Casual – das bessere Magic?!

„Neulich“ gab es eine Neubesetzung der Redaktion bei magicuniverse.de. Andreas Pischner, in der Szene allseits bekannt, hat das Ruder übernommen und will/wollte einiges ändern. Natürlich zum positiven. Insbesondere hat er sich auf die Fahne geschrieben, das Artikelangebot auszubauen und qualitativ zu verbessern. Auch ich bin seinem Aufruf nach neuen Autoren gefolgt und habe eine Deckvorstellung, im Zusammenhang mit der Vorstellung des Duell Commander Formats, angeboten. Nach einem kurzen, aber ausfühlichen Mailverkehr, habe ich das ganze dann sein lassen – Andreas möchte nämlich eigentlich keinen „Casual“ Inhalt. Dies liest man auch immerwieder dirket oder zwischen den Zeilen in seinen Artikeln. Zuletzt am 03.09.2014 im Abschnitt „In eigener Sache“. Darin äußerte er „Es kann nun einmal absolut jeder ein EDH-Deck zusammenstellen, welches sich an keinerlei objektiven Anforderungen messen lassen muss – und es tut ja schließlich auch absolut jeder EDH-Spieler!“

Diese Aussage nehme ich mal zum Anlass meine Sichtweise zu beschreiben, warum ich Magic, respektive Commander spiele.

Ich hatte vor Urzeiten, genauer 1995, meinen ersten Kontakt mit dem Spiel. Ältere Mitschüler spielten es in einer Hohlstunde. Damals fazinierte mich vor allem die Fantasiebilder. Ein paar Starterpacks und Booster später hatte ich einen eigenen Kartenpool und baute die berühmten Haufen. Die Karte Terror war einfach krass vom Powerlevel für uns Kiddies. Nach Zockerei mit Freunden verlief sich das Interesse an den Pappkarten wieder und sie verschwanden in einem Schuhkarton.
Mein Wiedereinstieg fand zu Lorwyn mit einem geliehenen Standard Deck bei einem FNM-Turnier statt. Aus dem Stand wurde ich Dritter. Es folgten regelmässige Drafts, bei denen ich naturgemäss ersteinmal viel Lehrgeld zahlen musste und weitere Prerelease/Release/FNM-Standardturniere. Auch Legacy hatte ich in dieser aktiveren „Turnierzeit“ angespielt. Das Finale war dann zur Deutschen Meisterschaft in Aschaffenburg 2010. Dort trat ich beim Two-Headed-Giant Sealed Turnier an. Hier ging es den Gegnern naturgemäss ums „siegen“ – gerne auch um jeden Preis. Dafür war es auch recht jede Menge „Trashtalk“ zu benutzt, um die Gegner aus der Ruhe zu bringen und zu Fehlern zu verleiten. Dies war für mich ein einschneidenes Negativerlebnis, bei dem ich meine Lust an der Turnierszene verlor. Viele Turnierspieler fanden dieses Verhalten noch nicht mal „unsportlich“, sondern meinten, man müsse das halt einfach „abkönnen“.
In der Folge besuchte ich immer unregelmäßiger Prerealeseturniere. Das einzige was mich noch anzog waren die im Rahmen des Gatewaypromoprogramms eingeführte „Casual“ Format. Hierüber habe ich in der Vergangenheit geschrieben.
Irgendwann kam ich in Berührung mit EDH, bevor es Commander hieß. Ich bin seitdem Teil eines regelmässigen Stammtisches von Commanderspielern. Für uns steht die Geselligkeit und einen guten Abend zu haben im Vordergrund. Naturgemäss gehört es zu Magic dazu, dass es ums Gewinnen geht, aber eben nicht um jeden „sozialen“ Preis. Spieler die keinen sozialen Umgang an den Tag legten wurden aus der Gruppe ausgeschlossen.

Um was geht es in Magic? Wir alle haben es schon erlebt, dass wir einfach unheimlich gerne an Decks rumtüfteln, testen und uns wie ein Schneekönig freuen, wenn ein Deck rundläuft. Wir alle erzählen gerne von den epischen Spielen, die man Dank coolen Karteninteraktionen noch rumgerissen hat, obwohl man bereits auf 1 Leben war. Um es auf den Punkt zu bringen, es geht darum bei dem Spiel eine gute Zeit und Freude zu haben. Dazu ist es ja schließlich ein „Spiel“!

Andreas war in der Vergangenheit schon oftmals über die Magicszene, Wizards und Gott und die Welt „unzufrieden“. Er hat damals seinen Magicblog stillgelegt und wollte sich aus der „Magicöffentlichkeit“ zurückziehen. Jetzt 2014 übernimmt er die Redaktion von magiuniverse.de – Eine umfangreiches und gewiss auch undankbares „Ehrenamt“. Bei seinem letzten M15 Draft erhält man beim Audiokommentar den Eindruck, dass sich Andreas mit dem Spiel „abquält“. Er beschimpft immerwieder das Programm, den Mitspieler etc. etc. Mag ja alles irgendwo nachvollziehbar sein, aber mich beschleicht hierbei auch das Gefühl, dass ihm Magic einfach keinen Spaß mehr macht. Andreas macht sich große Mühe, verfügt über ein großes „Magicwissen“ und kann „schreiben“.
Auf der anderen Seite urteilt er über Menschen, die Freude an einem weniger „turnierorienterten“ Magic haben. Ich lese gerne Artikel über Commander. Natürlich bedarf es hier mehr, als einer nackten Deckliste, sondern vielmehr einer ausfühlichen Beschreibung der Interaktionsmöglichkeiten, Funktionen usw. Auch dies kann man zu einem spannenden und lesenswerten Artikel ausarbeiten. Und es ist eben nicht so, dass jedes Commanderdeck rund läuft, vielmehr kristallisiert sich auch hier die optimale Zusammenstellung erst nach vielem Spielen (für Turnierspieler: testen) heraus. Casual ist also nicht „schlechter“ als Turniermagic, – den Magic ist für alle Spieler da, die sich an diesem Spiel erfreuen und dieses in ihrer Freizeit ausüben!

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10 Antworten auf Casual – das bessere Magic?!

  1. Holger sagt:

    Genau so ist es! Geiler Artikel, ernsthaft, sowas hab ich schon lange mal lesen wollen. IN Zeiten von Netdecken und einem Überangebot an Magic-Seiten und Artikeln sowie dem Austausch der Spieler weltweit, die jedes Limited-Format gemeinsam einfach sehr schnell brechen, ist eine entspannte Casual-Runde doch genau das, was uns an den Kern des Spiels zurückbringt! Pischners Artikel wirken gezwungen, seine Anti-Alles-Einstellung wirkt gezwungen – also danke an dich, Vulcano, dass du deinen Artikel trotzdem nicht in die Tonne getreten hast. Da gehören eher andere Beiträge rein. Armes magicuniverse…..

  2. schizzo1985 sagt:

    Und nu?
    Grundsätzlich stimme ich dir zu, Casual ist sehr wichtig und es fehlt an guten Artikeln in dem Bereich. Ich hatte eigentlich gehofft, hier so einen zu finden, aber dann war dein Blog Eintrag plötzlich zu Ende.
    Das Problem an Casual Artikeln ist aber, dass jede Casual Gruppe eigene Gesetze hat und folglich andere Richtungen geht. Für die einen sind Powered Commander in Ordnung, in denen Turn 3 rumgecomboed wird, andere spielen komplett ohne Landzerstörung, discard, counter oder andere „Spielspaß störende“ Dinge.
    Andreas Pischner möchte eine möglichst breite Leserschaft mit den MU Artikeln ansprechen, das erreicht man nicht mit Random Casual Artikeln. Ich kann seine Haltung verstehen. Ich bin sicherlich in vielen Dingen anderer Meinung als er, aber in dem Bereich stimme ich einfach zu. Casual Artikel können gerne als Blog veröffenltlicht werden. Richtig richtig gute Casual Artikel, die weit über eine Deckvorstellung hinausgehen, können auch mal auf einer offiziellen Seite landen. Aber solche werden nun mal so gut wie nie geschrieben.

    Veröffentliche doch einfach mal hier deine Commander Deckvorstellung. Dann können wir dir Feedback geben und falls es uns vom Hocker haut, geben wir dir auch entsprechendes Feedback.

    • vulcano sagt:

      Den ursprünglich geplanten Artikel werde ich noch Schreiben und an dieser Stelle hier präsentieren.

  3. Zeromant sagt:

    Warum setzen Leute immer wieder solche Unwahrheiten in die Welt? Ich verstehe es nicht.

    „Andreas möchte nämlich eigentlich keinen “Casual” Inhalt.“ (für Magic Universe)

    Das ist nichts weniger als eine glatte Lüge! Ich weiß zwar nicht, wer sich hinter dem Nick „vulcano“ verbirgt, denn tatsächlich trifft die Beschreibung des Autors von unserem Mailverkehr auf mindestens drei Leute zu, aber ich habe jedem einzelnen dieser Kandidaten unmissverständlich gesagt, dass ich Casual- (und, spezieller, EDH-)Artikel WILL. Nur eben keine schlechten! Ich habe auch immer ganz spezifische Vorschläge gemacht, wie solche Artikel aussehen könnten. Zurück ist aber nie etwas gekommen.

    „Casual ist also nicht “schlechter” als Turniermagic“

    …im englischen Sprachraum nennt man so etwas einen „Strawman“; ein überzeugendes Argument in einer Sache, die überhaupt nicht das Thema ist! Es ging nie darum, ob Casual oder Turniermagic „besser“ wäre. Es ging einfach nur darum, gute Casual-Artikel zu bekommen; und das scheint nicht möglich zu sein, weil mir alle potenziellen Autoren ausschließlich diese sinnlosen EDH-Deckvorstellungen anbieten.

    Wo ich über Menschen „urteile“, die weniger turnierorientiert spielen, sollte mir der Autor dieses Eintrags auch einmal zeigen. Ich stelle lediglich die Tatsache fest, dass aus dieser Szene offenbar kaum geeigneten Autoren kommen. Ist das ein „Urteil“?

    Die blödsinnige Diskussion darüber, ob Casualspieler mehr Spaß am Spiel haben als Turnierspieler muss hier nicht schon wieder geführt werden. Selbst WENN sie mehr Spaß hätten, tangierte dies nicht im geringsten den einzigen Sachverhalt, um den es mir geht: Ich bekomme keine guten EDH-Artikel angeboten. Das ist alles.

    • vulcano sagt:

      In meiner ersten Mail habe ich auf meinen Magicblog hingewiesen, du kannst mich also „zuordnen“ – ich versteck mich nicht in der Anonymität – ich steh dazu was ich hier schreibe. Die anderen beiden „Schreiber“ brauchen daher ja auch nicht in Ungnade fallen.
      Das Thema „sozialer“ Umgang wurde jüngst von Iris Schwarz und auch teilweise von Nico Bohny in deren Artikel aufgegriffen. Und da passt dies nunmal „dazu“. Casual vs. Turniermagic.
      Wer den letzten M15 Draft von Andreas gesehen hat erlebt, wie er sich über unsoziales Verhalten seitens des Gegners aufregt, gleichzeitg defamiert er mit Beschimpfungen „ebenfalls“ immer wieder. Dies ist schlechter „Stil“ / „Manieren“. Das hättest du besser lösen können.
      Du fühlst dich angegriffen, das ist okay,das war auch beabsichtigt 😉 Du teilst ja auch gerne gegen jeden und alles aus… also musste auch mal einstecken 😉 Es ist alles gesagt. Jeder hat ein Recht auf seine Meinung.
      Edit: Übrigens trotzdem Daumen hoch für dein Engagment auf magicuniverse.de – man muss nicht in allen Belangen einer Meinung sein.

  4. atog28 sagt:

    Pro:
    + kann Standard richtig schreiben
    + angenehmer Schreibstil
    Con:
    – Titel liess mehr erwarten (clickbait?)
    – bashing nicht so interessant für mich

  5. Lord Sonntag sagt:

    Ich mag Casual auch sehr gerne, weil man da mal vom Mainstream von Modern und Standard wegkommt und mal ganz andere Spielerlebnisse hat. Ich experementiere in Modern sehr gerne mit Karten, die man so nie in dem Format erwartet hätte. So habe ich z. B. ein U/W Polymorph Combodeck gebaut. Das Gesicht meiner Gegner war göttlich als sie Turn 4 gegen Emrakul ran mussten. 😉
    Sowas passiert nicht allzu häufig, aber doch öfter als ich erwartet habe. Die Combo kommt meist später, bis dahin kontrolliere ich den Gegner und suche meinen Polymorph oder die Tokenmacher.
    Mit so ausergewöhnlichen Decks bringt man mehr Abwechslung und Spaß in ein so dermaßen festgefahrenes Format wie Modern.

  6. SDF sagt:

    wer sich an Pischner als Redakteur wendet, ist selbst Schuld. Seit dem er bei MU ist, kauf ich dort nicht mehr ein… ich bezahl doch nicht für den – soweit kommt es noch … nutze diesen Blog, den lesen eh mehr. Und wenn du am Ende über pischner meckerst, kriegst du auch mehr Kommentare (leider ca. 75% von ihm ;))

  7. daxx98 sagt:

    „Spieler die keinen sozialen Umgang an den Tag legten wurden aus der Gruppe ausgeschlossen.“
    Made my day. Ich glaube das nennt man widersprüchlich.
    Klingt auch so, dass eure Casualrunden echt Spaß machen müssen.

  8. Manu sagt:

    Ich hab auch ehrlich gesagt mehr Tiefgang im Artikel erwartet nach der Überschrift, aber der Artikel gefällt mir schon ganz gut. Und wirklich spannend, dass ein Artikel, in dem der Name Pischner in Verbindung mit ein wenig Kritik fällt, plötzlich endlos viele Comments hat :-)
    Ich denke, dass Casual vs. Turniermagic nicht beantwortet werden kann, was den Spaßfaktor betrifft. Klar ist entspanntes Kartenschieben oft lustiger als angespanntes Turniermagic. Aber so ein Round-9-win-and-in-Spiel bei einem GP zu gewinnen ist dann halt auch nochmal ne ganz andere Nummer als mit Kumpels rumdödeln :-)
    @volcano: weiter so! @volcano & Pischner: Geht doch mal zusammen ein Bier trinken und streitet euch nicht online. Wobei, mit Pischner Bier trinken? Könnte anstrengend sein..

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