UW Control in Prag (*37.*)

Nach meiner Rückkehr aus London waren es nicht mal mehr zwei Wochen, bis schon der nächste Standard Grand Prix in Prag anstand. Nicht so viel Zeit zum Testen also, aber das war okay. Im Notfall hätte ich immer auf irgendein Abzan-Deck zurückgreifen können, denn immerhin habe ich mit Sascha Schwarz den vielleicht besten Abzan-Aggro-Spieler Deutschlands im Team, der mich auf jeden Fall mit einer soliden Liste versorgen hätte können. Und Andi Reling plus ich wissen ja auch ein paar Dinge über Siege Rhino. (Zumindest haben wir mehr Spitznamen für den guten Doktor als die meisten Magic-Spieler, das zählt ja wohl auch.)

Das gab mir den Luxus, in den verbliebenen eineinhalb Wochen ein bisschen abseits der bekannten Pfade zu wandeln, vor allem was blaue Control-Decks anging. Ich hatte schon an Day 1 in London eine interessante Konversation mit Till Riffert, der es im Hinblick auf das dortige Feld stark bereut hat, GW gespielt zu haben statt irgendein Kontroll-Deck. Immerhin, so Till, sei das Meta relativ klar definiert gewesen mit allen möglichen grünen Decks.

Die Argumentation leuchtete mir ein. Zusätzlich hatte ich den Spruch von Reid Duke aus einem seiner letzten Artikel im Kopf: Es gibt nicht Besseres, als Control zu spielen, wenn es eigentlich schlecht ist. Wenn Control schlecht ist, spielt es niemand sonst, und wenn es niemand sonst spielt, muss man keine Mirrors spielen. Richtig klassische Control-Mirrors sind schrecklich und meiner Erfahrung zufolge auch längst nicht so skillintensiv, wie immer behauptet wird, solange man die Basics verstanden hat. (Wichtigste Regel: Triff deine Land-Drops.) Zusätzlich zwingen einen andere Control-Decks schnell in ein absurdes Wettrüsten, durch das man weniger Sideboard-Slots für das restliche Feld hat, wegen dem man eigentlich Control spielt.

Da mir blaue Control-Mirrors ein Graus sind, habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr in einem wichtigen Turnier Kontrolle pilotiert, auch wenn Decks wie UW oder Esper Dragons an verschiedenen Punkten klar die beste Choice waren. Aber diesmal schien mir das Metagame perfekt. Ein immer noch recht midrangiges Abzan-Deck hat den letzten Grand Prix gewonnen, und die offensichtlichste Waffe gegen diese Decks waren rote Decks mit Stormbreath Dragon, deren ohnehin schon recht ordentliche Präsenz sich dadurch definitiv weiter verstärken wird. Und beide Archetypes sind durch ihre Grundstruktur anfällig für Counterspells. Anders formuliert: In einem Feld, in dem die eine Hälfte versucht, mit ihren Fünf-Mana-Drachen das Vier-Mana-Nashorn der anderen Hälfte zu überlisten, will ich auf jeden Fall derjenige sein, der Clash of Wills castet.

Vor allem Sascha widersprach mir bei diesem Gedankengang, weil er mit Control in großer Zahl rechnete und ich dann eben doch wieder viele Slots auf das Mirror verschwenden müsste – immerhin kämen die anderen sicher zu ähnlichen Schlüssen wie ich. Aber das hielt ich für Overthinking. Einen ganz ähnlichen Denkfehler hatte ich in Krakau gemacht, wo ich fest damit rechnete, dass alle mit Decks antreten würden, die das offensichtlich beste Deck im Raum (Esper Dragons) besiegen würden. Doch bei einem Feld von 1.500 Spielern denken die wenigsten um so viele Ecken, sondern zocken einfach das, worauf sie Bock haben oder was bei den letzten Turnieren Top 8 gemacht hat. Und bei der kleinen Minderheit, die Control auf dem Schirm hat, ist ebenfalls noch nicht gesagt, dass sie es dann auch tatsächlich spielen würden.

Meine Überlegungen schienen mir ganz plausibel, aber dummerweise fehlte mir noch eine gute Liste, mit der ich endlich mal hätte testen können. Die wenigen Control-Listen, die es auf Magic Online gab, schienen mir nicht sonderlich durchdacht. Zum Glück hatte Sascha eine gute UW-Liste für mich, die er via Facebook dem dänischen Wunderkind Martin Müller abgeluchst hat, der das Deck schon in London zu einem Day-2-Finish pilotiert hatte. Wir überspringen mal den langweiligen Testing-Prozess und hüpfen zum schlussendlichen Deck:

UW Control – Grand Prix Prag 2015

4 Temple of Enlightenment
4 Tranquil Cove
4 Flooded Strand
4 Island
4 Plains
4 Radiant Fountain
1 Polluted Delta
1 Mage-Ring Network
1 Haven of the Spirit Dragon

4 Jace, Vryn’s Prodigy

4 Dig Through Time
1 Divination

4 Clash of Wills
4 Dissolve
4 Ojutai’s Command

2 Perilous Vault
1 End Hostilities

4 Last Breath

3 Elspeth, Sun’s Champion
1 Ugin, the Spirit Dragon
1 Secure the Wastes

SB:
3 Encase in Ice
2 Glare of Heresy
2 Revoke Existence
2 Mastery of the Unseen
2 Negate
2 Disdainful Stroke
1 Fated Retribution
1 Pearl Lake Ancient

Ich kann nichts darüber sagen, ob die UW-Version besser ist als die Dimir-Version oder Esper Dragons, weil ich die anderen Varianten aus Zeitgründen nicht getestet habe. UW hat mir gegen die Decks, die ich erwartete – also vor allem Abzan und die Drachen-Decks – so gut gefallen, dass ich die vorhandene Zeit lieber ausschließlich darauf verwenden wollte. Im direkten Aufeinandertreffen sind die Listen mit Schwarz logischerweise vorne, weil sie Thoughtseize und Ashiok, Nightmare Weaver haben, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob sie wirklich superweit vorne sind. Immerhin haben wir viele Counter und mit Mastery of the Unseen eine sehr gute Sideboard-Karte für diese Matchups.

Aber ich beschloss ja ohnehin, den Control-on-Control-Matchups nicht übermäßig viel Bedeutung beizumessen. So in der Theorie fallen mir allerdings ein paar Argumente für die UW-Version ein: Elspeth, Sun’s Champion ist der beste Finisher im Format (und generell immer noch wahnwitzig unterschätzt, aus irgendwelchen Gründen); und Karten wie Hero’s Downfall sind nicht mehr so wichtig, wenn es tatsächlich ein legitimer Gameplan ist, alle relevanten Bedrohungen einfach zu countern. Ein Telefonat mit Mitfahrer (und unearthtem Ex-Pro) Sebastian „Wasti“ Thaler ergab, dass er in seinem Testing UW ebenfalls für die beste Control-Version hielt, und zwar wegen Ojutai’s Command. Das verschafft einem schon Pre-Board ein angenehmes Rot-Matchup und – was noch viel wichtiger ist – man hat durch das Command eigentlich immer einen Jace, Vryn’s Prodigy auf dem Board, seines Zeichens wohl eine der frechsten Karten im Standard.

Aus diesem Grund bezeichnete Wasti UW auch als das beste Jace-Deck im Format, was erstmal total unintuitiv wirkt, weil man in diesem Deck gar nicht so viel zum Flashbacken für Jace, Telepath Unbound hat. Wir haben eigentlich nur Dig Through Time und ein paar One-Ofs, während die UBx-Listen noch mit Thoughtseize und Hero’s Downfall als leckere Targets aufwarten können. Letztlich ist das aber gar nicht so relevant, weil man in den allermeisten Fällen eh das Dig flashbacken möchte; die anderen Optionen sind also oft gar nicht so wichtig. Plus: Durch Ojutai’s Command können wir im Gegensatz zu UB immer sicherstellen, einen Jace auf dem Feld zu haben. Viele UB-Listen haben Jace nur im Sideboard, aus Angst vor Searing Blood, aber uns kann das egal sein – selbst wenn wir gebloodet werden, können wir Jace kurz darauf wieder ausbuddeln.

Der Gameplan dieser Liste ist eigentlich schnell erklärt: Man countert oder tötet alle relevanten Bedrohungen, zieht mit zwei bis drei Dig Through Time davon und wenn man irgendwann die Kontrolle übernommen hat, legt man eine Elspeth und gewinnt innerhalb von drei bis vier Zügen. Das Deck ist daher auch wirklich nicht so schwer zu spielen, wie man zuerst glauben möchte – man countert einfach alles, was einen stört. Dig Through Time plus Jace verzeihen außerdem viele Fehler. Das Wichtigste beim Spielen dieses Decks ist es eigentlich, Geduld zu bewahren. Es gibt selten einen Grund, sich Turn 6 für eine Elspeth auszutappen, wenn man sie auch Turn 9 mit Counter-Backup legen kann. Genauso braucht man sich mit dem ersten Dig Through Time auch nicht gleich aggressiv eine Win-Option holen, wenn es ohnehin korrekt ist, sie für die nächsten paar Turns nicht auszuspielen – stattdessen sollte man lieber mit zwei Countern oder Counter + Dig Zeit gewinnen, irgendwann zieht man seine Elspeth schon von oben. Solange wir verhindern, dass der Gegner uns tötet, sind wir auch automatisch am Gewinnen.

Die am Schwierigsten zu spielende Karte ist wahrscheinlich noch Perilous Vault, denn die muss man einerseits sehr aggressiv, andererseits auch sehr geduldig spielen. Typischerweise jammt man sie einfach Turn 4 aufs Board (wenn man schon das fünfte ungetappte Mana auf der Hand hat), solange der Gegner nicht schon eine unüberwindbare Boardposition hat, und bringt ihn damit in eine üble Zwickmühle.

Nehmt zum Beispiel das Abzan Hangarback Matchup: Euer Gegner hat vielleicht Turn 2 Hangarback Walker gemacht und eine Turn 3 Anafenza, the Foremost von euch gecountert bekommen. Jetzt enttappt ihr, legt euer viertes Land und spielt Perilous Vault. Nun ist euer Gegner in der Falle: Spielt er seinen Siege Rhino (oder whatever) in die Vault rein, zwingt er euch, sie irgendwann zu zünden, dafür macht er Kartennachteil. Spielt er nichts, macht er diesen Kartennachteil nicht, dafür müsst ihr auch die Vault nicht zünden und ihr könnt in Ruhe Karten ziehen und Land-Drops machen. Egal was er macht, es ist schlecht für ihn. Meistens legt er irgendein Tier hinterher und haut euch drei Turns lang, bis ihr end of Turn (!) die Vault zündet und mit vielen Ländern im Spiel und vielen Countern auf der Hand enttappt. Perilous Vault lässt euch im Prinzip zehn bis 15 Leben dafür zahlen, dass euer Gegner sein Board für ein paar Runden nicht ausbaut, und ist daher die perfekte Karte, um euch ins Lategame zu bringen. Die Vault sieht aus wie das klobigste Two-for-One der Welt, aber ihr „unsichtbarer“ Effekt ist der eigentliche Grund, die Karte zu spielen.

Secure the Wastes war einerseits als zusätzliche Win-Option gedacht, andererseits als flexible Karte, die verschiedene Situationen lösen kann. Ich habe definitiv ein paar Spiele mit einem Secure the Wastes für 16 gewonnen (danke, Mage-Ring Network!), aber gleichzeitig habe ich auch mit X=2 Goblin Rabblemaster geblockt und mit X=5 eine resolvte Chandra, Pyromaster getötet. Secure the Wastes ist außerdem die einzige Win-Option im Deck, die wir mit Jace, Telepath Unbound flashbacken können. (Wobei die Gegner öfter gegen Dig Through Time concedet haben als gegen Secure the Wastes, heh.)

Divination war in Martin Müllers Original-Liste eine Jace’s Ingenuity, aber Divination ist besser zum Flashbacken mit Jace, trotz der Abzüge in der Flavor-B-Note. Außerdem wollte ich noch eine Karte haben, mit der man früh im Spiel Land-Drops treffen kann. Divination ist allerdings nie besonders wichtig, weswegen ich sie auch sehr oft rausgeboardet habe. Das ist der Vorteil, wenn man schlechte Karten im Maindeck spielt: Man hat immer was zum Rausboarden.

Last Breath hat gegen viele Decks nicht so viele Targets (gerade gegen Abzan Hangarback), aber in den Matchups, in denen die Karte gut ist (Jeskai, Rot, auch Abzan Control dank Nissa, Vastwood Seer und Courser of Kruphix), ist sie RICHTIG gut. Für alle anderen Matchups gibt es ja noch die Kombo mit der +1-Fähigkeit von Jace, Telepath Unbound. Definitiv besser als Swift Reckoning, weil das viel schlechter gegen Jace ist und weil man dank Delve oftmals gar kein Spell Mastery hat.

End Hostilities ist in dieser Liste einfach ein drittes, nicht ganz so klobiges Perilous Vault. Manchmal muss man Dinge eben schnell töten, und manchmal will man auch nicht unbedingt seinen Jace mitnehmen. Auch hier ist es außerdem wieder gut, für jede Rolle eine Karte zu haben, die sich mit Jace flashbacken lässt.

Ojutai’s Command war sick, wenn er funktioniert hat, gerade on the Draw ist er aber klobig wie sonst was, weswegen ich da gerne mal ein bis zwei Kopien rausgeboardet habe. Vielleicht will man lieber noch ein, zwei Dissipate haben – man will mit dem Deck eh so viele Dissolves ziehen wie nur möglich und Dissipate hat auch noch Anwendungsmöglichkeiten gegen Deathmist Raptor. Außerdem gerät man dann nicht in so peinliche Situationen wie ich gegen Mardu Dragons, als ich voller Tragic Arrogance mit drei Commands auf der Hand Go sage und meine Gegnerin Sarkhan, the Dragonspeaker slammt. Whoops.

Ugin, the Spirit Dragon hat für mich das ganze Wochenende underperformt. Fürs Aufräumen hat man Perilous Vault und Elspeth, Sun’s Champion ist die viel schnellere, billigere Win-Option. Ich dachte, Ugin plus Haven of the Spirit Dragon würden mir eine ganze Menge Widerstandskraft für grindy Matchups geben, aber Dig Through Time plus Elspeth haben da eigentlich immer gereicht. Es ist auch definitiv nice, Ugin im frühen Spiel ohne schlechtes Gewissen in einen Jace discarden zu können, weil man ja den Haven hat, aber ganz oft hat man ihn dann doch für Dig Through Time weggedelvt – einfach weil man ihn nicht wirklich gebraucht hat. Zweimal war er allerdings von Nutzen: Im UW-Mirror hat er Elspeth plus Banishing Light (auf Jace) abgeräumt, was ich definitiv zu schätzen wusste. Und gegen den Abzan-Hangarback-Gegner auf drei Leben war er mal der teuerste Lava Spike der Welt. Insgesamt würde ich den Geisterdrachen aber cutten, wodurch man auch den blöden Haven rausschmeißen kann und noch einen Slot für das zweite Mage-Ring Network hat. DAS fand ich nämlich richtig cool.

Das Sideboard war wahrscheinlich ein bisschen random, aber die meisten Karten konnte ich sogar brauchen. Encase in Ice war meine Lösung gegen Deathmist Raptor, Den Protector, die grünen Tiere von Abzan Hangarback sowie die roten Idioten aus den MonoR-Decks. Man sollte die Karte allerdings nicht öfter boarden als nötig: Gegen Goblin Rabblemaster ist das Encase beispielsweise eine eher unbefriedigende Lösung, genau wie gegen die (gefährliche) Monstrosity-Fähigkeit von Stormbreath Dragon.

Disdainful Stroke war cool, aber vor allem gut in denjenigen Matchups, die ohnehin schon gut für uns sind – wahrscheinlich also eine Win-More. Andererseits boarden auch schnellere Decks viele teurere Karten gegen uns, wogegen das Stroke dann wieder ganz nützlich ist.

Fated Retribution habe ich nie gebraucht und im Rückblick bin ich mir nicht mal mehr sicher, was ich mir bei der Karte gedacht hab. Wahrscheinlich hab ich sie mal in irgendeinem Sideboard gesehen und fand sie sweet.

Hier ein kurzer Überblick, wie mein Turnier verlief:

R1: BYE
R2: BYE
R3: Mardu Dragons – WIN 2-1
R4: Abzan Hangarback – LOSS 1-2
R5: RB Dragons – WIN 2-0
R6: UW Control – WIN 2-0
R7: Abzan Hangarback – LOSS 0-2
R8: UR Thopter – WIN 2-1
R9: Jacekai – WIN 2-0

R10: RW Aggro – WIN 2-0
R11: RG Dragons – WIN 2-0
R12: Mono White Devotion – LOSS 0-2
R13: Abzan Hangarback – DRAW 1-1
R14: Jund Midrange – WIN 1-0
R15 Abzan Hangarback – WIN 2-0

… was am Ende für ein 11-3-1 und den 37. Platz reicht, dank schlechter Tiebreaker leider knapp an der Top 32 vorbei.

Im Großen und Ganzen ist mir ziemlich genau das Feld begegnet, das ich erwartet habe: Viele Abzan-Decks; viele Drachen-Decks, die Abzan besiegen wollen; und dann noch ein paar andere Archetypen. Gegen Abzan Hangarback bin ich zwar nur 1-2-1 gegangen, aber ich glaube trotzdem, dass das Matchup gut für uns ist. Gegen Lino Burgold in Runde 4 habe ich vermutlich noch falsch gesideboardet, und in Runde 7 hab ich mir eine richtig harte „Erst Screw, dann Flood“-Runde gegönnt, in der ich überhaupt nicht mitgespielt habe. In der Draw-Runde hatte ich im fünften Extra-Turn Elspeth, Ugin und Jace auf dem Board, gegen das Nichts meines Gegners, aber dieser wollte leider nicht conceden. (Was ich verständlich finde, aber trotzdem bisschen schade für mich.) Der Fairness halber muss man sagen, dass mein Win gegen Abzan Hangarback in der letzten Runde wahrscheinlich auch nicht besonders repräsentativ war, weil es diesmal mein Gegner war, der sich in Spiel 2 hart rausgefloodet hat.

Mit einem UW-Control-Mirror hatte ich überhaupt nicht gerechnet, aber klugerweise resolve ich im ersten Spiel sechs Dig Through Time (Jace sei Dank) und mein Gegner null. Er hat aber auch immer arg in meine Counterspells reingespielt. Im zweiten Spiel sieht alles sehr offen aus, aber Turn 7 slamme ich Pearl Lake Ancient im Endstep und der haut meinen Gegner einfach tot. Ah, das skillintensive Control-Mirror. :)

Das Thopter-Deck ist höchstwahrscheinlich kein gutes Matchup für uns, aber wenn sie kein frühes Ensoul Artifact haben, so wie es Spiel 2 glücklicherweise der Fall war, geht’s wahrscheinlich noch. (Phyrexian Revoker auf Perilous Vault ist auch nervig.) Im dritten Spiel hat mein Gegner dann zwar wieder Turn 2 Ensoul on the Play, aber ich habe glücklicherweise mein reingeboardetes Revoke Existence zur Hand, und sein Thopter Spy Network kann ich mit Negate countern.

Das Jeskai-Match war sehr viel knapper, als es der Score von 2-0 aussagt, weil ich das zweite Spiel superknapp und mit nur noch fünf Minuten auf der Uhr gewinne. Wenn ich da für seine Schleife aus Lightning Strike und Soulfire Grand Master kein rettendes Clash of Wills ziehe, steht’s 1-1 und es wird super-awkward. Immerhin wird das Match dann höchstwahrscheinlich ein Draw und wir müssen rumdiskutieren, wer jetzt für wen aufgibt. Zum Glück konnte ich das vermeiden.

Die Niederlage gegen Michael Bondes mono-weißes Devotion-Deck fand ich ein bisschen schade, weil ich das Matchup für gar nicht so schlecht für mich halte – immerhin habe ich viele gute Sideboard-Karten dagegen und Perilous Vault sollte auch lecker gegen ein Deck sein, das in erster Linie möglichst viele Permanents ins Spiel bringen möchte. Aber gegen seine Turn 2 Mastery of the Unseen mache ich on the Draw vor dem Boarden nicht besonders viel. Beim Sideboarden überlege ich dann, wie viele Clash of Wills ich rausboarden will, weil die gegen seine niedrige Kurve nicht so toll aussahen und er im ersten Spiel immer hart drumrumgespielt hat. (Was ihn allerdings auch nicht viel gekostet hat mit Mastery auf dem Board.) Ich lasse dann schlussendlich zwei Stück drin, weil ich on the Play bin und dadurch noch ein paar zusätzliche Outs auf eine abermalige Turn 2 Mastery of the Unseen habe. Dummerweise muss ich Spiel 2 allerdings auf Fünf mulliganen und halte schließlich drei Länder plus die verbliebenen zwei Clash of Wills. §%&§&$! Naja, machen wir das beste draus.

Mein Gegner startet mit Plains, Soldier of the Pantheon, Plains, Soldier of the Pantheon. Doppel §%&§&$!

Michael ist jetzt also schon mit vier Power auf dem Board und kann es sich in der Folge leisten, ganz entspannt um meine Clashes rumzuspielen. Als ich mich für eine Glare of Heresy vergleichsweise niedrig tappen muss, kann er einen Brimaz, King of Oreskos resolven und das war’s dann.

Das Jund-Match war lustig, weil da das Slow Play meines Gegners ausnahmsweise zu meinem Vorteil gereicht hat. Das erste Spiel gewinne ich relativ schnell, während mein Gegner im zweiten Spiel kurz davor ist, mich dank seiner vier (!) Den Protectors auszugrinden. Aber weil er sich nicht besonders beeilt hat, kann ich mir mit einer Perilous Vault genug Zeit verschaffen, um meinen 1-0 Sieg über die Zeit zu schaukeln. #jundstice?

Moving forward

Ich werde beide kommenden WMCQ’s skippen, sogar meinen Standard Hometown WMCQ in München, von daher werde ich nicht mehr viel an dem Deck arbeiten. Ich weiß auch nicht genau, ob UW in den nächsten Wochen noch eine gute Wahl sein wird – das Matchup gegen Abzan und gegen Drachen ist schon ziemlich gut, aber nach dem Grand Prix in Prag werden wahrscheinlich wieder mehr Leute Control auf dem Schirm haben, was nur schlecht sein kann für das Deck. UW ist am Ende des Tages ein Meta-Deck – im Vakuum ist es nicht besonders stark, aber zumindest für dieses Wochenende war es super positioniert.

Ich kann trotzdem nur empfehlen, das Deck mal auszuprobieren, weil Spaß macht es auf jeden Fall. Ich dachte nicht, dass man in der modernen Magic-Ära noch so ein altmodisches Control-Deck spielen kann, das einfach alles countert. Aber der verzweifelte Blick des Gegners, wenn er Thoughtseize auf euch spielt und auf eurer Hand drei Dissolve, zwei Ojutai’s Command und ein Clash of Wills sieht, entschädigt für so einiges.

Ich bin auch optimistisch, eine vergleichsweise gute Liste gefunden zu haben. Viele Slots in dem Deck sind verhandelbar (siehe oben), aber ich denke man will auf jeden Fall zwei bis drei Elspeths, um die zwölf Counterspells (darunter die vollen vier Clash of Wills) und unbedingt alle Digs und Jaces, die man legalerweise spielen darf. (Ernsthaft, an diesen Slots rumzucutten ist purer Wahnsinn.) Ob man dann Ugin oder Dragonlord Ojutai, Divination oder Jace’s Ingenuity spielt, ist mehr eine Detailfrage. Senor Ojutai finde ich im Moment nicht besonders toll positioniert, aber aus dem Sideboard heraus könnte ich ihn mir schon vorstellen.

Wer gerne noch mehr zu dem Deck erfahren möchte, dem sei dieses Video von Thoralf „Toffel“ Severin sehr ans Herz gelegt. Die von ihm verwendete Liste finde ich zwar nicht so toll, seine Plays aber umso mehr, also wenn Ihr das Deck gerne mal in Aktion sehen wollt, wäre das wahrscheinlich ein guter Anhaltspunkt. Ansonsten wisst ihr ja, wo es zu den Comments geht. Ich hab zwar schon viel mehr über dieses dumme Deck geschrieben, als ich eigentlich vorhatte, aber irgendwelchen Quatsch kann ich mir bestimmt noch aus den Fingern saugen. :)

Bis bald!
Flo

4 Gedanken zu „UW Control in Prag (*37.*)

  1. Lord Sonntag

    Ich finde das UW Control Deck auch super! Allerdings würde ich die Divination für Anticipate cutten, da Anticipate Instant ist und besser nach Ländern sucht. Kann später auch nach Antworten oder finishern suchen. Für mich klar die bessere Wahl.
    Fated Retribution gefällt mir sehr gut, da es auch Planeswalker instant erledigt. Einmal würde ich es auf jeden Fall noch im Sideboard lassen!
    Hast du schon mal über Sphinx Turtelage im Sideboard nachgedacht? Im Mirror hat der Gegner oft nicht viel um sie zu händeln und sie gewinnt mit einer ganz passablen Geschwindigkeit.

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  2. Mario Haßler

    Sehr interessanter und vor allem lesenswerter Bericht — und das sage ich als absoluter Nicht-Turnierspieler! Besser kann man das kaum schreiben! (Zum Deck usw. kann ich freilich nichts sagen…)

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  3. handsome Beitragsautor

    Lord Sonntag: Möglich, dass Anticipate besser ist. Aber Divination erwirtschaftet Kartenvorteil, ich hatte das Gefühl, das fehlt dem Deck noch ein bisschen. Über Sphinx’s Tutelage hatte ich nachgedacht, aber am Ende wollte ich lieber flexiblere Karten haben, die ich auch in anderen Matchups bringen kann. Das Problem an der Tutelage ist auch, dass sie erst dann was macht, wenn der Gegner zu Ende gemühlt ist – sprich sie kumuliert nicht mit den Schadensquellen im Deck, was Removal auf die Tutelage nur umso effektiver macht. Kann aber gut sein, dass sie’s trotzdem wert ist, weil sie zumindest in der Theorie eine sehr cleane Win-Option ist, klar.

    Ormus: Ja, bin da im Urlaub. Wie man’s so macht als Münchner, der mit dem Oktoberfest nicht viel anfangen kann. 😉

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