzutreffen, gegen die man als Abzan-Control-Pilot wirklich nicht spielen möchte. Wie bestellt darf ich dann auch in der nächsten Runde gegen GW Constellation antreten, kann mir aber heroisch nochmals einen Draw erkämpfen. Da bin ich tatsächlich ein bisschen stolz auf mich, dass ich dieses zweite Spiel noch gewonnen habe, weil ich eigentlich schon längst hätte tot sein sollen, ich ihn aber mit seinem Den Protector zu einem massiven Misplay verleiten kann. (Ich zettele einen irrelevanten Kampf mit Dromoka’s Command an, den er unbedingt gewinnen will, weswegen er sich mit seinem Den Protector sein eigenes Dromoka’s Command holt, anstatt einfach Mastery of the Unseen, Starfield of Nyx oder Elspeth, Sun’s Champion zurückzuholen, mit denen er sofort gewinnen würde. Ich enttappe, spiele eine Elspeth, die ich mir oben hin gescryed habe und töte ihn mit ihrer Ultimate.) Das hält ihn natürlich nicht davon ab, sich nach dem Match bei seinem Buddy auf Französisch über seinen schlechten Draw zu beschweren, aber whatever.

Im x-2-2 Bracket darf ich auch direkt nochmal gegen Constellation antreten (und werde diesmal ordentlich vermöbelt), wie auch gegen einen abermals unfassbar langsamen GW-Aggro-Spieler, aber da war’s egal. Wenn ich eh nie meinen dritten Land Drop treffe, kann er sich ruhig alle Zeit nehmen, die er braucht. Am Ende lande ich also mit einem unbefriedigenden 9-4-2 weit außerhalb der Preisränge. Aber wer weiß – gegen Sascha hätte ich womöglich gewinnen können und gegen den RG Dragon Franzosen auch, von daher lag’s ganz allein an mir selbst. Außerdem hätte ich gegen den Franzosen auch einfach aufgeben können, um dem Draw Bracket zu entgehen und bessere Matchups zu kriegen. Aber ich hatte die Hoffnung, statt Constellation ein paar sweete Mirror Matches abzubekommen, weil in denen fühle ich mich ganz geübt.

Kleiner Einschub zu Slow Play und Draws: Ich bin momentan ein bisschen frustriert, was dieses Thema angeht, weil ich in letzter Zeit wirklich übermäßig viele langsame Gegner hatte. Vor London habe ich zwei Modern-PPTQs mit Grixis Twin gespielt, wo ich immer das Gefühl hatte, dass mir vielleicht 25 Prozent der Rundenzeit zur Verfügung stehen und meine Gegner die anderen 75 Prozent für sich beanspruchen. Ich habe es auch schon aufgegeben, bei Slow Play den Judge zu holen, weil der in solchen Situationen eh nichts ausrichten kann oder will – siehe der Judge aus meinem Spiel gegen den Drachenmann.

Das Problem ist dabei nicht nur, dass manche Spieler zu langsamen, komplizierten Decks greifen, mit denen sie zu wenig Übung haben. (Bei einem der beiden Modern-PPTQs gab es angeblich einen Grixis Control Spieler, der vier Draws in sechs Runden angesammelt hat.) Das Problem ist auch, dass viele Spieler einfach viel zu langsam sind, was die grundlegenden Aktionen des Spiels angeht. Ich kenne Leute, die 30 Sekunden brauchen, um korrekt ihr Mana für einen Spell zu tappen. Oder die unbedingt auf nutzlose, zweiminütige Pileshuffles vor jedem Spiel bestehen. Oder die (mein Favorit) in jedem Drawstep die Karte gaaaaaanz langsam über den Tisch ziehen, bevor sie die Karte endlich in ihre Hand nehmen. Das sind alles kleine Dinge, aber gerade bei langsamen Decks summieren die sich einfach. Ich schwöre: Wenn ihr zu viele Draws kassiert, bemüht euch einfach schneller zu tappen und zu ziehen und lasst den Quatsch mit dem Pileshuffeln – schon werdet ihr auf jeden Fall weniger Draws haben. Satisfaction guaranteed!

Ich bin auch der Meinung, dass das Draw Bracket abgeschafft werden sollte. Stattdessen sollten Spieler im Draw Bracket einfach gegen Leute ohne Draws hoch- oder runtergelost werden. Einerseits erzeugt das Draw Bracket ein verzerrtes Sub-Metagame, weil ein Deck wie Mono-Rot dort schlichtweg nicht existent ist. Und andererseits begünstigt das Draw Bracket weitere Draws, weil es tendenziell langsame Spieler und/oder langsame Decks gegeneinander paart. Dadurch verzögert es auch unnötigerweise den gesamten Turnierablauf. Es gibt bestimmt gute Gründe für den Erhalt des Draw Brackets, meine Idee ist jetzt auch nicht hundertprozentig durchdacht – also wenn ihr Argumente dafür (oder dagegen!) parat habt, lasst es mich einfach in den Comments wissen.

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Was ist jetzt die Lösung in diesem Standardformat? Gute Frage. Ich muss definitiv zugeben, Abzan Aggro unterschätzt zu haben. Mein Hauptargument gegen das Deck war immer das schlechte Matchup im Quasi-Mirror, aber mittlerweile ist das Matchup gefährlich nahe an der 50:50-Grenze. Brad Nelson glaubt sogar, dass Abzan Aggro ein gutes Matchup gegen die Control-Variante hat, wodurch Letztere endgültig obsolet wird. Diese Perspektive halte ich für übertrieben, aber Fakt ist, dass Hangarback Walker dem Deck wirklich sehr viel mehr geholfen hat, als ich vermutet hätte. Ich dachte immer, dass der Walker keine große Sache für Abzan Control ist, weil man ihn mit Abzan Charm handlen kann, aber dieses Argument gilt nur so lange, wie man auch tatsächlich einen Abzan Charm parat hat – denn in vielen Fällen musste man den Charm zuvor schon auf einen anderen Threat verwenden. Im Gegenzug liefert der Walker Resistenz gegen Languish, Synergien mit Anafenza, the Foremost und Dromoka’s Command sowie einen herausragenden frühen Blocker gegen Mono-Rot. Wahrscheinlich hätte ich mir das Matchup von Abzan Aggro gegen Abzan Control nochmal genauer ansehen müssen, dann wäre mir das hoffentlich ebenfalls aufgefallen.

Da will ich also auf jeden Fall noch ein bisschen Feldforschung betreiben, und bis zum Grand Prix Prag am Wochenende will ich auch noch an ein paar Control-Decks weitertüfteln. Till Riffert meinte schon in London zu mir, dass Control eigentlich total gut positioniert sein müsse momentan, und ich kann mir gut vorstellen, dass er (wie so oft) recht hat. Immerhin ist das Metagame relativ kreaturenlastig und klar definiert, was es einem Control-Deck erleichtern sollte, dem Feld aufzulauern. Mal schauen, was die nächsten Tage bringen.

Wir sehen uns dort!
Flo

12 Gedanken zu „Abzan Control at GP London, Part 2

  1. Zeromant

    War das jetzt sinnvoll, auf deutsch umzuschwenken? Bei Deinem Content verlierst Du doch kaum Leser, wenn Du auf englisch bloggst; aber vermutlich jeden einzelnen internationalen Leser (Ösis etc. sind natürlich deutsch im Sinne dieser Vermutung).

    Antworten
    1. handsome Beitragsautor

      Gut möglich, ist mehr so ein Testversuch. Andererseits kann ich mir auch gut vorstellen, dass viele Spieler sich von englischem Content abgeschreckt fühlen. (Siehe meine Umfrage.) Wir werden sehen. Allerdings hab ich schon gemerkt, dass es mir viel schwerer fällt, Magic Content auf Deutsch zu schreiben als auf Englisch.

      Antworten
      1. Zeromant

        Naja, ich hätte aus Deiner Umfrage eigentlich genau den entgegengesetzten Schluss gezogen, wenn 8/30 der Leute für Englisch abstimmen. Schließlich sind die Stimmen für Deutsch eher ein „mir ist Deutsch lieber“, und die für Englisch eher ein „auf Deutsch kann ich Dein Blog gar nicht lesen“.

        Ich denke auch, Du schreckst weniger mit der Sprache als mit dem Content selbst ab. Du schreibst halt zu 99% aus der Perspektive des ernsthaften Turnierspielers. Damit können die ganzen Küchentisch-Spieler so oder so nichts anfangen.

        Antworten
        1. Nico

          Also bei mir als hauptsächlichem „Küchentisch-Spieler“ (im Sommer übrigens gern auch „Gartentisch-Spieler“) hat der Artikel gerade wegen der Perspektive des Turnierspielers gefallen. Ich war noch nie auf einem großen Magicturnier und es ist interessant zu lesen, mit was man sich da so herumschlagen muss. Slow play tritt am Küchentisch nämlich nur nach der sechsten Halben auf 😉
          Ich lese solche Artikel übrigens auch lieber auf Deutsch, sofern sie (so wie deiner hier) vernünftig geschrieben sind. Aber das ist natürlich auch der Bequemlichkeit geschuldet. Gibt es keine Möglichkeit zu schauen, wie viele Leser du für deinen englischen Artikel hattest und wie viele für deinen deutschen?

          Antworten
          1. Immanuel

            Erst mal danke für den starken Artikel, mir gefällt die Perspektive und auch dein Ton wirklich gut, irgendwie witzig und mit einem Augenzwinkern aber halt auch ernsthaft und ambitioniert. Genau so sollen Beiträge sein, ist auch nicht unnötig in die Länge gezogen sondern im Umfang genau richtig (gibt es ja auch anders..). Zu der deutsch-englisch-Diskussion: Die Frage ist doch, warum man generell auf magicblogs.de auf Englisch schreiben sollte. Seid mir nicht böse, aber internationales Publikum werdet ihr nicht im großen Stil gewinnen. Also mein Tipp: Schreibt doch auf Deutsch und gebt auch den Leuten ein bisschen Futter, die vielleicht noch ein bisschen jünger sind oder einfach nicht so fit im Englischen. Mir persönlich ist die Sprache egal aber ich glaube, dass viele andere froh sind, wenn es Magic-Content auch mal auf Deutsch gibt und nicht nur von den (natürlich sehr guten) US-Seiten.

  2. Matshup

    Das der Text hier auf Deutsch ist, war der einzige Grund für mich ihn zu lesen. Es ist einfach angenehmer in der Muttersprache zu lesen – und ja, ich kann Englisch, es ist einfach eine Frage der Bequemlichkeit.

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  3. Lord Sonntag

    Ich finde beide Sprachen angenehm zu lesen. Ob auf Deutsch oder Englisch ist mir egal, solange der Inhalt gut ist. Was hier definitiv der Fall ist 😉

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  4. Rob Anybody

    Ich habe für Deutsch gestimmt und bin zufrieden mit dem, was Flo abgeliefert hat. Einige Grammatikfehler sind für einen Blog völlig in Ordnung und der Stil gefällt mir!
    Weiter so!

    Antworten
  5. Purgatorium

    Vielen Dank das du diesen Guten Artikel auf Deutsch verfasst hast.
    Auch ich hätte mir dann wahrscheinlich nicht die Mühe gemacht diesen Artikel auf Englisch zu lesen.

    Für mich als nicht t2 Spieler war es sehr erfreulich einen guten Turnierbericht zu lesen.

    Weckte direkt das Interesse ebenfalls ein deck zu bauen und zu zocken.

    Freue mich darauf weitere deutsche Berichte zu lesen. Und viel Erfolg in Prag!

    Antworten
  6. Sandretta

    Ich finde den Artikel locker und unterhaltsam. Auf Englisch hätte ich mir den nicht durchgelesen, dafür wäre er mir zu lang.

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  7. Pingback: UW Control in Prag (*37.*) | Swimming with Dolphins

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