Auf zu neuen Ufern

Es ist Freitag und ich hab seit längerem mal wieder Zeit den Draft im Laden der Wahl mit meiner Anwesenheit zu beehren. Da der Draft bereits 16.00 Uhr startet, rechne ich nicht damit viele Gleichgesinnte anzutreffen. Weit gefehlt, ganze 21 Spieler haben sich eingefunden. Nach einer kurzen Diskussion über die Tischgrößen(10 und 11 vs. 8,7 und 6) nehme ich am 6er Tisch platz. Keine ideale Vorraussetzung, aber wir reden es uns gemeinsam schön.

Der erste Booster ist unspektakulär, ich picke Zornblütiger Schamane und hoffe auf Minotauren. Die nicht kommen. Einen Magmastrahl und Akroischer Hoplit später denke über ein schnelles RW nach. Den Plan kann ich ein paar Picks später auch begraben, als sowohl rote als auch weiße Karten durch Abwesenheit glänzen. Ich bekomme ein Ende der Reise als 10. Pick und danach Auftauchender Hippokamp. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass blau den ganzen Draft über offen war. Genauso wie grün. Leider führt mich eine Elspeth, Auserwählte der Sonne im zweiten Booster in Versuchung und ich spähe wieder nach weißen Karten. Erfolglos, dafür bekomme ich Titan des ewigen Feuers und Seherische Dämpfe geschoben. Dann eben rot und blau. Dabei bin ich den Rest des Drafts geblieben.
Im Nachhinein stellte sich heraus, dass auf beiden Seiten neben mir rot gedraftet wurde, einmal in Verbindung mit weiß, einmal mit schwarz. Das erklärt, warum sich mein Removal auf den einen Magmastahl beschränkte. Die Beiden sind mit ihren Picks auch nicht wirklich glücklich, zeigen mir aber einige gute Karten. Ich bin ein wenig angeschlagen, ahne aber noch nicht, dass ich gegen Beide werde spielen müssen.

Unzufrieden setze ich mich an den Deckbau und versuche vergeblich für Elspeth einen Platz zu finden. Schließlich redet mir ein erfahrener Spieler ins Gewissen und sie wird zusammen mit dem extra für sie gepickten Opaleinhorn auf die Ersatzbank verbannt 🙁 . Danach zittere ich mit dem folgenden Haufen meiner ersten Partie entgegen:

Dunstgeschöpf
Todessenken-Plünderer
Umherstreifender Satyr
Zornblütiger Schamane
Nimbus-Najade
2 Kundige Flammenseherin
Zweiköpfiger Zerberus
Zauberherz-Chimäre
Gesandter des Purphoros
Auftauchender Hippokamp
2 Grenzland-Minotaurus
Hellsichtige Chimäre
Erinnernde Mauer
Ausschweifende Zelebranten
Titan des ewigen Feuers

Magmastrahl
2 Ende der Reise
Seherische Dämpfe
Rache der Meeresgöttin
Schatz der Thassa

10 Gebirge
7 Insel

Im Nachhinein wäre es besser gewesen statt Erinnernde Mauer und Schatz der Thassa Drachenumhang und Tritonier-Glücksjäger zu spielen, auch die Länderverteilung finde ich nicht mehr optimal.

Zu Beginn der ersten Runde male ich mir keine großen Erfolgschancen aus, spiele dementsprechend, ziehe viele Länder und werde von Gesandter des Erebos und Andenkensammelnde Gorgo eingestampft. Das grünschwarze Deck meines Gegenübers scheint mir um längen besser zu sein. Deshalb gebe ich die Runde in Gedanken verloren und boarde Elspeth, Auserwählte der Sonne zusammen mit Opaleinhorn, Triumph über das Böse und drei Ebenen ein. Dafür gehen zwei Gebirge, eine Insel, Schatz der Thassa, Umherstreifender Satyr und die Erinnernde Mauer. Entgegen aller Erwartungen gewinne ich die nächsten Spiele, da mein Gegener jeweils nur zwei Länder findet und mich die Ebenen in meinem Spielfluss nicht stören :). Elspeth habe ich in keinem Spiel gesehen.

Beflügelt von meinem Sieg schmeiße ich die weißen Karten für das nächste Match wieder aus dem Deck und werde mit einem schnellen Sieg belohnt. Mein linker Draftnachbar spielt blau uns schwarz mit einem Rotsplash für Blitzeinschlag. Den boardet er dann direkt gegen mich raus, während ich mich entschließe Abstreiten eine Chance zu geben. Im zweiten Spiel halte ich eine Hand mit rotem Mana, drei roten Sprüchen ab Runde 3 und 4 sowie Ende der Reise und Hellsichtige Chimäre. Ich ziehe weitere 4-Dropps und kann in Zug 5 mein drittes rotes Land legen. Ich spiele meine Kundige Flammenseherin, welche sich direkt ein Removal einfängt und werde weiter vom Dunstgeschöpf verhauen. Als ich das 4. Land ziehe bin ich faktisch schon tot. Spiel 3 stellt dann nur eine Wiederholung dar. Ich sehe das als ausgleichende Gerechtigkeit und hoffe, dass die Managötter mir in Runde 3 wieder holt sind.

Letzte Runde und letzter Gegner – mein Nachbar von rechts. Er spielt rote und weiße Männer, die sich im ersten Spiel aber nicht zeigen. Wir haben beide eine menge Länder, ich spiele in Zug 4 Magmastrahl auf ihn, einfach nur um zu scryen. Nicht elegant, aber ich kann zumindest ein Gebirge unter meine Bibliothek legen. Die andere Karte ist Schatz der Thassa, welche ich Zug 6 ausspiele und mir mit Erinnernde Mauer zurückhole. Nebenbei mühle ich dem Gegner seine ganzen Flieger in den Friedhof. Er hat keinen Blocker für die Zauberherz-Chimäre, deren Stärke auf 5 anwächst und ihn zusammen mit trampelnden Minotauren vermöbelt. In diesem Spiel hatte ich das einzige Mal im Tunier Elspeth auf der Hand, da ich ausversehen meine weißen Karten mit eingemischt hatte. Die Ebenen hab ich aber leider nicht gezogen :D. In Spiel 2 finde ich keine Insel und werde von Sagenhafter Held mit bestandener Prüfung des Heliod besiegt. Spiel drei ist wieder kein Spiel, mein Gegener hat nur 3 Länder während ich in Umherstreifender Satyr, Kundige Flammenseherin und Grenzland-Minotaurus, auskurve, danach ein Dunstgeschöpf lege und ihm Zug 6 mit einer getoppdeckten Rache der Meeresgöttin seine Blocker auf die Hand gebe.

Mit meinem 2-1 bin ich abschließend sehr zufrieden, dass ist besser als ich gedacht hätte. Bemerkenswert finde ich auch, dass ich kein Spiel mit Elspeth in der Bibliothek verloren habe 😀 .
So, das war mein erster Blockeintrag. Puh, es ist echt nicht leicht einen Anfang zu finden. Ich würde mich sehr über Anregungen, Verbesserungsvorschläge und eure Drafterfahrungen in den Kommentaren freuen. Als nächstes werde ich mich an einem Blogtext zu meinen Erfahrungen als Modo-Neuling versuchen.

Bis demnächst, knuffel

12 thoughts on “Auf zu neuen Ufern

  1. Tigris

    Hi wilkommen hier immer wiede rschön wenn neue Leute zu schreiben beginnen.
    Zu deinem Deck:
    Du hast nur 3 billige Instants und Spontanzauber, da ist die Mauer und vor allem die Zauberherz Chimäre nicht so besonders toll.
    Die zwei Änderungen die du sagst sind sicher schonmal gut. (wobei du nicht so viel zum heroic auslösen hast und schon viele 3 Drops hast aber dennoch besser als 5 und 6 dropps).
    Was hattest du denn sonst noch im Sideboard?
    Der Titan ist in dem Deck (nur einen Menschen) auch nicht so toll, und deine Kurve sieht schon etwas hoch aus.

    Auch solltest du NIE eine Doppelfarbige Karte splashen die Chance dass du 2 der 4 Manaquellen dafür hast ist viel zu gering!

    Auch ist der 6 Mana Removal auch nicht so besonders toll, da er das Deck weiter verkloppt…
    (gerade wenn du einen 2 Drop raus nimmst).

    Viel mehr kann ich ohne das Sideboard zu sehen nicht sagen, ich hoffe das hat dir ein wenig geholfen.

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    1. Pitti Platsch

      Ein Einblick ins Sideboard ist sicher gut, so kann man sicher beurteilen was man hätte anders machen können.

      Die Zauberherz-Chimäre find ich jetzt nicht allzu schlimm (im Schnitt sollte sie 2/3 sein, was OK ist) und Titan des ewigen Feuers seh ich jetzt als 6-Mana 5/6 Mann, was auch OK ist. Das mit den Menschen ist IMHO nur ein netter Bonus.

      Das mit dem Weißsplash find ich schon gar nicht soo schlecht, auch wenn du zwei von vier weißen Quellen für die Elspeth ziehen musst. Dafür sollte sie aber auch das Spiel gewinnen. Wenn du aber weiß reinsplashst solltest du dich auch richtig auf das späte Spiel einrichten, und dein Deck eher kontrollig ausrichten. So ziehst du einfach irgendwann die zweite Quelle für Elspeth.

      Da sollten die aggresiven Karten raus, die nicht so gut blocken (Todessenken-Plünderer, Dunstgeschöpf, vllt. auch Ausschweifende Zelebranten), und die Kontroll-Karten drinbleiben (Schatz der Thassa, Erinnernde Mauer). Weiterhin brauchst du frühe Verteidigung (z.B. Wächter von Meletis, wenn du hast) und im Besonderen sollte der Umherstreifende Satyr drinbleiben, damit der früh mit irgendwas abtauscht (das machen deine anderen 2-Drops nämlich nicht). Ein früher Drop, der irgendwas aufhält ist auch besser als Triumph über das Böse, denn du musst versuchen gegen die schellen Decks nicht früh umzufallen. Das späte Spiel solltest du über den Kartenvorteil zu gewinnen.

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      1. Tigris

        Die Zauberherz Chimäre ist vielleicht im späten Spiel im Schnitt 2/3 aber Zug 3 gelegt ist sie 0/3 . Das Deck hat nur 3 Instants die früh gespielt werden…

        ein 5/6 für 6 Mana ist ok, aber in einem schnellen Format in einem sonst schon langsamen Deck einfach nicht besonders gut…

        2/4 Quellen ziehen, wobei eine der beiden auch noch gekillt werden kann ist ganz und gar nicht ok… Vor allem wenn man eine tote Handkarte mehr hat mit der man versucht zu überleben oder Manascrewt war am Anfang weil man 1 weisses Mana hatte anstatt ein blaues/rotes etc.

        Ausserdem gewinnt sie das Spiel auch nicht einfach nur so, wenn man sonst nichts gemacht hat…

        Ansonsten has du schon recht, man muss versuchen zu stallen, bzw. zu überleben, aber dafür fehlen auch irgendwie Karten.

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      2. knuffel Beitragsautor

        Wahrscheinlich hätte ich mich entscheiden müssen, ob ich ein tempo- oder controllorientiertes Deck will.
        Mein Sideboard ist ziemlich unspektakulär, aber ich kann die Karten in Farbe ja mal auflisten:
        Dragon Mantle
        2 Messenger’s Speed
        Annul
        Gainsay
        2 Demolish

        Priest of Iroas
        Opaline Unicorn
        Triton Fortune Hunter
        Coastline Chimera

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  2. Rob Anybody

    Guter Blogeintrag!
    Deutsche Karten lesen sich immer etwas steif, aber dafür kannst du wohl nix. Und korrekte Rechtschreibung und Grammatik kann man gar nicht hoch genug wertschätzen. Daumen hoch!
    Und ich möchte auch mal in einer Runde draften, wo ich Ende der Reise noch als 10. Pick bekomme ^_^

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    1. knuffel Beitragsautor

      Vielen Dank!

      Stimmt, deutsche Kartennamen sind immer merkwürdig. Ich werde in Zukunft einfach die Englischen benutzen 🙂

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  3. Zeromant

    „Im Nachhinein wäre es besser gewesen statt Erinnernde Mauer und Schatz der Thassa Drachenumhang und Tritonier-Glücksjäger zu spielen, auch die Länderverteilung finde ich nicht mehr optimal.“

    Das war schon eine sehr treffende eigene Analyse! In diese Richtung musst Du denken. (Den Kommentar von Pitti Platsch hingegen solltest Du besser kompletgt ignorieren; der ist geradezu gemeingefährlich.) Allerdings ist in diesem speziellen Deck Thassa’s Bounty vermutlich sogar noch besser als eine Deiner zahlreichen Kreaturen für 4+ Mana – diese Quote hast Du bereits übererfüllt, während die Bounty Dir in einem der wenigen zu erwartenden langsameren Matchups einen Vorteil verschaffen kann, generell nach Lösungen gräbt (insbesondere Sea Gods‘ Revenge) und die Chimera stärkt. Ein gelungenes Deck würde diese Karte nicht wollen, aber wenn Du nicht noch zahlreiche weitere gute Karten im Sideboard hast, musst Du bei Deinem Konzept bleiben, das leider zu viele teure, aber nicht allzu durchschlagkräftige Kreaturen beinhaltet. Außer Purphuros’s Emissary und Prescient Chimera ist da nichts, was ich aktiv in einem Deck haben wollte: Ein oder zwei davon als Füller sind noch okay, aber in dieser Ballung verkloben sie Dein Deck erheblich.

    Du scheinst ernsthaft daran interessiert zu sein, Dich zu verbessern – das ist nicht selbstverständlich! Um sinnvolles Feedback zu erhalten, solltest Du auf jeden Fall beherzigen, was bereits angesprochen wurde: Englische Kartennamen verwenden, und das Sideboard ebenfalls auflisten.

    Wenn Du auf Magic Online draftest, hast Du in den Einstellungen die Möglichkeit, einen Draftrekorder mitlaufen zu lassen. Die solltest Du nutzen, um den Draftverlauf später nachvollziehen zu können. Deine Draftdecks werden auch abgespeichert.

    Für Draftanfänger ist es am sinnvollsten, Swiss zu spielen. Einmal macht man dort bei einer geringeren Gewinnquote am wenigsten Verlust, und zum anderen erhält man die meiste Spielpraxis.

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    1. Pitti Platsch

      Jaah, jetzt bin ich offiziell „dissed by Pischner“ 😉

      Ich wollt jetzt nicht sagen, dass der Weißsplash besser ist, als die zweifarbige Variante. WENN man das jedoch tut, DANN sollte mann auch konsequent das Deck kontrolliger bauen und nicht die aggressiven Drops drinlassen, die dich eh nicht verteidigen.

      Mir ist schon klar, dass das evtl. nicht reicht, weil man eben nicht genug Karten hat, um sich mit dem Deck gegen einen frühen Ansturm zu verteidigen, und die Tempo-Variante mit dem Deck wohl besser funktioniert.

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    2. knuffel Beitragsautor

      Danke für deinen Kommentar, ich werde versuchen deine Vorschläge zu beherzigen. Es ist gut Feedback zu bekommen, nur so kann man besser werden 🙂
      Draften ist eine Kunst und ich hab da sicher noch viel Luft nach oben 😀
      Ich werd gleich mal schauen, ob Modo wirklich alles speichert, bis jetzt hab ich nur einen Phantomsealed für neue Spieler gemacht. Das wär toll, dann könnte ich das in den nächsten Eintrag einbauen….

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  4. Zeromant

    Jetzt, wo Du weitere Sideboardkarten aufgelistet hast: Annul und Coastline Chimera hätte ich gegenüber zum Beispiel Breaching Hippocamp und Wild Celebrants im Hauptdeck bevorzugt. Die Chimera ist besser, als viele zuerst denken, und Annul ist besser als eine weitere teure Kreatur. die nicht wirklich etwas macht, und als weiterer Instant erhöht er wiederum den Wert Deiner anderen Chimäre. Zwingende Hauptdeckkarten in einem rundum gelungenen Draftdeck wären sie aber auch beide nicht.

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